DAV warnt: Klettersteigsets für Kinder ungeeignet

bergleben.de am 22.09.2010 - 09:30 Uhr
DAV warnt: Klettersteigsets für Kinder ungeeignet © flickr_pave_m
Der Deutsche Alpenverein warnt vor Benutzung handelsüblicher Klettersteigsets durch Kinder. Da es aufgrund der bestehenden Sicherheitsnorm keine speziell auf Kinder abgestimmten Sets gibt, setzte sich die DAV-Sicherheitsforschung mit der Frage beschäftigt, ob die am Markt befindlichen Klettersteigsets auch für Kinder geeignet sind. Ergebnis: Sie sind es nicht!

Keine Sets für Kinder
Den Herstellern sind momentan allerdings die Hände gebunden: Sets für Kinder können sie nach Angaben des Alpenvereins weder entwickeln noch anbieten, weil die bestehende Norm keinen Spielraum lässt. Die DAV-Sicherheitsforschung wird daher Anträge zur Änderung der Norm in die entsprechenden Gremien einbringen. Die Sicherheitslücke sei dringend zu schließen, so die Verantwortlichen auf einer Pressekonferenz am 21.9. in München.


Von der Sicherheitsforschung getestet
Um zu untersuchen, ob und wie die Klettersteigsets bei leichtgewichtigen Personen funktionieren, führte die DAV-Sicherheitsforschung praxisnahe Sturzversuche mit Dummies an einem marktüblichen Klettersteigset durch. Die dabei auf die Halswirbelsäule wirkenden Kräfte wurden gemessen und ausgewertet. Eindeutig zeigte sich: Unter 50 Kilogramm Körpergewicht ist die Benutzung von auf dem Markt befindlichen Klettersteigsets riskant, unter 30 Kilogramm sind diese Risiken erheblich. Für Kinder und für leichtere Personen sind die getesteten Klettersteigsets also nicht zu empfehlen.

Tipps vom DAV
So lange es keine Klettersteigsets für Kinder und leichtgewichtige Personen gibt, empfiehlt der DAV allen Eltern und betroffenen Personen folgende Sicherheits-maßnahmen:

• Sich die Problematik bewusst machen,
• Grundsätzlich hinter dem Kind steigen,
• An schwierigen Stellen zusätzlich mit Seil sichern
• Bei fehlendem Know-how auf schwierige und extreme Klettersteige verzichten.

Risiko im Bergsport
Mit seiner Sicherheitsforschung trägt der DAV maßgeblich zur Verbesserung von Ausrüstung und Ausbildung und damit zur Reduzierung von Unfällen beim Bergsport bei. Die aktuelle DAV-Bergunfallstatistik 2008/2009 belege, dass die Zahl der tödlichen Bergunfälle in den letzten Jahrzehnten markant gesunken ist und sich derzeit mit unter 40 Todesfällen bei DAV-Mitgliedern pro Jahr auf einem historischen Tiefstand befinde, so das Pressestatement des DAV.

Unfallstatistik mit Vorsicht zu genießen
Allerdings müssen zwei Dinge beachtet werden: Die statistische Erhebung unterstreicht zwar die erfolgreiche Arbeit der DAV-Sicherheitsforschung, es zeigte sich aber, dass sich die Unfallzahlen in Klettersteigen zuletzt drastisch erhöht haben. Zudem werden in der Unfallstatistik nur Unfälle von DAV-Mitgliedern aufgenommen. Dass ein Großteil der Bergunfälle von unerfahrenen oder schlecht ausgerüsteten Bergsportlern verursacht werden, die nicht Mitglied im Alpenverein sind, bleibt unberücksichtigt. So bleibt weiter das Ziel: Bergsportler, ob DAV-Mitglied oder nicht, für die Gefahren in den Bergen zu sensibiliseren und so Unfälle zu vermeiden.

Quelle: DAV

ANZEIGE

ANZEIGE