Folge 3: Routenbewertung und Bewertungsskalen

bergleben.de am 25.11.2008 - 16:00 Uhr
Heutzutage geht es vielen Kletterern nicht mehr nur um das gemütliche Beisammensein in der Halle, einen Kaffee nebenbei und lockeres Klettern in entspannter Runde. Unterhaltungen wie "hast du die schwarze 7- hinten in der Ecke schon gepackt? Der Dynamo am Schluss ist sauschwer…!" oder "nächstes Mal schaffe ich den Boulder mit dem dicken Sloper auf jeden Fall" hört man in Kletterhallen im ganzen deutschsprachigem Raum. Wer welchen Schwierigkeitsgrad klettert und wer welchen Boulder bereits geschafft hat, das sind die bestimmenden Themen an den „Kletterstammtischen“ in der Hallen. Wer mitreden will, der sollte sich zumindest ein wenig mit den verschiedenen Bewertungsskalen auskennen.

Viele Faktoren bedeutsam
Welchen Schwierigkeitsgrad eine Route erhält, entscheidet der Erstbegeher bzw. der Routenschrauber. Erst wenn eine Route wiederholt und die Bewertung mehrfach bestätigt wurde, gilt sie als anerkannt. In eine Bewertung fließen viele Faktoren ein, die nur von erfahrenen Kletterern und Routenschraubern alle richtig gedeutet werden können. Das Wichtigste bei der Bewertung ist die Routenlänge, Steilheit/Überhang, Griffstrukturen, Gestaltung der Schlüsselstellen und der Abstand zwischen den Griffen.


Die UIAA-Skala
Durch die weitgehend parallel verlaufende Entwicklung des Klettersports in unterschiedlichen Regionen der Welt entstanden im Laufe der Zeit viele verschiedenen Bewertungsformen. Den Anfang machte Fritz Benesch, der in einem Führer erstmals 1894 römische Zahlen für die Bewertung von Touren benutzte. Damals wurden die schwierigsten Routen mit einer I, später mit 0 bewertet. Leichte Routen bekamen eine VII. Die verbale oder schriftliche Ausformulierung wurde nach und nach von diesem System abgelöst, mehrere Bewertungssysteme kamen hinzu, die Grade wurden jedoch umgekehrt. Mittlerweile gibt es wenige Skalen, die sich "durchgesetzt" haben. Die UIAA-Skala löste die "Alpenskala" ab und besteht aus römischen oder arabischen Ziffern. Los geht es im ersten Grad, hier sind nur geringste Schwierigkeiten zu bewältigen. Ab dem zweiten Grad wird in der Drei-Punkt-Haltung geklettert, man hat oder sollte hier immer drei Kontaktpunkte zum Fels oder Hallenwand haben. Die einzelnen Grade, zum Beispiel der fünfte Grad V, können noch mit + und – auf und abgewertet werden.

Hier eine ausführliche Erklärung der UIAA-Grade
I. Grad: Einfachste Form der Felskletterei (doch kein leichtes Gehgelände!). Die Hände sind zur Unterstützung des Gleichgewichtes erforderlich. Anfänger müssen am Seil gesichert werden. Schwindelfreiheit ist bereits erforderlich.

II. Grad: Hier beginnt die Kletterei, welche die Drei-Punkt-Haltung erforderlich macht.

III. Grad: Zwischensicherungen an exponierten Stellen empfehlenswert. Senkrechte Stellen verlangen bereits Kraftaufwand. Geübte und erfahrene Kletterer können Passagen dieser Schwierigkeit noch ohne Seilsicherung erklettern.

IV. Grad: Hier beginnt die richtige Kletterei und es ist erhebliche Klettererfahrung notwendig. Längere Kletterstellen bedürfen meist mehrerer Zwischensicherungen. Auch geübte und erfahrene Kletterer bewältigen Passagen dieser Schwierigkeit gewöhnlich nicht mehr ohne Seilsicherung.

V. Grad: Sehr große Schwierigkeiten. Zunehmende Anzahl an Zwischensicherungen ist die Regel. Erhöhte Anforderungen an körperliche Voraussetzungen, Klettertechnik und Erfahrung. Lange hochalpine Routen im Schwierigkeitsgrad V zählen bereits zu den großen Unternehmungen in den Alpen und außeralpinen Regionen.

VI. Grad: Überaus große Schwierigkeiten. Die Kletterei erfordert weit überdurchschnittliches Können und hervorragenden Trainingsstand. Große Ausgesetztheit, oft verbunden mit kleinen Standplätzen. Passagen dieser Schwierigkeit können in der Regel nur bei guten Bedingungen bezwungen werden.

VII. Grad: Außergewöhnlich große Schwierigkeiten. Ein durch gesteigertes Training und verbesserte Ausrüstung erreichter Schwierigkeitsgrad. Auch die besten Kletterer benötigen ein regelmäßiges, an die Gesteinsart angepasstes Training um Routen dieser Schwierigkeit zu meistern. Neben akrobatischem Klettervermögen ist das Beherrschen ausgefeilter Sicherungstechnik unerlässlich.

VIII., IX., X., XI. Grad: (noch) keine wörtliche Entsprechung

Die Französische Skala
Klettert man zum Beispiel eine Route im oberen, bzw. schwierigen fünften Grad und bewertet sie mit einer „V+“ und überträgt dies in die französische Skala wäre diese Route mit „5b“ zu bewerten. Im Frankreich können Routen ab dem dritten Grad mit den Buchstaben a, b und c abgestuft werden. Ab dem fünften Grad gibt es noch weitere Abstufungen, das heißt, dass zwischen 5c und 6a noch mit 5c+ bewertet werden kann. Die französische Skala wird vor allem beim Sportklettern angewendet.

Sächsische Skala
Die sogenannte „Sächsische Skala“ wird wie der Name schon vermuten lässt, fast nur noch in Sachsen genutzt. Ansonsten hat sich in Deutschland die Anwendung der UIAA-Skala durchgesetzt. Die Sächsische Skala wird in römischen Ziffern dargestellt und beginnt ab dem siebten Grad (VIIa), der auf der UIAA-Skala einer VI- entspricht (frz. 5c) mit der Abstufung in a, b und c. Die derzeit bestätigte schwierigste Route der Welt (Chris Sharma hat mit „Jumbo Love“ bereits eine Route mit 9b/XII- bewertet, die jedoch noch nicht wiederholt wurde) ist eine 9a+/XI+. Adam Ondra vergab diese Wertung zuletzt für „Open Air“ in Österreich.

Die Fontainbleau-Skala
Die Fontainbleau-Skala, benannt nach dem beliebten Bouldergebiet Fontainbleau in Nordfrankreich, wird für Boulderprobleme verwendet. Die Skala beginnt bei 2, abgestuft in 2a, 2b und 2c. Ab der Grenze vom fünften zum sechsten Grad, also 5c und 6a kann noch mit einem + unterteilt werden (also 5c, 5c+, 6b). Eine 3c auf der fb-Skala entspricht auf der UIAA-Skala einer 5+, eine sechs 6b+ dem oberen achten Grad (8+).

Die amerikanische Skala
Die amerikanische Skala stuft sich etwas konträr als die bis hierher beschriebenen Skalen ab. So beginnt sie erst beim dritten UIAA-Grad mit der Bewertung 5.0. Dann geht es weiter mit 5.1, 5.2, 5.3 und so weiter. Ab 5.10 wird mit a, b und c abgestuft. Eine französische 9a+, also der obere elfte UIAA-Grad, ist auf der amerikanischen Skala eine 5.15a!

Alles viel zu kompliziert? Hier geht’s zur Übersichtstabelle!
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