Kommentar: Buildering - cooler Trend oder Klettern ad absurdum?
bergleben.de am 23.10.2009 - 13:42 Uhr
© (c)Rainer Eder/Red Bull Photofiles
Aus dem ursprünglichen Klettersport haben sich in den letzten Jahrzehnten viele Trends und sogar spezielle Disziplinen entwickelt: Das Bouldern als besondere Form des Kletterns hat mittlerweile unglaublich viele Anhänger, Slacklining ist seit ein paar Jahren als spaßiges Sommer- und Gleichgewichtsvergnügen etabliert. Und nun treffen sich Städter zu dem neuen Trend der Szene: „Buildering“!
Buildering als eine Wortmischung von „bouldering“ (bouldern) und „building“ (Gebäude) findet vor allem im urbanen Raum immer mehr Fans. Man trifft sich nicht mehr in der Kletterhalle oder im weit entfernten Klettergebiet, sondern zieht durch die City und sucht sich Gebäude, Brücken, Geländer, kurz: irgendetwas, an dem man herumklettern, sich neue Aufgaben stellen kann. „Buildering“ - mehr als nur ein Trend?
Man kann Buildering von zwei Seiten betrachten: Die einen werden sich mit Grauen von den Städtern abwenden, die den Grundgedanken des Kletterns – das Bewegen in der unberührten Natur und das Erleben des Outdoor-Gefühls an Fels und Stein – ad absurdum führen. Was würden die ersten Freikletterer und Pioniere des Klettergeistes nur tun, wenn sie sehen würden, wohin sich das Klettern entwickelt? „Wahrscheinlich nur mit Kopf schütteln. Das hat nichts mit Freiheit und Naturverbundenheit zu tun“, hört man schon die Alteingesessenen unken.
Die anderen allerdings sehen den Freigeist, mit dem Städter raus aus den miefigen Kletterhallen an die frische Luft strömen, immer auf der Suche nach kletterbaren Elementen, immer auf der Suche nach neuen Spots, neuen Erfahrungen. „Den urbanen Raum zum Erlebnisraum umfunktionieren, die von Menschen gestalteten Dinge als Hindernisse nutzen und sie überwinden – das ist der Sinn des Buildering“, so hört man es vielleicht an anderen Stammtischen.
Klar, „Buildering“ wird nie in Konkurrenz zum Naturklettern oder -bouldern stehen. Es ist doch noch etwas anderes, ob man einen Boulder in einer natürlichen Umgebung entdeckt, einrichtet, klettert oder ob man an einem Bushäuschen oder einer Brücke herumkraxelt. Aber muss man nicht offen gegenüber Neuem sein? Soll man den Klettersport vor jeglicher Veränderung bewahren? Für Millionen von „Stadtaffen“ (in Anlehnung an Peter Fox) ist das „Buildering“ eine Chance: Eine Chance, einen wunderbaren Sport kennen zu lernen. Eine Chance, die Bewegungsvielfalt des Kletterns zu erfahren. Eine Chance, ohne stundenlange Autofahrten zu klettern. Eine Chance, mit Freunden zusammen sich Problemen zu stellen und diese zu bewältigen. Eine Chance, Klettern nicht als Hallensport, sondern als Outdoor-Sport auszuüben.
Vielleicht wird „Buildering“ in den nächsten Jahren mehr als nur ein Trend. Und wir sollten uns fragen - wieso eigentlich nicht?
Sebastian Lindemeyer
Webtipp: www.buildering-spots.de
Buildering als eine Wortmischung von „bouldering“ (bouldern) und „building“ (Gebäude) findet vor allem im urbanen Raum immer mehr Fans. Man trifft sich nicht mehr in der Kletterhalle oder im weit entfernten Klettergebiet, sondern zieht durch die City und sucht sich Gebäude, Brücken, Geländer, kurz: irgendetwas, an dem man herumklettern, sich neue Aufgaben stellen kann. „Buildering“ - mehr als nur ein Trend?
Man kann Buildering von zwei Seiten betrachten: Die einen werden sich mit Grauen von den Städtern abwenden, die den Grundgedanken des Kletterns – das Bewegen in der unberührten Natur und das Erleben des Outdoor-Gefühls an Fels und Stein – ad absurdum führen. Was würden die ersten Freikletterer und Pioniere des Klettergeistes nur tun, wenn sie sehen würden, wohin sich das Klettern entwickelt? „Wahrscheinlich nur mit Kopf schütteln. Das hat nichts mit Freiheit und Naturverbundenheit zu tun“, hört man schon die Alteingesessenen unken.
Die anderen allerdings sehen den Freigeist, mit dem Städter raus aus den miefigen Kletterhallen an die frische Luft strömen, immer auf der Suche nach kletterbaren Elementen, immer auf der Suche nach neuen Spots, neuen Erfahrungen. „Den urbanen Raum zum Erlebnisraum umfunktionieren, die von Menschen gestalteten Dinge als Hindernisse nutzen und sie überwinden – das ist der Sinn des Buildering“, so hört man es vielleicht an anderen Stammtischen.
Klar, „Buildering“ wird nie in Konkurrenz zum Naturklettern oder -bouldern stehen. Es ist doch noch etwas anderes, ob man einen Boulder in einer natürlichen Umgebung entdeckt, einrichtet, klettert oder ob man an einem Bushäuschen oder einer Brücke herumkraxelt. Aber muss man nicht offen gegenüber Neuem sein? Soll man den Klettersport vor jeglicher Veränderung bewahren? Für Millionen von „Stadtaffen“ (in Anlehnung an Peter Fox) ist das „Buildering“ eine Chance: Eine Chance, einen wunderbaren Sport kennen zu lernen. Eine Chance, die Bewegungsvielfalt des Kletterns zu erfahren. Eine Chance, ohne stundenlange Autofahrten zu klettern. Eine Chance, mit Freunden zusammen sich Problemen zu stellen und diese zu bewältigen. Eine Chance, Klettern nicht als Hallensport, sondern als Outdoor-Sport auszuüben.
Vielleicht wird „Buildering“ in den nächsten Jahren mehr als nur ein Trend. Und wir sollten uns fragen - wieso eigentlich nicht?
Sebastian Lindemeyer
Webtipp: www.buildering-spots.de
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