Expedition Antarctica: Huberbuam zurück aus dem ewigen Eis!

bergleben.de am 27.01.2009 - 10:48 Uhr
Sechs Wochen im ewigen Eis. Temperaturen von bis zu -50°Celsius, immer wieder Stürme, überraschend unbeständiges Wetter, kein Sonnenuntergang. Geschützt nur durch Kleidung, Schlafsack und Zelt. Bei vielen hört bereits hier die Vorstellungskraft auf. Unter solch extremen Bedingungen dann noch eine 750 Meter hohe, vertikale Granitwand anzugehen, wenn möglich sogar in freier Kletterei, ist ein Szenario, das die Huberbuam dazu bringt, sich voller Energie und Leidenschaft in ein neues Projekt reinzuhängen.


Kalte Reise ins Queen Maud Land
Im November und Dezember 2008 reisten die beiden Bergsteiger und Extremkletterer aus Berchtesgaden gemeinsam mit ihrem Schweizer Kollegen Stephan Siegrist für sechs Wochen ins Queen Maud Land inmitten der Antarktis. Wie schon beim Film "Am Limit" begleitete Kameramann Max Reichel aus Bayerisch Gmain die Alpinisten, um das Leben und das Klettern an der arktisch kalten Senkrechten hautnah zu dokumentieren. Im Queen Maud Land ragen, wie nirgendwo sonst in der Antarktis, einzigartige Türme, Pfeiler und Zähne aus dem Eismeer. Diese Nunataks sind nur die Spitze eines Gebirges, dessen höchste Gipfel das kilometerdicke Inlandeis durchstoßen und so spektakuläre Granitberge ausbilden, die wie Raketen in der scheinbar endlosen und weißen Gletscherwüste stehen. Der imposanteste Berg im Queen Maud Land ist ohne jeden Zweifel der 2931 Meter hohe Ulvetanna - eine perfekte Pyramide, die sich nach allen Seiten hin als ein abweisendes, anspruchsvolles Ziel präsentiert. Nicht umsonst gilt der Ulvetanna als der schwierigste Berg der Antarktis.

Ulvetanna und Holtanna
Neben dem Ulvetanna ("Wolfszahn") reizte die drei Alpinisten vor allem die noch undurchstiegene Westwand des Holtanna ("Hohlzahn"). "Eine extreme Bigwall, 750 Meter hoch, im Gesamten mehr als nur senkrecht und das ganze in der Kälte der Antarktis", so Alexander Huber über die Herausforderung. Sechs Wochen betrug das Zeitfenster, das sich die Huberbuam für ihre Reise ins Ungewisse gesetzt hatten. Trotz ausführlicher Recherche und Gesprächen mit Teilnehmern früherer Antarktisexpeditionen wussten sie bis zur ersten Inspektion der Holtanna-Westwand nicht, ob und wie sich ihre Ambitionen realisieren lassen würden. Die Huberbuam kletterten durch die 750 Meter hohe Westwand - doch ihre Freikletterambitionen wurden aufgrund der eisigen Temperaturen zerschlagen. "Es war kalt, sehr kalt", erzählt Thomas Huber, "aber unsere Erstbegehung durch die Westwand wurde trotz dieser extremen Bedingungen ein Juwel: "Eiszeit! 24 Seillängen und Schwierigkeiten bis 7+ und technisch bis A4".

Freie Besteigung des Holtanna
Eine Woche später konnten die Extremkletterer dann doch über den Nordpfeiler die erste freie Besteigung des Holtanna für sich verbuchen. "Wenn auch die Schwierigkeiten in einem moderaten Rahmen waren, die Route "Skywalk" (7-) ist an Schönheit nicht zu übertreffen“, schwärmt Thomas Huber. Die drei Alpinisten hatten noch ein weiteres großes Ziel im Visier. "Gegen Ende unserer Antarktis-Expedition hatten wir noch einmal Wetterglück und kletterten in zwei Tagen über den Nordwest-Pfeiler auf den Ulvetanna", erzählen die Huberbuam. "Die Erstbegehung von "Sound of Silence" 8-/A2 war das Sahnehäubchen der bisher schönsten Expedition in unserer Bergsteigerlaufbahn. Von außen betrachtet haben wir vielleicht unser Ziel, eine schwierige Freikletterei in der Antarktis zu realisieren, nicht zu 100 Prozent erreicht. Aber bei einer Lufttemperatur von -20° wird ein Siebener zum Neuner, ein Neuner wird unmöglich und es war meist sogar noch kälter! Wir haben alles versucht, haben alles geschafft - und wir sind glücklich!"

Infos zu den Begehungen:
- Ulvetanna, dritte Besteigung, Erstbegehung des Westpfeilers, „Sound of Silence“, 800 Meter, VIII-/A2, bis zu 60° im Schnee, ca. 20 Seillängen
- Holtanna, dritte Besteigung, Erstbegehung der Westwand, „Eiszeit“,750 Meter, VII+/A4, 24 Seillängen
- Holtanna, vierte und gleichzeitig erste freie Besteigung, Erstbegehung des Nordpfeilers, „Skywalk“, 450 Meter, VII-, 10 Seillängen


Hier findet ihr eine Bildergalerie zur Expedition und ein Interview mit Alex Huber!

Linktipps:
- www.huberbuam.de
- www.stephan-siegrist.ch
- www.timeline-production.de (Doku-DVD zur Expedition)

TV-Tipp:
Morgen am 28. Januar 2008 sind die Huberbuam zu Gast bei Günther Jauch in STERN TV (22:15-00:00, RTL).

Quelle:
PM Sonja Güldner-Hamel
PLANET TALK
Weiterführende Informationen:
www.huberbuam.de