Klettern in Wörgl: Eine Tour in den Klettergarten Grattenbergl
bergleben.de am 03.05.2010 - 15:18 Uhr
© XnX GmbH
Die Sonne scheint und es ist so warm, wie es selbst in manchen Hochsommern nicht wird. Als wir uns zu zweit mit unseren Kletterklamotten um 9 Uhr morgens auf den Weg machen, zeigt das Thermometer schon fast 20 Grad im Schatten. Und das mitten im April! Da sage doch einer, Klimawandel wäre ein Hirngespinst der Grünen und Ökos.
Erste Erfahrungen am Fels
Wir steigen in Kitzbühel in unseren Wagen und fahren los. Das Ziel: Ein kleiner Klettergarten in Wörgl, etwa 30 Kilometer entfernt. Lange haben wir nach einer Klettermöglichkeit in der Nähe von Kitzbühel gesucht, die leichte Routen bietet, gut abgesichert ist und für Anfänger die Chance eröffnet, erste Erfahrungen am Fels zu sammeln. Im Klettergarten Grattenbergl haben wir ein Ziel gefunden, dass diesen Anforderungen zu entsprechen scheint. Es wäre auch der weitere Weg in die berühmten Klettergebiete des Zillertals in Frage gekommen, doch hier bietet sich doch eher dem Fortgeschrittenen eine große Auswahl an Routen. Auch den Weg nach Kufstein mit den Felsen bei Morsbach hätten wir in Angriff genommen, doch erschien uns Grattenbergl als die praktischere Lösung. Nach 25 Minuten Fahrt kommen wir nach Wörgl, nach kurzer Orientierung und weiterer Fahrt in Richtung St. Johann finden wir auch den Mazdahändler Brunner, dem gegenüber der Klettergarten Grattenbergl liegt.
Beliebter, kleiner Klettergarten
Die Kalkfelsen Grattenbergl liegen mitten an der Straße, natürliche Idylle sucht man hier leider vergeblich. Müll auf dem Parkplatz, von einer Automotorhaube bis hin zu Plastikflaschen, zeugt von einer hohen Frequentierung und unaufmerksamen Kletterern – eigentlich kein richtig schöner Ort, um sich dem schönsten aller Hobbys zu widmen. Aber wir sehen schon gleich bei der Ankunft: Grattenbergl bietet gerade für Anfänger optimale Möglichkeiten, sich mit der Materie des Outdoor-Sports vertraut zu machen. Der linke Teil des Felsens verläuft sehr flach, nach etwa 30 Meter Kletterei findet man einen Umlenker mit Karabiner vor – perfekt. Grattenbergl wurde in den letzten Jahren von der ÖAV Sektion Kirchbichl mehr als großzügig mit neuen Bohrhaken saniert und abgesichert. Da schlägt das Herz doch gleich ein wenig langsamer, als wir uns sortiert haben und ich über den „Alten Boulder“ am linken Wandteil die ersten vertikalen Schritte draußen am Fels unternehme. Wir sind gut vorbereitet, haben das Standbauen geübt, uns zuvor einige Male über den Boulder (das geht hier bestens) abgeseilt und wissen, was zu tun ist. Und eine Schwierigkeit von 6, wie in der Topo verzeichnet ist, sind diese ersten Meter nach unserem Gefühl mit Sicherheit nicht. Nach dem die ersten Exen eingehängt sind, komme ich auf dem breiten Felsvorsprung an, ab dem noch ca. 15 Meter über die Routen "Peter" oder "Paul" (5-) zu bewältigen sind. Schöne, leichte Kletterei – perfekt für Einsteiger und Kinder.
Rutschiger Fels
Ein kleines Problem im Grattenbergl-Klettergarten: Insbesondere im unteren Teil sind einige Routen schon so abgeklettert, dass der Fels unglaublich glatt geworden ist. Das müssen wir an der "Kante" (5+/6-) feststellen, die wir nach ein paar Metern abbrechen. Der Fels ist durch die Sonne schon so warm, dass auf dem glatten Stein der Grip quasi gleich null ist. Und wir wollen unser Glück nicht überstrapazieren, auch wenn man sich zu Not von oben über die Routen abseilen und die Exen aus den Bohrhaken mit nach unten nehmen könnte. Auch die durchaus fähigen beiden Kletterer, die sich an diesem Freitag Vormittag den Garten mit uns teilen, haben an der "Kante" so ihre Probleme und fluchen über den glatten Stein.
Auch schwere Touren
An die sehr interessant aussehenden Routen "Feuervogel" (7), "Sauriss" (7+/8-) und "Smörre Bröd" (8+/9-) wagen wir uns verständlicherweise nicht heran – da fehlen uns noch einige Körner zu. Aber im rechten Wandteil finden sich noch zwei schöne Herausforderungen für uns: Im "Riss der Kranken" geht es mit sehr leichter Plattenkletterei los, dann kann man zwischen dem leichten rechten Weg oder den direkten Weg über die "Variante" wählen. Ich fühle mich gut, entscheide mich für die Variante und klettere die laut Topo mit 6/6+ bewertete flache Tour mit kleinen Tritten und meist akzeptablen Griffen oder Löchern bis zum Top. Ein schönes Gefühl, die erste nicht ganz simple Route nach einigem Herzklopfen draußen erfolgreich geklettert zu sein. Nachdem sich mein Kletterpartner im Nachstieg an gleicher Route versucht hat und nach einer kleinen Zitterpartie unten ankommt, gehen wir mit "Da Erka" eine Route an, die eine 5- sein soll. Viel leichter als die Variante ist sie allerdings nicht, die Bewertungen sind nach unseren Beratungen durchaus mit Fragezeichen zu versehen. Doch auch "Da Erka" klettern wir beide und freuen uns nach einigen Stunden am Fels über unsere ersten erfolgreichen Schritte als Outdoor-Kletterer.
Fazit:
Der Klettergarten Grattenbergl ist perfekt für das Training der örtlichen Locals, die sich kurze Anfahrten und einen schnellen Zugang wünschen, und für Anfänger, die sich mit der Materie des Kletterns am Fels vertraut machen wollen. Kurze Anfährt aus Wörgl, Kitzbühel, Kufstein oder den grenznahen deutschen Orten, perfekte Absicherung, ein paar leichte Routen, für den erstmaligen Standbau optimal und mit bis zu 30 Metern Routenlänge eine durchaus ordentliche Kletterdauer. Die einzigen Kritikpunkte sind die unschöne Lage an der Durchfahrtsstraße, die zum Teil stark abgekletterten unteren Routenabschnitte und der Müll auf dem Parkplatz und in den Büschen.
Daten Grattenbergl:
Anfahrt: Von der Abfahrt Wörgl Ost links Richtung St. Johann, nach einigen hundert Metern auf der rechten Seite Mazda Brunner, dort gegenüber links liegt der Klettergarten Grattenbergl
Absicherung: sehr gut
Routenanzahl: ca. 20
Schwierigkeitsgrade: einfach bis schwer (3 bis 8+/9-)
Art: meist flache Plattenkletterei, z.T. Riss- und Lochklettern
Familienfreundlichkeit: sehr geeignet für Familien
Ausrichtung: Süd-Ost
Erforderl. Ausrüstung: Express-Sets, 60m-Seil, Karabiner, Schlingen
Erste Erfahrungen am Fels
Wir steigen in Kitzbühel in unseren Wagen und fahren los. Das Ziel: Ein kleiner Klettergarten in Wörgl, etwa 30 Kilometer entfernt. Lange haben wir nach einer Klettermöglichkeit in der Nähe von Kitzbühel gesucht, die leichte Routen bietet, gut abgesichert ist und für Anfänger die Chance eröffnet, erste Erfahrungen am Fels zu sammeln. Im Klettergarten Grattenbergl haben wir ein Ziel gefunden, dass diesen Anforderungen zu entsprechen scheint. Es wäre auch der weitere Weg in die berühmten Klettergebiete des Zillertals in Frage gekommen, doch hier bietet sich doch eher dem Fortgeschrittenen eine große Auswahl an Routen. Auch den Weg nach Kufstein mit den Felsen bei Morsbach hätten wir in Angriff genommen, doch erschien uns Grattenbergl als die praktischere Lösung. Nach 25 Minuten Fahrt kommen wir nach Wörgl, nach kurzer Orientierung und weiterer Fahrt in Richtung St. Johann finden wir auch den Mazdahändler Brunner, dem gegenüber der Klettergarten Grattenbergl liegt.
Beliebter, kleiner Klettergarten
Die Kalkfelsen Grattenbergl liegen mitten an der Straße, natürliche Idylle sucht man hier leider vergeblich. Müll auf dem Parkplatz, von einer Automotorhaube bis hin zu Plastikflaschen, zeugt von einer hohen Frequentierung und unaufmerksamen Kletterern – eigentlich kein richtig schöner Ort, um sich dem schönsten aller Hobbys zu widmen. Aber wir sehen schon gleich bei der Ankunft: Grattenbergl bietet gerade für Anfänger optimale Möglichkeiten, sich mit der Materie des Outdoor-Sports vertraut zu machen. Der linke Teil des Felsens verläuft sehr flach, nach etwa 30 Meter Kletterei findet man einen Umlenker mit Karabiner vor – perfekt. Grattenbergl wurde in den letzten Jahren von der ÖAV Sektion Kirchbichl mehr als großzügig mit neuen Bohrhaken saniert und abgesichert. Da schlägt das Herz doch gleich ein wenig langsamer, als wir uns sortiert haben und ich über den „Alten Boulder“ am linken Wandteil die ersten vertikalen Schritte draußen am Fels unternehme. Wir sind gut vorbereitet, haben das Standbauen geübt, uns zuvor einige Male über den Boulder (das geht hier bestens) abgeseilt und wissen, was zu tun ist. Und eine Schwierigkeit von 6, wie in der Topo verzeichnet ist, sind diese ersten Meter nach unserem Gefühl mit Sicherheit nicht. Nach dem die ersten Exen eingehängt sind, komme ich auf dem breiten Felsvorsprung an, ab dem noch ca. 15 Meter über die Routen "Peter" oder "Paul" (5-) zu bewältigen sind. Schöne, leichte Kletterei – perfekt für Einsteiger und Kinder.
Rutschiger Fels
Ein kleines Problem im Grattenbergl-Klettergarten: Insbesondere im unteren Teil sind einige Routen schon so abgeklettert, dass der Fels unglaublich glatt geworden ist. Das müssen wir an der "Kante" (5+/6-) feststellen, die wir nach ein paar Metern abbrechen. Der Fels ist durch die Sonne schon so warm, dass auf dem glatten Stein der Grip quasi gleich null ist. Und wir wollen unser Glück nicht überstrapazieren, auch wenn man sich zu Not von oben über die Routen abseilen und die Exen aus den Bohrhaken mit nach unten nehmen könnte. Auch die durchaus fähigen beiden Kletterer, die sich an diesem Freitag Vormittag den Garten mit uns teilen, haben an der "Kante" so ihre Probleme und fluchen über den glatten Stein.
Auch schwere Touren
An die sehr interessant aussehenden Routen "Feuervogel" (7), "Sauriss" (7+/8-) und "Smörre Bröd" (8+/9-) wagen wir uns verständlicherweise nicht heran – da fehlen uns noch einige Körner zu. Aber im rechten Wandteil finden sich noch zwei schöne Herausforderungen für uns: Im "Riss der Kranken" geht es mit sehr leichter Plattenkletterei los, dann kann man zwischen dem leichten rechten Weg oder den direkten Weg über die "Variante" wählen. Ich fühle mich gut, entscheide mich für die Variante und klettere die laut Topo mit 6/6+ bewertete flache Tour mit kleinen Tritten und meist akzeptablen Griffen oder Löchern bis zum Top. Ein schönes Gefühl, die erste nicht ganz simple Route nach einigem Herzklopfen draußen erfolgreich geklettert zu sein. Nachdem sich mein Kletterpartner im Nachstieg an gleicher Route versucht hat und nach einer kleinen Zitterpartie unten ankommt, gehen wir mit "Da Erka" eine Route an, die eine 5- sein soll. Viel leichter als die Variante ist sie allerdings nicht, die Bewertungen sind nach unseren Beratungen durchaus mit Fragezeichen zu versehen. Doch auch "Da Erka" klettern wir beide und freuen uns nach einigen Stunden am Fels über unsere ersten erfolgreichen Schritte als Outdoor-Kletterer.
Fazit:
Der Klettergarten Grattenbergl ist perfekt für das Training der örtlichen Locals, die sich kurze Anfahrten und einen schnellen Zugang wünschen, und für Anfänger, die sich mit der Materie des Kletterns am Fels vertraut machen wollen. Kurze Anfährt aus Wörgl, Kitzbühel, Kufstein oder den grenznahen deutschen Orten, perfekte Absicherung, ein paar leichte Routen, für den erstmaligen Standbau optimal und mit bis zu 30 Metern Routenlänge eine durchaus ordentliche Kletterdauer. Die einzigen Kritikpunkte sind die unschöne Lage an der Durchfahrtsstraße, die zum Teil stark abgekletterten unteren Routenabschnitte und der Müll auf dem Parkplatz und in den Büschen.
Daten Grattenbergl:
Anfahrt: Von der Abfahrt Wörgl Ost links Richtung St. Johann, nach einigen hundert Metern auf der rechten Seite Mazda Brunner, dort gegenüber links liegt der Klettergarten Grattenbergl
Absicherung: sehr gut
Routenanzahl: ca. 20
Schwierigkeitsgrade: einfach bis schwer (3 bis 8+/9-)
Art: meist flache Plattenkletterei, z.T. Riss- und Lochklettern
Familienfreundlichkeit: sehr geeignet für Familien
Ausrichtung: Süd-Ost
Erforderl. Ausrüstung: Express-Sets, 60m-Seil, Karabiner, Schlingen
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