Heute vor 53 Jahren: Bergsteigerlegende Hermann Buhl stirbt in Pakistan

bergleben.de am 27.06.2010 - 09:57 Uhr
Heute vor 53 Jahren: Bergsteigerlegende Hermann Buhl stirbt in Pakistan © www.hermann-buhl.de
Heute vor 53 Jahren starb der Bergsteiger Hermann Buhl bei einer Expedition an der Chogolisa in Pakistan. Der Österreicher war der erste Mensch auf dem Gipfel des Nanga Parbats und gehörte zu den Erstbesteigern des Broad Peaks.

Anfänge als Bergsteiger
Hermann Buhl wurde am 21. September 1924 in Innsbruck geboren. In den 1930er Jahren unternahm er seine ersten Klettertouren im Karwendel und den Tuxer Alpen, jedoch galt er als zu schwächlicher und sensibler Junge um ein guter Bergsteiger zu werden. Dennoch trat er 1939 der Alpenvereinssektion Innsbruck bei. Nach seinem Hauptschulabschluss begann Buhl eine Lehre zum Speditionskaufmann. Er fing an regelmäßig zu klettern und trainierte hart. 1943 wurde er zum Sanitätssoldat ausgebildet, im Krieg als Gebirgssoldat in Italien eingesetzt. Nach Kriegsende und amerikanischer Kriegsgefangenschaft kehrte er nach Innsbruck zurück. Mit Gelegenheitsjobs finanzierte er sich seine Bergführerausbildung.


Privates Glück
1950 lernte er Eugenie Högerl kennen, die er ein Jahr später heiratete und mit der er drei Töchter bekam. Anfang der 1950er Jahre machte er sich vor allem durch Eröffnungen und Wiederholungen schwieriger Routen in den Alpen einen Namen. So gelang ihm 1952 zum Beispiel solo die Erstbegehung der Piz Badile Nordostwand.

Vorbereitung auf den Nanga Parbat
Ende 1952 wurde Buhl von Dr. Karl Herrligkoffer zur Willy-Merkl-Gedächtnis-Expedition eingeladen. Akribisch bereitete er sich vor und trainierte unter härtesten Bedingungen. Im Februar beging er alleine und bei Dunkelheit die verschneite und vereiste Watzmann-Ostwand zur Vorbereitung.

41-stündige Bergodyssee
Im Sommer war es dann soweit: Vom letzten Lager auf 6900 Metern Höhe startete Buhl im Alleingang zum Gipfel des Nanga Parbats. Er erreichte diesen am 3. Juli 1953 ohne künstlichen Sauerstoff. Damit stand er als erster Mensch der Welt auf dem 8.125 Meter späteren "Schicksalsberg der Deutschen" und war zudem auch der erste, der einen Achttausender ohne künstlichen Sauerstoff bestieg. Als Beweis für den Gipfelsieg ließ er eine pakistanische Flagge und sein Eispickel zurück. Beim Abstieg wurde Buhl jedoch mitten in einer Steilwand von der Dunkelheit überrascht. Es blieb ihm nichts anderes übrig als im Stehen zu biwakieren. Er hielt die Nacht ohne Schlaf durch und konnte am nächsten Morgen den Weg zurück ins Lager fortsetzen. Doch völlig erschöpft begann Buhl zu halluzinieren, dachte er wäre in Begleitung. Wie schon beim Aufstieg nahm er das Aufputschmittel Pervitin. Mit allerletzter Kraft erreichte er nach einem 41-stündigen Alleingang das rettende Lager und seine Kameraden. Zwei Zehen mussten ihm später amputiert werden. Der Eispickel, den er 1953 am Gipfel ließ, wurde 1999 von einer japanischen Expedition gefunden und seiner Witwe übergeben.

Nationalheld Österreichs
Von nun an wurde Buhl in Österreich als Held gefeiert. Durch Vortragsreisen verdiente er genug Geld, um seine Familie zu ernähren. Im Jahr der Erstbesteigung wurde er zu Österreichs Sportler des Jahres gekürt. Bis zu seiner nächsten großen Expedition unternahm er schwierige Touren in den Dolomiten und im Mont-Blanc-Gebiet.

Erstbesteigung des Broad Peaks
Vier Jahre später, am 9. Juni 1957, war Hermann Buhl Teil eines vierköpfigen österreichischen Expeditionsteams auf dem Weg zum Gipfel des Broad Peak (8.051 Meter). Mit ihm unterwegs waren Fritz Wintersteller, Kurt Diemberger und Marcus Schmuck. Die Kameraden kletterten im Alpinstil, ohne künstlichen Sauerstoff oder Hochträger. Während des Aufstiegs hatte Buhl Schwierigkeiten mit seinen alten Erfrierungen, außerdem war er müde. Dennoch schaffte er es durch seine Willenskraft wieder zum Gipfel. Damit sind Hermann Buhl und Kurt Diemberger die einzigen beiden Menschen der Welt, die zwei Achttausender erstbestiegen haben.

Verschollen an der Chogolisa
Doch noch während der gleichen Expedition waren Buhl und Diemberger wenige Wochen später unterwegs, um die Chogolisa (7.654 Meter) zu besteigen. Ihr Plan war es, den Berg, wie einen Alpengipfel, schnell zu besteigen. Auf 7.300 Metern mussten sie aufgrund schlechten Wetters jedoch umkehren. Auf dem Rückweg waren die beiden nicht angeseilt. Plötzlich ging ein Schlag durch den Schnee und Buhl war verschwunden. Im Schneegestöber kam er wahrscheinlich zu nah an eine Schneewechte, mit der er in die Nordwand abstürzte. Nach seiner Rückkehr ins Basislager startet Diemberger mit den anderen Expeditionsmitgliedern eine Suchaktion, die jedoch erfolglos blieb. Bis heute ist Hermann Buhls Leiche seit dem 27. Juni 1957 an der Chogolisa verschollen. Durch seine außerordentlichen Leistungen gilt er als einer der besten Bergsteiger aller Zeiten, sowie als Vorbild für spätere Bergsteigerberühmtheiten wie z.B. Reinhold Messner.

Quellen:
- www.hermann-buhl.de
- www.bergsteigen.at
- www.wikipedia.org

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