Klettern als Therapie und in der Schule: Ein Interview mit Toni Lamprecht
bergleben.de am 18.11.2009 - 09:04 Uhr
Toni Lamprecht kennt die deutsche und internationale Kletterszene nur als den "Stier von Kochel". Doch nicht viele wissen, dass der Profi-Kletterer, der seit vielen Jahren die schwersten Boulder der Welt befreit, Geistigbehinderten- und Verhaltensgestörtenpädagogik studiert und sogar ein Lehrbuch verfasst hat ("Klettern mit geistig behinderten Menschen"). Wir wollten von Toni wissen, warum der Klettersport besonders für verhaltensauffällige Jugendliche interessant und auch in der Therapie sinnvoll einsetzbar ist.
bergleben.de: Hallo Toni! Zunächst: Wie bist du auf das Thema "therapeutisches Klettern" aufmerksam geworden?
Toni Lamprecht: Ich habe am Ende meines Studiums (Anm. d. R.: Toni Lamprecht studierte Geistigbehindertenpädagogik) eine Zulassungsarbeit über das Klettern mit geistig behinderten Menschen geschrieben. Dabei stand der psychomotorische Aspekt im Vordergrund.
bergleben.de: Warum und für wen eignet sich der Klettersport als Therapieansatz besonders?
Toni Lamprecht: Prinzipiell für jeden, dem es Spaß macht, sich kletternderweise zu bewegen. Ich arbeite mittlerweile mit verhaltensauffälligen Jugendlichen mit einem Defizit im sozial-emotionalen Bereich. Da ist allein schon das "Verantwortung-Übernehmen" beim Sichern ein therapeutischer Ansatz. Klettern schult Koordination, Körpergefühl und abgesehen vom rein körperlichen Aspekt die Konzentrationsfähigkeit. Dies ist besonders bei Kindern mit ADHS hilfreich. Außerdem ist es eine Bereicherung für das Selbstbewusstsein.
bergleben.de: Gibt es psychologische Vorteile der Klettertherapie gegenüber anderer Therapieformen?
Toni Lamprecht: Ich persönlich möchte das Klettern an sich nicht mit anderen Therapieformen wertend vergleichen. Für mich ist es aber ein sehr geeignetes Medium, um mit Jugendlichen Kontakt herzustellen, bei ihnen sozio-emotionale Barrieren aufzubrechen oder einfach nur, um ihre Verhaltensmuster durch weitere Erfahrungen zu bereichern. Motorisch gesehen bietet Klettern natürlich Variationsmöglichkeiten, wie vergleichsweise nur wenig andere Sportarten.
bergleben.de: Wird die Körperwahrnehmung durch klettern nachhaltig verbessert? Kann man Klettern in diesem Sinne auch als eine Art "Ergotherapie" verstehen?
Toni Lamprecht: Die Körperwahrnehmung wird erheblich verbessert. Allerdings habe ich nie mit einzelnen Schülern lange genug gearbeitet, um dies ins Detail auf wissentschaftliche Weise verifizieren zu können.
bergleben.de: Spielt auch die Gruppenerfahrung beim therapeutischen Klettern eine Rolle?
Toni Lamprecht: Unter dem sozio-emotionalem Aspekt eine ganz entscheidende! Sich gegenseitig Vertrauen, Verantwortung beim Sichern übernehmen: das sind Erfahrungen, welche so unmittelbar und intensiv bei keiner anderen Sportart vorkommen.
bergleben.de: Hat die Klettertherapie bei Kindern und Jugendlichen auch einen pädagogischen Wert?
Toni Lamprecht: Im schulischen Bereich nutze ich gerade diesen pädagogischen Wert, um zu den Jugendlichen eine Beziehung aufzubauen, ohne welche eine Zusammenarbeit auf der emotionalen Ebene nicht stattfinden könnte. Da ist Klettern ein wichtiges Medium!
bergleben.de: Muss man bereits erste Kenntnisse und Übung im Klettern haben, wenn man therapeutisch Klettern möchte?
Toni Lamprecht: Da ich selber kein gelernter Therapeut bin, möchte ich diese Frage unbeantwortet lassen. Jedenfalls sollte man auf dem neuesten klettertechnischen Stand sein, damit ein Unfallrisiko ausgeschlossen werden kann.
bergleben.de: Ist therapeutisches Klettern eine reine Hallensache oder auch gut outdoor zu praktizieren?
Toni Lamprecht: Das hängt ganz vom Schwerpunkt ab. Indoor-Klettern ist sicherlich leichter zugänglich und für "psycho-motorische Therapieformen" effektiver zu nutzen. Outdoor-Klettern bieten dagegen mehr Möglichkeiten im erlebnispädagogischen Erfahrungsbereich.
bergleben.de: Was ist der größte Unterschied zwischen dem "normalen" und dem therapeutischen Klettern?
Toni Lamprecht: Beim therapeutischen Klettern ist die Zielsetzung therapeutischer Art, weshalb bestimmte Aspekte verstärkt genutzt werden, andere aber in den Hintergrund treten. Dabei wird das Klettern als Therapieform benutzt, um eine Verbesserung zu erreichen - verhaltenstherapeutisch genauso wie medizinsch. Das "normale" Klettern beinhaltet aber genauso alle Aspekte, nur eben in abgeschwächter Form. Klettern ist gesund, daran besteht kein Zweifel, wenn es nicht fanatisch betrieben wird!
bergleben.de: Besten Dank für das kurze Interview!
bergleben.de: Hallo Toni! Zunächst: Wie bist du auf das Thema "therapeutisches Klettern" aufmerksam geworden?
Toni Lamprecht: Ich habe am Ende meines Studiums (Anm. d. R.: Toni Lamprecht studierte Geistigbehindertenpädagogik) eine Zulassungsarbeit über das Klettern mit geistig behinderten Menschen geschrieben. Dabei stand der psychomotorische Aspekt im Vordergrund.
bergleben.de: Warum und für wen eignet sich der Klettersport als Therapieansatz besonders?
Toni Lamprecht: Prinzipiell für jeden, dem es Spaß macht, sich kletternderweise zu bewegen. Ich arbeite mittlerweile mit verhaltensauffälligen Jugendlichen mit einem Defizit im sozial-emotionalen Bereich. Da ist allein schon das "Verantwortung-Übernehmen" beim Sichern ein therapeutischer Ansatz. Klettern schult Koordination, Körpergefühl und abgesehen vom rein körperlichen Aspekt die Konzentrationsfähigkeit. Dies ist besonders bei Kindern mit ADHS hilfreich. Außerdem ist es eine Bereicherung für das Selbstbewusstsein.
bergleben.de: Gibt es psychologische Vorteile der Klettertherapie gegenüber anderer Therapieformen?
Toni Lamprecht: Ich persönlich möchte das Klettern an sich nicht mit anderen Therapieformen wertend vergleichen. Für mich ist es aber ein sehr geeignetes Medium, um mit Jugendlichen Kontakt herzustellen, bei ihnen sozio-emotionale Barrieren aufzubrechen oder einfach nur, um ihre Verhaltensmuster durch weitere Erfahrungen zu bereichern. Motorisch gesehen bietet Klettern natürlich Variationsmöglichkeiten, wie vergleichsweise nur wenig andere Sportarten.
bergleben.de: Wird die Körperwahrnehmung durch klettern nachhaltig verbessert? Kann man Klettern in diesem Sinne auch als eine Art "Ergotherapie" verstehen?
Toni Lamprecht: Die Körperwahrnehmung wird erheblich verbessert. Allerdings habe ich nie mit einzelnen Schülern lange genug gearbeitet, um dies ins Detail auf wissentschaftliche Weise verifizieren zu können.
bergleben.de: Spielt auch die Gruppenerfahrung beim therapeutischen Klettern eine Rolle?
Toni Lamprecht: Unter dem sozio-emotionalem Aspekt eine ganz entscheidende! Sich gegenseitig Vertrauen, Verantwortung beim Sichern übernehmen: das sind Erfahrungen, welche so unmittelbar und intensiv bei keiner anderen Sportart vorkommen.
bergleben.de: Hat die Klettertherapie bei Kindern und Jugendlichen auch einen pädagogischen Wert?
Toni Lamprecht: Im schulischen Bereich nutze ich gerade diesen pädagogischen Wert, um zu den Jugendlichen eine Beziehung aufzubauen, ohne welche eine Zusammenarbeit auf der emotionalen Ebene nicht stattfinden könnte. Da ist Klettern ein wichtiges Medium!
bergleben.de: Muss man bereits erste Kenntnisse und Übung im Klettern haben, wenn man therapeutisch Klettern möchte?
Toni Lamprecht: Da ich selber kein gelernter Therapeut bin, möchte ich diese Frage unbeantwortet lassen. Jedenfalls sollte man auf dem neuesten klettertechnischen Stand sein, damit ein Unfallrisiko ausgeschlossen werden kann.
bergleben.de: Ist therapeutisches Klettern eine reine Hallensache oder auch gut outdoor zu praktizieren?
Toni Lamprecht: Das hängt ganz vom Schwerpunkt ab. Indoor-Klettern ist sicherlich leichter zugänglich und für "psycho-motorische Therapieformen" effektiver zu nutzen. Outdoor-Klettern bieten dagegen mehr Möglichkeiten im erlebnispädagogischen Erfahrungsbereich.
bergleben.de: Was ist der größte Unterschied zwischen dem "normalen" und dem therapeutischen Klettern?
Toni Lamprecht: Beim therapeutischen Klettern ist die Zielsetzung therapeutischer Art, weshalb bestimmte Aspekte verstärkt genutzt werden, andere aber in den Hintergrund treten. Dabei wird das Klettern als Therapieform benutzt, um eine Verbesserung zu erreichen - verhaltenstherapeutisch genauso wie medizinsch. Das "normale" Klettern beinhaltet aber genauso alle Aspekte, nur eben in abgeschwächter Form. Klettern ist gesund, daran besteht kein Zweifel, wenn es nicht fanatisch betrieben wird!
bergleben.de: Besten Dank für das kurze Interview!
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