Interview mit Günther Hanisch und Florian Geiger (08/2004), Expeditionen
bergleben.de am 04.08.2004 - 14:25 Uhr
Die bayerischen Expeditionsteilnehmer von der Trans-Grönland-Unternehmung 'Horizonte 2004' haben es geschafft! Nach 33 Tagen in Eis und Schnee erreichten Florian Geiger (32), Expeditionsleiter Hayo Wolfram (33, beide aus Feldkirchen Westerham) und Günther Hanisch (32, aus Übersee am Chiemsee) nach 586 Kilometern über Eis auf Skiern die Ostküste Grönlands. Einziger Wermutstropfen: Hubert Domscheit (32) aus Holzolling musste sich am zehnten Tag aufgrund einer Zahnentzündung ausfliegen lassen.
Seit ein paar Tagen sind die Protagonisten wieder in der Heimat und genießen die sommerlichen Temperaturen. Die Durchquerung der größten Insel der Welt fand von Kangerlussuaq im Westen hinüber nach Isortoq an der Ostküste statt.
Günter Hanisch und Florian Geiger sprechen im Interview über ihre Erfahrungen und Erlebnisse wärend dieser Unternehmung.
Wie waren die Wetterverhältnisse während der Expedition?
Günther Hanisch: Wir hatten das volle Programm: Vom Schneesturm bis zum Sonnenbad mit freiem Oberkörper gab es alles. Insgesamt war es, der Jahreszeit entsprechend, eher warm – wobei das natürlich relativ ist. Die niedrigste Temperatur war –16°C und die wärmste +10°C. Zum Glück schien meistens die Sonne.
Flo Geiger: Ein paar Tage gab es aber auch Nebel. Arktis-Reisende nennen das 'White Out' - das Weiß des Schnees geht direkt in das Weiß des Himmels über. Man kommt sich dann vor, als würde man durch einen weißen Wattebausch stapfen. Für den Ersten der Gruppe ist das unheimlich anstrengend, denn man bekommt dabei Gleichgewichtsprobleme. Das Auge hat einfach nichts, an dem es sich festhalten könnte. Wir haben deshalb den Führenden immer wieder durchgetauscht. Ein paar kleine Stürme, die aber nur vier bis maximal neun Stunden dauerten, erlebten wir auch. Da pfiff uns dann eine Mischung aus Triebschnee und Neuschnee um die Ohren. Am nächsten Morgen mussten wir die Pulkas mühsam ausgraben.
Wie waren die Schnee- bezeihungsweise Eisverhältnisse?
Günther Hanisch: Die Grönländer kennen über 40 verschiedene Namen für die unterschiedlichen Schneearten. Ich glaube, die meisten davon haben wir kennen gelernt. Jahreszeitlich bedingt hatten wir in erster Linie Altschnee in den unterschiedlichsten Formen. Mal war es weicher Sulz, dann wieder knallharter, Wind gepresster Schnee, der die Steigfelle nur so kahl rasierte.
Flo Geiger: Viele Grönland-Erfahrene hatten uns zuvor vom Juni/Juli-Korridor für die Expedition abgeraten. Man kann auf reißende Flüsse auf dem Eis und mächtige Seen als unüberwindliche Hindernisse stoßen. Wir haben aber in dieser Saison genau das ideale Zeitfenster erwischt. Nicht zu warm, nicht zu kalt.
Wie muss man sich das Inlandeis vorstellen?
Flo Geiger: Es ist wie ein riesiger eisiger Fladen, der auf Grönland liegt. An den Rändern ist es dünner und wölbt sich natürlich auch. Daher gibt es dort jede Menge Gletscherspalten Es sieht aus wie ein gefrorener Ozean mit riesigen Wellen. Oben drauf ist es eher flach und praktisch spaltenfrei.
Sind die Gletscherspalten nicht sehr gefährlich?
Günther Hanisch: Auf jeden Fall. Sie klaffen groß und mächtig auf, möchten einen verschlingen. Manche Spalten wirken so bodenlos tief, dass man meint, bis nach Australien schauen zu können. Anfangs hatten wir richtig Angst, obwohl die Spalten größtenteils schon offen waren. Aber dann gewöhnt man sich daran. Nach ein paar Tagen lacht man der Gefahr ins Gesicht und geht seinen Weg – auch wenn die Schneebrücken hinter einem einstürzen. Beim Aufstieg auf der Westseite gingen wir meistens nachts, weil dann die Schneebrücken besser tragen. Ich bin trotzdem zweimal durchgebrochen und muss sagen: Das war gar kein gutes Gefühl ...
Flo Geiger: Beim Abstieg vom Eis hinunter zur Ostküste hat ein Wärmeeinbruch in Verbindung mit mehrtägigem Dauerregen alle Gletscherspalten geöffnet. Dadurch waren sie für uns wenigstens gut sichtbar. Noch ein paar Tage später hätten wir mit Schlauchbooten über die Seen fahren müssen.
Was war das Härteste für Euch?
Günther Hanisch: Gleich in den ersten Tagen haben wir uns wahnsinnige Blasen gelaufen, die natürlich nicht abheilten. Aber da mussten wir durch. Die Blasen schmerzten dann die nächsten Wochen bei jedem Schritt. Und es waren ungefähr 650.000 Schritte bis zum Ziel.
Was war das Schönste an der Tour?
Günther Hanisch: Die unglaubliche Stille an manchen Tagen. Und das Licht. Wenn die Mitternachtssonne ganz flach über das Eis scheint, reichen die Schatten bis zum Horizont. Highlights ganz anderer Art waren die Tage, an denen wir unsere Kites benutzen konnten. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, mit bis zu 50 Sachen über das Eis zu donnern. Die Schlitten springen in einem wilden Galopp über die Schneeverwehungen. Sonst hängen sie wie zähe Säcke hinter einem, beim Kiten spürt man sie gar nicht mehr.
Flo Geiger: Ein ungewöhnliches Erlebnis war auch die verlassene Radarstation DYE 2. Die Amis hatten diesen monströsen Bau noch zu Zeiten des Kalten Kriegs errichtet, wie eine Mondbasis mitten auf dem Eis. Man kann die Station in der unglaublich sauberen und trockenen Luft schon Tage vor Erreichen sehen. Das war für die Augen sehr angenehm. Sie klammerten sich förmlich an diesen dunklen Fleck in der Ferne. Sonst gibt es ja nichts gibt außer Eis bis zum Horizont. Das Inlandeis ist ein sehr zweidimensionale Welt.
Zum Abschluss: Warum macht man so etwas überhaupt?
Flo Geiger: Ich finde, einmal im Leben sollte man etwas wirklich Außergewöhnliches und Anspruchsvolles gemacht haben. Außerdem erhoffte ich mir auch eine Art Pilgerreise: Beim monotonen Gehen das Sein auf das Elementare reduzieren. Aber wegen den ständigen Ablenkungen kam es dazu nicht. Erst wurde Hubert ausgeflogen, dann kam Dye 2 als Ereignis und schließlich die Kite-Segelei. Dennoch möchte ich keine Sekunde dieses großartigen Erlebnisses missen.
Weitere Informationen
- www.Horizonte2004.de
- www.berghaus.com. Die Firmen Berghaus und Primus unterstützen die Expedition mit Bekleidung und Rucksäcken beziehungsweise Kochern.
- kostenlose Hotline 0800 100 87 65 (nur Deutschland)
Quellen
- www.Horizonte2004.de
- www.K-G-K.com, Presseinformation vom 03. August 2004
Kontakt
KGK - Kern Gottbrath Kommunikation
Ungererstr. 161, 80805 Muenchen
fon: +49 (0) 89 - 30 76 66-3
fax: +49 (0) 89 - 30 76 66-50
ISDN-Leonardo: +49 (0) 89 - 30 76 66-55
web: www.K-G-K.com
Seit ein paar Tagen sind die Protagonisten wieder in der Heimat und genießen die sommerlichen Temperaturen. Die Durchquerung der größten Insel der Welt fand von Kangerlussuaq im Westen hinüber nach Isortoq an der Ostküste statt.
Günter Hanisch und Florian Geiger sprechen im Interview über ihre Erfahrungen und Erlebnisse wärend dieser Unternehmung.
Wie waren die Wetterverhältnisse während der Expedition?
Günther Hanisch: Wir hatten das volle Programm: Vom Schneesturm bis zum Sonnenbad mit freiem Oberkörper gab es alles. Insgesamt war es, der Jahreszeit entsprechend, eher warm – wobei das natürlich relativ ist. Die niedrigste Temperatur war –16°C und die wärmste +10°C. Zum Glück schien meistens die Sonne.
Flo Geiger: Ein paar Tage gab es aber auch Nebel. Arktis-Reisende nennen das 'White Out' - das Weiß des Schnees geht direkt in das Weiß des Himmels über. Man kommt sich dann vor, als würde man durch einen weißen Wattebausch stapfen. Für den Ersten der Gruppe ist das unheimlich anstrengend, denn man bekommt dabei Gleichgewichtsprobleme. Das Auge hat einfach nichts, an dem es sich festhalten könnte. Wir haben deshalb den Führenden immer wieder durchgetauscht. Ein paar kleine Stürme, die aber nur vier bis maximal neun Stunden dauerten, erlebten wir auch. Da pfiff uns dann eine Mischung aus Triebschnee und Neuschnee um die Ohren. Am nächsten Morgen mussten wir die Pulkas mühsam ausgraben.
Wie waren die Schnee- bezeihungsweise Eisverhältnisse?
Günther Hanisch: Die Grönländer kennen über 40 verschiedene Namen für die unterschiedlichen Schneearten. Ich glaube, die meisten davon haben wir kennen gelernt. Jahreszeitlich bedingt hatten wir in erster Linie Altschnee in den unterschiedlichsten Formen. Mal war es weicher Sulz, dann wieder knallharter, Wind gepresster Schnee, der die Steigfelle nur so kahl rasierte.
Flo Geiger: Viele Grönland-Erfahrene hatten uns zuvor vom Juni/Juli-Korridor für die Expedition abgeraten. Man kann auf reißende Flüsse auf dem Eis und mächtige Seen als unüberwindliche Hindernisse stoßen. Wir haben aber in dieser Saison genau das ideale Zeitfenster erwischt. Nicht zu warm, nicht zu kalt.
Wie muss man sich das Inlandeis vorstellen?
Flo Geiger: Es ist wie ein riesiger eisiger Fladen, der auf Grönland liegt. An den Rändern ist es dünner und wölbt sich natürlich auch. Daher gibt es dort jede Menge Gletscherspalten Es sieht aus wie ein gefrorener Ozean mit riesigen Wellen. Oben drauf ist es eher flach und praktisch spaltenfrei.
Sind die Gletscherspalten nicht sehr gefährlich?
Günther Hanisch: Auf jeden Fall. Sie klaffen groß und mächtig auf, möchten einen verschlingen. Manche Spalten wirken so bodenlos tief, dass man meint, bis nach Australien schauen zu können. Anfangs hatten wir richtig Angst, obwohl die Spalten größtenteils schon offen waren. Aber dann gewöhnt man sich daran. Nach ein paar Tagen lacht man der Gefahr ins Gesicht und geht seinen Weg – auch wenn die Schneebrücken hinter einem einstürzen. Beim Aufstieg auf der Westseite gingen wir meistens nachts, weil dann die Schneebrücken besser tragen. Ich bin trotzdem zweimal durchgebrochen und muss sagen: Das war gar kein gutes Gefühl ...
Flo Geiger: Beim Abstieg vom Eis hinunter zur Ostküste hat ein Wärmeeinbruch in Verbindung mit mehrtägigem Dauerregen alle Gletscherspalten geöffnet. Dadurch waren sie für uns wenigstens gut sichtbar. Noch ein paar Tage später hätten wir mit Schlauchbooten über die Seen fahren müssen.
Was war das Härteste für Euch?
Günther Hanisch: Gleich in den ersten Tagen haben wir uns wahnsinnige Blasen gelaufen, die natürlich nicht abheilten. Aber da mussten wir durch. Die Blasen schmerzten dann die nächsten Wochen bei jedem Schritt. Und es waren ungefähr 650.000 Schritte bis zum Ziel.
Was war das Schönste an der Tour?
Günther Hanisch: Die unglaubliche Stille an manchen Tagen. Und das Licht. Wenn die Mitternachtssonne ganz flach über das Eis scheint, reichen die Schatten bis zum Horizont. Highlights ganz anderer Art waren die Tage, an denen wir unsere Kites benutzen konnten. Es ist ein unbeschreibliches Gefühl, mit bis zu 50 Sachen über das Eis zu donnern. Die Schlitten springen in einem wilden Galopp über die Schneeverwehungen. Sonst hängen sie wie zähe Säcke hinter einem, beim Kiten spürt man sie gar nicht mehr.
Flo Geiger: Ein ungewöhnliches Erlebnis war auch die verlassene Radarstation DYE 2. Die Amis hatten diesen monströsen Bau noch zu Zeiten des Kalten Kriegs errichtet, wie eine Mondbasis mitten auf dem Eis. Man kann die Station in der unglaublich sauberen und trockenen Luft schon Tage vor Erreichen sehen. Das war für die Augen sehr angenehm. Sie klammerten sich förmlich an diesen dunklen Fleck in der Ferne. Sonst gibt es ja nichts gibt außer Eis bis zum Horizont. Das Inlandeis ist ein sehr zweidimensionale Welt.
Zum Abschluss: Warum macht man so etwas überhaupt?
Flo Geiger: Ich finde, einmal im Leben sollte man etwas wirklich Außergewöhnliches und Anspruchsvolles gemacht haben. Außerdem erhoffte ich mir auch eine Art Pilgerreise: Beim monotonen Gehen das Sein auf das Elementare reduzieren. Aber wegen den ständigen Ablenkungen kam es dazu nicht. Erst wurde Hubert ausgeflogen, dann kam Dye 2 als Ereignis und schließlich die Kite-Segelei. Dennoch möchte ich keine Sekunde dieses großartigen Erlebnisses missen.
Weitere Informationen
- www.Horizonte2004.de
- www.berghaus.com. Die Firmen Berghaus und Primus unterstützen die Expedition mit Bekleidung und Rucksäcken beziehungsweise Kochern.
- kostenlose Hotline 0800 100 87 65 (nur Deutschland)
Quellen
- www.Horizonte2004.de
- www.K-G-K.com, Presseinformation vom 03. August 2004
Kontakt
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fon: +49 (0) 89 - 30 76 66-3
fax: +49 (0) 89 - 30 76 66-50
ISDN-Leonardo: +49 (0) 89 - 30 76 66-55
web: www.K-G-K.com
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