Trotz vieler Unfälle: DAV meldet weniger Todesfälle in den Bergen
bergleben.de am 11.09.2008 - 12:25 Uhr
Die Zahl der in den Bergen tödlich Verunglückten ist gesunken – diese erfreuliche Entwicklung lässt sich aus der Bergunfallstatistik 2006/07 des Deutschen Alpenvereins ablesen. Die Statistik erfasst alle Unfälle der DAV-Mitglieder. In den Jahren 2006/07 starben insgesamt 34 DAV-Mitglieder bei Aktivitäten in den Bergen. Dabei handelt es sich um die niedrigste Zahl seit Anfang der Datenerfassung im Jahr 1952 – und das obwohl immer mehr Menschen in die Berge gehen und parallel dazu die Zahl der DAV-Mitglieder deutlich angestiegen ist. Zum Vergleich: 1952 hatte der DAV 114.000 Mitglieder, 43 davon kamen beim Bergsport ums Leben. 2007 lag die Mitgliederzahl bei 783.000.
Schwere Alpinunfälle nicht repräsentativ
Diesen Sommer standen einige schwere Alpinunfälle im Fokus der Öffentlichkeit. Die tragischen Ereignisse auf der Zugspitze, am K2 [...mehr zum Lawinenunglück], Nanga Parbat [...mehr zu Tragödie um Karl Unterkircher] und Mont Blanc [...mehr] vermittelten ein Bild des Bergsports als lebensgefährliches Hobby. Die Ergebnisse der Bergunfallstatistik aber zeigen im Gegenteil, dass trotz der zunehmenden Zahl an Bergsportlern immer weniger tödliche Unfälle passieren. Auch für das Jahr 2008 zeichnet sich keine Änderung ab: Laut Zahlen der Bergwacht Bayern starben im ersten Halbjahr 2008 in den bayerischen Bergen sechs Menschen; damit wird die Zahl der tödlichen Unfälle im Jahr 2007, die bei 31 Toten lag, trotz des gerade laufenden Wanderherbstes wahrscheinlich nicht überschritten werden.
Gefahren beim Wandern
Wandern bleibt allerdings unfallträchtig. Wie bereits in den Vorjahren sind Wandern und Pistenskifahren mit jeweils fast 30 Prozent Anteil die Disziplinen mit den meisten Not- und Unfällen. Mehr als die Hälfte aller verunglückten Wanderer (50,8 %) stolpern, knicken um oder rutschen aus, 20 % bekommen körperliche Probleme, allen voran Herz- und Kreislaufprobleme oder leiden an Erschöpfung. Ein weiteres Fünftel aller Notlagen wird durch „Blockierung“ verursacht. Der Wanderer sieht dabei keine Möglichkeit mehr, sich selbst aus einer misslichen Situation zu befreien; häufigste Ursachen hierfür sind Wettersturz, Erschöpfung und Wegverlust.
Mehr Unfälle in Klettersteigen
Das Klettersteiggehen stellt im Berichtszeitraum einen „Ausreißer“ dar – dort sind steigende Unfallzahlen zu beobachten, seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Unfälle in etwa verdoppelt. Insgesamt hatten 2006 und 2007 40 DAV-Mitglieder einen Unfall auf einem Klettersteig, sechs kamen ums Leben. Der Anstieg hängt vor allem mit dem Trendsport-Charakter des Klettersteiggehens zusammen. Als relativ leichter Weg in die Steilwände der Alpen wird das Klettern an Drahtseil, Leitern und Stahlstiften immer beliebter. Mit der Zahl der Klettersteiggeher steigt auch der Anteil nicht ausreichend ausgerüsteter, überforderter Bergsportler, die das Klettersteiggehen unterschätzen. Die häufigsten Fehlerquellen sind:
- keine zeitgemäße, vollständige Ausrüstung oder falscher Einsatz der Ausrüstung, vor allem des Klettersteigsets
- Fehler beim Sichern an den Stahlseilen
- ungenügende Tourenplanung mit der Gefahr von Überforderung, Blockierung oder Wettersturz.
Viele Klettersteiggeher unterschätzen, dass es sich in der Regel um hochalpine Unternehmungen mit der Gefahr eines Absturzes auch aus großer Höhe handelt. Dies spiegelt sich auch in der Unfallstatistik wider: 33% der Klettersteiggeher starben bei einem ungesicherten Absturz, 50 % der tödlichen Unfälle waren auf Stolpern oder Sturz (zum Teil in Folge von Herz-Kreislaufproblemen) zurückzuführen, 17 % starben während ihrer Tour eindeutig an Kreislaufversagen, Herzinfarkt oder ähnlichen Ursachen. Der Deutsche Alpenverein versucht den gestiegenen Unfallzahlen entgegenzuwirken durch gezielte Aufklärung über die Gefahren und Sicherungsmöglichkeiten beim
Klettersteiggehen. Neben vielen Print-Veröffentlichungen hat der DAV in diesem Sommer auch die Lehr-DVD „Erlebnis Klettersteig – Richtig klettern und sichern auf Klettersteigen“ herausgegeben (im DAV-Shop erhältlich).
Sicherheit und Ausbildung beim DAV
Der Deutsche Alpenverein versucht durch Prävention Unfälle in den Bergen zu verhindern. Die Sicherheitsforschung des Deutschen Alpenvereins führt regelmäßig Materialtests nach wissenschaftlichen Standards durch. Es wird versucht Unfallursachen zu erforschen und so weitere Unfälle zu verhindern. Auch das Verhalten von Bergsportlern wird analysiert, um die Ausbildung von Bergsportlern zu optimieren. Denn die richtige Ausbildung ist essentiell zum Vermeiden von alpinen Unfällen. Mehr als 6.000 Fachübungsleiter engagieren sich ehrenamtlich in den 345 DAV-Sektionen und garantieren so eine gute alpine Ausbildung und damit mehr Sicherheit beim Bergsport. Auch beim DAV Summit Club kann man entsprechende Kurse und Touren buchen.
Datengrundlage der DAV-Unfallstatistik
In der DAV-Unfallstatistik werden nur DAV-Mitglieder erfasst, die ihren Unfall an die Versicherung des DAV (Alpiner Sicherheits Service - ASS) melden, um beispielsweise Bergungskosten erstattet zu bekommen. Unfälle, die nicht mit einer aufwändigen Bergung verbunden sind (Hubschrauber- und Bergwachteinsatz) oder im Ausland passieren, werden zum Teil nicht gemeldet. Trotzdem spiegelt die Statistik auf Grund ihres Umfanges und ihrer langjährigen Erhebung die Entwicklungen und Tendenzen gut wider.
Quelle:
Pressemitteilung DAV
Schwere Alpinunfälle nicht repräsentativ
Diesen Sommer standen einige schwere Alpinunfälle im Fokus der Öffentlichkeit. Die tragischen Ereignisse auf der Zugspitze, am K2 [...mehr zum Lawinenunglück], Nanga Parbat [...mehr zu Tragödie um Karl Unterkircher] und Mont Blanc [...mehr] vermittelten ein Bild des Bergsports als lebensgefährliches Hobby. Die Ergebnisse der Bergunfallstatistik aber zeigen im Gegenteil, dass trotz der zunehmenden Zahl an Bergsportlern immer weniger tödliche Unfälle passieren. Auch für das Jahr 2008 zeichnet sich keine Änderung ab: Laut Zahlen der Bergwacht Bayern starben im ersten Halbjahr 2008 in den bayerischen Bergen sechs Menschen; damit wird die Zahl der tödlichen Unfälle im Jahr 2007, die bei 31 Toten lag, trotz des gerade laufenden Wanderherbstes wahrscheinlich nicht überschritten werden.
Gefahren beim Wandern
Wandern bleibt allerdings unfallträchtig. Wie bereits in den Vorjahren sind Wandern und Pistenskifahren mit jeweils fast 30 Prozent Anteil die Disziplinen mit den meisten Not- und Unfällen. Mehr als die Hälfte aller verunglückten Wanderer (50,8 %) stolpern, knicken um oder rutschen aus, 20 % bekommen körperliche Probleme, allen voran Herz- und Kreislaufprobleme oder leiden an Erschöpfung. Ein weiteres Fünftel aller Notlagen wird durch „Blockierung“ verursacht. Der Wanderer sieht dabei keine Möglichkeit mehr, sich selbst aus einer misslichen Situation zu befreien; häufigste Ursachen hierfür sind Wettersturz, Erschöpfung und Wegverlust.
Mehr Unfälle in Klettersteigen
Das Klettersteiggehen stellt im Berichtszeitraum einen „Ausreißer“ dar – dort sind steigende Unfallzahlen zu beobachten, seit dem Jahr 2000 hat sich die Zahl der Unfälle in etwa verdoppelt. Insgesamt hatten 2006 und 2007 40 DAV-Mitglieder einen Unfall auf einem Klettersteig, sechs kamen ums Leben. Der Anstieg hängt vor allem mit dem Trendsport-Charakter des Klettersteiggehens zusammen. Als relativ leichter Weg in die Steilwände der Alpen wird das Klettern an Drahtseil, Leitern und Stahlstiften immer beliebter. Mit der Zahl der Klettersteiggeher steigt auch der Anteil nicht ausreichend ausgerüsteter, überforderter Bergsportler, die das Klettersteiggehen unterschätzen. Die häufigsten Fehlerquellen sind:
- keine zeitgemäße, vollständige Ausrüstung oder falscher Einsatz der Ausrüstung, vor allem des Klettersteigsets
- Fehler beim Sichern an den Stahlseilen
- ungenügende Tourenplanung mit der Gefahr von Überforderung, Blockierung oder Wettersturz.
Viele Klettersteiggeher unterschätzen, dass es sich in der Regel um hochalpine Unternehmungen mit der Gefahr eines Absturzes auch aus großer Höhe handelt. Dies spiegelt sich auch in der Unfallstatistik wider: 33% der Klettersteiggeher starben bei einem ungesicherten Absturz, 50 % der tödlichen Unfälle waren auf Stolpern oder Sturz (zum Teil in Folge von Herz-Kreislaufproblemen) zurückzuführen, 17 % starben während ihrer Tour eindeutig an Kreislaufversagen, Herzinfarkt oder ähnlichen Ursachen. Der Deutsche Alpenverein versucht den gestiegenen Unfallzahlen entgegenzuwirken durch gezielte Aufklärung über die Gefahren und Sicherungsmöglichkeiten beim
Klettersteiggehen. Neben vielen Print-Veröffentlichungen hat der DAV in diesem Sommer auch die Lehr-DVD „Erlebnis Klettersteig – Richtig klettern und sichern auf Klettersteigen“ herausgegeben (im DAV-Shop erhältlich).
Sicherheit und Ausbildung beim DAV
Der Deutsche Alpenverein versucht durch Prävention Unfälle in den Bergen zu verhindern. Die Sicherheitsforschung des Deutschen Alpenvereins führt regelmäßig Materialtests nach wissenschaftlichen Standards durch. Es wird versucht Unfallursachen zu erforschen und so weitere Unfälle zu verhindern. Auch das Verhalten von Bergsportlern wird analysiert, um die Ausbildung von Bergsportlern zu optimieren. Denn die richtige Ausbildung ist essentiell zum Vermeiden von alpinen Unfällen. Mehr als 6.000 Fachübungsleiter engagieren sich ehrenamtlich in den 345 DAV-Sektionen und garantieren so eine gute alpine Ausbildung und damit mehr Sicherheit beim Bergsport. Auch beim DAV Summit Club kann man entsprechende Kurse und Touren buchen.
Datengrundlage der DAV-Unfallstatistik
In der DAV-Unfallstatistik werden nur DAV-Mitglieder erfasst, die ihren Unfall an die Versicherung des DAV (Alpiner Sicherheits Service - ASS) melden, um beispielsweise Bergungskosten erstattet zu bekommen. Unfälle, die nicht mit einer aufwändigen Bergung verbunden sind (Hubschrauber- und Bergwachteinsatz) oder im Ausland passieren, werden zum Teil nicht gemeldet. Trotzdem spiegelt die Statistik auf Grund ihres Umfanges und ihrer langjährigen Erhebung die Entwicklungen und Tendenzen gut wider.
Quelle:
Pressemitteilung DAV
Weiterführende Informationen:
| Deutscher Alpenverein (DAV) |
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