Boulder-Weltcup in München 2011: Wurm Zweite, Österreicher Gesamtsieger, Russischer Dreifachtriumph
bergleben.de am 23.08.2011 - 16:20 Uhr
© Heiko Wilhelm/ÖWK
In einem an Spannung, Stimmung und sportlichen Höchstleistungen kaum zu überbietenden Weltcupfinale hat sich die Österreicherin Anna Stöhr nach ihrem WM-Titel in Arco auch den Gesamtweltcup der Boulderer gesichert. Beim Sieg der Slowenin Mina Markovic wurde Stöhr Dritte und sicherte sich somit den Triumph vor ihrer Widersacherin Akiyo Noguchi (JAP). Bei den Herren hatte Kilian Fischhuber bereits als Gesamtsieger festgestanden, er wurde beim phänomenalen Dreifachsieg der Russen Sharafutdinov, Gelmanov und Rubtsov Sechster. Für Begeisterungsstürme sorgte bei den etwa 5000 frenetischen Zuschauern unter dem Zeltdach des Olympiaparks auch eine Deutsche: Juliane Wurm holte sich Rang zwei und schrammte nur knapp am Heimsieg vorbei.
Bereits am Freitagmorgen waren die 65 Herren und 36 Damen zum ersten Mal auf die Matte getreten und hatten in der Qualifikation die besten 20 Teilnehmer ermittelt, die am Samstag im Halbfinale mit dabei sein durften. Dabei zeigten die deutschen Athleten, dass sie voll motiviert und gut vorbereitet mit den Besten mithalten können: Gleich sechs Boulderer und Boulderinnen schafften den Sprung in die Vorschlussrunde! Besonders erfreulich war, dass dies sogar drei Damen gelang. Lokalmatadorin Sarah Schützenberger war dabei wohl die größte Überraschung, das erst 16-jährige Nachwuchstalent schaffte mit drei Flashs ihr bisher bestes Weltcup-Resultat und den Einzug in die nächste Runde. Extrem gut in Form präsentierte sich auch Julia Winter, die wie Juliane Wurm alle Boulder klettern konnte und dabei sogar einen Versuch weniger benötigte als die Dortmunderin. Beide zogen souverän ins Halbfinale ein.
Auch die deutschen Herren überzeugten am Freitag mit starken Leistungen: Jonas Baumann, Jan Hojer und Mathias Conrad waren in ihren Quali-Gruppen jeweils unter die Top Ten geklettert und damit im Halbfinale mit dabei. Insgesamt schafften es 21 Teilnehmer dorthin, unter ihnen natürlich auch die Top-Favoriten Dmitry Sharafutdinov (RUS), Kilian Fischhuber (AUT), Tsukuru Hori (JAP), Guillaume Glairon Mondet (FRA), Daniel Woods (USA) und Klemen Becan (SLO.
Als sich die Boulderer am Samstag um 11:30 Uhr dann zum Halbfinale bereit machten, dürfte den meisten bereits klar gewesen sein: Es wird eine Hitzeschlacht! 30 Grad, pralle Sonne, wenig Luftdurchzug unter dem Zeltdach, extrem schwere Boulder – es sollte am Ende sehr wenige erfolgreiche Begehungen geben. Vor allem die Damen bissen sich an den harten Nüssen die Zähne aus. Anna Stöhr war nach dem ersten Boulder so frustriert, dass sie ihren Chalkbag in die Ecke feuerte und sogar eine kleine Träne verdrücken musste, bevor sie an den Bouldern 3 und 4 ihren Finaleinzug dann doch perfekt machte. Mit zwei Tops war sie am Ende sogar Führende, denn außer ihr gelang dies keiner Frau. Kurios: Obwohl auch Juliane Wurm stark mit der Hitze kämpfen musste, mehrere Male knapp an den letzten Zügen scheiterte und am Ende ohne Top-Begehung da stand, zog sie als Fünfte in das Finale ein. Vier erreichte Bonusgriffe in sieben Versuchen reichten der Deutschen Meisterin, die sich zu Freude der Zuschauer neben Stöhr, Shauna Coxey (GBR), Yana Cheresneva (RUS), Akiyo Noguchi (JAP) und Mina Markovic (SLO) in den Endkampf katapultierte. Etwas überraschend mussten die US-Girls die Segel streichen: Die Dritte des Gesamtweltcups Alex Puccio schimpfte über die heißen Wände und die schweren Boulder und war völlig frustrierte, WM-Silbermedaillengewinnerin Sasha DiGulian taugten die dynamischen Boulder mit vielen langen Zügen überhaupt nicht, sie wurde nur 15. Auch Julia Winter und Sarah Schützenberger hatten im Halbfinale nicht viel zu bestellen und wurden am Ende 16. Und 21.
Auch bei den Herren blieben im Halbfinale die meisten der 21 Starter ohne erfolgreiche Begehung, unter ihnen leider auch die Deutschen. Jan Hojer war vor allem an Boulder Nummer 3 nah dran, schaffte es aber nicht die zweite Hand an den Zielgriff zu bekommen. Am Ende wurde er dennoch guter Zehnter, Jonas Baumann 15. und Mathias Conrad 20. Das Finale blieb der Ostblock-Crew Gelmanov, Sharafutdinov, Rubtsov (alle RUS) und Shalagin (UKR) vorbehalten, die zusammen mit Klemen Becan (SLO) und Kilian Fischhuber (AUT) am Abend den Sieg unter sich ausmachen sollten.
Im Finale war es dann an den vier Bouldern, die vom Team um den Chef-Rouenbauer Serik Kazbekov an die Wand gebracht wurden, eine Demonstration der Stärke des russischen Teams. Gesamtsieger Fischhuber, der nicht mehr mit vollster Anspannung an die Wand trat, gelang nur ein Top, während der derzeit in unbestechlicher Form kletternde Dmitry Sharafutdinov alle vier Boulder flashen konnte. Ob wacklige Plattenboulder, Blockierer an hässlichen Dreiecksvolumen, große Kugeln, weite Sprünge, kleinste Griffe – die Routenschrauber hatten dem WM-Sieger nichts entgegen zu setzen. Am Ende gewann Sharafutdinov mit einer bärenstarken Vorstellung vor dem ebenfalls unglaublich souveränen Rustam Gelmanov, dem auch vier Tops gelangen - allerding brauchte er drei Versuche mehr als sein Landsmann. Dritter wurde Alexey Rubtsov mit zwei Tops vor Klemen Becan und Mykhaylo Shalagin. Die Gesamtwertung führt am Ende eine langen Saison Kilian Fischhuber an, er gewinnt zum fünften Mal den Weltcup vor Sharafutdinov und dem Franzosen Glairon-Mondet, der in München 14. wurde.
Im spektakulären, von Anfeuerungsrufen und Jubelstürmen der 5000 Zuschauer begleiteten Finale der Damen sollte dann schließlich die Entscheidung um den Gesamtsieg fallen. Wer würde das Rennen machen? Akiyo Noguchi und Anna Stöhr lagen nur wenige Punkte auseinander, diejenige, die sich vor der anderen platzieren würde können, sollte den Titel einheimsen. Am ersten Boulder waren sowohl Noguchi als auch Stöhr nicht erfolgreich, jedoch schafften beide die Bonuswertung im ersten Versuch. Auch Jule Wurm erreichte das Top nicht, dafür aber Mina Markovic und Shauna Coxsey. Beim zweiten Finalboulder ging dann Stöhr in die Offensive, flashte und setzte sich etwas von Noguchi ab, die einen Versuch mehr benötigte. Für Juliane Wurm war der Boulder kein Problem, sie kletterte problemlos top und war „back in the game“. Auch Mina Markovic war erfolgreich und blieb weiter in Front. Der dritte Boulder blieb von allen Damen ungeklettert und so musste die Entscheidung am letzten Boulder fallen. Und hier zeigten sich die Vorteile von Anna Stöhr bei dynamischen Zügen: Als Noguchi den Doppeldyno deutlich verfehlte und ohne Bonuswertung an Boulder 4 den Wettkampf beendete, stand Stöhr bereits als Gesamtweltcup-Siegerin fest. Den Top-Griff erreichte auch Stöhr nicht, dank der Bonuswertung stand für sie aber am Ende Rang drei. Besser waren nur zwei: Juliane Wurm stürmte in ihrem dritten Versuch unter dem Jubel des Publikums zum Zielgriff und sicherte sich so Rang zwei und einen tollen Abschluss einer überragenden Saison. Besser als die 20-Jährige war nur Mina Markovic, die am Ende drei Boulder toppen konnte und nach dem Jugend-Weltmeistertitel im Lead und drei Vorsteigs-Weltcupsiegen nun auch ihren ersten Boulder-Weltcup gewinnen konnte. Anna Stöhr war nach dem Triumph im Gesamtweltcup überrglücklich: “Ich hab heut meine letzten Kraftreserven mobilisiert. Die Spannung und der Druck waren enorm. Dass es nach dem WM-Titel nun auch noch zum Gesamtweltcupsieg gereicht hat ist die Krönung einer unglaublichen Saison. Danke an alle, die mich immer unterstützen!“ Und auch Kilian Fischhuber freute sich über den Erfolg der sympathischen Österreicherin: „Den letzten Bewerb der Saison hab ich genossen. Da im Finale für mich der Druck nicht so da war, hat heute der letzte Punch gefehlt, was aber locker zu verschmerzen ist, wenn ich daran denke, dass Anna (Anm. Stöhr) heute den Gesamtweltcupsieg bei den Damen nach Österreich holen konnte.“
Wir sprachen nach dem Wettkampf auch noch kurz mit Juliane Wurm:
Weitere Videos zum Wettkampf
Alles zum Boulder-Weltcup 2011 lest ihr hier .
Sechs Deutsche schaffen den Sprung ins Halbfinale
Bereits am Freitagmorgen waren die 65 Herren und 36 Damen zum ersten Mal auf die Matte getreten und hatten in der Qualifikation die besten 20 Teilnehmer ermittelt, die am Samstag im Halbfinale mit dabei sein durften. Dabei zeigten die deutschen Athleten, dass sie voll motiviert und gut vorbereitet mit den Besten mithalten können: Gleich sechs Boulderer und Boulderinnen schafften den Sprung in die Vorschlussrunde! Besonders erfreulich war, dass dies sogar drei Damen gelang. Lokalmatadorin Sarah Schützenberger war dabei wohl die größte Überraschung, das erst 16-jährige Nachwuchstalent schaffte mit drei Flashs ihr bisher bestes Weltcup-Resultat und den Einzug in die nächste Runde. Extrem gut in Form präsentierte sich auch Julia Winter, die wie Juliane Wurm alle Boulder klettern konnte und dabei sogar einen Versuch weniger benötigte als die Dortmunderin. Beide zogen souverän ins Halbfinale ein.
Hojer, Baumann und Conrad unter den besten 20
Auch die deutschen Herren überzeugten am Freitag mit starken Leistungen: Jonas Baumann, Jan Hojer und Mathias Conrad waren in ihren Quali-Gruppen jeweils unter die Top Ten geklettert und damit im Halbfinale mit dabei. Insgesamt schafften es 21 Teilnehmer dorthin, unter ihnen natürlich auch die Top-Favoriten Dmitry Sharafutdinov (RUS), Kilian Fischhuber (AUT), Tsukuru Hori (JAP), Guillaume Glairon Mondet (FRA), Daniel Woods (USA) und Klemen Becan (SLO.
Heiß, heißer, Halbfinale
Als sich die Boulderer am Samstag um 11:30 Uhr dann zum Halbfinale bereit machten, dürfte den meisten bereits klar gewesen sein: Es wird eine Hitzeschlacht! 30 Grad, pralle Sonne, wenig Luftdurchzug unter dem Zeltdach, extrem schwere Boulder – es sollte am Ende sehr wenige erfolgreiche Begehungen geben. Vor allem die Damen bissen sich an den harten Nüssen die Zähne aus. Anna Stöhr war nach dem ersten Boulder so frustriert, dass sie ihren Chalkbag in die Ecke feuerte und sogar eine kleine Träne verdrücken musste, bevor sie an den Bouldern 3 und 4 ihren Finaleinzug dann doch perfekt machte. Mit zwei Tops war sie am Ende sogar Führende, denn außer ihr gelang dies keiner Frau. Kurios: Obwohl auch Juliane Wurm stark mit der Hitze kämpfen musste, mehrere Male knapp an den letzten Zügen scheiterte und am Ende ohne Top-Begehung da stand, zog sie als Fünfte in das Finale ein. Vier erreichte Bonusgriffe in sieben Versuchen reichten der Deutschen Meisterin, die sich zu Freude der Zuschauer neben Stöhr, Shauna Coxey (GBR), Yana Cheresneva (RUS), Akiyo Noguchi (JAP) und Mina Markovic (SLO) in den Endkampf katapultierte. Etwas überraschend mussten die US-Girls die Segel streichen: Die Dritte des Gesamtweltcups Alex Puccio schimpfte über die heißen Wände und die schweren Boulder und war völlig frustrierte, WM-Silbermedaillengewinnerin Sasha DiGulian taugten die dynamischen Boulder mit vielen langen Zügen überhaupt nicht, sie wurde nur 15. Auch Julia Winter und Sarah Schützenberger hatten im Halbfinale nicht viel zu bestellen und wurden am Ende 16. Und 21.
Ostblockpower in München
Auch bei den Herren blieben im Halbfinale die meisten der 21 Starter ohne erfolgreiche Begehung, unter ihnen leider auch die Deutschen. Jan Hojer war vor allem an Boulder Nummer 3 nah dran, schaffte es aber nicht die zweite Hand an den Zielgriff zu bekommen. Am Ende wurde er dennoch guter Zehnter, Jonas Baumann 15. und Mathias Conrad 20. Das Finale blieb der Ostblock-Crew Gelmanov, Sharafutdinov, Rubtsov (alle RUS) und Shalagin (UKR) vorbehalten, die zusammen mit Klemen Becan (SLO) und Kilian Fischhuber (AUT) am Abend den Sieg unter sich ausmachen sollten.
Unglaublicher Sharafutdinov
Im Finale war es dann an den vier Bouldern, die vom Team um den Chef-Rouenbauer Serik Kazbekov an die Wand gebracht wurden, eine Demonstration der Stärke des russischen Teams. Gesamtsieger Fischhuber, der nicht mehr mit vollster Anspannung an die Wand trat, gelang nur ein Top, während der derzeit in unbestechlicher Form kletternde Dmitry Sharafutdinov alle vier Boulder flashen konnte. Ob wacklige Plattenboulder, Blockierer an hässlichen Dreiecksvolumen, große Kugeln, weite Sprünge, kleinste Griffe – die Routenschrauber hatten dem WM-Sieger nichts entgegen zu setzen. Am Ende gewann Sharafutdinov mit einer bärenstarken Vorstellung vor dem ebenfalls unglaublich souveränen Rustam Gelmanov, dem auch vier Tops gelangen - allerding brauchte er drei Versuche mehr als sein Landsmann. Dritter wurde Alexey Rubtsov mit zwei Tops vor Klemen Becan und Mykhaylo Shalagin. Die Gesamtwertung führt am Ende eine langen Saison Kilian Fischhuber an, er gewinnt zum fünften Mal den Weltcup vor Sharafutdinov und dem Franzosen Glairon-Mondet, der in München 14. wurde.
Damenfinale: Entscheidung am letzten Boulder
Im spektakulären, von Anfeuerungsrufen und Jubelstürmen der 5000 Zuschauer begleiteten Finale der Damen sollte dann schließlich die Entscheidung um den Gesamtsieg fallen. Wer würde das Rennen machen? Akiyo Noguchi und Anna Stöhr lagen nur wenige Punkte auseinander, diejenige, die sich vor der anderen platzieren würde können, sollte den Titel einheimsen. Am ersten Boulder waren sowohl Noguchi als auch Stöhr nicht erfolgreich, jedoch schafften beide die Bonuswertung im ersten Versuch. Auch Jule Wurm erreichte das Top nicht, dafür aber Mina Markovic und Shauna Coxsey. Beim zweiten Finalboulder ging dann Stöhr in die Offensive, flashte und setzte sich etwas von Noguchi ab, die einen Versuch mehr benötigte. Für Juliane Wurm war der Boulder kein Problem, sie kletterte problemlos top und war „back in the game“. Auch Mina Markovic war erfolgreich und blieb weiter in Front. Der dritte Boulder blieb von allen Damen ungeklettert und so musste die Entscheidung am letzten Boulder fallen. Und hier zeigten sich die Vorteile von Anna Stöhr bei dynamischen Zügen: Als Noguchi den Doppeldyno deutlich verfehlte und ohne Bonuswertung an Boulder 4 den Wettkampf beendete, stand Stöhr bereits als Gesamtweltcup-Siegerin fest. Den Top-Griff erreichte auch Stöhr nicht, dank der Bonuswertung stand für sie aber am Ende Rang drei. Besser waren nur zwei: Juliane Wurm stürmte in ihrem dritten Versuch unter dem Jubel des Publikums zum Zielgriff und sicherte sich so Rang zwei und einen tollen Abschluss einer überragenden Saison. Besser als die 20-Jährige war nur Mina Markovic, die am Ende drei Boulder toppen konnte und nach dem Jugend-Weltmeistertitel im Lead und drei Vorsteigs-Weltcupsiegen nun auch ihren ersten Boulder-Weltcup gewinnen konnte. Anna Stöhr war nach dem Triumph im Gesamtweltcup überrglücklich: “Ich hab heut meine letzten Kraftreserven mobilisiert. Die Spannung und der Druck waren enorm. Dass es nach dem WM-Titel nun auch noch zum Gesamtweltcupsieg gereicht hat ist die Krönung einer unglaublichen Saison. Danke an alle, die mich immer unterstützen!“ Und auch Kilian Fischhuber freute sich über den Erfolg der sympathischen Österreicherin: „Den letzten Bewerb der Saison hab ich genossen. Da im Finale für mich der Druck nicht so da war, hat heute der letzte Punch gefehlt, was aber locker zu verschmerzen ist, wenn ich daran denke, dass Anna (Anm. Stöhr) heute den Gesamtweltcupsieg bei den Damen nach Österreich holen konnte.“
Wir sprachen nach dem Wettkampf auch noch kurz mit Juliane Wurm:
Weitere Videos zum Wettkampf
Alles zum Boulder-Weltcup 2011 lest ihr hier .
ANZEIGE
Weltcup-Termine Bouldern
-
IFSC Boulder World Cup - Vail (USA) 2012
01.06.2012 -
IFSC Boulder World Cup - München (GER) 2012
24.08.2012
Klettern auf Facebook
Weitere Fragen und Antworten zum Thema Klettern finden Sie auf www.sportlerfrage.net











