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Wandern in Graubünden
Copyright: Andrea Badrutt, Chur
1000 Berggipfel, 150 Täler und 615 Seen. Graubünden ist das größte Bundesland der Schweiz und ein Ort, wo man Sommerferien unbeschwert genießen kann Es waren Sommergäste, die den Tourismus in Graubünden einleiteten, englische Lords, italienische Comtessas und deutsche Industrielle. Sie waren es auch, die vor 150 Jahren erstmals auch im Winter zum Urlauben in die Alpen reisten und somit den Wintertourismus erfanden. Wer heute in Graubünden Sommerferien macht, findet eine ganz andere Welt als damals vor. Da sind einerseits die Top-Ferienorte wie St. Moritz und Davos Klosters. „Klein und fein“ hingegen präsentieren sich viele ursprünglichen Bergdörfer und Täler.

Möglichkeiten für Freizeitgestaltungen gibt es in Graubünden zuhauf. Die bizarren Felsgebilde der Rheinschlucht zwischen Tamins und Ilanz zum Beispiel lassen sich bei einem bequemen Ausflug durch den Grand Canyon der Schweiz bestaunen. In den Seitentälern des Oberengadins liegen die äußersten Ausläufer der Gletscher nur eine Wegstunde entfernt. Der Bahnlehrpfad an der Albulasstrecke ermöglicht einen entspannten Blick auf die kühnen Kunstbauten der Rhätischen Bahn. Und auf dem Lehrpfad „Champlönch“ im Nationalpark weist ein GPS-gesteuerter Parkwächter, ein ebenso virtuelles Murmeltier oder der Rothirsch Tumasch auf Besonderheiten dieses grössten Naturparks der Schweiz hin. Das sind vier von ungezählten Wanderungen, die auf dem 10.000 Kilometer großen Wanderwegnetz Graubündens möglich sind. Und wenn dann noch ein glasklarer
Wald- oder Bergsee am Weg liegt, dann kommt zu den Wanderfreuden der Badeplausch dazu.

Wer sich hingegen für eine Hochtour entscheidet, für eine meist zweitägige Expedition in Fels und Eis bis hinauf in Höhen von 4000 Metern, der findet in den Gebirgen Graubündens viele Herausforderungen in Fels und Eis. Zusehends beliebt sind auch Weitwanderungen. Die ViaSpluga zum Beispiel auf der traditionellen Passroute von Thusis nach Chiavenna. Oder die Senda Sursilvana, die in mehreren Etappen durch das romanischsprachige Kernland Graubündens führt.

"Kämpfa, kämpfa, khum." Diese martialische Aufforderung gilt nicht den Wanderern – sie wären angesichts der entspannten Gesichter auch fehl am Platz. Die Parole, die sich mit „Kämpfen! Kämpfen! Komm schon!“ übersetzen lässt, prangt auf den "offiziellen Bike-Shirts" des Kantons, der mit über 4000 Kilometern markierter Trails zum beliebtesten Bikerziel des Alpenraums geworden ist. Viele Trails hier in den Bergen – die Mehretappenfahrt Graubünden Bike Nr. 90 etwa – verlangen auch besttrainierten Bikern alles ab. Doch fast ebenso zahlreich sind die
einfachen Trails zwischen blühenden Wiesen und durch sanft ansteigende Wälder. Optimale Voraussetzungen finden sich in vielen Regionen mit Bikehotels, auf Biker abgestimmte Hütten und Restaurants. Und zu wörtlich sollte man den Kämpferspruch am Ende nicht nehmen, denn wer seine Ferien allein mit sportlichen Höchstleistungen ausfüllt, wird in Graubünden viel verpassen. Nirgendwo sonst stehen Natur sowie drei Sprachräume und Kulturen so harmonisch nebeneinander wie in Graubünden. Mittelalterliche Kirchen neben Schlössern und Ruinen im Domleschg. Sakrale Baukunst und intakte Bauerndörfer in der Surselva. Italienisch inspirierte Palazzi im Valposchiavo. Das romanische Kloster Müstair, das zum UNESCO Welterbe gehört. Peter Zumthors Therme in Vals. Das Kunstmuseum Chur zeigt die Bilderwelten Segantinis und der Giacometti-Familie. In der Kirche Zillis zeugt eine eindrücklich bemalte Kasettendecke vom Bilderreichtum vergangener Zeiten.

In den Anfängen des Tourismus war der Reichtum an Kulturgütern und Landschaften einer exklusiven Schicht vorbehalten. Die glanzvollen, teuren Hotels und Destinationen sind noch heute Teil des Ferienkantons, doch Pauschalarrangements und zahlreiche Ferienwohnungen haben Graubünden für Menschen aus allen
Schichten der Gesellschaft und aus fast allen Ländern geöffnet. Das zeigt auch die Statistik: jedes Jahr kommen rund 1 Million Sommergäste nach Graubünden, welche in einem der knapp 800 Hotels übernachten. Ganz besonders beliebt sind die 'all inclusive' Angebote in Arosa, Engadin St. Moritz, Davos Klosters, Savognin und Samnaun. Hier ist die Benützung der Bergbahnen für alle gratis, die mindestens eine oder zwei Nächte im Ort übernachten. Und diese Angebote werden genutzt. Jeden Tag fahren Tausende von Besuchern mit den Bergbahnen in die Welt des Steinbocks.

Nicht bei den Steinböcken, aber doch nahe der Natur sind in Graubünden auch die Golfer. Die Golfplätze der Region sind so angelegt, dass sie Teil der Landschaft werden, und in der Abenddämmerung kann es durchaus vorkommen, dass ein Hirsch oder eine Waldgämse den Weg zu den saftigen Weiden am Rand der Fairways
findet oder dass ein schlecht geschlagener Ball einen Hasen aufscheucht. Auch von der Infrastruktur her gesehen ist Graubünden für die Golfer ein Paradies. Hier gibt es, gemessen an der Einwohnerzahl, zweimal so viele Golfplätze wie in England! Zehnmal so viele wie in Deutschland! Wer zum Golfspielen nach Graubünden
kommt, kann sich also viel Zeit nehmen: keiner der 14 Plätze ist überlaufen.

Wandern. Biken. Golf spielen. Da ist der Appetit ein willkommener Begleiter. Ganz besonders in Graubünden, wo auch die Küche vom Neben- und Übereinander der Kulturen geprägt ist. Auf den Speisekarten finden sich luftgetrocknetes Bündnerfleisch und Rohschinken aus Deutschbünden, Würste mit Namen wie Andutgel und
Salsiz aus den romanischen Tälern, Formaggi aus Italienischbünden. Bei einer kalten Spezialitätenplatte oder bei einem währschaften Essen mit Capuns, begleitet von einem Weltklasse Pinot aus Nordbünden oder einem feurigen Veltliner, lässt sich trefflich über eine Region sinnieren, wo Natur und Mensch, Landwirtschaft
und Tourismus eine vielfältige Kulturlandschaft geschaffen haben. Und man kann zum Strahlen kommen.

Es ist das gleiche Strahlen, das die Fahrgäste der Rhätischen Bahn zeigen, wenn sie an den geöffneten Fenstern der Bahn stehen und den Fahrtwind im Gesicht spüren. Oder die Wanderer, wenn sie sich ihnen nach einer Biegung des Bergweges die Aussicht auf ein neues Tal auftut. Es ist das Strahlen der Gäste vor der wettergebräunten Holzwand eines Bergrestaurants oder das Strahlen, wenn ihnen in der Nacht die Stille der Berge bewusst wird. Das Strahlen eben, das von rundum gelungenen Sommerferien berichtet.

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