K2 geschafft: Christian Stangl steht endlich auf 8.611 Metern

bergleben.de am 13.08.2010 - 13:48 Uhr
Im dritten Jahr und dem insgesamt sechsten oder siebten Anlauf ist es passiert: Der Ausnahmebergsportler Christian Stangl stand am Donnerstag, den 12.8.2010 um 10 Uhr Ortszeit alleine auf dem Gipfel des K2.

Stangl nach der Rückkehr ins Basislager über Satellitentelefon
"Ein Wahnsinn, ich bin fertig – versuche jetzt einzuschlafen, alles tut mir weh! Wenn Bergsteigen immer so wäre wie die letzten 70 Stunden hier am K2 würde ich sofort damit aufhören. Den Gipfelsieg widme ich Charly Gabl – so eine präzise Wettervorhersage zu treffen ist einfach genial! Wenn das Vertrauen in Charly nicht dagewesen wäre – ich wäre nicht aufgebrochen. Ich bin am Dienstag um 17 Uhr vom Basislager alleine losgestartet, die ganze Nacht über die Abruzzi-Route auf 7.300 hinauf in mein Lager III. Es hat die ganze Zeit geschneit und ich hatte Steinschlag wie bei den beiden Versuchen zuvor schon. Oben im Lager III Rast und dann hat sich das von Charly prognostizierte Wetterfenster aufgetan. Ich wusste, ich habe jetzt nur wenige Stunden Zeit!"


Alleine auf dem zweithöchsten Gipfel der Erde
Am Donnerstag, 10 Uhr, steht Stangl dann endlich am Gipfel: "Die Sicht war nicht besonders gut, aber brauchbar. Ich hatte gar keine Freude am Gipfel – es war komisch. Wahrscheinlich realisiere ich das erst in ein paar Tagen. Der Berg ist so saugefährlich! Technisch nicht so schwierig, nicht der höchste, aber mit Sicherheit der gefährlichste Berg, den ich je versucht oder geschafft habe!" Christian hat sich auch nur kurz am Gipfel aufgehalten und ist dann gleich wieder abgestiegen Richtung Lager III. "Donnerstag um 17 Uhr bin ich dann wieder über den Abruzzengrad abgestiegen. In der der Nacht habe ich mich via GPS orientiert – bin dann eine zeitlang von der ‚Originalroute’ abgewichen, weil die Seile so durchtränkt waren und ein Abseilen nicht möglich war. Um Mitternacht habe ich mich dann unter einem Felsvorsprung in Schutz gebracht und bin eingeschlafen. Bei Tagesanbruch um ca. 4 Uhr bin ich dann aufgewacht. Du musst mir das jetzt glauben: Ein Tier – ähnlich wie eine Katze ist mir gegenüber gestanden! Im Basislager haben Sie mir gesagt, dass das ein Schneeleopard gewesen sein könnte, ich glaubte schon ich bin deppert. Auf 5.600 Meter – aber es ist bis dort oben auch eine apere Rinne hinauf."

Ende gut, alles gut
"Ich habe die letzten drei Jahre zusammengerechnet 4 ½ Monate auf diesem Berg verbracht und am einzig schönen Tag davon (Donnerstag) hab ich den Gipfel machen können. Es ist – wie vorhin gesagt - keine rechte Freude dabei, aber so eine Genugtuung für die Strapazen und die nicht immer einfache Zeit! Ich schaue, dass ich jetzt so schnell wie möglich wegkommen kann."

Willi Pichler