Karriereende von Bettina Schöpf: Österreicherin beendet Laufbahn als Leistungskletterin

bergleben.de am 11.03.2010 - 10:53 Uhr
Karriereende von Bettina Schöpf: Österreicherin beendet Laufbahn als Leistungskletterin © Roland Greinig
Vergangenen Freitag, 05.03.2009 lud ÖWK-Athletin Bettina Schöpf gemeinsam mit ihrem Lebenspartner und persönlichen Betreuer Roland Greinig zahlreiche Medienvertreter, Sponsoren und Vertreter des Österreichischen Wettkletterverbandes in die Kletterhalle Imst ein. Grund des Zusammentreffens war die Bekanntgabe des Karriereendes von Bettina Schöpf.

Gesundheitliche Einschränkungen
"Aufgrund immer wieder kehrender Verletzungen habe ich mich zum Rücktritt vom Leistungssport entschieden, da ein Hochleistungstraining ohne gesundheitlichen Einschränkungen einfach nicht mehr geht", begründete Bettina ihren Rücktritt.

Bettina Schöpf - Wegbereiterin des Sportkletterns in Österreich
Vor knapp 20 Jahren begann an der Hauptschule Imst-Unterstadt eine der beeindruckendsten Karrieren im Österreichischen Klettersport. Unter der Leitung von Mike Gabl wurde Bettina erstmals an die Sportart Klettern herangeführt. Gemeinsam mit dem leider viel zu früh verstorbenen Kletterpionier Reinhard Schiestl legte Mike Gabl den Grundstein für die erfolgreiche Kletterkarriere der gebürtigen Karrösterin. 1994 qualifizierte sich Bettina erstmals für einen großen internationalen Bewerb - die Jugendweltmeisterschaften in Leipzig - bei der sie den 17. Rang belegte. In den nächsten Jahren folgten zahlreiche nationale (mehrfache Tiroler und 10-fache Österreichische Meisterin) und internationale Spitzenergebnisse.


Auszug aus den Highlights aus Bettinas Sportkletterkarriere
Im Jahr 1997 schrieb Bettina Schöpf österreichische Klettergeschichte. Bei der erstmals in Österreich durchgeführten Jugendweltmeisterschaft sorgte Bettina Schöpf für einen Paukenschlag und holte als erster Athlet überhaupt einen Juniorenweltmeistertitel für Österreich. Ein Jahr später gelang ihr bei der Jugendweltmeisterschaft in Moskau das Kunststück, den WM-Titel erfolgreich zu verteidigen. "Bettina war Pionierin und Wegbereiterin des Leistungsklettern in Österreich. 1997, als erstmals eine Jugend-WM in Österreich (Imst) stattfand, war ungefähr die Zeit als sich in Österreich die ersten unabhängigen Landesverbände im Sportklettern gründeten. Mit ihren Leistungen damals war sie die erste große Leistungsträgerin im Österreichischen Klettersport und somit Vorbild für viele der heute so erfolgreichen Österreichischen Kletterstars. Bettinas Erfolge waren die Initialzündung für die rot-weiß-rote Klettererfolgsgeschichte der vergangenen Jahre", resümierte ÖWK-Präsident Dr. Eugen Burtscher, der sich im Rahmen der PK persönlich für ihre Leistungen und ihr Engagement für den Verband bedankte.

Erste Österreicherin auf einem Podestplatz im Weltcup
Sechs Jahre nachdem Bettina Schöpf als erste Österreicherin einen Junioren WM-Titel holte, setzte sie erneut Maßstäbe im österreichischen Sportklettergeschehen. Im Juni 2003 kletterte Bettina Schöpf als erste Österreicherin überhaupt bei einem Weltcup auf das Stockerl. Im italienischen Lecco, wo sie im Jahr zuvor den vierten Platz belegte, schaffte sie den dritten Rang. Das Jahr 2004 war das Jahr der Bettina Schöpf. Bei den Österreichischen Staatsmeisterschaften sicherte sie sich souverän den Titel, sorgte mit Platz zwei beim Heim-Weltcup in Imst für den ersten Österreichischen Doppelsieg bei einem Weltcup (Siegerin Angela Eiter) und fuhr mit mehreren Top-Ten-Platzierungen im Weltcup in Topform zur Europameisterschaft nach Lecco (ITA). Dort stieß sie mit dem Sieg bei der Europameisterschaft in eine Dimension im Sportklettern vor, die kein österreichischer Kletterer je vorher erreichte, weder bei den Damen noch bei den Herren. "Ich fuhr damals bereits mit einem tollen Gefühl zur EM nach Lecco, denn dort konnte ich im Jahr 2003 meinen ersten Stockerlplatz belegen. Die Wand lag mir einfach, es war sozusagen meine Lieblingswand!" erinnert sich Bettina gern an die Stätte ihres größten Triumphes zurück.

Von Verletzungen geplagt
Dieser Titel war sozusagen die Initialzündung für das Österreichische Team, das in den darauffolgenden Jahren mehrere EM- und WM-Titel in der allgemeinen Klasse
(Eiter, Stöhr, Lama, Ernst) sowie Medaillen am laufenden Band für den Österreichischen Wettkletterverband gewann. Auf sportliche Glanzleistungen folgten leider immer wieder langwierige Verletzungen. Im Jahr 2005, dem Jahr nach dem Gewinn des Europameistertitels, konnte Bettina verletzungsbedingt an keinem Bewerb teilnehmen. 2006 nahm Schöpf nur an nationalen Bewerben teil. 2007 erfolgte der erneute Einstieg in den Weltcup. Nach einem sehr guten Aufbautraining im Winter 2007/2008 schaffte Bettina im Jahr 2008 erstmals wieder den Sprung in ein Weltcup-Finale. In Chamonix belegte sie den siebten Platz und beim Weltcup in
Bern den sehr guten sechsten Platz. Im Jahr 2009 konnte Bettina mit dem 10. Rang bei der Weltmeisterschaft in Xining (CHN) nocheinmal unter Beweis stellen, dass sie nach wie vor zur erweiterten Weltspitze im Sportklettern zählt.

Wehmut mit Blick auf Heim-EM 2010
Mehr als 15 Jahre Leistungssport gingen jedoch nicht spurlos an der sympathischen Tirolerin vorbei. Körperliche Überbelastungen bereiteten ihr kontinuierlich Schmerzen und machten das Training immer mehr zur Qual. "Gute Trainingseinheiten waren nicht mehr durchführbar und somit kam die Entscheidung: 15 Jahre Leistungssport - das ist genug. Auch wenn der Kopf will, mein Körper sagt mir etwas anderes!" erklärte Bettina Schöpf wehmütig mit Blick auf die Heimeuropameisterschaften 2010 in Imst und Innsbruck.

Karriere nach der Karriere
Bettina Schöpf war neben dem Leistungsklettern auch stets ihre berufliche Ausbildung sehr wichtig. Sie absolvierte die Bildungsanstalt für Kindergartenpädagogik in Zams und legte dort 1999 die Reifeprüfung ab. Gleich anschließend begann Bettina mit dem Studium der Pädagogik in Innsbruck, welches sie auch erfolgreich abschließen konnte. Im Jahr 2008 absolvierte sie weiters erfolgreich die Ausbildung zur staatl. geprüften Klettertrainerin an der Bundessportakademie in Innsbruck. Ihre langjährige Erfahrung im Klettersport, Lehren und Unterichten ist der Grundstein für ihre Karriere nach der Karriere. Bettina Schöpf widmet sich ab sofort ihrer eigenen Kletterschule
"inout - Kletterschule Bettina Schöpf". Bettina Schöpf wird ihre langjährige Erfahrung und ihr Wissen im Sportklettern in der Nachwuchsarbeit einbringen und somit auch weiterhin einen wichtigen Beitrag zum Sportklettergeschehen in Österreich leisten.

Die größten sportliche Erfolge:
- Europameisterin im Vorstieg, 2004 - Lecco (ITA)
- Juniorenweltmeisterin im Vorstieg, 1997 - Imst (AUT), 1998 - Moskau (RUS)
- 2. Platz Weltcup im Vorstieg, 2004 - Imst (AUT) , 2004 - Aprica (ITA)
- 10-fache Österreichische Staatsmeisterin

Quelle: Roland Greinig

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