Sonntag, 8. Juni 17.00 Uhr, Freiburg im Breisgau
Jürg Buchli am 09.06.2008 - 11:47 Uhr
Wochenzusammenfassung:
Regen, Regen, Regen: beim Aufstehen, beim Zelt-Zusammenpacken, beim Fahren, beim Zelt-Aufstellen... In einem öffentlichen Blog muss man ehrlich sein, deshalb unterscheide ich zwischen "immer" und "meistens". Es regnete nicht immer, aber mindestens meistens. Wir waren weit entfernt von 10% Sonnenschein! Der Himmel war permanent grau bis dunkelgrau, mit tief hängenden Wolken, teils starkem Nebel. Ab und zu waren die Wolken einfach zu müde, um das kühlende Nass rauszulassen ;-) Unser Gesprächsthema war häufig das Wetter, natürlich der Regen (von Ungarn bis Istanbul wird das eher die Hitze sein). Deshalb ist dieses Stichwort auch in den folgenden Schilderungen kaum zu vermeiden.
Mittwoch, 4. Juni: Ruhetag in Chaumont
Mit Chaumont haben wir die Champagne bereits hinter uns gelassen. Wie erwähnt konnten wir die Zelte beim Aufstellen noch trocknen, was der Stimmung diente. Chaumont ist ein nettes Städtchen, allerdings auf einem Hügel, den es zu erklimmen galt, um zu
- essen
- e-mailen
- waschen
- Sightseeing machen
Das sind so die üblichen Tätigkeiten, neben der Pflege der Räder. Mit Nieselregen ging der Tag gut zu Ende. Dies soll der einzige Ruhetag auf einem Campingplatz bleiben.
Donnerstag, 5. Juni: der unvergessliche Tag
Wir kamen gut weg. Die ersten 40 km waren trocken. Dann der übliche Ablauf: Regenjacke, Regenhose und Überschuhe anziehen. Ein langer Tag über "rolling hills" war angesagt. Dies traf natürlich auch zu; 1.500 Höhenmeter sollten sich bis zum Abend noch ergeben. Die Gegend war wunderschön, alles grün. Kein Wunder bei dem Regen! Ich führte mein Kartenstudium weiter und versuchte, wo immer möglich, bessere, im Sinne von kleineren, Straßen zu finden, was auch wieder bestens gelang. Gegen Abend stießen wir auf die gesperrte Brücke, gingen ein kleines Risiko ein, das sich lohnte. Wir konnten eine nicht ausgeschilderte Umfahrung finden und einige Kilometer sparen. Während nass sein im Prinzip nichts mehr als ein Zustand ist, begann das Abenteuer 10 km vor dem Ziel (km 130): der starke Regen. Wir bogen auf das Sportgelände ein, das Fussballfeld, das Feld dahinter, wo unser Van stand, 40 Taschen lagen auf dem Feld, bedeckt mit einer Blache. Das Gras war gerade nass gemäht worden für uns. Alles klebte. Als erste Gruppe drängten wir uns unter das kleine Partyzelt, um nicht unter der Dachkante zu stehen. Gegen den Wind hatte es natürlich nichts. Es war schnell klar, dass es nicht funktionieren konnte, 40 Zelte aufzustellen im strömenden Regen.
Duschen macht keinen Sinn
Wir fuhren zum Sportstadion, um zu sehen, ob es Alternativen gab. Hotels gab es nämlich, wie wir herausfanden. Wir stießen lediglich auf kalte Betonböden bei den Duschen. Wir wollten die offizielle Organisation nicht zu fest durcheinander bringen und warteten. Noch bevor die ersten erfroren waren, (unterwegs zeigte das Thermometer mal 14 Grad) erfuhren wir, dass wir in das Gemeinschaftzentrum wechseln konnten. Dies war eine große Erlösung, waren doch alle von Kopf bis Fuß durchnässt - bis auf die Knochen. Duschen interessierte niemanden. Man wäre auf dem Rückweg wieder völlig nass geworden. Wir konnten mehr oder weniger trockene Kleider anziehen und auf die Letzten warten. Während wir vor 17 Uhr ankamen, schafften es die Letzten erst bis zum Nachtessen um 20 Uhr, herrliche Pasta mit Seafood. 80 glückliche Augen!
Purer Luxus: Umwege und draußen schlafen
Zwei Kanadier (Quebecquiois!) leisteten sich den Luxus, sich zu verfahren, und kamen so auf 172 km !!! Jaco und Fred ließen es sich nicht nehmen, ihr Zelt aufzustellen und draußen zu schlafen. Ich weiß heute noch nicht wie. Jedenfalls war es ziemlich feucht mit allen Folgen, so hatte Fred am Morgen vier Schnecken in seinen Bike-Schuhen!
Freitag, 6. Juni: Col de la Schlucht, 18 km Downhill im dicken Nebel
Ein weiterer "schöner", erfolgreicher Tag. Wir sind eigentlich immer guter Laune. Zum normalen Ablauf gehört übrigens auch der lokale Kaffee am Morgen und nach dem Mittagessen. Nach dem Morgenkaffee kam wieder die Geschichte mit dem Regen. 1.000 Meter Steigung bis zum Col de la Schlucht, ein Übergang auf der Gräte der Vogesen. Der Aufstieg erinnerte mich an die Leventina nach Airolo hinauf. Jim (aus Las Vegas; er trainiert zuhause immer am Morgen, wenn es nicht zu heiß ist!) meinte, wir sollten versuchen, über den Nebel zu kommen. Es reichte bis voll hinein. Oben war ein Refreshment-Stand (Kaffee, siehe Foto!). Die 18 km lange Abfahrt war herrrlich, jedenfalls für mich. Fred musste mehrmals anhalten und die Finger wärmen. Desto tiefer man kam, desto weniger musste man bremsen, um im Nebel etwas zu sehen und in Munster war es dann schön trocken. Das Zelt bedankte sich.
Samstag, 7. Juni: "Kulturfahrt" auf dem Weg ins Hotel
Die Zelte wurden wieder einmal im Regen gefaltet. Es folgte dann allerdings eine trockene, kleine Abfahrt Richtung Colmar. Das erwarteten wir auch, am frühen Morgen war es schließlich meist so. Ich war inzwischen zum inofiziellen Map Reader und City Guide aufgestiegen. Mit etwas Glück (mehr als die Schweizer Nati gestern) fand ich umgehend wie gewünscht ein hübsches Café in Colmar neben der Kirche. Als ich anschließend noch auf "little Venice" stieß (als einzige Gruppe), war mein Ruf als Guide gefestigt. In Neuf Brisach nahmen wir ebenfalls einen Augenschein der massiven Stadtbefestigung und der speziellen Straßenanlage, bevor wir über den Rhein fuhren. Großes Staunen der Teilnehmer über die Schleuse. Nach dem Mittag suchte ich in Merdingen ein Café und stieß auf den Jan Ullrich Platz (10 Jahre Wohnort des ewig Zweitplazierten der Tour de France). Mehr Glück kann man nicht haben! Seit einigen Tagen fahre ich nun mit Jaco (RSA), Fred (CAN) und dem Tandem (Carl und Rita, RSA). Während ich so mit ungefähr 25 km/h vorausfahre, wenn dies wegen der Wegfindung nötig ist, fährt Fred mit rund 28 km/h. Dies ist wegen des Windschattens angenehm. Das Tandem fährt jedoch mit 30-32 km/h voraus. Dadurch muss ich oft um das Hinterrad kämpfen. Die letzten Tage waren daher keine Spazierfahrt. Ich versuche dabei zu bleiben, alleine kann ich wieder fahren, wenn ich zuhause bin.
Endlich wieder ALLES trocken
Richtig, unsere Zelte sind noch alle voll nass! In Freiburg ist es trocken und wir haben schon wieder einen Ruhetag, im Hotel Stadt Freiburg. Dies bedeutet die Zelte im Innenhof aufstellen und trocknen lassen. Ich wusch meine erste Wäsche bei "schnell und sauber" inklusive Tumbler. Ich darf nicht sagen, was ich alles reingeworfen habe; ich glaube, das Meiste verträgt nur Handwäsche. Nun ist ALLES wieder trocken. Carl hat im Hotel eine Kartonschachtel gepackt, um das Zeug, das er nicht braucht, nach Hause zu schicken! Nachher gingen wir zum Public Viewing des Eröffnungsspiels der Fussball-EM: Schweiz-Tschechien. Es gab viele Stände mit allerlei Ess- und Trinkwaren und vor allem viele Leute, die in türkische Fahnen gehüllt waren.
Bei der ersten VW-Garage links
Was es braucht, um am Abend anzukommen, die Routenfindung. Es wurde uns empfohlen, Karten zu kaufen. Eine gute Idee. Nun gibt es Leute, bei denen nützt dies nichts. Dunkan oder Shanny machen jeden Abend eine "Skizze mit Text" für den nächsten Tag. Ich habe eine solche Skizze kürzlich auf einem Foto festgehalten. Ab und zu besteht die Skizze auch nur aus Text. Das heißt dann in etwa von Zürich Richtung St. Gallen und in Winterthur abzweigen nach Schaffhausen etc. Dann Eingangs Schaffhausen bei der ersten VW-Garage links bis zur zweiten Verkehrsampel, dann links bis zum Zeltplatz, welcher Municipal Camping heißt... Zwei Teilnehmer sind aktive GPS-Anwender (andere tragen es nur mit). Die Meisten sitzen den ganzen Abend vor der Tafel und schreiben alles auf. Ich mache jeweils ein Foto davon. Im Notfall kann ich es ansehen und vergrößern. Persönlich fahre ich am liebsten mit Karte, vorne am Lenker montiert und im voraus auf 141% farbig kopiert und vergrößert (danke PWC!). Einige fahren immer hinten nach. Die dürfen nur nie alleine anhalten zum Pinkeln! In Frankreich hatten alle Straßen Nummern; ganz clever, ehrlich. Das Problem war nur, dass das Nummernsystem umgestellt wurde und nicht mehr überall mit den Karten übereinstimmt. Ziemlich lachen musste ich, als eine Kanadierin mit einem Kartenatlas, so dick wie früher ein Telefonbuch, fragte, um welches Chaumont es sich da handle, wo wir campieren würden, sie hätte drei Treffer im Inhaltsverzeichnis. Nun, es war weder das Chaumont am Mittelmeer noch jenes am Atlantik! Für die nächsten 1.500 km wird alles ganz anders, weil wir auf dem Donau Radweg unterwegs sein werden. Es wird für mich darum gehen, neben der Landschaft auch die Sehenswürdigkeiten rechtzeitig zu erkennen. Für mich wird dies nicht nur sprachlich ein Heimspiel; bin ich doch diese Strecke bereits mit meiner Familie gefahren. So als Einsteigerdroge kann ich sie bestens für jedermann empfehlen. Zudem kann man bei Bedarf leicht im Hotel oder privat übernachten, selbst im Sommer fanden wir Platz ohne Reservierung.
Orient Express, die Sissi Tour von Tour d´Afrique
Zum besseren Verständnis meiner Tour:
Im Jahre 2003 hat die Firma Tour d' Afrique die erste Tour von Kairo nach Kapstadt durchgeführt. Diese dauert 120 Tage (davon 20 Ruhetage) und führt 12.000 km durch zehn Länder. Im Jahr 2005 wurde ein zweites Produkt angeboten, der Orient Express, also eine Tour quer durch Europa, Paris - Istanbul. Die Tour führt zwar durch acht Länder, ist aber mit 4.000 km nur ein "Sprint". 2007 wurde erstmals die Seidenstraße angeboten, Istanbul - Peking, 11.000 km. In 2009 wird Südamerika folgen.
Ein Händedruck und ein Erinnerungspokal
Beim Orient Express wird im Gegensatz zu den andern beiden Touren keine Rangliste geführt. Die Anerkennung für den ersten Rang liegt nun neuerdings neben einem Händedruck auch in einem kleinen Erinnerungspokal. Der Organisator hat sein Büro in Toronto, daher haben wir so viele kanadische Teilnehmer. Jaco, Fred und der Velomechaniker Olivier sind schon die Afrika-Tour gefahren. Auf der Seidenstraße war noch niemand von uns. Die meisten Kanadier sind schon die Tour du Canada gefahren (west coast to east coast) über 7.600 km. Fünf von uns sind auch die legendäre Odyssey um die Welt gefahren, welche als Milleniumsanlass im Jahre 2000 durchgeführt wurde. Einer davon, Will, verfügt nicht über einen Computer und wusste daher nicht, dass die Seidenstraße nach einer Woche Aufenthalt in Istanbul startet. Nun versucht er, die nötigen Visa zu erhalten, um noch mitmachen zu können. Ursprünglich habe ich nicht an diese Möglichkeit gedacht, aber sobald ich diesen Blog fertig habe, werde ich mich näher darum kümmern. Meine Frau liest jetzt ja von diesen Gedanken und meinem Chef steht dies auch offen ;-)
Letzte Chance auf die Seidenstraße?
Mal abwarten, was meine Überlegungen ergeben. Mich reizt die Strecke bis Kashgar. In jener Gegend war ich schon. Vor zwei Jahren bin ich mit dem Bike von Lhasa (Tibet) via das nördliche Basislager des Mount Everest nach Kathmandu (Nepal) gefahren. Auf weitere Touren in China möchte ich momentan verzichten. Dieses Jahr werden nur 15 Personen die Seidenstraße fahren, sodass ich befürchte, diese könnte später nicht mehr stattfinden. Also letzte Chance? Zudem kenne ich bereits sechs Teilnehmer, sie benutzen den Orient Express zum Einfahren. Natürlich kann man auch alleine fahren. Aber dies wäre ein völlig anderes Erlebnis. Eher weniger etwas für mich. Die Web-Berichte über die Afrika-Tour verfolge ich seit 2004, als ein Freund von mir mitfuhr. Ich habe mich stets gefragt, ob das etwas für mich wäre. Man kann auch nur eine Sektion fahren. Nun sagte mir Jaco, von den 100 Bike-Tagen waren für ihn nur fünf davon "easy". Das hat mich beeindruckt. Dann sagte er aber, dass er Sechster geworden sei und von da her immer etwas dafür tun musste. Er meinte, ich würde es genießen. Ich könnte ja Ägypten, Sudan, Äthiopien fahren. Typisch; wenn man am Computer sitzt hat man große Pläne. Wenn man sich wie Will auf der Odyssey 2000 in den Schneebergen Griechenlands bei einem Bike-Sturz das Bein bricht, denkt man weniger an große Pläne.
Also, Schluss mit träumen; ab morgen geht es weiter mit der Sissi-Tour: Freiburg-Donaueschingen.
Regen, Regen, Regen: beim Aufstehen, beim Zelt-Zusammenpacken, beim Fahren, beim Zelt-Aufstellen... In einem öffentlichen Blog muss man ehrlich sein, deshalb unterscheide ich zwischen "immer" und "meistens". Es regnete nicht immer, aber mindestens meistens. Wir waren weit entfernt von 10% Sonnenschein! Der Himmel war permanent grau bis dunkelgrau, mit tief hängenden Wolken, teils starkem Nebel. Ab und zu waren die Wolken einfach zu müde, um das kühlende Nass rauszulassen ;-) Unser Gesprächsthema war häufig das Wetter, natürlich der Regen (von Ungarn bis Istanbul wird das eher die Hitze sein). Deshalb ist dieses Stichwort auch in den folgenden Schilderungen kaum zu vermeiden.
Mittwoch, 4. Juni: Ruhetag in Chaumont
Mit Chaumont haben wir die Champagne bereits hinter uns gelassen. Wie erwähnt konnten wir die Zelte beim Aufstellen noch trocknen, was der Stimmung diente. Chaumont ist ein nettes Städtchen, allerdings auf einem Hügel, den es zu erklimmen galt, um zu
- essen
- e-mailen
- waschen
- Sightseeing machen
Das sind so die üblichen Tätigkeiten, neben der Pflege der Räder. Mit Nieselregen ging der Tag gut zu Ende. Dies soll der einzige Ruhetag auf einem Campingplatz bleiben.
Donnerstag, 5. Juni: der unvergessliche Tag
Wir kamen gut weg. Die ersten 40 km waren trocken. Dann der übliche Ablauf: Regenjacke, Regenhose und Überschuhe anziehen. Ein langer Tag über "rolling hills" war angesagt. Dies traf natürlich auch zu; 1.500 Höhenmeter sollten sich bis zum Abend noch ergeben. Die Gegend war wunderschön, alles grün. Kein Wunder bei dem Regen! Ich führte mein Kartenstudium weiter und versuchte, wo immer möglich, bessere, im Sinne von kleineren, Straßen zu finden, was auch wieder bestens gelang. Gegen Abend stießen wir auf die gesperrte Brücke, gingen ein kleines Risiko ein, das sich lohnte. Wir konnten eine nicht ausgeschilderte Umfahrung finden und einige Kilometer sparen. Während nass sein im Prinzip nichts mehr als ein Zustand ist, begann das Abenteuer 10 km vor dem Ziel (km 130): der starke Regen. Wir bogen auf das Sportgelände ein, das Fussballfeld, das Feld dahinter, wo unser Van stand, 40 Taschen lagen auf dem Feld, bedeckt mit einer Blache. Das Gras war gerade nass gemäht worden für uns. Alles klebte. Als erste Gruppe drängten wir uns unter das kleine Partyzelt, um nicht unter der Dachkante zu stehen. Gegen den Wind hatte es natürlich nichts. Es war schnell klar, dass es nicht funktionieren konnte, 40 Zelte aufzustellen im strömenden Regen.
Duschen macht keinen Sinn
Wir fuhren zum Sportstadion, um zu sehen, ob es Alternativen gab. Hotels gab es nämlich, wie wir herausfanden. Wir stießen lediglich auf kalte Betonböden bei den Duschen. Wir wollten die offizielle Organisation nicht zu fest durcheinander bringen und warteten. Noch bevor die ersten erfroren waren, (unterwegs zeigte das Thermometer mal 14 Grad) erfuhren wir, dass wir in das Gemeinschaftzentrum wechseln konnten. Dies war eine große Erlösung, waren doch alle von Kopf bis Fuß durchnässt - bis auf die Knochen. Duschen interessierte niemanden. Man wäre auf dem Rückweg wieder völlig nass geworden. Wir konnten mehr oder weniger trockene Kleider anziehen und auf die Letzten warten. Während wir vor 17 Uhr ankamen, schafften es die Letzten erst bis zum Nachtessen um 20 Uhr, herrliche Pasta mit Seafood. 80 glückliche Augen!
Purer Luxus: Umwege und draußen schlafen
Zwei Kanadier (Quebecquiois!) leisteten sich den Luxus, sich zu verfahren, und kamen so auf 172 km !!! Jaco und Fred ließen es sich nicht nehmen, ihr Zelt aufzustellen und draußen zu schlafen. Ich weiß heute noch nicht wie. Jedenfalls war es ziemlich feucht mit allen Folgen, so hatte Fred am Morgen vier Schnecken in seinen Bike-Schuhen!
Freitag, 6. Juni: Col de la Schlucht, 18 km Downhill im dicken Nebel
Ein weiterer "schöner", erfolgreicher Tag. Wir sind eigentlich immer guter Laune. Zum normalen Ablauf gehört übrigens auch der lokale Kaffee am Morgen und nach dem Mittagessen. Nach dem Morgenkaffee kam wieder die Geschichte mit dem Regen. 1.000 Meter Steigung bis zum Col de la Schlucht, ein Übergang auf der Gräte der Vogesen. Der Aufstieg erinnerte mich an die Leventina nach Airolo hinauf. Jim (aus Las Vegas; er trainiert zuhause immer am Morgen, wenn es nicht zu heiß ist!) meinte, wir sollten versuchen, über den Nebel zu kommen. Es reichte bis voll hinein. Oben war ein Refreshment-Stand (Kaffee, siehe Foto!). Die 18 km lange Abfahrt war herrrlich, jedenfalls für mich. Fred musste mehrmals anhalten und die Finger wärmen. Desto tiefer man kam, desto weniger musste man bremsen, um im Nebel etwas zu sehen und in Munster war es dann schön trocken. Das Zelt bedankte sich.
Samstag, 7. Juni: "Kulturfahrt" auf dem Weg ins Hotel
Die Zelte wurden wieder einmal im Regen gefaltet. Es folgte dann allerdings eine trockene, kleine Abfahrt Richtung Colmar. Das erwarteten wir auch, am frühen Morgen war es schließlich meist so. Ich war inzwischen zum inofiziellen Map Reader und City Guide aufgestiegen. Mit etwas Glück (mehr als die Schweizer Nati gestern) fand ich umgehend wie gewünscht ein hübsches Café in Colmar neben der Kirche. Als ich anschließend noch auf "little Venice" stieß (als einzige Gruppe), war mein Ruf als Guide gefestigt. In Neuf Brisach nahmen wir ebenfalls einen Augenschein der massiven Stadtbefestigung und der speziellen Straßenanlage, bevor wir über den Rhein fuhren. Großes Staunen der Teilnehmer über die Schleuse. Nach dem Mittag suchte ich in Merdingen ein Café und stieß auf den Jan Ullrich Platz (10 Jahre Wohnort des ewig Zweitplazierten der Tour de France). Mehr Glück kann man nicht haben! Seit einigen Tagen fahre ich nun mit Jaco (RSA), Fred (CAN) und dem Tandem (Carl und Rita, RSA). Während ich so mit ungefähr 25 km/h vorausfahre, wenn dies wegen der Wegfindung nötig ist, fährt Fred mit rund 28 km/h. Dies ist wegen des Windschattens angenehm. Das Tandem fährt jedoch mit 30-32 km/h voraus. Dadurch muss ich oft um das Hinterrad kämpfen. Die letzten Tage waren daher keine Spazierfahrt. Ich versuche dabei zu bleiben, alleine kann ich wieder fahren, wenn ich zuhause bin.
Endlich wieder ALLES trocken
Richtig, unsere Zelte sind noch alle voll nass! In Freiburg ist es trocken und wir haben schon wieder einen Ruhetag, im Hotel Stadt Freiburg. Dies bedeutet die Zelte im Innenhof aufstellen und trocknen lassen. Ich wusch meine erste Wäsche bei "schnell und sauber" inklusive Tumbler. Ich darf nicht sagen, was ich alles reingeworfen habe; ich glaube, das Meiste verträgt nur Handwäsche. Nun ist ALLES wieder trocken. Carl hat im Hotel eine Kartonschachtel gepackt, um das Zeug, das er nicht braucht, nach Hause zu schicken! Nachher gingen wir zum Public Viewing des Eröffnungsspiels der Fussball-EM: Schweiz-Tschechien. Es gab viele Stände mit allerlei Ess- und Trinkwaren und vor allem viele Leute, die in türkische Fahnen gehüllt waren.
Bei der ersten VW-Garage links
Was es braucht, um am Abend anzukommen, die Routenfindung. Es wurde uns empfohlen, Karten zu kaufen. Eine gute Idee. Nun gibt es Leute, bei denen nützt dies nichts. Dunkan oder Shanny machen jeden Abend eine "Skizze mit Text" für den nächsten Tag. Ich habe eine solche Skizze kürzlich auf einem Foto festgehalten. Ab und zu besteht die Skizze auch nur aus Text. Das heißt dann in etwa von Zürich Richtung St. Gallen und in Winterthur abzweigen nach Schaffhausen etc. Dann Eingangs Schaffhausen bei der ersten VW-Garage links bis zur zweiten Verkehrsampel, dann links bis zum Zeltplatz, welcher Municipal Camping heißt... Zwei Teilnehmer sind aktive GPS-Anwender (andere tragen es nur mit). Die Meisten sitzen den ganzen Abend vor der Tafel und schreiben alles auf. Ich mache jeweils ein Foto davon. Im Notfall kann ich es ansehen und vergrößern. Persönlich fahre ich am liebsten mit Karte, vorne am Lenker montiert und im voraus auf 141% farbig kopiert und vergrößert (danke PWC!). Einige fahren immer hinten nach. Die dürfen nur nie alleine anhalten zum Pinkeln! In Frankreich hatten alle Straßen Nummern; ganz clever, ehrlich. Das Problem war nur, dass das Nummernsystem umgestellt wurde und nicht mehr überall mit den Karten übereinstimmt. Ziemlich lachen musste ich, als eine Kanadierin mit einem Kartenatlas, so dick wie früher ein Telefonbuch, fragte, um welches Chaumont es sich da handle, wo wir campieren würden, sie hätte drei Treffer im Inhaltsverzeichnis. Nun, es war weder das Chaumont am Mittelmeer noch jenes am Atlantik! Für die nächsten 1.500 km wird alles ganz anders, weil wir auf dem Donau Radweg unterwegs sein werden. Es wird für mich darum gehen, neben der Landschaft auch die Sehenswürdigkeiten rechtzeitig zu erkennen. Für mich wird dies nicht nur sprachlich ein Heimspiel; bin ich doch diese Strecke bereits mit meiner Familie gefahren. So als Einsteigerdroge kann ich sie bestens für jedermann empfehlen. Zudem kann man bei Bedarf leicht im Hotel oder privat übernachten, selbst im Sommer fanden wir Platz ohne Reservierung.
Orient Express, die Sissi Tour von Tour d´Afrique
Zum besseren Verständnis meiner Tour:
Im Jahre 2003 hat die Firma Tour d' Afrique die erste Tour von Kairo nach Kapstadt durchgeführt. Diese dauert 120 Tage (davon 20 Ruhetage) und führt 12.000 km durch zehn Länder. Im Jahr 2005 wurde ein zweites Produkt angeboten, der Orient Express, also eine Tour quer durch Europa, Paris - Istanbul. Die Tour führt zwar durch acht Länder, ist aber mit 4.000 km nur ein "Sprint". 2007 wurde erstmals die Seidenstraße angeboten, Istanbul - Peking, 11.000 km. In 2009 wird Südamerika folgen.
Ein Händedruck und ein Erinnerungspokal
Beim Orient Express wird im Gegensatz zu den andern beiden Touren keine Rangliste geführt. Die Anerkennung für den ersten Rang liegt nun neuerdings neben einem Händedruck auch in einem kleinen Erinnerungspokal. Der Organisator hat sein Büro in Toronto, daher haben wir so viele kanadische Teilnehmer. Jaco, Fred und der Velomechaniker Olivier sind schon die Afrika-Tour gefahren. Auf der Seidenstraße war noch niemand von uns. Die meisten Kanadier sind schon die Tour du Canada gefahren (west coast to east coast) über 7.600 km. Fünf von uns sind auch die legendäre Odyssey um die Welt gefahren, welche als Milleniumsanlass im Jahre 2000 durchgeführt wurde. Einer davon, Will, verfügt nicht über einen Computer und wusste daher nicht, dass die Seidenstraße nach einer Woche Aufenthalt in Istanbul startet. Nun versucht er, die nötigen Visa zu erhalten, um noch mitmachen zu können. Ursprünglich habe ich nicht an diese Möglichkeit gedacht, aber sobald ich diesen Blog fertig habe, werde ich mich näher darum kümmern. Meine Frau liest jetzt ja von diesen Gedanken und meinem Chef steht dies auch offen ;-)
Letzte Chance auf die Seidenstraße?
Mal abwarten, was meine Überlegungen ergeben. Mich reizt die Strecke bis Kashgar. In jener Gegend war ich schon. Vor zwei Jahren bin ich mit dem Bike von Lhasa (Tibet) via das nördliche Basislager des Mount Everest nach Kathmandu (Nepal) gefahren. Auf weitere Touren in China möchte ich momentan verzichten. Dieses Jahr werden nur 15 Personen die Seidenstraße fahren, sodass ich befürchte, diese könnte später nicht mehr stattfinden. Also letzte Chance? Zudem kenne ich bereits sechs Teilnehmer, sie benutzen den Orient Express zum Einfahren. Natürlich kann man auch alleine fahren. Aber dies wäre ein völlig anderes Erlebnis. Eher weniger etwas für mich. Die Web-Berichte über die Afrika-Tour verfolge ich seit 2004, als ein Freund von mir mitfuhr. Ich habe mich stets gefragt, ob das etwas für mich wäre. Man kann auch nur eine Sektion fahren. Nun sagte mir Jaco, von den 100 Bike-Tagen waren für ihn nur fünf davon "easy". Das hat mich beeindruckt. Dann sagte er aber, dass er Sechster geworden sei und von da her immer etwas dafür tun musste. Er meinte, ich würde es genießen. Ich könnte ja Ägypten, Sudan, Äthiopien fahren. Typisch; wenn man am Computer sitzt hat man große Pläne. Wenn man sich wie Will auf der Odyssey 2000 in den Schneebergen Griechenlands bei einem Bike-Sturz das Bein bricht, denkt man weniger an große Pläne.
Also, Schluss mit träumen; ab morgen geht es weiter mit der Sissi-Tour: Freiburg-Donaueschingen.
Kommentar eingeben:
ANZEIGE
-
Open-Marathon Gran Canaria
20.03.2010 -
Bike-Festival Garda Trentino
30.04.2010 -
Wehlaberg Bike Marathon
09.05.2010 -
Fränkische-Schweiz-Mountainbike-Marathon
16.05.2010 -
Radsport-Festival Garmisch-Partenkirchen
29.05.2010






