Interview mit Alexander Lugger (11/2004), Skibergsteigen

bergleben.de am 09.11.2004 - 11:15 Uhr
Zu Saisonbeginn der Skitourengeher hat Karl Posch vom Austria Skitour Cup (ASTC) ein Interview mit dem regierenden Österreichischen Meister Alexander Lugger aus Maria Luggau/Ktn eingeholt. Lugger ist in den letzten Jahren in der Skibergsteigerszene immer ganz vorne dabei gewesen. Bei der EM 2003 und der WM 2004 war er jeweils stärkster Österreicher. Im Jahr 2004 hat Lugger es erstmals offiziell geschafft, sich als bester österreichischer Tourengeher zu etablieren.

ASTC: Alexander, erzähl zu Anfang bitte etwas über Dich.
Alexander Lugger: Da gibt es nicht viel zu erzählen. Ich bin 36 Jahre alt, wohne in Maria-Luggau im Lesachtal und bin beim Zollamt Villach beschäftigt. Verheiratet bin ich noch nicht. Meine Hobbys neben dem Sport sind Musizieren, Singen und Fotografieren.

ASTC: Was und wieviel trainierst Du? Wie sieht Dein sportliches Durchschnittsjahr aus?
Alexander Lugger: Dank meiner Mitgliedschaft im Langlaufkader der österreichischen Zollverwaltung habe ich sehr gute Trainingsvoraussetzungen. Im Mai mache ich eine Trainingspause. Den ganzen Sommer über trainiere ich hauptsächlich Ausdauer und Kraft. Ab September beginne ich mit speziellem Training - Skirollern und sobald es irgendwie möglich ist mit den Langlauf- oder Tourenskiern auf Schnee. Jetzt im Herbst trainiere ich rund 18 Stunden pro Woche, in der Rennsaision reichen rund acht bis zehn Stunden.

ASTC: Wir durften Dir 2004 ja erstmals zum Titel 'Österreichischer Meister' gratulieren. Was bedeutet dieser Titel für Dich?
Lugger: Eines meiner großen sportlichen Ziele war es ja immer schon Österreichischer Meister zu werden. Da die Konkurrenz in Österreich - besonders bei den Pistenrennen - sehr stark ist, bedeutet mir der Österreichische Meister natürlich sehr viel.

ASTC: Und was bedeutet Dir im Vergleich die Teilnahme an internationalen Bewerben?
Lugger: Internationale Bewerbe finden ausschließlich in alpinem Gelände statt. Diese Rennen liegen mir vom Charakter her besser als Pistenrennen. Sich messen zu können mit den besten Skitourenläufern der Welt ist schon sehr reizvoll.

ASTC: Aktuell bewegt sich in der heimischen Tourenskiszene ja einiges. Die Geher auf den Pisten zu Trainingszwecken werden massiv mehr, dadurch entstehen aber auch Probleme mit dem Seilbahnern. Andererseits ist durch diesen Wandel in der Szene auch mehr Medieninteresse vorhanden, die Sportart scheint rundum interessanter zu sein. Wie siehst Du die Zukunft der Tourenskisports allgemein?
Lugger: Trainieren auf Pisten ist ein Problem. Mit etwas Rücksicht und Verständnis der Tourengeher und der Liftbetreiber kann man aber bestimmt einen Kompromiss finden. Der Skitourengeher sollte aber schon bereit sein, für die Pistenbenutzung eine Gebühr zu bezahlen. Ich glaube nicht, dass man unbedingt ein Rennen auf einer Piste machen muss, um das Rennen gut zu verkaufen. Es ist aber sicher ein erheblicher Mehraufwand im alpinen Gelände. So gibt es z.B. bei der Pierra Menta tausende Zuschauer auf der Strecke und das mediale Echo ist dort sehr gut.

ASTC: Und wie siehst Du die Situation der Rennszene? Trotz einiger Bemühungen ist ja die Aufstellung eines Nationalteams in Österreich nicht gelungen. Und obwohl international immer bessere Rennen abgehalten werden und die Szene auch sonst rasant wächst, scheint sich bei der ISMC (International Council for Ski Mountaineering Competitions Anm.d.Red.) nichts gravierendes zum Positiven zu entwickeln. Was muss sich in Österreich und international bewegen, um dem wettkampfmäßigen Skibergsteigen auf die Sprünge zu helfen?
Lugger: Würde Skibergsteigen, wie geplant, ins olympische Programm aufgenommen werden, gäbe es diese Problematik gar nicht. Dass es in einem Bergsteigerland wie Österreich kein Nationalteam gibt und wir unsere gesamten Auslagen bei den internationalen Wettkämpfen selbst bestreiten müssen, stößt bei meinen Kollegen und den Veranstaltern im Ausland immer wieder auf großes Unverständnis. Sogar in Rumänien, Bulgarien oder Griechenland werden Nationalteams unterhalten. Ideal wäre, wenn der Alpenverein oder ÖSV ein Nationalteam betreiben würde. Dort gibt es auch die nötigen Voraussetzungen diesen Sport interessant zu bewerben und zu vermarkten. Internationale Großereignisse wie z.B. Weltmeisterschaften oder Europameisterschaften müssten medial noch viel besser vermarktet werden als bisher.

ASTC: Wie stehst Du zu der neuen Ausrichtung des ASTC mit nur einem Rennen als Österreichische Meisterschaft (ÖM), das in Zukunft wesentlich alpiner sein wird, und mehreren Rennen als Basis?
Lugger: Für mich ist dies eine begrüßenswerte Veränderung. Eine Meisterschaft sollte im Gegensatz zu einem Cup immer in einem Rennen abgehalten werden. Auch die Ausrichtung im alpinen Gelände befürworte ich natürlich. Dadurch wird ein internationaler Standard gewährleistet. Ich hoffe, der Cup ist ein Ansporn für Veranstalter zukünftig mehr Rennen auszutragen und die Rennen vielen Läufern zugänglich zu machen.

ASTC: Etwas konkretes zur kommenden Saison: in welchen Team bist Du unterwegs?
Lugger: Ich starte für den österreichischen Zoll. Bei den Teambewerben werde ich mit Andi Ringhofer an den Start gehen.

ASTC: Zu guter Letzt: Was sind Deine Ziele für die Saison 2004/2005?
Lugger: Natürlich möchte ich den ÖM-Titel erfolgreich verteidigen. Bei der Europameisterschaft und im Weltcup werde ich hoffentlich schon das eine oder andere Mal ganz vorne mitmischen. Die Pierra Menta wird auch eine interessante Herausforderung sein.

ASTC: Danke für das Interview. Wir wünschen Dir eine erfolgreiche Saison!

Quelle:
- Austria Skitour Cup (ASTC), Karl Posch
Weiterführende Informationen:
Austria Skitour Cup