Kurz nach Oh Eun-Suns Weltrekord: Spanischer Bergsteiger stirbt an der Annapurna

bergleben.de am 30.04.2010 - 16:02 Uhr
Kurz nach Oh Eun-Suns Weltrekord: Spanischer Bergsteiger stirbt an der Annapurna © Klaus Töpfer/HIMATREK
Der spanische Bergsteiger Tolo Calafat ist tot. Der 40-Jährige war nur 45 Minuten nach Oh Eun-Suns Besteigung mit seinem Expeditionsteam am Gipfel der Annapurna. Den Abstieg schaffte er jedoch nicht mehr und verstarb auf 7500 Meter Höhe.

45 Minuten nach Oh Eun-Sun auf dem Gipfel
Der Weltrekord von Oh Eun-Sun wird überschattet von einem Todesfall, der sich nur wenige Stunden später ereignete. Zusammen mit seinen Expeditionspartnern Juanito Oiarzabal, Carlos Pauner, Horia Colibasanu, sowie zwei Sherpas stand Tolo Calafat auf dem Gipfel der Annapurna (8.091 m). 45 Minuten zuvor feierte Oh dort noch ihren Weltrekord. Beim Abstieg war Calafat jedoch völlig entkräftet und konnte nicht weiter ins rettende Camp 4 auf 7.200 Meter Höhe. Einer der Sherpas richtete ihm ein Biwak ein, bevor das Team weiter hinabsteigen musste. Vermutlich erlitt Tolo Calafat ein Hirnödem, eine Flüssigkeitsansammlung im Gehirn, welche in Zusammenhang mit Höhenkrankheit stehen kann.

Helikopter und Sherpas können Calafat nicht finden
Im Camp 4 angekommen, wurde sofort ein Sherpa mit Essen, Medikamenten, einer Sauerstoffflasche und einem Schlafsack losgeschickt um Calafat zu Hilfe zu eilen, doch trotz elfstündiger Suche gelang es ihm nicht den Vermissten zu finden. Zu diesem Zeitpunkt herrschte bereits starker Schneefall. Auch ein am nächsten Morgen losgeschickter Rettungshelikopter konnte den Spanier nicht aufspüren. Per Satellitentelefon hatte Calafat bis Mittwoch noch Kontakt mit der Expeditionsleitung. Laut deren Angaben flehte er: "Holt mich runter. Tut es für meine Kinder und meine Familie". Um 20 Uhr Ortszeit ging der Kontakt verloren, da der gebürtige Mallorquiner nicht mehr antwortete.


"Mangel an Solidarität im Gebirge"
Auch Oh Eun-Sun wurde über das Drama informiert. Sie stellte ihre Sherpas zur Suche zu Verfügung. Diese weigerten sich wegen des schlechten Wetters jedoch erneut hinaufzusteigen um nach Calafat zu suchen, obwohl ihnen bis zu 6.000 Euro pro Person versprochen wurden. Oiarzabal kritisierte die Sherpas hinterher und sprach von "Mangel an Solidarität im Gebirge". Doch auch sich selbst machte Calafats Expeditionsgefährte Vorwürfe: "Wir hätten mehr machen können", so der Spanier.

Am Donnerstagmorgen offiziell für tot erklärt
Nachdem die Suchaktion des Helikopter erfolglos beendet worden war, flog dieser ins Camp 4 um die drei verbliebenen Teammitglieder ins Basislager zu bringen. An einer Schlinge befestigt wurden die Spanier hinunter gebracht. Unten angekommen benachrichtigte Carlos Pauner sofort Calafats Familie. Am frühen Donnerstagmorgen wurde Tolo Calafat offiziell für tot erklärt. Es gebe keine Chance, dass der 40-Jährige nach zwei Nächten bei eisiger Kälte und ohne Schlafsack und Essen noch am Leben sei.

Keine Vorwürfe gegen Expeditionsteam
Tolo Calafat hinterlässt eine Frau und zwei Kinder. Für den aus Palma de Mallorca stammenden Bergsteiger war es bereits die siebte Himalaya-Expedition. Der 40-Jährige war der berühmteste Alpinist der Baleareninsel und auch darüber hinaus in Spanien bekannt. Vorwürfe gegen sein Expeditionsteam oder die gescheiterten Rettungsaktionen wurden nicht geäußert. In den vergangenen zehn Jahren starben 23 spanische Bergsteiger im Himalaya. An der Annapurna ließen bereits 60 Menschen ihr Leben.

Quellen:
- explorersweb.com
- spiegel.de
- comprendes-mallorca.de

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