No Dope! Wann wird Leistungssteigerung zum Betrug?

bergleben.de am 21.07.2010 - 11:54 Uhr
No Dope! Wann wird Leistungssteigerung zum Betrug?
Endlich ist Wettkampftag. Wochenlang hab ich mich vorbereitet und hart trainiert. Doch irgendwie fühle ich mich heute nicht so gut. Schon beim Start habe ich ein ungutes Gefühl und beim schwersten Anstieg passiert es: Mir geht die Puste aus. Mit letzter Kraft kämpfe ich mich den Berg hoch und muss zusehen, wie die anderen reihenweise an mir vorbeiziehen. Nach dem Rennen ärgere ich mich schwarz. Das wochenlange harte Training: Alles für die Katz. Doch was hätte ich machen können? Hätte es Mittel gegeben, mit denen ich die schlechte Tagesform hätte kompensieren können? Oder ist das schon Doping? Wo fängt Betrug im Sport eigentlich an?

Wo ist die Grenze?
Ich schlage den Begriff zunächst nach: Laut World-Anti-Doping-Agency (WADA) ist Doping "das Vorhandensein einer verbotenen Substanz, seines Metaboliten oder eines Markers in Körperbestandteilen eines Athleten", sowie "die Verwendung von Substanzen aus den verbotenen Wirkstoffgruppen und die Anwendung verbotener Methoden, usw." Doch kann man eine feste Grenze zwischen legaler Leistungssteigerung und Doping ziehen? Ich frage weiter nach, diesmal bei einem Experten. Prof. Dr. Völker, Direktor des Instituts für Sportmedizin in Münster, weiß: "Die Grenze ist fließend. Die Frage 'Wo fängt Doping an?' gibt es nicht, eine scharfe Grenze kann man auf keinen Fall ziehen. Einfache Nahrungsergänzungsmittel, die im Grunde eine legitime Leistungsunterstützung sind, haben in einigen Bereichen diese fließende Grenze schon überschritten. Bestes Beispiel ist das Kreatin, ein legales Nahrungsergänzungsmittel, dem ein leistungssteigernder Effekt nachgewiesen wurde. Hier herrscht seit langem die Diskussion ob dies noch Leistungsunterstützung oder bereits Doping ist."


"Selbstmord ist in unserem Staat auch nicht verboten"
Die Frage nach der Grenze zum Doping ist nicht die einzige, der man sich stellen muss. Ist Leistungssteigerung im Breitensport, in dem ich kein Geld verdienen kann, überhaupt ethisch verwerflich? Professor Völker findet hierzu einen drastischen Vergleich: "Selbstmord ist in unserem Staat auch nicht verboten. Natürlich schädigen die Leute sich damit systematisch. Die Frage der persönlichen Ethik ist allerdings schwer zu beantworten. Für mich selbst ist die ethische Grenze bei jeder Form von Doping weit überschritten, egal ob ich selbst leistungssteigernde Mittel zu mir nehme oder es bei jemand anderem mache. Es ist Medikamentenmissbrauch."

Anabolika dominieren Dopingmittel im Breitensport
Bleibt die Frage womit sich Leute im Breitensport überhaupt dopen. Schließlich hat nicht jeder einen Dr. Fuentes in seinem Adressbuch stehen. Gibt es also Hauptdopingmittel im Amateurbereich? "Ja", lautet die eindeutige Antwort von meinem Experten, "im Breitensport herrscht eine eindeutige Dominanz der Anabolika bzw. anabolen Steroide. Andere Arten wie zum Beispiel Stimulanzien spielten früher eine größere Rolle, sind heute aber eher wenig von Bedeutung."

Nebenwirkungen interessieren nicht
Anabolika oder anabole Steroide sind meistens Abkömmlinge des männlichen Testosterons. Sie bewirken ein verstärktes Muskelwachstum in Relation zum Training und verbessern die Regenerationszeit des Körpers. Ich bin also in der Lage, mehr zu trainieren und meine Muskeln zusätzlich überdurchschnittlich schnell aufzubauen. Man nennt das auch die anabole Wirkung. Allerdings nehme ich laut Professor Völker mit der Einnahme von anabolen Steroiden auch einen "Eingriff in die Achse der Geschlechtshormonsteuerung" vor. Die Nebenwirkungen reichen von Kinn- und Wangenknochenwachstum über Akne bis hin zu Verweiblichungserscheinungen wie dem Schrumpfen der Hoden oder Brustwachstum bei Männern bis hin zu Vermännlichungserscheinungen, wie Bartwachstum oder dem Wachstum der Klitoris bei Frauen. "Doch die meisten jucken die möglichen Nebenwirkungen einfach nicht", so der Sportmediziner.

Keine Wirkung von heute auf morgen
Langzeitfolgen entstehen jedoch erst nach mehrmaligem Gebrauch von Anabolika. Wann und wie die Effekte auftreten hängt von der individuellen Empfindlichkeit ab. Gleiches gilt auch für die Nebeneffekte. "Bei manchen bildet sich sofort eine Steroidakne, bei manchen tritt sie verzögert oder gar nicht auf. Daher kann man auch nur von häufigen Nebenwirkungen sprechen, nicht aber von obligatorischen", sagt Professor Völker hierzu.


Hier geht es zum zweiten Teil des Artikels!
Kommentar eingeben:
Name:
Emailadresse:
Homepage:
Code:
Bitte den Code eingeben:
Kommentar:
 

ANZEIGE

ANZEIGE

Weitere Fragen und Antworten zum Thema Mountainbike finden Sie auf www.sportlerfrage.net

www.sportlerfrage.net: Die große Ratgeber-Community für gute Fragen und hilfreiche Antworten