Der Klettersommer von Alexander Huber
M2b Redaktion am 24.09.2008 - 10:11 Uhr
Alexander Huber ist wohl jedem deutschsprachigem Kletterer ein Begriff. Er und sein Bruder Thomas, die legendären "Huberbuam", machten in den letzten Jahren nicht nur die Speed-Begehung der "Nose" am Yosemite auf sich aufmerksam. Ihr Film "Am Limit" war wohl der erste Kletterfilm, der nicht nur die Klettergemeinde, sondern auch viele weitere Menschen im Kino begeisterte. Jetzt hat sich Alex Huber bei mountains2b.com gemeldet, um über seine Sommertouren zu berichten.
Feuertaufe
"Bereits im letzten Jahr eröffnete ich zusammen mit Guido Unterwurzacher ein neue Route an der Südwand des Urlkopfes bei Lofer. Dabei erschlossen wir die Route wie immer: von unten, ohne Vorerkundung von oben, im Vorstieg und das bei minimalen Einsatz von Bohrhaken. Herausgekommen ist ein absolutes Highlight. Erstklassiges Abenteuer in bestmöglichen Fels an durchgehend überhängender Wand. Letztes Jahr blieb uns eine Rotpunktbegehung noch verwehrt, doch dieses Jahr blieben wir dran und wurden belohnt. Am 31. Juli gelang uns die Rotpunktbegehung der "Feuertaufe".
Die zweite Seillänge (siehe Topo) erreicht den oberen zehnten Schwierigkeitsgrad, trotzdem sind die Schwierigkeiten vor allem im moralischen Anspruch zu sehen. Die Schlüsselstelle ist zwingend vier Meter über dem Bohrhaken zu klettern, ein Abgang endet in einem 12-Meter-Sturz. Doch auch die anderen Seillängen sind interessant. Die große Hürde, die man bei der "Feuertaufe" nehmen muss, ist somit nicht die Rotpunktbegehung, sondern vielmehr die erste Berührung mit der Route im Vorstieg. Ein echtes Abenteuer..."
Sansara
"Ganze 18 Monate ist es nun schon wieder her, dass mich Manni Reichel auf dieses geniale Rissdach bei Lofer aufmerksam machte. Im letzten Frühjahr gelang mir schließlich die Erstbegehung von "Desperate Reality".
Doch die Wand besitzt insgesamt drei große Dächer und während "Desperate Reality" die ersten beiden noch geschickt umkurvt so stellt sich "Sansara" der Herausforderung der kompromisslosen Linie mitten durch die Dächer um dann am Ende direkt über das Rissdach von "Desperate Reality" auszusteigen. Das erste Dach bietet dabei extrem coole Powerkletterei im oberen zehnten Grad und auch der psychische Aspekt kommt bei "Sansara" nicht zu kurz. Die Route wurde selbstredend im Vorstieg erstbegangen. Am 25. Juni 2008 gelang mir schließlich die Rotpunktbegehung."
Free Solo am Grand Capucin
Mit seinen 3838 Metern gehört der Grand Capucin nicht zu den großen Gipfeln im Montblanc-Massiv. Trotzdem steht er seit der Erstbegehung seiner Ostwand durch Walter Bonatti und Luciano Ghigo bei den Kletterern hoch im Kurs. Einerseits war Bonatti mit seiner Begehung im Jahr 1951 seiner Zeit voraus, was die Route berühmt und begehrt machte. Darüberhinaus ist es aber vor allem der wunderschöne Granit, der den Grand Capucin für die Kletterer so attraktiv macht.
"Anfang Juli war ich ein erstes Mal am Grand Capucin. Zusammen mit Werner Strittl erkundete ich das Vorhaben, diesem Turm free solo zu besteigen und fand auch entlang der Schweizerführe einen bei Schwierigkeiten im maximal siebten Grad verhältnismäßig leichten Weg. Doch war das Problem mit dem Finden eines Weges zum Gipfel nicht gelöst, denn ich musste nach einer Free-Solo-Besteigung schließlich auch auf irgendeine Weise vom Gipfel wieder runterkommen! Da die Schweizerführe die leichteste Route an diesem Granitturm ist, gibt es keine andere Lösung, als genau diese wieder abzuklettern. Die insgesamt 400 Meter Wandhöhe lassen sich in zwei Teile trennen. Auf ein 100 Meter hohes, leichtes Schneecouloir folgt 300 Meter reiner Fels. Nach weiterem Kennenlernen der Route mit Kurt Astner waren mir die Route und vor allem die schwierigen Kletterstellen vertraut, trotzdem musste ich für mein Vorhaben, völlig hilfsmittelfrei diesen exponierten Gipfel zu erklettern, noch warten. Es gab immer noch zu viel Schnee am Berg und die Risse waren je nach Tageszeit und Wetter entweder vereist oder nass. Am 5. August war es dann endlich soweit. Es war zwar ein sehr kühler Tag und die Temperatur zum Klettern eher suboptimal, dafür waren aber der Fels und alle Risse mittlerweile vollständig trocken und eisfrei! Um zehn Uhr startete ich vom Schneecouloir in den Fels, 59 Minuten später war ich oben. Nach fünf Minuten Pause machte ich mich wieder auf dem Weg nach unten und nach einer Stunde und 46 Minuten des Abkletterns war ich wieder bei meinen Steigeisen im Couloir. Selbst der anschließende Abstieg durch das Schneecouloir und vor allem über den riesigen Bergschrund war an diesem Tag denkbar einfach. Aufgrund der kühlen Temperaturen war jetzt beim Rückweg der Schnee im Couloir und am Bergschrund noch halbwegs durchgefroren und bescherte mir einen sicheren Weg über das letzte, für Alleingänger beizeiten durchaus gefährliche Hindernis."
Foto: Feuertaufe
Rechte: Michael Meisl
Feuertaufe
"Bereits im letzten Jahr eröffnete ich zusammen mit Guido Unterwurzacher ein neue Route an der Südwand des Urlkopfes bei Lofer. Dabei erschlossen wir die Route wie immer: von unten, ohne Vorerkundung von oben, im Vorstieg und das bei minimalen Einsatz von Bohrhaken. Herausgekommen ist ein absolutes Highlight. Erstklassiges Abenteuer in bestmöglichen Fels an durchgehend überhängender Wand. Letztes Jahr blieb uns eine Rotpunktbegehung noch verwehrt, doch dieses Jahr blieben wir dran und wurden belohnt. Am 31. Juli gelang uns die Rotpunktbegehung der "Feuertaufe".
Die zweite Seillänge (siehe Topo) erreicht den oberen zehnten Schwierigkeitsgrad, trotzdem sind die Schwierigkeiten vor allem im moralischen Anspruch zu sehen. Die Schlüsselstelle ist zwingend vier Meter über dem Bohrhaken zu klettern, ein Abgang endet in einem 12-Meter-Sturz. Doch auch die anderen Seillängen sind interessant. Die große Hürde, die man bei der "Feuertaufe" nehmen muss, ist somit nicht die Rotpunktbegehung, sondern vielmehr die erste Berührung mit der Route im Vorstieg. Ein echtes Abenteuer..."
Sansara
"Ganze 18 Monate ist es nun schon wieder her, dass mich Manni Reichel auf dieses geniale Rissdach bei Lofer aufmerksam machte. Im letzten Frühjahr gelang mir schließlich die Erstbegehung von "Desperate Reality".
Doch die Wand besitzt insgesamt drei große Dächer und während "Desperate Reality" die ersten beiden noch geschickt umkurvt so stellt sich "Sansara" der Herausforderung der kompromisslosen Linie mitten durch die Dächer um dann am Ende direkt über das Rissdach von "Desperate Reality" auszusteigen. Das erste Dach bietet dabei extrem coole Powerkletterei im oberen zehnten Grad und auch der psychische Aspekt kommt bei "Sansara" nicht zu kurz. Die Route wurde selbstredend im Vorstieg erstbegangen. Am 25. Juni 2008 gelang mir schließlich die Rotpunktbegehung."
Free Solo am Grand Capucin
Mit seinen 3838 Metern gehört der Grand Capucin nicht zu den großen Gipfeln im Montblanc-Massiv. Trotzdem steht er seit der Erstbegehung seiner Ostwand durch Walter Bonatti und Luciano Ghigo bei den Kletterern hoch im Kurs. Einerseits war Bonatti mit seiner Begehung im Jahr 1951 seiner Zeit voraus, was die Route berühmt und begehrt machte. Darüberhinaus ist es aber vor allem der wunderschöne Granit, der den Grand Capucin für die Kletterer so attraktiv macht.
"Anfang Juli war ich ein erstes Mal am Grand Capucin. Zusammen mit Werner Strittl erkundete ich das Vorhaben, diesem Turm free solo zu besteigen und fand auch entlang der Schweizerführe einen bei Schwierigkeiten im maximal siebten Grad verhältnismäßig leichten Weg. Doch war das Problem mit dem Finden eines Weges zum Gipfel nicht gelöst, denn ich musste nach einer Free-Solo-Besteigung schließlich auch auf irgendeine Weise vom Gipfel wieder runterkommen! Da die Schweizerführe die leichteste Route an diesem Granitturm ist, gibt es keine andere Lösung, als genau diese wieder abzuklettern. Die insgesamt 400 Meter Wandhöhe lassen sich in zwei Teile trennen. Auf ein 100 Meter hohes, leichtes Schneecouloir folgt 300 Meter reiner Fels. Nach weiterem Kennenlernen der Route mit Kurt Astner waren mir die Route und vor allem die schwierigen Kletterstellen vertraut, trotzdem musste ich für mein Vorhaben, völlig hilfsmittelfrei diesen exponierten Gipfel zu erklettern, noch warten. Es gab immer noch zu viel Schnee am Berg und die Risse waren je nach Tageszeit und Wetter entweder vereist oder nass. Am 5. August war es dann endlich soweit. Es war zwar ein sehr kühler Tag und die Temperatur zum Klettern eher suboptimal, dafür waren aber der Fels und alle Risse mittlerweile vollständig trocken und eisfrei! Um zehn Uhr startete ich vom Schneecouloir in den Fels, 59 Minuten später war ich oben. Nach fünf Minuten Pause machte ich mich wieder auf dem Weg nach unten und nach einer Stunde und 46 Minuten des Abkletterns war ich wieder bei meinen Steigeisen im Couloir. Selbst der anschließende Abstieg durch das Schneecouloir und vor allem über den riesigen Bergschrund war an diesem Tag denkbar einfach. Aufgrund der kühlen Temperaturen war jetzt beim Rückweg der Schnee im Couloir und am Bergschrund noch halbwegs durchgefroren und bescherte mir einen sicheren Weg über das letzte, für Alleingänger beizeiten durchaus gefährliche Hindernis."
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Rechte: Michael Meisl
Fotoserie: Der Klettersommer von Alexander Huber
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Weiterführende Informationen:
| www.huberbuam.de |
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