Interview mit Johanna Ernst: "Es war ein unbeschreibliches Gefühl"

bergleben.de am 13.10.2009 - 09:13 Uhr
Interview mit Johanna Ernst © ©Lukas Ennemoser
Sie ist 16 Jahre alt und die weltbesten Kletterinnen beißen sich an Routen, die sie mit einem Lächeln absolviert, die Zähne aus. Johanna Ernst dominiert den Weltcup der Sportkletterer seit zwei Jahren, ist Weltmeisterin, Rock Masters Siegerin und das wohl größte weibliche Klettertalent aller Zeiten. bergleben.de beantwortete die Schülerin aus Sistrans (AUT) im Interview ein paar Fragen...

bergleben.de: Hallo Johanna. Du wirst im November 17 Jahre alt, hast mittlerweile schon unglaubliche Erfolge vorzuweisen. Was ist deine Motivation, wirst du weiter Wettkämpfe klettern, obwohl du bereits alles gewonnen hast, oder in den nächsten Jahren auch draußen für neue Meilensteine sorgen?
Johanna Ernst: Auf jedenfall werde ich noch weiterhin Wettkämpfe machen, wer weiß wie lange noch? Aber ich versuche auch mehr hinaus zu gehen, weil es draußen doch viel schöner ist zum klettern und es mir mehr gefällt. Jetzt bin ich gerade in Colorado bouldern! Drei Wochen waren aber doch zu kurz hier, das Bouldern hier ist einfach spitze! Aber ich denke für den Anfang reicht es erstmal, denn sonst würde ich meine Familie vermissen.

bergleben.de: Dummerweise hast du den World Games-Titel verpasst, und die werden nur alle fünf Jahre ausgetragen! Hat es dich sehr gewurmt, dass du dort nicht erfolgreich warst?
Johanna Ernst: Dummerweise?! Ich meine es war ok, es gehört auch dazu, verlieren zu können! Und es war ein tolles Erlebnis, dass ich dabei sein durfte. Die Reisen davor waren auch anstrengend, deswegen hat es nicht allzu sehr gestoert, dass ich nicht gewonnen habe. Es gehört halt auch dazu.


bergleben.de: Im Weltcup läuft es hingegen sehr gut für dich, nach einem Ausrutscher in Barcelona hast du in die Erfolgsspur zurückgefunden. Wie hast du Barcelona und auch den superspannenden Weltcup in Puurs erlebt? Kann dich auf dem Weg zum Gesamtsieg noch jemand stoppen?
Johanna Ernst: Ja, Barcelona ist nicht so gelaufen wie ich es wollte. Aber man sollte sich nicht allzuviel den Kopf darüber zerbrechen, warum es passiert ist und wieso... es ist passiert und man kann es nicht ändern und das Leben geht weiter! Danach war Imst und das war fur mich wieder eine Herausforderung! Ich wollte zeigen, was ich drauf habe und und dass Barcelona ein Ausrutscher war. Puurs war einfach super! Dazu kann ich jetzt gar nichts mehr sagen, es war ein unbeschreibliches Gefuhl, dass ich dort gewonnen habe. Wieder die Führung zu haben. Und jetzt sind noch Brno und Kranj ausständig und da werde ich natürlich mein Bestes geben, immerhin will ich meinen Gesamtweltcup-Titel verteidigen.

bergleben.de: Wie kam es, dass du als große Favoritin in Arco nicht ganz oben auf dem Podest standest?
Johanna Ernst: Tja... Es lief perfekt in der on-sight Route, da führte ich, doch in der Workout-Route scheiterte ich bei der zweiten Schlinge. Vielleicht hab ich mich zu sicher gefühlt, dass ich es schaffen könnte.

bergleben.de: Warst du mit Freunden in diesem Sommer auch viel draußen unterwegs? Was fasziniert dich mehr, das Erleben des Fels beim Outdoorklettern oder das Steigern der Limits beim Indoorklettern in immer schwerer werdenden Routen?
Johanna Ernst: Nun im Sommer hatte ich nicht so viel Zeit hinaus zu gehen, weil immer Wettkämpfe waren und ich trainierte. Und das Loch zwischen Puurs und Brno ist eine gute Chance, einfach los zu lassen und die drei Wochen hier zu genießen. Zu Ostern war ich für zwei Wochen in Spanien mit Christine Schranz - das Klettern dort ist ein Traum! Leider passte das Wetter nicht so. Aber hier in der USA ist es spitze und ich bin froh, dass ich hier her gekommen bin. Ich hätte naturlich auch in Östereich klettern gehen können, aber ich wollte mal was anderes machen, und zwar bouldern im Freien. Mich fasziniert das Klettern draussen mehr. Man kann etwas machen, was ein jeder kennt und es macht einfach viel mehr Spaß!

bergleben.de: Ist die Einschätzung richtig, dass ihr Top-Frauen mittlerweile fast so schwer wie die besten Herren der Welt klettert?
Johanna Ernst: Ich denke, dass wir gleich schwer klettern können wie die Herren, aber meistens sind die Routen von den Frauen anders, mehr auf Ausdauer.

bergleben.de: Hast du schon Ideen, wie dein Leben nach der Matura (Abitur) weitergehen wird? Willst du Profi-Kletterin werden, wie Chris Sharma oder die Huberbuam Filme drehen und damit dein Geld verdienen oder strebst du einen "richtigen" Beruf an?
Johanna Ernst: Hmm, gute Frage. Keine Ahnung, was ich machen will. Nachdem ich nicht mehr in die Schule gehe und jetzt die Fernmatura-Schule mache, habe ich mehr Zeit für andere Sachen, wie jetzt zum Beispiel das Wegfahren für ein paar Wochen, was ich sonst nicht hätte machen können. Aber auf jedenfall möchte ich die Matura machen und was danach ist, weiß ich noch nicht. Ich lass es einfach auf mich zu kommen...

bergleben.de: Danke und viel Glück für die restliche Saison!

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