Was braucht man im Hochgebirge? Ausrüstungstipps für Höhenbergsteiger (2)

bergleben.de am 01.05.2008 - 10:00 Uhr
Ernährung und Küche

Die Verpflegung bei einer mehrwöchigen und äußerst kräftezehrenden Expedition sollte kohlenhydratisch, gut gewürzt und leicht verdaulich sein, weiterhin von geringem Gewicht, einfach in der Zubereitung und wenn möglich den Ernährungsgewohnheiten entsprechend. Bei zunehmender Höhe sollten Fette vermieden werden. Wegen des reduzierten Sauerstoffgehalts sind häufige, kleine Mahlzeiten zu bevorzugen. Speziell gefriergetrocknete Trekking-Mahlzeiten wie kleine Powerriegel versorgen den Körper mit vielen wichtigen Essenzen. Die Energieriegel, die man auch aus dem Radsport kennt, versorgen den Körper mit Kohlenhydraten, Vitaminen, Magnesium und vielen anderen Stoffen, die die Speicher im Körper wieder auffüllen. Einige Produkte finden ihr in unserer bergleben-Shop . Dort bieten Firmen wie Power Bar, Allos und Viba ihre Produkte an. Sie bieten ein ausgewogenes Verhältnis von Energiezufuhr, Geschmack und Praxistauglichkeit.

Häufiges Trinken ist vor, während und nach einer Kletterei im Hochgebirge essentiell wichtig. Bei zunehmender Höhe nimmt das Durstgefühl ab, deshalb ist es im Vorhinein wichtig, sich eine Trinktaktik zurechtzulegen. Bedenkt, dass man geringe Mengen trinken sollte, so dass man nicht einen großen Teil der Flüssigkeit wieder ausschwitzt.
Allerdings ist die Wasserqualität ein ernstes Problem beim Höhenbergsteigen. Quellwasser beherbergt jede Menge Krankheitserreger und Keime und sollte zunächst aufbereitet werden. Ein Wasserkocher, den jedes Team mit sich führen muss - sei es für die Aufbereitung des Wassers oder zum Kochen von warmen Mahlzeiten - ist unerlässlich. Durch die Erhitzung werden Protozoen, Amöben und viele andere Bakterien abgetötet. Absolute Zuverlässigkeit auch bei niedrigen Temperaturen und sparsamer Verbrauch sind ausschlaggebende Argumente für die Wahl des Brennstoffs und den Kocher. Damit warme Getränke tagsüber nicht einfrieren und schön heiß bleiben, ist es empfehlenswert, wenn der Kocher eine Isolierkanne beherbergt. Softdrinks und aufbereitendes Trinkwasser der Industrie können bedenkenlos zu sich genommen werden.

Lager

In gewaltigen Höhen, wie sie beim Höhenbergsteigen erreicht werden, leiden viele Bergsteiger unter Schlafstörungen. Ungewohnte Umgebung, Kälte, ein harter Boden und nicht zuletzt die Höhe sind für einen gesunden Schlaf nicht gerade förderlich. Um den Schlafstörungen zu trotzen und einem erhöhten Unfallrisiko bei Unausgeschlafenheit entgegen zu steuern, ist eine gute Ausrüstung ratsam. Ohne ein absolut zuverlässiges Zelt ist das Überleben an den Berghängen kaum möglich. Es muss den stärksten Stürmen standhalten und gleichzeitig leicht und geräumig sein. Im Notfall muss eine Person es alleine aufbauen können. Der Daunenschlafsack, in den man sich einhüllt, muss einen großen Wärmespeicher besitzen. Hier findet ihr Schlafsäcke und Zelte in unserem Shop.

Transport & Fortbewegung

Die gesamte Ausrüstung wie Kocher, Zelt, Schlafsack, Medikamente, Bekleidung und die nicht zu vergessenen technischen Geräte müssen von den jeweiligen Expeditionsteilnehmern oder den Trägern transportiert und natürlich sinnvoll verstaut werden. Zu diesem Zweck machen sich die Bergsportausrüster jedes Jahr von neuen Gedanken, wie man die Tragemöglichkeiten weiter perfektionieren kann. In unserem Test Area findet ihr verschiedene Tests zum Thema Rucksäcke.

Navigation

In den Höhen der Gebirgswelt fehlen vor allem auf wenig begangenen Bergen Orientierungspunkte, um die genaue Route zu halten. Karte und Kompass sind daher ständig im Einsatz, müssen jedoch durch ein GPS-Gerät ergänzt werden, womit regelmäßig die Position erfasst und gegebenenfalls die Marschrichtung korrigiert werden kann. Um auch bei niedrigen Temperaturen jederzeit verlässliche Positionsbestimmungen zu bekommen, finden nur erstklassige GPS-Geräte und Kompasse bei einer Expedition Verwendung. Die meisten hohen Berge sind allerdings schon so gut erschlossen und mit Wegen versehen, dass navigierende Maßnahmen kaum nötig werden. Zudem sollte jeder eine Uhr mit Höhenmesser und Barometer tragen.

Kommunikation

Waren die ersten Bergsteiger noch wochenlang von der Außenwelt abgeschnitten und in allen Situationen auf sich gestellt, ermöglicht es die moderne Kommunikationstechnik heute, jederzeit mit dem Rest der Welt in Verbindung zu treten. Aus Sicherheitsgründen ist es für Expeditionen im Hochgebirge ratsam, einen Notrufsender mitzuführen, mit dem im Notfall eine Rettung eingeleitet werden kann. Außerdem verfügen die modernen Abenteurer über ein Satellitentelefon, mit dem jederzeit und an jedem Ort Telefonate oder auch Datentransfer via Notebook möglich sind. Viele Abenteurer veröffentlichen so ihre Expeditionstagebücher, die ihr oft auch hier auf unserem Portal lesen können.

Sicherheit

Das Beste ist gerade gut genug, wenn es um die Sicherheit einer Bergexpedition geht. Sicherheitsrelevant ist dabei eigentlich fast alles, von den Schuhen über die Bekleidung bis zum Schlafsack und Zelt. Auch die verlässliche Kommunikation mit der Außenwelt ist ein wichtiger Sicherheitsfaktor.
Ein Teil der Ausrüstung ist darüber hinaus nur zu dem Zweck da, um Schutz vor Gefahren und zusätzliche Sicherheit zu gewährleisten. Dazu gehören auch Leuchtkugeln und Blitz-Knall-Patronen. Ein umfangreiches Erste-Hilfe-Paket und Reparaturkit ist essenziell.

Energie

Die elektronischen Geräte verbrauchen Energie, die ihnen immer wieder neu zugeführt werden muss. Dazu müssen die Expeditionsteams hochwertige Akkus für die Kameras, GPS-Geräte usw. im Gepäck mit sich führen. Mittlerweile sind auch Solar-Panels mitsamt Stromumwandler verbreitet, mit denen, je nach Sonneneintrahlung, gewisse Strommengen erzeugt werden können

Sauerstoffausrüstung

Ein rascher Höhenanstieg kann schon ab einer Höhe von 2.500 Metern zu körperlichen Funktionseinschränkungen führen. Bei schnellem Aufstieg treten ab 4.000 Metern Höhe bereits Schwindel, Herz- und Atemstörungen auf. Bei einer Aufstiegshöhe auf über 7.500 Meter ("Todeszone") leidet der menschliche Organismus enorm, es kann zu Kollapszuständen, Krämpfen, Atemnot oder auch Halluzinationen kommen. Diese Probleme sind sehr zeitabhängig und daher muss der Anstieg mit Bedacht ausgeführt werden. Der Körper erhält dann die Chance, sich an die Gegebenheiten anzupassen. Diese Anpassung wird als Akklimatisation bezeichnet. Viele Höhenbergsteiger nutzen künstlichen Sauerstoff, um ihre Gipfelziele zu erreichen. Aber auch denjenigen, die ohne Sauerstoff bergsteigen, ist zu raten, sich mit einem Sauerstoffgerät und einer Sauerstoffmaske zu bestücken. Denn der Flaschensauerstoff ist das erste Medikament gegen die Höhenkrankheit. Den raschen Abstieg ersetzt er allerdings keineswegs.

Beim Auftreten von Symptomen der Höhenkrankheit in extremen Höhen sollte die Dosierung anfangs die höchstmögliche Flussrate betragen (6-10 Liter pro Minute), bis sich die Zyanose verbessert. In der Zyanose liegt in der Regel eine Unterversorgung des Blutes mit Sauerstoff vor. Dabei können sich die Haut, die Schleimhäute, die Lippen oder die Fingernägel violett bis bläulich verfärben. Die Zyanose kann, bei akutem Auftreten, Symptom für eine gefährliche bis lebensbedrohliche Störung des Organismus sein. Anschließend sollte eine Flussrate von etwa zwei bis vier Litern pro Minute konstant oder intervallartig jeweils vier bis sechs Stunden eingestellt werden. Jede Sauerstoffflasche sollte mit 1.000 Litern gefüllt sein und so mindestens 8 Stunden halten. Neben einem Manometer/Druckmessgerät sollte es auch über ein Flussraten-Messgerät verfügen. Das Gewicht der Flasche beträgt dann circa fünf bis sieben Kilo. Bei jeder Tour ist es ratsam, vorher den Füllzustand der Flasche zu überprüfen und die Reaktion bei extremen Kältebedingungen in der Kühltruhe zu simulieren. Auch die Funktionstüchtigkeit der Ventile, der Maske und besonders der Messinstrumente sollte gecheckt werden. Hinweis: Flaschensauerstoff darf nicht als Präventions, Steig- oder Schlafhilfe verwendet werden, ansonsten wird die natürliche Akklimatisation beeinträchtigt.

Medikamente

Der Bergtourismus hat in den letzten Jahren gewaltig zugenommen. Viele Touristen behelfen sich mit medikamentösen Akklimatisationshilfen. Doping hat also mittlerweile auch beim Höhenbergsteigen Anhänger gefunden. Einige Medikamente bringen unkalkulierende Risiken mit sich und sind aus ärztlicher Sicht abzulehnen. Eine natürliche Akklimatisation ist jeder medikamentösen überlegen, allerdings können Medikamente die Auswirkungen der Höhenkrankheit verringern, Schmerzen lindern und auch in bestimmten Fällen lebensnotwendig sein.

In der Todeszone: Hochtouren-Ausrüstung – Die Checkliste

Bekleidung
- Schichtenartige Funktionsunterwäsche, dazu gehört auch ein sinnvolles Sockenprinzip
- Hemd bzw. T-Shirt
- Handschuhe, Mütze, Gletscherbrille mit hohem UV-Schutz
- Berghose (Daun) bestückt mit effektiven Details + Verstärkungen
- Hochtourenjacke (Daun)
- Pullover
- Überhose (Nässe-, Wind- und Kälteschutz, z. B. Goretex)
- Vorteilhafter Rucksack
- Ersatzwäsche
Ausrüstungsgegenstände
- Hochtourenschuhe mit Steigeisen
- Bandschlingen, vernäht 60 und 120 cm Nutzlänge
- Reepschnüre 1x und 2x Körpergröße
- Zwei Reepschnüre 100 bis 400 cm
- Sauerstoffgerät (Auf Funktionstüchtigkeit testen)
- Eispickel/Eisbeil
- Seil
- Erste-Hilfe-Paket, Reparaturkitt und Rettungsdecke
- Helm mit Beleuchtung
- Biwaksack/Schlafsack
- Brust- und Hüftgurt
- Karte, Kompass und/oder GPS, Notrufsender
- Gute Akkus + Ladegerät
- Höhenmesser
- Verpflegung für unterwegs (Energieriegel, Getränke)
- Trinkflasche/Trinkbeutel (mind. 1,5 Liter)
- Gaskocher
- Handy/Satellitentelefon
- Uhr mit Höhenmesser und Barometer
- Leuchtkugeln und Blitz-Knall-Patronen
- Ein Schraubkarabiner
- Zwei Normalkarabiner
- Zwei Eisschrauben

Quellen:
- www.eiswueste.org
- www.wikipedia.de
- Berghold, F. / Schaffert, W. (2004): Handbuch der Trekking- und Expeditionsmedizin, DAV Summit Club
- Mees, K. (2008): Höhenanpassung, Bruckmann Verlag
- Perwitzschky, O.: Bergwandern/Bergsteigen, Alpine Lehrschrift, Bergverlag Rother
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Bilderserie

Höhenbalance AG Uta Oehl Diego Wellig Skyrunner Christian Stangl

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