Roger Schäli und Simon Gietl nehmen Cerro Fitz Roy in Angriff

bergleben.de am 23.11.2009 - 12:57 Uhr
Roger Schäli und Simon Gietl nehmen Cerro Fitz Roy in Angriff © flickr_longhorndave
Der Schweizer Roger Schäli und der Südtiroler Simon Gietl sind auf dem Weg nach Patagonien. Ihr Ziel: Der legendäre Cerro Fitz Roy (3.406 m). Die beiden Mitglieder des internationalen SALEWA alpineXtrem Teams planen eine ungewöhnliche Besteigung dieses spektakulären Anden-Gipfels: zwei verschiedene Routen, eine möglichst schnell, eine möglichst schwer und mit mehrtägigem Aufenthalten in der Wand. Für ihren lang gehegten Traum haben die beiden Zeit bis zum 23. Dezember - dann geht ihr Flug zurück nach Europa.

Extrem große, mentale Herausforderung
"Die Idee existiert seit über zwei Jahren und klingt schon ein wenig verrückt", offenbart Roger, der als einer von wenigen Alpinisten weltweit bereits die berühmt-berüchtigte
Patagonien-Trilogie aus Torre Egger, Cerro Torre und Cerro Stanhardt geschafft hat. "Wir planen gemeinsam zwei Wege auf den Gipfel zu klettern. Einen möglichst schnellen und
einen klettertechnisch, psychisch und physisch möglichst schwierigen. Das ist eine extrem große Herausforderung für uns, vor allem mental. Aber wir sind super zuversichtlich und zu 100% motiviert."


Wetterbedingungen sind Lotteriespiel
Patagonien und seine einmaligen Erhebungen sind mit nichts zu vergleichen, was Bergsportler in den West- und Ostalpen vorfinden. Kann man in unseren Breitengraden aufgrund ausreichend stimmiger Wetterprognosen auch schwierigste Unternehmungen vorausschauend planen und auf die Bedingungen abstimmen, so ist das Klettern in den Granitwänden Argentiniens und Chiles mit einem Lotteriespiel zu vergleichen. Innerhalb von Minuten kann eine zunächst stabil wirkende Schönwetterphase einbrechen und sich zu manchmal Wochen andauernden Schlechtwetter-Perioden entwickeln. Dazu kommt der charakteristische Wind, oftmals in psychisch wie physisch extrem kräftezehrenden Böen auftretend.

Kletterethisch einwandfreie Bewegungsformen
Doch Simon, der trotz seiner Jugend bereits über bedeutende alpinistische Erfahrung und Referenzen verfügt, und sein "Senior"-Seilpartner Roger sind gut vorbereitet. Der 25-
jährige Südtiroler ist Erstbegeher von Routen wie "Krieger des Lichts" (IX, 540 Klettermeter, Cima Scotoni, Dolomiten) oder "Tränen der Erinnerung" (IX-, 400 Klettermeter, Fanesgruppe, Dolomiten). Dabei legt Simon großen Wert auf eine kletterethisch einwandfreie Bewegungsform. In "Krieger des Lichts" steckt kein einziger Bohrhaken, in "Tränen der Erinnerung" verwendeten der Südtiroler und sein Seilpartner
Patrick Seiwald überhaupt keinen Haken zur Sicherung.

Alpin-Kompetenz in höchster Konzentration
Am schweizer Ende der Fitz-Roy-Zweierseilschaft findet sich gebündelte Alpin-Kompetenz in noch höherer Konzentration. Rogers Erstbegehung des Arwa Spire Central Gipfels (6193 m) sowie des Arwa Spire Westgipfels (Garhwal Himalaya, Nordindien), der "Donnafugata" (7a+, A2, Torre Trieste, Dolomiten) oder der "Tartaruga" (7b+, A2, Asta Nunaat, Grönland) sowie der "Magic Mushroom" (7c+, Eiger Nordwand) sind nur einige unter vielen. Im Frühjahr 2009 hat sich der 31-jährige Berner bei anspruchsvollen Rißklettereien im Yosemite-Valley (Kalifornien, USA) eigens auf die gewöhnungsbedürftigen Steigtechniken für steile Granitwände eingestimmt.

Über den Erfolg der Expeditionen halten wir euch auf dem Laufenden!

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