Deutsche Meisterschaft in Wuppertal: Halenke und Winter klettern zum Titel

bergleben.de am 05.12.2011 - 09:16 Uhr
Deutsche Meisterschaft in Wuppertal: Halenke und Winter klettern zum Titel © bergleben.de/Sebastian Lindemeyer
Sebastian Halenke und Julia Winter sind die neuen Deutschen Meister im Sportklettern. Beim letzten nationalen Wettkampf der Saison gewann der junge Schwabe mit dem Irokesen-Haarschnitt vor dem leicht favorisierten Thomas Tauporn. Julia Winter vom Sächsischen Bergsteigerbund setzte sich in der Finalroute gegen Luisa Deubzer (München-Oberland) und Lina Himpel aus Frankfurt durch. Sie überwand als einzige Athletin die Schlüsselstelle, während ihre Konkurrentinnen den Traum vom Titel an dem weiten Dyno begraben mussten, den Routensetzer Jonas Baumann an die Wuppertaler Wupperwände geschraubt hatte.

Winter beste im Halbfinale

Zwölf Herren und acht Herren hatten sich bei den Sportklettercups dieser Saison für die Deutsche Meisterschaft am 3.12. qualifiziert. Ohne Seriensiegerin Juliane Wurm, die in diesem Jahr nur an den Bouldercups teilnahm, und ohne Ines Dull musste das Damenfeld auskommen, so dass Julia Winter und Luisa Deubzer als Favoritinnen in das Halbfinale am Samstagmittag gingen. Und das beide fit in den Wettkampf starteten, bewiesen ihre starken Leistungen. Winter kletterte in der langen Halbfinalroute am weitesten und verwies Luisa Deubzer, die zwei Züge vor der Sächsin aus der Wand fiel, auf Zwischenrang zwei. Nur zwei der acht Damen mussten das Ausscheiden hinnehmen: Saskia Schuster (Frankfurt/Main) und Chiara Clostermann (Ringsee) qualifizierten sich nicht für das Finale der besten Sechs.


Firnenburg scheitert

Im Herrenhalbfinale zeigte Thomas Tauporn zunächst die stärkste Form und kletterte als einziger Starter die Route top. Hinter ihm platzierten sich Sebastian Halenke und Jan Hojer vor dem starken Christoph Hanke, der als Vierter im Finale dabei war. Frühzeitig die Segel streichen musste David Firnenburg: Dem Hannoveraner rutschte der Fuß weg und er musste sich mit Rang zehn zufrieden geben. „Es war ein langes Jahr, die Luft war einfach raus“, so Firnenburg, der 2011 sehr viele Wettkämpfe bestritten hatte und auch am Fels sehr aktiv ist. Ebenfalls im Finale nicht dabei: Benjamin Sillmann (Freiburg-Breisgau, 11.) und Florian Wientjes (München-Oberland , 12.).

Jung klettert sich in einen Rausch

Pünktlich um 17.30 Uhr, kurz nachdem sich der Nikolaus von der Empore zu den zahlreich anwesenden Kindern abgeseilt hatte, sich dabei seinen Bart einklemmte, im Anschluss aber noch einige Geschenke verteilte, startete bei vollem Haus dann das große Finale. Neun Herren, Sammy Adolph und Florian Böbel waren ex aequo auf Platz acht platziert, und sechs Damen durften um den Titel kämpfen. Den Anfang machten drei Herren, dann ging es immer abwechselnd Frau-Mann zur Sache. In der von Christian Bindhammer geschraubten Herrenroute setzte Markus Jung in seiner Heimathalle die erste beeindruckende Duftmarke, an der sich noch einige Herren die Zähne ausbeißen sollten. Bindhammer hatte ein Ausdauerbrett mit lediglich einer annehmbaren Schüttelposition und vielen statischen Längenzügen an die Wupperwände gesetzt – und das lag Jung anscheinend ganz gut. Nur wenige Züge unter dem Top-Griff musste er ablassen und nahm auf der Leaderbank Platz.

Unüberwindbare Crux?

Das Damenfinale eröffnete Denise Plück und kletterte gewohnt kraftvoll bis zur Schlüsselstelle der Tour, an der sie jedoch die Segel streichen musste. Gleiches Schicksal ereilte Ronja Kellner, während die hoch eingeschätzte Marion Mannheim etwas nervös zu Werke ging, nicht richtig in Kletterfluss kam und frühzeitig die Wand loslassen musste. Lina Himpel, zuletzt starke Fünfte beim Europacup in Kranj, verpasste die Dyno-Crux knapp. Und auch die vorletzte Starterin, Luisa Deubzer, kam ohne Probleme bis dahin – und konnte wie Plück, Kellner und Himpel den entscheidenden Griff nicht halten. Sie hätte sich dank der besseren Halbfinalleistung zwar auf die Leaderbank setzen dürfen, rannte aber völlig verärgert zunächst aus der Halle, um ihrem Frust Luft zu machen. Pünktlich zur siegreichen Vorstellung von Julia Winter war sie aber wieder da und musste mit ansehen, wie Winter souverän bis kurz unter das Top kletterte. Dank ihrer Reichweite und Ausdauerfähigkeiten hatte Winter alle Passagen flüssig und beinahe problemlos überwunden – auch die Crux in der Wandmitte war für sie keine Herausforderung, die sie nicht hätte meistern können. Damit feierte Winter, die nach ihrer Schwangerschaft und Mutterpause so stark wie nie zuvor erscheint, verdientermaßen ihren ersten Deutschen Meistertitel im Seilklettern.

Halenke macht alles richtig

Der Herrenwettkampf fand seinen Showdown gegen 19 Uhr: Zunächst hatten Sammy Adolph, Martin Tekles und Chris Hanke die Höhe von Markus Jung deutlich verfehlt, doch dann stand Jan Hojer am Wandfuß und machte sich an seine Finalbegehung. 2008 hatte er noch überraschend den Sieg bei der DM eingefahren, 2011 sollte es damit nichts werden. Zwar schaffte es Hojer auch bis knapp an das Ende der Wand, doch mit einer Höhe von 44+ lag er am Ende knapp hinter Jung (45-). Besser machte es Sebastian Halenke: Schnell und mit all seiner Energie pumpte er durch die ersten Züge, oben ließ er sich Zeit, schüttelte sich lange und hatte so am Ende noch genug Kraft, um Jung zu übertreffen und bis zur Höhe 48+ zu klettern. Das Top erreichte er zwar nicht, aber würde das vielleicht zum Sieg reichen?

Tauporn scheitert

Es reichte. Denn Favorit Tauporn kurz nach Halenke ging etwas nervös zu Werke, kletterte unten und in der Wandmitte zwei Passagen etwas umständlich, so dass ihm trotz guter Vorstellung oben die entscheidenden Körner fehlten, um Halenke übertreffen zu können. Am Ende wurde „Shorty“ Zweiter vor Markus Jung. Halenke aber war nach dem Wettkampf überglücklich: „Die Wettkämpfe in diesem Jahr sind für mich nicht so gut gelaufen, deswegen bin ich mit gemischten Gefühlen in das Finale gegangen. Ich wusste aber, dass ich fit bin. Das es am Ende dann geklappt hat, war eine Erlösung. Jetzt hoffe ich, mich in den nächsten Jahren an der Spitze etablieren zu können.“

Interview mit Sebastian Halenke



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