Bindhammer-Brothers rocken in Tirol
M2b Redaktion am 28.07.2008 - 14:06 Uhr
Das Allgäu und die grenznahen Gebiete in Tirol erleben in den letzten Jahren einen enormen Aufschwung – jedenfalls was den Schwierigkeitslevel betrifft. Seit nunmehr drei Jahren steht Christian Bindhammer‘s "Big Hammer 9a" an der Spitze der Top-Routen – jetzt gibt es eine neue Linie, die ihr diesen Rang streitig machen will: "Hades" an der Götterwand bei Nassereith!
Mit Schwierigkeiten gespickt
Keinerlei Ruhepunkte auf 15m Länge und extrem schulter- und untergrifflastige Züge an konstant kleinen Griffen stellen hohe Anforderungen an die Maximalkraft-Ausdauer. Zuletzt wartet ein schwer kontrollierbarer Dynamo auf eine Dreifinger-Seitleiste – oftmals der Schlussstrich unter einen Erfolg versprechenden, doch letztlich gescheiterten Versuch.
Durchstieg am 5. Juli
Der einzige Weg zum Olymp schien für die beiden Bindhammer-Brüder also durch den Hades zu führen – das Absolvieren der Prüfungen, welche die grüne Hölle des Allgäus für Möchtegern-Götter so bereithält - und das immer währende Streben nach dem erlösenden Aufstieg aus dem Tiroler Schattenreich. Anders ausgedrückt: Die Kombination aus dem Arbeiten an Boulderprojekten am ersten und dem Training in der Route selbst am zweiten Tag zeichnete sich als der geeignete Weg zum Erfolg ab. Eine Kaltfront mitten im Juli schließlich verhalf dem Körper und Seele zur Wiedervereinigung: Andreas Bindhammer gelingt nach mehreren Tagen intensiver Versuche bei Blitz und Donner am 05. Juli 2008 der Durchstieg, vier Tage später ist Christian an der Reihe. Bewertungsvorschlag: 9a! Der hart erkämpfte Sieg über die Strapazen in der Unterwelt.
Denn sie wissen, was sie tun
Dass die "Hammerbrothers" wissen, wovon sie reden, zeigt nicht nur eine stolze Anzahl an Erstbegehungen und Wiederholungen in diesem Bereich in verschiedensten Gebieten über die letzten Jahre. Auch die Liste neuer Boulder im Allgäu spricht für sich – eine ideale Vorbereitung für Routen am Limit, wie beide betonen. So kommen durch die letzten Herbst entdeckte NePaPla-Wand in dieser Saison einige absolute Top-Boulder hinzu: der spannungsgeladene "Firestarter 8b/8b+ fb", die kompromisslose Linie "Frontman 8b fb", der Sloper-Dynamo "Icebound 8a+/8b fb" und der untergrifflastige "Ristretto 8a+fb" – um nur einige Beispiele zu nennen – alle von Christian erstbegangen und mit Ausnahme des Letztgenannten, der bereits eine Begehung durch den Boulderspezialisten Hary Röker aufweist, bislang nur durch Andreas wiederholt und bestätigt.
Und wer die ‚Hammerbrothers‘ kennt weiß: mag der Weg zum (Kletter-)Olymp noch so lang und beschwerlich sein – er wird unbeirrt beschritten. Warten wir also auf weitere News – Aktionspotential ist in der steilen Welt zweifellos noch genug vorhanden…
Das Interview mit den Bindhammer-Brothers
Christian, du hast ja erwähnt, dass ohne die Vorbereitung in den Allgäuer Bouldergebieten für dich ein Erfolg in "Hades" nicht möglich gewesen wäre – wird das Allgäu neben dem Frankenjura die neue Boulderlocation in Deutschland? Was macht das Bouldern im Allgäu so besonders für dich?
Christian: Rein von der optischen Seite gibt es sicherlich hundert „schönere“ Gebiete. Aber dafür ist das Bouldern an den Konglomerat Blöcken besonders trainingsintensiv, und bereits eine kleine Wand bietet wahnsinnig viele Strukturen und damit meist zahlreiche Bouldermöglichkeiten direkt nebeneinander.
Ist das Bouldern im Allgäu also nur Training für Euch?
Andreas: Natürlich ist wie immer auch das Training eines der Motive für unser Tun. Aber es ist schon sehr reizvoll, den Blöcken und kleinen Massiven noch schöne Linien zu entlocken. Letztes Jahr habe ich beispielsweise einen schön gelegenen Sandstein-Block am Iller-Ufer entdeckt – ein absolutes Highlight. Ich bin sicher, dass in den Wäldern unterhalb des Rottachbergs noch einiges an Potential für harte Moves verborgen liegt.
Kommen wir zurück zu "Hades". Ihr habt ja seit fast einem Jahr immer wieder an der Route probiert, länger als für alle anderen Routen, die ihr in dem Grad bereits geklettert seid. Das lässt auf einen ganz neuen Schwierigkeitslevel schließen – nun bewertet ihr sie doch "nur" mit 9a. Wie erklärt ihr diese in Anbetracht der Umstände eher zurückhaltende Einstufung?
Christian: Das ist sicherlich auf die eher sporadische Projektierung im letzten Jahr zurückzuführen. Manchmal ist es einfacher, konzentriert an eine Tour im Ausland heranzugehen, als ein Projekt vor der Haustüre zu versuchen, da es einfach oft die Zeit nicht zulässt, dann Versuche zu setzen, wenn die Bedingungen stimmen. Und allgemein ist das mit den Bedingungen so eine Sache in unseren Breitengraden, zu oft gibt es die berühmten "Killerbedingungen" leider nicht. In diesem Niveau sind die aber notwendig und es bleibt nur noch ein kleines Zeitfenster übrig, indem man nach Möglichkeit dann auch Fit sein muss.
Andreas: Die Route erfordert keine speziellen klettertechnischen Finessen und der Erfolg ist eher abhängig von der physischen Stärke der Wiederholer. Ich kann die Schwierigkeiten daher nur sehr schwer einschätzen, denn es gibt deutlich stärkere Kletterer, denen die Route verhältnismäßig leicht fallen könnte. Für mich waren nicht die Züge das Problem, mir ist es im Grunde nur schwer gefallen die Passagen aneinanderzureihen und die Route durchzuhalten. Ich bin gespannt, was die Wiederholer dazu meinen.
Christian: Letzten Endes war ich dann doch überrascht, als ich merkte, dass meine Versuche plötzlich schnell besser wurden und vor allem der Anspruch an die Ausdauerkraft doch letztendlich geringer erscheint, als ich zuerst angenommen habe. Zuerst dachte ich, es ist der Wahnsinn, all die extrem harten Einzelzüge über die gesamte Strecke hinweg aneinanderzureihen. Vor allem der letzte schwere Zug hat es in sich, ist die Körperspannung schon zu weich, rutscht extrem leicht der Fuß. Eine echte "Durchstiegsbremse" nochmal. Für mich persönlich war beispielsweise sogar "Action Directe" mit weniger Aufwand verbunden. Ich denke aber, das "Hades" trotzdem für die Mehrheit der Kletterer der geeignetere "Kletter-Style" ist und so eher dem derzeitigen athletischen Kletterstandard entspricht, deshalb sollte die Bewertung mit 9a passen. Aber natürlich sind wir gespannt auf potentielle Wiederholer, davon ist ja recht bald schon eine ganze Menge zum RocTrip im Zillertal und die Kletterhochburg Innsbruck ist ja auch nicht weit.
Christian, dir sind doch kurz zuvor noch einige schwere Routen innerhalb recht kurzer Zeit bei keineswegs guten Bedingen gelungen – waren das für dich dann nur Spaziergänge im Vergleich zu "Hades", auf die du dich letzten Endes dann doch ausschließlich konzentriert hast? Wäre das nicht ein Indiz dafür, dass "Hades" doch noch schwerer sein könnte?
Christian: Man kann schon sagen, dass 8c-Routen für mich mittlerweile gebietsunabhängig meist sehr schnell abgehakt sind: So z.B. meine neue Erstbegehung "Planet Hollywood" 8c/c+ (Weisswand) in drei Tagen, die "Erntezeit" 8c (Götzis) im dritten Versuch, "Selbst ist das Kind" 8c (Adlitzgräben) im zweiten und zuletzt "Black is Basic" 10+/11- (Frankenjura) in zwei Tagen. Trotzdem liegt zwischen 8c und 9a eine kleine Welt.
Würdest Du sagen, dass "Hades" Dein persönliches Limit kennzeichnet oder könntest Du dir vorstellen, dass unter bestimmten Umständen noch eine Steigerung möglich wäre?
Christian: Am persönlichen Limit ist man nie am Ende angelangt, irgendwie geht irgendwo immer noch etwas mehr.
Wie sehen Eure persönlichen Ziele für dieses Jahr noch aus?
Andreas: Ich möchte zum Herbst hin noch den ein oder anderen "9a-Klassiker" versuchen – welchen nun genau, das hängt in erster Linie von der verfügbaren Zeit und den Witterungsbedingungen ab. Underground beispielsweise steht dabei ganz oben auf der Liste. Den Sommer über möchte ich mich erst mal dem Bouldern widmen. Es gibt immer unzählige Projekte, für zu wenig Zeit, aber einige bestimmte Touren wie die „Realization“ oder den „Silbergeier“ würde ich dieses Jahr noch gerne versuchen.
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
Mit Schwierigkeiten gespickt
Keinerlei Ruhepunkte auf 15m Länge und extrem schulter- und untergrifflastige Züge an konstant kleinen Griffen stellen hohe Anforderungen an die Maximalkraft-Ausdauer. Zuletzt wartet ein schwer kontrollierbarer Dynamo auf eine Dreifinger-Seitleiste – oftmals der Schlussstrich unter einen Erfolg versprechenden, doch letztlich gescheiterten Versuch.
Durchstieg am 5. Juli
Der einzige Weg zum Olymp schien für die beiden Bindhammer-Brüder also durch den Hades zu führen – das Absolvieren der Prüfungen, welche die grüne Hölle des Allgäus für Möchtegern-Götter so bereithält - und das immer währende Streben nach dem erlösenden Aufstieg aus dem Tiroler Schattenreich. Anders ausgedrückt: Die Kombination aus dem Arbeiten an Boulderprojekten am ersten und dem Training in der Route selbst am zweiten Tag zeichnete sich als der geeignete Weg zum Erfolg ab. Eine Kaltfront mitten im Juli schließlich verhalf dem Körper und Seele zur Wiedervereinigung: Andreas Bindhammer gelingt nach mehreren Tagen intensiver Versuche bei Blitz und Donner am 05. Juli 2008 der Durchstieg, vier Tage später ist Christian an der Reihe. Bewertungsvorschlag: 9a! Der hart erkämpfte Sieg über die Strapazen in der Unterwelt.
Denn sie wissen, was sie tun
Dass die "Hammerbrothers" wissen, wovon sie reden, zeigt nicht nur eine stolze Anzahl an Erstbegehungen und Wiederholungen in diesem Bereich in verschiedensten Gebieten über die letzten Jahre. Auch die Liste neuer Boulder im Allgäu spricht für sich – eine ideale Vorbereitung für Routen am Limit, wie beide betonen. So kommen durch die letzten Herbst entdeckte NePaPla-Wand in dieser Saison einige absolute Top-Boulder hinzu: der spannungsgeladene "Firestarter 8b/8b+ fb", die kompromisslose Linie "Frontman 8b fb", der Sloper-Dynamo "Icebound 8a+/8b fb" und der untergrifflastige "Ristretto 8a+fb" – um nur einige Beispiele zu nennen – alle von Christian erstbegangen und mit Ausnahme des Letztgenannten, der bereits eine Begehung durch den Boulderspezialisten Hary Röker aufweist, bislang nur durch Andreas wiederholt und bestätigt.
Und wer die ‚Hammerbrothers‘ kennt weiß: mag der Weg zum (Kletter-)Olymp noch so lang und beschwerlich sein – er wird unbeirrt beschritten. Warten wir also auf weitere News – Aktionspotential ist in der steilen Welt zweifellos noch genug vorhanden…
Das Interview mit den Bindhammer-Brothers
Christian, du hast ja erwähnt, dass ohne die Vorbereitung in den Allgäuer Bouldergebieten für dich ein Erfolg in "Hades" nicht möglich gewesen wäre – wird das Allgäu neben dem Frankenjura die neue Boulderlocation in Deutschland? Was macht das Bouldern im Allgäu so besonders für dich?
Christian: Rein von der optischen Seite gibt es sicherlich hundert „schönere“ Gebiete. Aber dafür ist das Bouldern an den Konglomerat Blöcken besonders trainingsintensiv, und bereits eine kleine Wand bietet wahnsinnig viele Strukturen und damit meist zahlreiche Bouldermöglichkeiten direkt nebeneinander.
Ist das Bouldern im Allgäu also nur Training für Euch?
Andreas: Natürlich ist wie immer auch das Training eines der Motive für unser Tun. Aber es ist schon sehr reizvoll, den Blöcken und kleinen Massiven noch schöne Linien zu entlocken. Letztes Jahr habe ich beispielsweise einen schön gelegenen Sandstein-Block am Iller-Ufer entdeckt – ein absolutes Highlight. Ich bin sicher, dass in den Wäldern unterhalb des Rottachbergs noch einiges an Potential für harte Moves verborgen liegt.
Kommen wir zurück zu "Hades". Ihr habt ja seit fast einem Jahr immer wieder an der Route probiert, länger als für alle anderen Routen, die ihr in dem Grad bereits geklettert seid. Das lässt auf einen ganz neuen Schwierigkeitslevel schließen – nun bewertet ihr sie doch "nur" mit 9a. Wie erklärt ihr diese in Anbetracht der Umstände eher zurückhaltende Einstufung?
Christian: Das ist sicherlich auf die eher sporadische Projektierung im letzten Jahr zurückzuführen. Manchmal ist es einfacher, konzentriert an eine Tour im Ausland heranzugehen, als ein Projekt vor der Haustüre zu versuchen, da es einfach oft die Zeit nicht zulässt, dann Versuche zu setzen, wenn die Bedingungen stimmen. Und allgemein ist das mit den Bedingungen so eine Sache in unseren Breitengraden, zu oft gibt es die berühmten "Killerbedingungen" leider nicht. In diesem Niveau sind die aber notwendig und es bleibt nur noch ein kleines Zeitfenster übrig, indem man nach Möglichkeit dann auch Fit sein muss.
Andreas: Die Route erfordert keine speziellen klettertechnischen Finessen und der Erfolg ist eher abhängig von der physischen Stärke der Wiederholer. Ich kann die Schwierigkeiten daher nur sehr schwer einschätzen, denn es gibt deutlich stärkere Kletterer, denen die Route verhältnismäßig leicht fallen könnte. Für mich waren nicht die Züge das Problem, mir ist es im Grunde nur schwer gefallen die Passagen aneinanderzureihen und die Route durchzuhalten. Ich bin gespannt, was die Wiederholer dazu meinen.
Christian: Letzten Endes war ich dann doch überrascht, als ich merkte, dass meine Versuche plötzlich schnell besser wurden und vor allem der Anspruch an die Ausdauerkraft doch letztendlich geringer erscheint, als ich zuerst angenommen habe. Zuerst dachte ich, es ist der Wahnsinn, all die extrem harten Einzelzüge über die gesamte Strecke hinweg aneinanderzureihen. Vor allem der letzte schwere Zug hat es in sich, ist die Körperspannung schon zu weich, rutscht extrem leicht der Fuß. Eine echte "Durchstiegsbremse" nochmal. Für mich persönlich war beispielsweise sogar "Action Directe" mit weniger Aufwand verbunden. Ich denke aber, das "Hades" trotzdem für die Mehrheit der Kletterer der geeignetere "Kletter-Style" ist und so eher dem derzeitigen athletischen Kletterstandard entspricht, deshalb sollte die Bewertung mit 9a passen. Aber natürlich sind wir gespannt auf potentielle Wiederholer, davon ist ja recht bald schon eine ganze Menge zum RocTrip im Zillertal und die Kletterhochburg Innsbruck ist ja auch nicht weit.
Christian, dir sind doch kurz zuvor noch einige schwere Routen innerhalb recht kurzer Zeit bei keineswegs guten Bedingen gelungen – waren das für dich dann nur Spaziergänge im Vergleich zu "Hades", auf die du dich letzten Endes dann doch ausschließlich konzentriert hast? Wäre das nicht ein Indiz dafür, dass "Hades" doch noch schwerer sein könnte?
Christian: Man kann schon sagen, dass 8c-Routen für mich mittlerweile gebietsunabhängig meist sehr schnell abgehakt sind: So z.B. meine neue Erstbegehung "Planet Hollywood" 8c/c+ (Weisswand) in drei Tagen, die "Erntezeit" 8c (Götzis) im dritten Versuch, "Selbst ist das Kind" 8c (Adlitzgräben) im zweiten und zuletzt "Black is Basic" 10+/11- (Frankenjura) in zwei Tagen. Trotzdem liegt zwischen 8c und 9a eine kleine Welt.
Würdest Du sagen, dass "Hades" Dein persönliches Limit kennzeichnet oder könntest Du dir vorstellen, dass unter bestimmten Umständen noch eine Steigerung möglich wäre?
Christian: Am persönlichen Limit ist man nie am Ende angelangt, irgendwie geht irgendwo immer noch etwas mehr.
Wie sehen Eure persönlichen Ziele für dieses Jahr noch aus?
Andreas: Ich möchte zum Herbst hin noch den ein oder anderen "9a-Klassiker" versuchen – welchen nun genau, das hängt in erster Linie von der verfügbaren Zeit und den Witterungsbedingungen ab. Underground beispielsweise steht dabei ganz oben auf der Liste. Den Sommer über möchte ich mich erst mal dem Bouldern widmen. Es gibt immer unzählige Projekte, für zu wenig Zeit, aber einige bestimmte Touren wie die „Realization“ oder den „Silbergeier“ würde ich dieses Jahr noch gerne versuchen.
Vielen Dank für das Interview und weiterhin viel Erfolg!
Fotoserie: Bindhammer-Brothers rocken in Tirol
Weiterführende Informationen:
| Christian Bindhammer | |
| Homepage von Andreas Bindhammer |
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