Der erste Mensch auf dem Mount Everest: Suche nach der Wahrheit am höchsten Berg der Welt

bergleben.de am 06.02.2010 - 11:23 Uhr
Der erste Mensch auf dem Mount Everest © flickr_michael henley
Waren der 2008 verstorbene Sir Edmund Hillary und Sherpa Tenzing Norgay im Jahr 1953 tatsächlich die ersten Menschen auf dem höchsten Berg der Welt? Oder haben es der 22-jährige Andrew "Sandy" Irvine und der 37-jährige Lehrer George Mallory (GBR) aus Cambridge schon im Jahr 1924 auf den Gipfel geschafft? Über Jahrzehnte hinweg suchten Everest-Forscher wie Tom Holzel (USA) und der Deutsche Jochen Hemmleb nach der Wahrheit. Nun gibt es Neuigkeiten im Fall "Mallory & Irvine"...

Suche nach dem endgültigen Beweis
Die beiden Briten waren von ihrem Versuch am Everest 1924 nicht zurückgekehrt. Es konnte nie eindeutig geklärt werden, ob sie vielleicht den Gipfel erreicht haben. Auch der Fund Mallorys durch Hemmlebs Expeditionsteam im Jahr 1999 brachte keinen Aufschluss. Gesucht wird nun die Leiche Irvines und vor allem: dessen Kamera. Denn auf dieser könnte der endgültige Beweis für ein Gipfelerfolg der Pioniere gespeichert sein. "Wir fanden 1999 Mallory mit einem Seil um seinen Körper, es war ein bedeutender Fund", erzählt der erfahrene Höhenbergsteiger Jochen Hemmleb. "Klarheit bekommt man aber wohl erst, wenn Irvine und die Kamera gefunden werden. Die Kamera müsste intakt geblieben sein, was bei einem Tod durch Erschöpfung wahrscheinlicher wäre als bei einem Tod durch Absturz. Außerdem müsste der Film natürlich schadlos und vor der Höhenstrahlung geschützt worden sein."


"Es ist ein Rätsel, warum wir ihn 2004 nicht fanden"
Irvine zu finden ist aber nicht leicht. Seit über 80 Jahren liegt die Leiche nun in der Todeszone, niemand hat sie jemals gefunden. Erst 2001 erzählte der Chinese Xu Jing, unterhalb des "First Step" im Jahr 1960 eine tiefgefrorene Leiche gesehen zu haben, bei der es sich nur um Irvine handeln kann. "Im Jahr 2001 fand Jake Norton einen Wollhandschuh, der wahrscheinlich einem der beiden gehörte. Erst 2004, nach dem Xu Jings damaliger Fund bekannt wurde, suchten wir die beschriebene Stelle weiträumig ab. Es ist ein Rätsel, warum Dave Hahn und Jake Norton Irvine dort nichts fanden. Irvine könnte vom Wind weggeweht worden, in einer Schneeverwehung begraben sein. Oder der Chinese hat sich in seiner Aussage schlichtweg geirrt."

Irvines Leiche entdeckt?
US-Forscher Holzel will nun die Leiche Irvines auf stark vergrößerten alten Bildern gefunden haben. Auf Bildern machten er und sein Team in einer schmalen Spalte ein etwa 180cm großes Objekt aus, bei dem es sich um die Überreste Irvines handeln soll. Holzel und das "Andrew Irvine Search Committee" wollen nun ein Team zusammenstellen, das auf der Nordseite des Everest Irvine und dessen Kodak Kamera finden und für endgültige Klarheit sorgen soll. Ein Fund der Kamera würde eine der letzten offenen Fragen des Entdecker-Alpinismus beantworten – unter der Bedingung, dass der Film in der Kamera noch soweit intakt ist, dass die letzten Bilder Mallorys und Irvines noch sichtbar gemacht werden können. Jochen Hemmleb steht dem Sensationsfund Holzels allerdings kritisch gegenüber: "Mir fehlen die Beweise und Belege. Die Identifizierung mit Hilfe der Bilder ist heikel und keineswegs eindeutig."

"Ich halte es für wahrscheinlicher, dass sie es nicht geschafft haben"
Jochen Hemmleb ist schon seit vielen Jahren Experte in der Sache "Mallory & Irvine", hat zuletzt das Buch "Tatort Mount Everest: Der Fall Mallory" veröffentlicht. Er glaubt nicht daran, dass es die beiden Briten tatsächlich auf den Gipfel geschafft haben. "Die Hauptfrage ist wohl, ob sie den schwierigen Second Step geschafft haben", ist der 39-Jährige sicher. Und was fasziniert ihn so sehr an der Frage, wer denn nun als erstes ganz oben auf dem Gipfel der Welt stand? "Es ist die Suche nach der Geschichte hinter der Geschichte. Die Rekonstruierung der Ereignisse ist wie ein Puzzle und fasziniert mich", sagt Hemmleb. Und wird er nochmal losziehen, um Irvine zu suchen? "Ich bin weiterhin interessiert, im Moment ist aber keine konkrete Expedition geplant", so der Bergsteiger und Autor. Wir werden also weiter auf eine Aufklärung der Geschichte warten müssen...

Teil II: Die Geschichte von George Mallory und Andrew Irvine + Buchtipps

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