Kommentar: Die Nebenwirkungen der Erfolgsorientierung

bergleben.de am 21.11.2008 - 11:29 Uhr
Bereits zum 13. Mal fand im April 2008 die Patrouille des Glaciers statt. Es ist eines der bekanntesten und prestigeträchtigsten Skitourenrennen der Welt. Jetzt wurde die Szene vom Dopingfall des Franzosen Patrick Blanc erschüttert.

Der Sport, das Skibergsteigen oder Skitourengehen, ist längst keine Nischensportart mehr. In Zeiten von überfüllten Liften und Massenskitourismus wächst der Markt mit Tourenskiern und -bindungen. Immer mehr Menschen wollen beim Skifahren wieder das reine Naturerlebnis ohne Lifte und Menschenmengen erleben. Und auch der Wettkampfsport Skibergsteigen wird immer beliebter. Eine bessere Organisation der Verbände sorgt für sichere Rennen, spannende und vor allem die Vielseitigkeit fordernde sportliche Wettkämpfe. Hier wird nicht nur beste Skitechnik, sondern auch extreme Ausdauer und Renntaktik gefordert. Mit den erfolgreichen Wettkämpfen, sei es im Weltcup, dem Austria Skitour Cup oder dem DAV Skitourencup, hält der Leistungsgedanke Einzug in die Köpfe der Sportler. Manche verurteilen diese Entwicklung, war doch das Besondere des Bergsports über Jahrhunderte, dass er eben nicht leistungsorientiert ist. Viele heißen Bergsport als Wettkampfsport aber auch gut, können sie sich doch nun in ihren Lieblingsregionenen und Lieblingssportarten endlich mit Anderen messen. Doch wenn Leistung über alles gestellt wird, gibt es Sportler, die betrügen. Ob im Radsport, der Leichtathletik oder im Langlauf – die schwarzen Schafe des Profisports setzen Erfolg und Medaillen über Fairplay und Sportsgeist.

Diese Entwicklung scheint in einer Leistungsgesellschaft nicht aufzuhalten. Wenn nur die Plätze eins bis drei in den Medien Erwähnung finden, nur durch Erfolge Geld zu verdienen ist und es kein undurchlässiges Kontrollsystem gibt, werden Sportler fast zum Doping motiviert. Ist es ihnen anzulasten, wenn für sie gute Leistung gleich guter Verdienst bedeutet? Die Entrüstung bei aufkommenden Dopingfällen wie dem des erfolgreichen Patrick Blanc, immerhin Sieger der Patrouille 2004, ist stets riesengroß. "Der Rückgriff auf unerlaubte Mittel zur Leistungssteigerung stellt einen Affront gegenüber allen sich korrekt verhaltenden Wettläuferinnen und Wettläufern sowie gegenüber den Organisatoren dar, welche sich jahraus jahrein in unzähligen Stunden mit Begeisterung für einen möglichst reibungslosen Ablauf des Rennens einsetzen“, so der Kommandant des militärischen Skitourenrennens von Zermatt nach Verbier Marius Robyr.

Doch Entrüstung ist keine ausreichende Reaktion. Viel wichtiger wäre die Suche nach Antworten auf wichtige Fragen: Soll es überhaupt Spitzenbergsport geben? Wenn ja, wie kann man die Entwicklung des Spitzensports fördern, sei es im Wettkampfklettern oder im Skibergsteigen, und gleichzeitig das Risiko der Dopingverseuchung minimieren? Muss man ein internationales Kontrollsystem als Teil eines jeden gefährdeten Sports ansehen und noch umfassender entwickeln als bisher? Was können die Verbände, die Veranstalter und Medien dazu beitragen, dass die Sünde des Dopings nicht nur geächtet, sondern vor allem vermieden wird? Der Kampf gegen Doping im Bergsport sollte frühzeitig aufgenommen werden, denn sonst sind das Ansehen und die Leidenschaft für diese Sportarten ähnlich schnell dahin wie für den Radsport.

Sebastian Lindemeyer

Weiterführende Informationen:
Patrouille des Glaciers

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