"Progression" mit Chris Sharma, Adam Ondra & Co.: Eine kurze Filmkritik

bergleben.de am 09.10.2009 - 12:02 Uhr


Lange hat die Kletterszene darauf gewartet, nun ist der neue Film von Josh Lowell und Big Up Productions endlich erschienen. bergleben.de hat sich von Josh den Film besorgt und „Progression“ mit großer Vorfreude in den DVD-Player eingelegt. Nach eineinhalb Stunden war klar: Wieder einmal ist Josh mit seinem Team ein Meisterwerk gelungen!

Die Besten der Besten
Es sind vor allem die Landschaftsaufnahmen und die spektakulären Moves von Stars wie Chris Sharma, Adam Ondra, Patxi Usobiaga, Daniel Wodds, Tommy Caldwell und Kevin Jorgeson, die „Progression“ zu einem würdigen Nachfolger von „King Lines“ machen. War in „King Lines“ noch Chris Sharmas Deep Water Soloing Projekt am Es Pontas auf Mallorca im Mittelpunkt des Geschehens und sorgte für Gänsehaut, dokumentiert „Progression“ den Schritt von Sharma in eine nächste Kletterdimension: mit „Jumbo Love 9b“ in der Wüste Kaliforniens führt er sein mehrere Jahre altes Projekt, das auch in King Lines schon Thema war, zu einem Ende!

Einblicke in das Leben des berühmtesten Kletterers der Welt
Doch zunächst zeigt „Progression“ Chris und seine Freundin Daila Ojeda im spanischen Oliana, wo sich Chris in der Route „Demencia Senil“ und vielen weiteren Projekte für die anspruchsvollste Route seines Lebens fit macht. Einblicke in das Privatleben des charismatischen Sharma bekommt man dabei ebenso zu sehen wie den vielbewunderten Nachfolger des US-Amerikaners: Adam Ondra zeigt in „Papichulo 9a+“ seine Künste und spricht über seine Einstellung zum Klettern. Was nun folgt, ist etwas ganz Besonderes: Erstmalig bringt Josh in einem seiner Filme einen großen Block über Weltcups und das Indoor-Wettkampfklettern.

Usobiaga und Ernst im Mittelpunkt
Was zunächst wie ein „Kulturschock“ wirkt, entwickelt sich zu einem spannenden Film im Film: Zu sehen sind unglaubliche Trainingsbilder vom phänomenalen Patxi Usobiaga Lakunza (ESP), der sich mit Bleiwesten bis zur totalen Erschöpfung auspowert. Patxi findet sich auch im Mittelpunkt, als er beim Weltcupfinale 2008 enttäuscht den Gesamtsieg verpasst, dann aber die eindrucksvollste Jubelszene des Films zeigt: Bei der WM 09 in China zeigt die „Maschine“ Usobiaga, der jeden Tag stundenlang trainiert, was es für ein Gefühl ist, der Beste On-Sight-Kletterer der Welt zu sein. Da spielt die Österreicherin Johanna Ernst mit ihren Weltcup-Auftritten fast nur eine Nebenrolle, vor allem weil von der damals 15-Jährigen selbstverständlich nur wenige englische Statements zu hören sind. So dreht sich die Story um Ernsts Weltcup-Gesamtsieg 2008 in Kranj (SLO) um ihren Vater Robert, der im Publikum sitzend für seine Tochter mitfiebert, mitjubelt, mitfightet und Johanna als weltbeste Kletterin feiert.

Caldwell, Woods und Robinson in den Rocklands
Nach den emotionalen Wettkämpfen folgt ein Besuch von Josh in den Rocklands Südafrikas. Dort dreht die Big Up Crew die US-Amerikaner Paul Robinson, Daniel Wodds und „Big-Wall-Veteran“ Tommy Caldwell. Hier sind es vor allem die Wahnsinnsbilder der Steinfelder, Boulderprojekte mit kleinstmöglichen und kaum greifbaren Leisten und die Beobachtung der zwei Klettergenerationen, die den Zuseher in ihren Bann ziehen. Einprägsam ist vor allem ein Wahnsinns-Dyno von Daniel Woods an einen „tiny crimp“, der nicht nur von Tommy Caldwell als „amazing und unbelievable“ gefeiert wird.

Tommy Caldwell am El Cap
Das Caldwell, der bei einem Unfall die ersten beiden Glieder seines linken Zeigefingers verlor, sein Kletterleben eigentlich den Big Walls gewidmet hat, zeigt die nächste Episode von „Progression“. Caldwell gilt als einer der verrücktesten und besten Big Wall-Kletterer der Welt und hat zahlreiche Freikletter-Routen im Yosemite und vor allem am El Capitan eröffnet. In seinem aktuellsten Projekt ist ihm zwar kein Erfolg gegönnt, eindrucksvolle Bilder vom Leben in der Big Wall gibt es natürlich trotzdem zu sehen.

Großen Finale mit Jorgeson und Sharma
Zum Ende des Films, als man schon glaubt, dass „Progression“ zwar hervorragend ist, aber nicht an „King Lines“ herankommt, sind es Kevin Jorgeson und natürlich Chris Sharma, die schließlich für das „i-Tüpfelchen“ sorgen. Zunächst bringt Kevin in Kalifornien das High Ball Bouldern in eine neue Dimension: Die Geschichte um Ambrosia (Buttermilks, CA) fasziniert bis zum Ende. Es sind fast 15 Meter, die er im Januar 09 am Grandpa Peabody Boulder bouldert, bis zur Mitte in einer Schwierigkeit von V12/V13 (8a+/8b), schon beim Zuschauen fangen da die Hände an zu zittern. Doch das große Finale von „Progression“ ist der Rückkehr von Chris Sharma zu seinem geliebten Hass-Projekt „Jumbo Love“ vorbehalten. Und was dort passiert, das schaut ihr euch am besten selber an...

Fazit: Bravo Josh, ein Film, der unter die Haut geht!

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Trailer:

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