Interview mit Angela Eiter (AUT): "Der Klettersport ist ein wichtiger Teil meines Lebens"

bergleben.de am 12.10.2009 - 09:34 Uhr
Interview mit Angela Eiter (AUT): © Red Bull
Nach langer Verletzung ist die zweifache Weltmeisterin und mittlerweile fünfmalige Rock Masterin Angela Eiter (AUT) 2009 wieder im Weltcup-Zirkus mit dabei - und das fast so erfolgreich wie früher. Wir fragten Angy zu ihrer Rückkehr, ihr Leben als Kletterin und die starke Konkurrenz im österreichischen Team.

bergleben.de: Servus Angy! Nach deiner schweren Schulterverletzung bist du wieder fit wie früher und hast bis hierhin eine tolle Saison hingelegt. Wie bist mit deiner Rückkehr in den Wettkampfzirkus zufrieden?
Angela Eiter: Servus gleichfalls! Naja, ich glaube, ich bin ebenso überrascht mit diesem guten Wiedereinstieg ins Wettkampfgeschehen wie die meisten auch. Die zwei zweiten Plätze bei den WC´s, einmal in Barcelona und ein anderes mal in Imst, sowie der Sieg beim Rock Master waren genial. Da hat sich die sowohl physische aber auch mental harte und mühevolle Aufbauarbeit, die ja bei "null" begonnen hatte, durchaus gelohnt.


bergleben.de: Du hast nach der Weltmeisterschaft in Avilés 2007 lange auf einen internationalen Sieg warten müssen. Wie war das Erlebnis, dann tatsächlich beim prestigeträchtigen Rock Master in Arco wieder ganz oben auf dem Treppchen stehen zu können?
Angela Eiter: Es freut mich sehr, dass ich zum einen trotz dieser schweren Verletzung wieder fähig bin, Top-Leistungen zu bringen und zum anderen, dass ich nun den Rock Master bereits zum fünften Mal gewinnen konnte, was bisher nur Kletterlegende Lynn Hill gelungen ist. Ebenso war es auch für mein Team, das mich über die gesamte Zeit tatkräftig unterstützt haben, eine wertvolle Bestätigung für ihren tolle Einsatz.

bergleben.de: Im Weltcup bist du nun allerdings "nur noch" zweitbeste Österreicherin. Wie stehst du zu dem rasanten Aufstieg von Johanna (Ernst), gibt es da Konkurrenzdenken im österreichischen Lager oder gönnst du ihr die zahlreichen Siege der letzten beiden Jahre?
Angela Eiter: Ich persönlich weiß, wie hart es ist, konstant Top-Leistung zu bringen. Insofern vergönne ich jedem den Sieg. Wenn ich keine zufriedenstellende Leistungen bringen kann, dann soll das nicht an den Mitbewerbern liegen, sondern an mir. Um auf Johanna einzugehen: Sie ist neben ihrem Talent sehr ehrgeizig und zielstrebig und hat auch die beste Unterstützung. Natürlich sind wir im Wettkampf Rivalinnen, aber ich kann mittlerweile mit Druck sehr gut umgehen.

bergleben.de: 50 Punkte liegst du vor den letzten beiden Cups in Brünn und Kranj zurück, Maja Vidmar ist dir dicht auf den Fersen. Was sind deine Ziele für die beiden Weltcup-Veranstaltungen?
Angela Eiter: Bei jedem Einzelbewerb will ich die bestmöglichste Leistung von mir abrufen. Gelingt es, bin ich zufrieden. Geht es daneben, dann werden die Ursachen gesucht und anschließend an den Schwachstellen gearbeitet. Obwohl ich Zahlen liebe, fange ich beim Klettern nicht an zu rechnen!

bergleben.de: Neben dem Wettkampfklettern zählst du natürlich auch zu einer der besten Felskletterinnen der Welt. Warst du in diesem Jahr auch wieder draußen unterwegs? Was waren deine schönsten und spannendsten Projekte?
Angela Eiter: Mitte September dieses Jahres konnte ich im Baskenland das Felsklettern zum ersten Mal seit meiner Verletzung wieder so richtig ausleben. Mit "White Zombie" (8c) konnte ich auch schon wieder an mein altes Niveau anknüpfen, was mir natürlich Sicherheit und Selbstvertrauen gegeben hat.

bergleben.de: Hat deine Verletzung dich und dein Kletterstil irgendwie verändert? Hat das Klettern an Bedeutung gewonnen oder verloren?
Angela Eiter: Während der Verletzungspause habe ich erkannt, dass der Klettersport und die damit verbundene Zusammenarbeit mit meinen Sponsoren und Betreuern ein wichtiger Teil in meinem Leben ist. Es macht mir Spaß und ich lerne ernorm viel. Was das Training angeht, bin ich professioneller geworden. Ich trainiere nun nicht mehr einfach drauf los, sondern gezielt und vor allem unter Berücksichtigung meines Wohlbefindens.

bergleben.de: Was macht deiner Meinung nach den Unterschied zwischen einem guten Kletterer und einem Top-Wettkampfkletterer aus – Training, Ernährung, Technik, mentale Stärke oder vielleicht etwas ganz anderes?
Angela Eiter: Hier meine subjektive Meinung dazu: Ein guter Kletterer ist für mich eher erlebnisorientiert. Er lebt das Klettern mit all seiner Leidenschaft aus und genießt jeden Moment davon. Ein Top-Wettkampfathlet hingegen ist mehr erfolgsorientiert. Er will nicht nur schöne Momente genießen und ist bereit, sein gesamtes Leben und dessen Inhalte auf das Wettkampfklettern auszurichten. Jedoch gibt es meiner Meinung nach auch gute Kletterer, in denen Top-Wettkampfkletterer verloren gegangen sind und Top-Wettkampfathleten, die die besten Leistungen bringen, weil sie gute Kletterer sind.

bergleben.de: Wie geht dein Weg in den kommenden Jahren weiter? Wirst du weiter Wettkämpfe klettern oder ein anderen Weg wie z.B. die Huberbuam oder Chris Sharma einschlagen, die als Profis die Welt entdecken?
Angela Eiter: Ich habe zwar Pläne in meinen Kopf. Diese sind jedoch nur ungefähre Richtlinien und solange sie nicht in die Realität umgesetzt werden können, spreche ich nicht davon. In anderen Worten: "Mal schauen, wo es mich hinschlägt."

bergleben.de: Besten Dank und viel Erfolg in der Restsaison!
Angela Eiter: Danke schön!