DM Klettern 2008: Favoritensterben, ein neuer Jungstar und eine Dominatorin
M2b Redaktion am 30.11.2008 - 10:56 Uhr
Lang ist der Weg. Zwar überhaupt nicht steinig, aber dafür überhängend, mit winzig kleinen Griffen, winzig kleinen Tritten und unendlich vielen kräftezehrenden Zwischensicherungen. Es ist die Deutsche Meisterschaft im Sportklettern in Heilbronn. Und die "Kletterarena Heilbronn" hält, was ihr Name verspricht. Es ist eine Arena für die besten Kletterer Deutschlands, 20 an der Zahl. Schweiß, Kampf und Anspannung an der 18 Meter hohen Wand – und das alles vor den Augen von hunderten dicht aneinander gedrängten Zuschauern.
Spannung pur in der Quali
In Abwesenheit des Serienmeisters der letzten zehn Jahre Christian Bindhammer von der Sektion Allgäu-Kempten und der Deutschen Bouldermeisterin Natalie Sailer kämpfen in der Qualifikation acht Damen und zwölf Herren um die Finalplätze. Bindhammer fehlt aufgrund einer andauernden Erkrankung und kann deshalb seinen Titel von 2007 nicht verteidigen, Sailer ist verletzt und dünnt den Kreis der wenigen Konkurrentinnen der Dortmunderin Juliane Wurm weiter aus. So kann Wurm in der ersten Runde des Wettkampfs gleich ihre Favoritenstellung, die sie sich mit drei Siegen in den drei Sportklettercups des Jahres 2008 hart arbeitet hat, deutlich untermauern. Ihr gelingt als Einzige die Top-Begehung – zwischenzeitlich hat sie sogar noch die Kraft, den Zuschauern entspannt zu zulächeln. Anders geht es Ines Dull, die als Vizemeisterin 2007 eine Kandidatin fürs Podium ist. Sie klettert auf Rang zwei der Quali, aber Zeit und Kraft zum Lächeln hat sie nur wenig. Denn die Route ist nicht einfach, was auch Mitfavoritin "Lulu" Neumärker erkennen muss. Zunächst nur auf dem siebten Rang platziert und damit raus aus dem Wettkampf kommt Neumärker aber dann nach einem Einspruch doch noch in das Finale. Sie wird wie Irina Mittelmann (Frankfurt) und Monika Retschy (München-Oberland) mit 36- gewertet. So kommen schließlich alle angetretenen Damen in die Schlussrunde.
Tauporn in der Vorrunde bärenstark
Die Routenschrauber hatten auch in der Quali-Route der Herren ganze Arbeit geleistet. Die Tour des Schrauberteams sollte den Kletterern Technik und Kraft gleichermaßen abfordern. Und das tut sie. Zunächst meistert Thomas "Shorty" Tauporn die Anforderungen am besten. Als vorletzter Starter schraubt er sich problemlos zum ersten Ruhepunkt an einer großen Wandstruktur, um dann den verlangten Sprung zu einem Henkel locker zu halten, der zuvor "Veteran" Andreas Bindhammer zum Verhängnis wurde. Und Tauporn ist noch nicht am Ende seiner Kräfte, er schafft es sogar bis zum Top. In dessen Nähe gelangt nur noch Stefan Danker (Landshut). Als Drittbester zieht der starke Benjamin Sillmann ins Finale ein. Dort zuschauen müssen schließlich nur der für Christian Bindhammer nachgerückte Florian Böbel und Jan Ruh. Weil Karsten Borowka, Jan Hojer und Felix Neumärker den gemeinsamen achten Rang belegen, ziehen auch in das Herrenfinale mehr Starter als zunächst vorgesehen ein.
Favoritensterben im Herrenfinale
Am Ende steht der Jüngste ganz oben. Jan Hojer beweist in der knüppelharten Herrenroute des Finales, dass sein achter Rang aus dem Halbfinale nur ein Ausrutscher war. Mit der Wertung 41- klettert er deutlich weiter als die überraschend auf das Treppchen vorkletternden Felix Neumärker und Benjamin Sillmann. Schlimm erwischt es fast alle Top-Favoriten: Andi Bindhammer wird gar Letzter im Finale, Doppel-Sportklettercupsieger Stefan Danker rutscht von einem Tritt und wird Neunter. Und auch der so souveräne Thomas Tauporn überwindet seine Angst vorm Siegen nicht. Er gleitet früh von der Wand ab, blickt enttäuscht drein und gratuliert doch fair seinem Freund Jan Hojer zu dessen Gewinn des Deutschen Meistertitels. 16 Jahre ist Hojer erst alt. Er ist jung, besitzt Nervenstärke – auch bei der lange dauernden anschließenden Dopingprobe - und kann auf eine internationale Karriere in den kommenden Jahren hoffen. Das er auch im Weltcup oben mitklettern kann, bewies Hojer bereits beim letzten Wettbewerb des Jahres in Kranj (SLO), dort wurde er Neunter.
Wurm, immer wieder Wurm
Vom Damenfinale wurde vor Beginn von vielen Kennern der Szene keine große Spannung erwartet. Zu groß die Dominanz der in zwei Wochen 18 Jahre alt werdenden Jule Wurm in den letzten beiden Wettkampfjahren. Wurm geht im Finale der DM gegen 19.30 Uhr am Samstagabend nach ihrem Durchstieg der Quali-Route als Letzte an die Wand. Zunächst hat sie keine Probleme, schafft wie fünf der sieben Damen vor ihr den Weg bis zur Struktur, an der ein "No-Hand-Stand" zum Ausruhen einlädt. Doch dann überlegt sie, lächelt, rollt mit den Augen, zuckt mit den Schultern. "Wie geht es denn hier weiter?" scheint sie zu denken. Schließlich springt sie beherzt zum kommenden Griff, hält ihn und klettert bis über die Bestmarke von Luisa Neumärker heraus. Die 18-Jährige vom Sächsischen Bergsteigerbund war zuvor in der Route hervorragend zurecht gekommen und hatte sich mit ihrem beherzten Auftritt am Ende die Deutsche Vizemeisterschaft gesichert. Dritte wird Kraftpaket Ines Dull, die sich bei der Schlüsselstelle der winzigen Strukturen in der Wand bedient, kurz danach aber auch abgeht. Der erste Platz auf dem Podium bleibt jedoch Juliane Wurm vorbehalten. Der Schülerin, die im nächsten Jahr gerne "alles unter einen Hut bringen" würde, Klettern und Abitur, gelingt damit nicht nur die Titelverteidigung – sie ist auch seit fast zwei Jahren auf nationaler Ebene ungeschlagen.
Die Ergebnisse im Überblick:
Herren:
1. Jan Hojer 41-
2. Felix Neumärker 31-
3. Benjamin Sillmann 29
4. Thomas Tauporn 28+
5. Markus Hoppe 28
Damen:
1. Juliane Wurm 38
2. Luisa Neumärker 37-
3. Ines Dull 36+
4. Irina Mittelmann 30+
5. Anna Katharina Böhm 29+
Am Sonntag findet in Heilbronn noch die Deutsche Jugendmeisterschaft und der dritte und letzte Deutsche Speedcup statt. Ab Montag finden Sie bei mountains2b.com alle Berichte, Interviews, Videoclips und Bilder zum DM-Wochenende in Heilbronn.
Spannung pur in der Quali
In Abwesenheit des Serienmeisters der letzten zehn Jahre Christian Bindhammer von der Sektion Allgäu-Kempten und der Deutschen Bouldermeisterin Natalie Sailer kämpfen in der Qualifikation acht Damen und zwölf Herren um die Finalplätze. Bindhammer fehlt aufgrund einer andauernden Erkrankung und kann deshalb seinen Titel von 2007 nicht verteidigen, Sailer ist verletzt und dünnt den Kreis der wenigen Konkurrentinnen der Dortmunderin Juliane Wurm weiter aus. So kann Wurm in der ersten Runde des Wettkampfs gleich ihre Favoritenstellung, die sie sich mit drei Siegen in den drei Sportklettercups des Jahres 2008 hart arbeitet hat, deutlich untermauern. Ihr gelingt als Einzige die Top-Begehung – zwischenzeitlich hat sie sogar noch die Kraft, den Zuschauern entspannt zu zulächeln. Anders geht es Ines Dull, die als Vizemeisterin 2007 eine Kandidatin fürs Podium ist. Sie klettert auf Rang zwei der Quali, aber Zeit und Kraft zum Lächeln hat sie nur wenig. Denn die Route ist nicht einfach, was auch Mitfavoritin "Lulu" Neumärker erkennen muss. Zunächst nur auf dem siebten Rang platziert und damit raus aus dem Wettkampf kommt Neumärker aber dann nach einem Einspruch doch noch in das Finale. Sie wird wie Irina Mittelmann (Frankfurt) und Monika Retschy (München-Oberland) mit 36- gewertet. So kommen schließlich alle angetretenen Damen in die Schlussrunde.
Tauporn in der Vorrunde bärenstark
Die Routenschrauber hatten auch in der Quali-Route der Herren ganze Arbeit geleistet. Die Tour des Schrauberteams sollte den Kletterern Technik und Kraft gleichermaßen abfordern. Und das tut sie. Zunächst meistert Thomas "Shorty" Tauporn die Anforderungen am besten. Als vorletzter Starter schraubt er sich problemlos zum ersten Ruhepunkt an einer großen Wandstruktur, um dann den verlangten Sprung zu einem Henkel locker zu halten, der zuvor "Veteran" Andreas Bindhammer zum Verhängnis wurde. Und Tauporn ist noch nicht am Ende seiner Kräfte, er schafft es sogar bis zum Top. In dessen Nähe gelangt nur noch Stefan Danker (Landshut). Als Drittbester zieht der starke Benjamin Sillmann ins Finale ein. Dort zuschauen müssen schließlich nur der für Christian Bindhammer nachgerückte Florian Böbel und Jan Ruh. Weil Karsten Borowka, Jan Hojer und Felix Neumärker den gemeinsamen achten Rang belegen, ziehen auch in das Herrenfinale mehr Starter als zunächst vorgesehen ein.
Favoritensterben im Herrenfinale
Am Ende steht der Jüngste ganz oben. Jan Hojer beweist in der knüppelharten Herrenroute des Finales, dass sein achter Rang aus dem Halbfinale nur ein Ausrutscher war. Mit der Wertung 41- klettert er deutlich weiter als die überraschend auf das Treppchen vorkletternden Felix Neumärker und Benjamin Sillmann. Schlimm erwischt es fast alle Top-Favoriten: Andi Bindhammer wird gar Letzter im Finale, Doppel-Sportklettercupsieger Stefan Danker rutscht von einem Tritt und wird Neunter. Und auch der so souveräne Thomas Tauporn überwindet seine Angst vorm Siegen nicht. Er gleitet früh von der Wand ab, blickt enttäuscht drein und gratuliert doch fair seinem Freund Jan Hojer zu dessen Gewinn des Deutschen Meistertitels. 16 Jahre ist Hojer erst alt. Er ist jung, besitzt Nervenstärke – auch bei der lange dauernden anschließenden Dopingprobe - und kann auf eine internationale Karriere in den kommenden Jahren hoffen. Das er auch im Weltcup oben mitklettern kann, bewies Hojer bereits beim letzten Wettbewerb des Jahres in Kranj (SLO), dort wurde er Neunter.
Wurm, immer wieder Wurm
Vom Damenfinale wurde vor Beginn von vielen Kennern der Szene keine große Spannung erwartet. Zu groß die Dominanz der in zwei Wochen 18 Jahre alt werdenden Jule Wurm in den letzten beiden Wettkampfjahren. Wurm geht im Finale der DM gegen 19.30 Uhr am Samstagabend nach ihrem Durchstieg der Quali-Route als Letzte an die Wand. Zunächst hat sie keine Probleme, schafft wie fünf der sieben Damen vor ihr den Weg bis zur Struktur, an der ein "No-Hand-Stand" zum Ausruhen einlädt. Doch dann überlegt sie, lächelt, rollt mit den Augen, zuckt mit den Schultern. "Wie geht es denn hier weiter?" scheint sie zu denken. Schließlich springt sie beherzt zum kommenden Griff, hält ihn und klettert bis über die Bestmarke von Luisa Neumärker heraus. Die 18-Jährige vom Sächsischen Bergsteigerbund war zuvor in der Route hervorragend zurecht gekommen und hatte sich mit ihrem beherzten Auftritt am Ende die Deutsche Vizemeisterschaft gesichert. Dritte wird Kraftpaket Ines Dull, die sich bei der Schlüsselstelle der winzigen Strukturen in der Wand bedient, kurz danach aber auch abgeht. Der erste Platz auf dem Podium bleibt jedoch Juliane Wurm vorbehalten. Der Schülerin, die im nächsten Jahr gerne "alles unter einen Hut bringen" würde, Klettern und Abitur, gelingt damit nicht nur die Titelverteidigung – sie ist auch seit fast zwei Jahren auf nationaler Ebene ungeschlagen.
Die Ergebnisse im Überblick:
Herren:
1. Jan Hojer 41-
2. Felix Neumärker 31-
3. Benjamin Sillmann 29
4. Thomas Tauporn 28+
5. Markus Hoppe 28
Damen:
1. Juliane Wurm 38
2. Luisa Neumärker 37-
3. Ines Dull 36+
4. Irina Mittelmann 30+
5. Anna Katharina Böhm 29+
Am Sonntag findet in Heilbronn noch die Deutsche Jugendmeisterschaft und der dritte und letzte Deutsche Speedcup statt. Ab Montag finden Sie bei mountains2b.com alle Berichte, Interviews, Videoclips und Bilder zum DM-Wochenende in Heilbronn.
Weiterführende Informationen:
| Deutscher Alpenverein (DAV) |
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