Bouldern in Bern: Auf der Suche nach einer magischen Wand im Lindental
bergleben.de am 21.09.2009 - 14:04 Uhr
© Sebastian Lindemeyer
Information ist alles. Das fährt mir durch den Kopf, als wir mit unserer Bouldermatte, zwei dicken Rucksäcken und unserem Equipment durch einen Wald östlich von Bern robben. „Wo ist denn jetzt der Scheiß-Spot?“, brüllt mir mein 500 Meter entfernter Cousin zu. „Keine Ahnung, ich glaube wir sind hier falsch“, antworte ich leicht angepisst. Ich springe über einen Ast und lande mitten in einem Brennesselfeld. Mit kurzer Hose. „Damn it, wo sind wir denn hier nur?“ Zum Glück treffen wir auf einem Waldweg eine durchaus hübsche Forstarbeiterin. „Lindental? Geismefluh? Das ist noch drei Kilometer weiter, ist von der Straße nicht zu übersehen!“ Oh Mann, denk ich mir, ein bisschen besser hätte ich die Anfahrt schon planen können. Also zurück zum Auto und exakt drei Kilometer weiter sehen wir sie tatsächlich rechts aus dem Wald ragen, unsere Boulderwand des heutigen Tages. Am Parkplatz stellen wir unseren Nissan ab, packen die sieben Sachen zusammen und trotten hinter einem anderen Boulderer her Richtung Wand. Nach mehreren hundert Metern biegt links ein Trampelpfad über die Wiese ab und wir klettern den steilen Zustieg durch den Wald. 10 Minuten später stehen wir mit offenen Mündern vor dem magischen Boulderspot 20 Kilometer nord-östlich der schweizerischen Bundesstadt Bern.
Es ist eine Wahnsinnswand, die sich hier zum Anziehungspunkt für die mittelländischen Schweizer entwickelt hat. Auf etwa 100 Meter Breite bieten sich Überhänge, technische Schwierigkeiten, Fingerlöcher en masse, Leisten, speckige Sloper, Sitzstarts, lange Traversen und und und... Vielfältiger kann ein Boulderspot kaum sein. Wir packen unsere Sachen aus und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Das Sonnenlicht findet nur teilweise den Weg durch den dichten Wald. Hier und da liegen dicke Felsbrocken, auf denen man sich niederlassen kann. Aus dem sandigen Boden erhebt sich der imposante Fels, der wie aus dem Nichts kommend empor ragt. „Wow, was für ein Spot“, denke ich.
Langsam starten wir unsere ersten Versuche. Meine ausgedruckten Topos sind leider in so schlechter Qualität, dass man nichts nachklettern kann. Das liegt aber mehr an meinem Drucker als an den Bildern, die ich von der Website bimano.ch habe. Tja, wenn schon schlecht vorbereiten, dann aber richtig. So geht´s für uns eben einfach so zur Sache, wir traversieren, suchen, klettern, suchen wieder, definieren. Es macht unglaublich viel Spaß, wenn da nur nicht die Fingerschmerzen wären – nach einer Stunde ist die Haut der Fingerkuppen schon so demoliert, dass nur Tapeverband den vorzeitigen Abbruch verhindern kann. Die extrem raue Wand aus Sandstein im Lindental kann man in drei Parts aufteilen: der linke Teil ist meist wenig genutzt, ein bisschen feucht, bietet aber tolle Boulder. Der mittlere Teil ist imposant: rechts kann man gut zum Warmmachen traversieren, mittig gibt es dann tolle überhängende Kletterei im Dach mit super Griffen. Hier kann man sich so richtig austoben, so lange die Finger den rauen Sandstein abkönnen. Im rechten Wandteil finden sich harte Boulderprobleme bis hin zu einer der längsten und schwierigsten Traverse der Welt. „E la Nave va 8b+/8c“ wurde von Fred Nicole 1994 erstbegangen und war damals die erste Traverse in diesem Schwierigkeitsgrad.
Nach einem halben Tag ziehen wir zufrieden und mit einem Grinsen auf dem Gesicht wieder von dannen. Länger halten unsere Finger der Beanspruchung heute nicht stand „Geil“, fällt mein Cousin sein Fazit, das mit meinem völlig übereinstimmt. Wir steigen ins Auto, fahren zurück nach Bern und machen bei knapp 30 Grad noch die übliche Schwimmtour in der Aare, die einmal um die malerische Altstadt Berns fließt.
Noch Tage später schauen wir auf unsere Hände und staunen über die zwar schnell verlaufende, aber immer noch nicht abgeschlossene Heilung der Finger. Aber wir sind uns einig: Trotz aller Schmerzen, das Lindental haben wir nicht zum letzten Mal besucht.
Lindental/Geismefluh
Das Naturschutzgebiet Geismefluh ist von Februar bis Juni für Boulderer gesperrt. Auf bimano.ch liest man über das Katz-und-Maus-Spiel der Boulderer mit der Polizei, Gerichtsverhandlungen und hohe Strafen. Jetzt gibt es eine endgültige Regelung, die den Zutritt und das Bouldern von Juli-Januar erlaubt. Da es sich aber immer noch um ein Naturschutzgebiet handelt, ist alles zu vermeiden, was die Natur hier beeinträchtigen könnte. Mehr Infos zur Anfahrt, Topos und mehr unter www.bimano.ch .
Text und Bilder: Sebastian Lindemeyer
Es ist eine Wahnsinnswand, die sich hier zum Anziehungspunkt für die mittelländischen Schweizer entwickelt hat. Auf etwa 100 Meter Breite bieten sich Überhänge, technische Schwierigkeiten, Fingerlöcher en masse, Leisten, speckige Sloper, Sitzstarts, lange Traversen und und und... Vielfältiger kann ein Boulderspot kaum sein. Wir packen unsere Sachen aus und lassen die Eindrücke auf uns wirken. Das Sonnenlicht findet nur teilweise den Weg durch den dichten Wald. Hier und da liegen dicke Felsbrocken, auf denen man sich niederlassen kann. Aus dem sandigen Boden erhebt sich der imposante Fels, der wie aus dem Nichts kommend empor ragt. „Wow, was für ein Spot“, denke ich.
Langsam starten wir unsere ersten Versuche. Meine ausgedruckten Topos sind leider in so schlechter Qualität, dass man nichts nachklettern kann. Das liegt aber mehr an meinem Drucker als an den Bildern, die ich von der Website bimano.ch habe. Tja, wenn schon schlecht vorbereiten, dann aber richtig. So geht´s für uns eben einfach so zur Sache, wir traversieren, suchen, klettern, suchen wieder, definieren. Es macht unglaublich viel Spaß, wenn da nur nicht die Fingerschmerzen wären – nach einer Stunde ist die Haut der Fingerkuppen schon so demoliert, dass nur Tapeverband den vorzeitigen Abbruch verhindern kann. Die extrem raue Wand aus Sandstein im Lindental kann man in drei Parts aufteilen: der linke Teil ist meist wenig genutzt, ein bisschen feucht, bietet aber tolle Boulder. Der mittlere Teil ist imposant: rechts kann man gut zum Warmmachen traversieren, mittig gibt es dann tolle überhängende Kletterei im Dach mit super Griffen. Hier kann man sich so richtig austoben, so lange die Finger den rauen Sandstein abkönnen. Im rechten Wandteil finden sich harte Boulderprobleme bis hin zu einer der längsten und schwierigsten Traverse der Welt. „E la Nave va 8b+/8c“ wurde von Fred Nicole 1994 erstbegangen und war damals die erste Traverse in diesem Schwierigkeitsgrad.
Nach einem halben Tag ziehen wir zufrieden und mit einem Grinsen auf dem Gesicht wieder von dannen. Länger halten unsere Finger der Beanspruchung heute nicht stand „Geil“, fällt mein Cousin sein Fazit, das mit meinem völlig übereinstimmt. Wir steigen ins Auto, fahren zurück nach Bern und machen bei knapp 30 Grad noch die übliche Schwimmtour in der Aare, die einmal um die malerische Altstadt Berns fließt.
Noch Tage später schauen wir auf unsere Hände und staunen über die zwar schnell verlaufende, aber immer noch nicht abgeschlossene Heilung der Finger. Aber wir sind uns einig: Trotz aller Schmerzen, das Lindental haben wir nicht zum letzten Mal besucht.
Lindental/Geismefluh
Das Naturschutzgebiet Geismefluh ist von Februar bis Juni für Boulderer gesperrt. Auf bimano.ch liest man über das Katz-und-Maus-Spiel der Boulderer mit der Polizei, Gerichtsverhandlungen und hohe Strafen. Jetzt gibt es eine endgültige Regelung, die den Zutritt und das Bouldern von Juli-Januar erlaubt. Da es sich aber immer noch um ein Naturschutzgebiet handelt, ist alles zu vermeiden, was die Natur hier beeinträchtigen könnte. Mehr Infos zur Anfahrt, Topos und mehr unter www.bimano.ch .
Text und Bilder: Sebastian Lindemeyer
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