DAV-Bergunfallstatistik: Mehr Unfälle in Klettersteigen, Wanderer verunglücken am häufigsten

bergleben.de am 26.08.2010 - 12:05 Uhr
DAV-Bergunfallstatistik: Mehr Unfälle in Klettersteigen, Wanderer verunglücken am häufigsten © flickr_remik78
In den letzten drei Tagen sind wieder drei Deutsche bei Bergunfällen ums Leben gekommen. Zwei Männer von der DAV-Sektion Oberer Neckar starben im Berner Oberland, eine 18-Jährige aus Freising stürzte am Mittwoch am Watzmann in der Nähe des Hirschwieskopfs ab und erlag ihren Verletzungen. Doch anscheinend täuscht der Eindruck, dass sich die Todesmeldungen in diesem Sommer häufen. Der Deutsche Alpenverein gab auf einer Pressekonferenz die Bergunfallzahlen der Jahre 2008 und 2009 bekannt und gab dabei auch erste Eindrücke für das laufende Jahr preis. Klar ist: Seit 1952 starben nicht mehr so wenig DAV-Mitglieder bei der Ausübung des Bergsports wie in den Jahren 2008 und 2009.

Todesfälle von DAV-Mitgliedern haben abgenommen
Insgesamt seien 76 Mitglieder des Alpenvereins beim Bergsport ums Leben gekommen, so der DAV. Dies sei eine niedrige Zahl, gemessen an der achtfachen Mitgliederzahl des Vereins (1952: 114.000; 2009: 851.000). Auch die Zahlen der Bergwacht Bayern bestätigen die positive Tendenz: So starben im ersten Halbjahr 2010 in den bayerischen Bergen 40 Menschen. Voraussichtlich werde die Zahl der tödlichen Unfälle im Jahr 2009, die bei 95 Toten lag, trotz der gerade laufenden Wandersaison nicht überschritten. Trotz der positiven Nachrichten, es gibt auch negative Entwicklungen: Die Zahl der gemeldeten Unfälle und Notfälle stieg im Vergleich zu den vergangenen beiden Jahren um 16% auf 1469, insgesamt waren 1833 Menschen betroffen (+18%). Auffällig: Die mit Abstand meisten tödlichen Unfälle betrafen Männer in einem Alter über 60 Jahre - dies lässt sich weitgehend durch die starke Zunahme von Todesfällen aufgrund von Herz-Kreislauf-Versagen erklären.


Klettersteig-Unfälle nehmen zu
Klettersteig-Gehen ist in – das schlägt sich leider auch in der Unfallstatistik nieder. Die Zahl der Unfälle auf Klettersteigen hat sich seit dem Jahr 2000 verdreifacht. In den Untersuchungsjahren wurden 63 Unfälle mit DAV-Mitglieder gemeldet, zwei Personen kamen ums Leben. Die häufigsten Unfallursachen: keine zeitgemäße, vollständige Ausrüstung oder falscher Einsatz des Equipments, Fehler beim Sichern an den Stahlseilen, ungenügende Tourenplanung sowie Blockierung oder Wettersturz.

Unfälle beim Wandern und Skifahren am häufigsten
Wandern und Skifahren sind die Alpinsportarten mit den meisten Unfällen, sie machen jeweils circa 30 Prozent der Notfälle aus. Es folgen Bergsteigen und Hochtouren sowie Klettern mit je circa 14 Prozent. Das Mountainbiken spielt mit 2,4 Prozent eine verschwindend geringe Rolle, trotz stark steigender Zahl der Bergradler auch im DAV. Die Hauptursachen für Unfälle variieren von Sportart zu Sportart. Bei den tödlich verunglückten Wanderern etwa war die Ursache in 30 Prozent der Fälle ein Kreislaufversagen. Bei Skitourengehern spielt diese Todesursache mit fünf Prozent eine geringe Rolle - hier starben 82 Prozent durch Lawinenabgänge. Bei Wanderunfällen ohne Todesfolge ist es meist Stolpern, Umknicken oder Ausrutschen (60%), das die Wanderer in Bredouille bringt. Weiterhin sind es körperliche Probleme (19%), Verirren oder Wetterstürze (12%) sowie Steinschläge und Lawinen, die für Gefahr sorgen.

Mitreißunfälle
Der DAV wies in seinen Ausführungen insbesondere auf die Thematik von Mitreißunfällen hin. Seit Mitte der achtziger Jahre bemüht sich der DAV intensiv um die Aufklärung über die Gefahren des gemeinsamen Gehens am Seil im steileren Gletscher- und Firngelände, nachdem der ehemalige Sicherheitskreis die Mitreißgefahr untersucht und darüber publiziert hat. Aktuell wird das Thema wieder in Bergführerkreisen diskutiert. Mittlerweile kann man zwar von einer Abnahme der Mitreißunfälle sprechen, trotzdem geschahen im Berichtszeitraum insgesamt neun Mitreißunfälle mit 23 beteiligten Mitgliedern, sechs kamen dabei zu Tode.

Unfallursachen beim Sportklettern
Im untersuchten Zeitraum kam es beim Klettern zu 193 Unfällen und Notlagen, an denen 291 Alpenvereinsmitglieder beteiligt waren, 11 verunfallten dabei tödlich. Beim Sportklettern schlüsselten sich die Verletzungsursachen folgendermaßen auf: Sturz 62 %, körperliche Probleme 5 %, Blockierung 2 %, Steinschlag 8 %, Fehlerhafte Sei- und Sicherungstechnik 21 %, Sonstiges 2 %.

Datengrundlage der DAV-Unfallstatistik
Die Allgemeingültigkeit der Unfallstatistiken des DAV ist im Hinblick auf die Datengrundlage allerdings zu hinterfragen. In der DAV-Unfallstatistik werden nur DAV-Mitglieder erfasst, die ihren Unfall an die Versicherung des DAV (Alpiner Sicherheits Service - ASS) melden, um beispielsweise Bergungskosten erstattet zu bekommen. Unfälle, die nicht mit einer aufwändigen Bergung verbunden sind (Hubschrauber- und Bergwachteinsatz) oder im Ausland passieren, werden zum Teil nicht gemeldet. Dennoch, so der DAV, sei man sicher, dass die Statistik auf Grund ihres Umfanges und ihrer langjährigen Erhebung die Entwicklungen und Tendenzen für den gesamten Bergsport gut widerspiegelt.

Quellen:
DAV Presse

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