ispo-Bouldercup 2010: Überraschungssieger in München

bergleben.de am 08.02.2010 - 16:45 Uhr
ispo-Bouldercup 2010
Als die allerletzten Starter des großen Bouldercup-Finales auf der Münchner Sportartikelmesse die letzten Boulder hinter sich gelassen hatten, herrschte großes Rätselraten. Wer hat die Siege eingefahren? Wer hat am Ende die Nase vorn gehabt? Bei Damen und Herren war das Ergebnis nicht eindeutig, erst nach ein paar Minuten stand fest: Es gibt zwei Überraschungssieger!

Neumärker und Tauporn sind vorne
Bei den Damen kann sich Luisa Neumärker (SBB) über ihren zweiten Sieg ihrer jungen Bouldercup-Karriere freuen, bei den Herren war am Ende Thomas Tauporn (Schwäbisch-Gmünd) Klassenbester. In einem spannenden Finale setzten sich die beiden Youngster vor Seriensiegerin Juliane Wurm und dem ebenfalls überraschend starken Mathias Conrad durch.

Gewohnt großes Starterfeld auf der ispo
60 Herren und 28 Damen sorgten in der Halle A6 auf dem Messegelände in München bereits um 9.30 Uhr morgens für buntes Treiben auf den Bouldermatten. Nur 20 Herren und 14 Damen sollten sich am Ende für das Halbfinale am Nachmittag qualifizieren – an den von Maxi Wörner, Andi Bindhammer und ihrem Schrauberteam an die Blöcke geschraubten Problemen durfte man sich also keine Schwäche erlauben. Die Favoriten lockerten mit diesem Wissen gleich von Beginn an die Handbremse: Jonas Baumann (Wuppertal), Stefan Danker (Landshut) und Youngster Alex Megos (Erlangen) flashten alle Quali-Boulder, Vorjahressieger Bruno Vacka (Rosenheim), Markus Hoppe (SBB) und Thomas Tauporn erlaubten sich lediglich einen Fehlversuch. Bei den Damen zeigten Lulu Neumärker und Anna-Katharina Böhm die stärksten Auftritte in der Quali und hakten alle Boulder ab. Top-Favoritin Juliane Wurm flashte vier Probleme und bewahrte sich ihre Kraft für die Aufgaben im Halbfinale und Finale.


Halbfinale: Überraschungs-Aus für Baumann
Dass man sich bei der hohen Leistungsdichte bei den DAV Bouldercups auf dem Weg ins Finale mittlerweile keine Schwächen mehr erlauben darf, erfuhr Jonas Baumann im Halbfinale am eigenen Leib. Am ersten Boulder fand er keine Lösung, bei zwei anderen der äußert selektiv geschraubten Boulder ging der Weltcup-Gewinner von Vail 2009 ebenfalls leer aus. Somit musste sich der Dortmunder mit Platz sieben und der Zuschauerrolle im Finale zufrieden geben. Dorthin schafften es der starke Stefan Danker als Führender, der mit heftigen Knieschmerzen kämpfende Markus Hoppe, Leichtgewicht Alex Megos, Thomas Tauporn, Mathias Conrad und Franz Schmidtlein (Straubing), der sich als Sechster knapp vor Baumann platzierte. Das Halbfinale der Damen dominierte Jule Wurm mit vier Flashs vor Julia Winter und Luisa Neumärker, denen jeweils drei Flashs gelangen. Zu ihnen in die Endrunde gesellten sich noch Kathrin Schierl (München-Oberland), Anna-Katharina Böhm (SBB) und Marlene Graf (Regensburg).

Lulu und die zwei Jules gleichauf
Das Damenfinale war dann an Spannung kaum zu überbieten und stand dem der Herren ins nichts nach. Den ersten Boulder mit einem äußerst wackligen langen Zug zum Sloper-Topgriff schafften Neumärker, Wurm, Winter und Graf. Beim zweiten interessanten Boulder über eine Kugel bis hin zum Ausstieg über die die Wand gelang Graf dann der dynamische Zug an die Kante nicht mehr. Winter, Wurm und Neumärker stiegen hingegen erfolgreich aus und konnten das Publikum von ganz oben grüßen. Der dritte Boulder sollte schließlich eine kleine Vorentscheidung bringen: Graf, Böhm und Schierl waren ohne Chance, während Neumärker und Winter die langen Züge an den ringförmigen Griffen mit Körperspannung und Präzision durchzogen. Genau diese ließ Juliane Wurm kurzzeitig vermissen und leistete sich drei Fehlversuche, die ihr am Ende den Sieg kosten sollten. Den Erfolg verspielte dann Julia Winter an Boulder vier, als sie einen eigentlich unnötigen Abgang hinnehmen musste und somit am Ende wie Neumärker und Wurm alle vier Boulder in sieben Versuchen bewältigen konnte. Dank eines Versuches weniger für ihre vier Zwischenwertungen war es am Ende Lulu Neumärker, die den ersten Bouldercup 2010 gewinnen konnte. „Das kam für mich ziemlich überraschend. Aber am Ende war es ja auch sehr knapp, wir drei waren heute einfach gleich gut“, so die glückliche Siegerin nach dem Finale.

Tauporn trotz Stress ganz oben
Der Sieger der Herren hieß am Ende verdient Thomas Tauporn. Am ersten Boulder meinten es die Schrauber zwar noch gut mit dem Schwaben und seinen Finalkonkurrenten, doch dann ging es richtig zur Sache. Boulder 2 sorgte bei Franz Schmidtlein für Kopfschütteln, Alex Megos, Mathias Conrad und „Shorty“ hingegen kletterten bis zum Top. Markus Hoppe musste in der wackligen Ausstiegsplatte mit schmerzverzerrtem Gesicht den Flug nach unten antreten. Stefan Danker startete gleich mehrere Versuche, doch erst kurz vor dem Ende der vier Minuten fiel ihm die Lösung ein und mit einem lauten Freudenschrei feierte sich der Landshuter dafür selbst. An Boulder drei fiel die Entscheidung: Pressen, überaus wackliges Aufstehen mit dem linken Bein auf einem daumenbreiten Minitritt, Fußwechsel, langer dynamischer Zug oder Sprung, Halten mit einer Hand und ein relativ gemäßigter Ausstieg zum Top. Hört sich einfach an, war es aber nicht. Franz Schmidtlein lag der Boulder, er nutzte seine Reichweite und konnte den langen Zug statisch ausführen – kein Problem für den Mann von der Sektion Straubing. Alex Megos fand keine Lösung für den Einstieg, Thomas Tauporn hingegen schon. Einmal aufgestanden, sprang der Schechinger wie ein Äffchen ganz locker dynamisch an den Zielgriff und war schwupps schon am Top. So einfach hätten es die ihm folgenden Conrad und Hoppe auch gern aussehen lassen – beide mussten aber nach vier Minuten aufgeben. Auch bei Stefan Danker sah es wieder lange nach einem Fehlversuch aus, doch in seiner letzten Aktion hielt er mit aller Kraft den Griff nach dem Sprung fest und fuhr seinen dritten Boulder ein. Tauporn lag dank weniger Versuche vorne und da nur Mathias Conrad, der zuvor schon gepatzt hatte, den spannenden letzten Boulder einwandfrei kletterte (Tauporn war zwar erfolgreich, hatte aber beim Einstieg die Matte gestreift), gewann der 18-Jährige den ersten nationalen Wettkampf 2010.

Ergebnisse Top 3 - Herren
1. Tauporn, Thomas (Schwäbisch Gmünd) 3t4 4b9 im Finale
2. Conrad, Mathias (Zweibrücken) 3t9 4b10 im Finale
3. Danker, Stefan (Landshut) 3t11 4b13 im Finale

Ergebnisse Top 3 - Damen
1. Neumärker, Luisa (Sächsischer Bergsteigerbund) 4t7 4b6 im Finale
2. Wurm, Juliane (Wuppertal) 4t7 4b7
3. Winter, Julia (Sächsischer Bergsteigerbund) 4t7 4b7 im Finale

Der nächste DAV Bouldercup findet am 23. und 24. April in Kitzbühel statt. Mehr zum Bouldercup findet ihr in unserem Eventspecial!
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