Samstag 31. Mai 2008, 22.00 Uhr, Jürg Buchli aus Paris

Jürg Buchli am 31.05.2008 - 22:25 Uhr
Vorerst einmal ganz herzlichen Dank an all meine Freunde, die mir mündlich und schriftlich gute Wünsche auf den Weg gegeben haben. Ich bitte um Verständnis, wenn ich nicht alle Mails umgehend erwidern kann; sonst wäre ich jetzt noch nicht in Paris.

Letzte Nervosität durch Modifikationen
Gestern Nachmittag versuchte ich mich noch in letzten Anpassungen an meinem Bike. Es zeigte sich wieder wie dankbar der Büromensch und Do-it-yourself-Bike-Mechaniker sein muss, wenn er seinen Profi-Bike-Mechaniker nur Stunden vor der Abreise noch um etwas Hilfe angehen kann. Vielen Dank Marco Savardi in Meilen (www.ciclosport.ch).


Etwas hat schon geklappt
Alles Gepäck hat in den beiden Taschen Platz gefunden. Es ist immer das Gleiche; man müsste einfach früher beginnen, um abschätzen zu können, wie es genau bezüglich Volumen und Gewicht aussieht. Immerhin ist Letzteres bei dieser Reise nur halb so wichtig. Ich werde lediglich die Taschen auf dem Campingplatz hin und her tragen müssen.

Überraschung am Vorabend
So um 16 Uhr erhielt ich ein Mail vom Veranstalter mit der Hauptinformation, dass das Riders Briefing heute (Samstag) Morgen um 10 Uhr stattfindet. Ich ging davon aus, dass ich einiges erfahren würde, lief die Kommunikation zuvor doch eher auf Sparflamme. Mein TGV kam aber erst um 11:30 am Gare de l’Est an. Immerhin musste ich als Einziger mein Bike nicht zusammensetzen wie alle anderen, die mit dem Flieger kamen.

The Staff
Als weitere Information wurde gestern per Mail das Begleitteam bekannt gegeben, unter anderem der Koch Jon (CAN) und der Mechaniker Olivier (FRA). Die allgemeine Lebenserfahrung lässt vermuten, umgekehrt wäre es besser, doch ich bin ganz zuversichtlich. Jon scheint der kommunikativste oder der organisierteste vom Team zu sein. Bereits vor einiger Zeit hat er Menüpläne zugestellt. Es klang alles lecker. Dunkan und Theresa sind die Chefs und Shanny ist die Baggage Police. Alles ganz flotte Typen! Sie kommen gerade zurück von der 120 Tage Afrika Tour.

Start in zehn Stunden
In den letzten Tagen bin ich ein intimer Kenner der Seite www.wetteronline.de geworden. Man gewöhnt sich an die häufigen Aktualisierungen (wohl per Computermodell), die nicht immer nur positiv ausfallen. Die Hoffnung stirbt bekanntlich zuletzt und so hoffe ich noch immer auf möglichst wenig Niederschläge in den ersten zwei bis drei Tagen.

Das Fahrerrudel (noch unüberblickbar)
Vor dem Hotel traf ich gleich Jaco Cotter von Südafrika. 2006 fuhr er Kairo-Kapstadt. Von jener Strecke ist er Karten lesen nicht gewohnt und hat jetzt auch keine dabei. Er führte mich mit dem Velo direkt durch die Rezeption in den Hinterhof zu den 30 Bikes. Laufend treffe ich weitere der 36 Fahrer. Auf jeden Fall ist es eine Riesenmeute. Deshalb muss die Reise auch so lang dauern, sonst kann man gar nicht alle Fahrer persönlich kennen lernen. Ich kann mich nicht erinnern, wann ich das letzte Mal in so kurzer Zeit über 30 Namen lernen musste. Doch geht es allen so. In diesen Situationen wünscht man sich, man hätte das Gedächtnistraining (Mega Memory) von Gregor Staub disziplinierter durchgearbeitet.

Halbe Rennräder, ein Tandem und ein Minivelo
Bikes gibt es natürlich eben so viele wie Fahrer. Sie sind auch gleich vielfältg. Die Vorgaben waren ja: keine Rennräder und keine Fully. Nun, Fully gibt es wirklich nicht, aber die meisten haben große Ähnlichkeit mit (halben) Rennrädern. Es gibt auch ein Tandem und ein Minivelo.

Überraschung des Tages
Jeder Fahrer hat seine beiden Taschen zu packen unter Berücksichtigung, dass er die eine jeden Abend sieht, die andere aber nur an den Ruhetagen.

Aufsteller des Tages
Mit Fred (USA), Jaco (RSA) und Steward (GBR) ging ich zum Mittagessen. Wohin wohl? Ins Istanbul Restaurant, wo wir einen feinen Döner im Baguette assen. Fred und Stewart fahren beide von Istanbul weiter nach Peking. Fred fuhr die Tour d’Afrique auch schon und Stewart den Orient Express. Mir scheint in dieser Gruppe kommt so einiges an Erfahrung zusammen.

Dan Kirby heisst mein "Hotelzimmernachbar"
Bei rund 45% Kanadieranteil war es naheliegend, dass es ein Kanadier sein wird. Nun ist es nicht eingetreten. Doch er stammt aus der zweitgrößten Ländergruppe, den US-Amerikanern. In 2003 ist er um die Welt gefahren, weiss also wie der Hase läuft. So spontan sage ich, er ist o.k. Ob er allerdings schnarcht, kann ich erst morgen berichten.

Most important: Baggage Police
Ich sah mit gemischten Gefühlen der Kontrolle entgegen, sah doch eine meiner Taschen, mindestens rein optisch, sehr groß aus. Umso erleichterter bin ich nun, dass dies überstanden ist und wir morgen losfahren werden mit einer 20-30 km Stadtrundfahrt. Bis zum Abend werden es dann 105 km sein.

Ja, übrigens war ich noch kurz beim Barbier, in einem 100 Prozent Arabershop, wie halb im Orient (7 Euro).

Fortsetzung folgt
Nun hoffe ich, möglichst weit zu kommen, bevor es zu regnen beginnt. Über die Vogesen, durch das Elsass nach Freiburg im Breisgau führt unsere Route, wo wir uns nach rund 600 km wieder in ein Hotelbett legen können.

Bis bald

Jürg Buchli
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