Sicherheit am Berg - Eisklettern

bergleben.de am 28.07.2004 - 12:00 Uhr
Sicherheit am Berg - Eisklettern © flickr:deepchi1
Das Eisklettern ist eine eigene Spielart des Freikletterns, die besondere Risiken in sich birgt. Nicht nur Steinschlag kann hier zur Gefahr werden, sondern vor allem auch Kälte, Lawinen und Eisschlag. Die richtige Ausrüstung und passende Fortbewegungs-Technik machen das Eisklettern jedoch wesentlich sicherer. Aufgrund der großen Fortschritte in der Entwicklung von Eisgeräten und Funktionsbekleidung findet diese Kletterart immer mehr Anklang bei den Natursport-Begeisterten.

Bekleidung, die den Körper schützt
Bevor man zu einer faszinierenden Eiswand oder einem gefrorenen Wasserfall aufbricht, heißt es zunächst, geeignete Kleidung anzuziehen. Die Unterwäsche sollte die Körperfeuchtigkeit nach außen transportieren. Darüber ist am besten ein Fleecepulli und dann eine wasserdichte und atmungsaktive Windstopperjacke zu ziehen. Nach einem ähnlichen Zwiebelschalenprinzip sollten auch die Beine 'verpackt' werden. Wind- und wasserfeste Jacken und Hosen haben mittlerweile oft Reißverschlüsse, die zur Entlüftung dienen. Da die Anstrengungen beim Eisklettern oft wechseln, können derartige 'Entlüftungsschlitze' für eine angenehme Regulierung der Körpertemperatur sorgen. Goretex-Handschuhe gehören ebendo zur Grundausstattung wie ein solider Bergschuh. Dieser muss unbedingt Steigeisenfest sein, was durch eine harte Zwischensohle garantiert wird. Abriebfestes Cordura oder Leder bilden das ideale Obermaterial für einen Eiskletter-Bergschuh.


Eigenschaften der Steigeisen
Steigeisen müssen optimal auf den Bergschuh angepasst werden. Es hätte fatale Folgen, lösten sie sich während des Kletterns vom Schuh. Für den Einstieg sind Universalsteigeisen ideal, da sich mit ihnen leichte bis steile Eisanstiege problemlos bewältigen lassen. Starre 'Eisen' dienen zudem einer präzisen Kraftübertragung. Wenn diese hinten zusätzlich eine Kipphebel-Bindung aufweisen, sorgt das für einen besonders festen Sitz am Schuh. Zudem sollte vor jeder Eiskletter-Tour darauf geachtet werden, dass die Frontalzacken scharf sind. Für extrem steile Eisklettertouren sind spezielle Steigeisen zu empfehlen.

Eisgeräte für sicheres Vorankommen
Bei den Eisgeräten gibt es drei verschiedene Varianten.
  • Den sogenannten Allroundpickel, der sich besonders für alpine und technische Eisrouten eignet.

  • Highendgeräte wurden speziell für Steileis und Mixedtouren entwickelt. Das typische Merkmal dieser 'Eispickel' ist ein stark gekrümmter Schaft.

  • Die Toplevelgeräte kommen bei Wettkämpfen an künstlichen Eiswänden zum Einsatz. Sie sind so geformt, dass auch ohne Handschlaufen optimal Kraft übertragen werden kann.

  • Für das Fortbewegen beim Eisklettern braucht man zwei Eisgeräte. Sie sollten möglichst vom gleichen Typ sein und Handschlaufen aufweisen, was den Verlust der Geräte verhindert - das könnte das Weiterklettern nämlich unmöglich machen.

    Eisschrauben ein Muss für die Sicherung
    Als Sicherungspunkte beim Eisklettern dienen Eisschrauben. Um wirklich sicher klettern zu können, sollte man ausschließlich geprüfte Eisschrauben kaufen und dabei folgende Kriterien beachten:
  • Sie sollten von Hand eingedreht werden können und somit leicht zu setzen sein.

  • Beim Setzen soll möglichst wenig Druck im Eis entstehen.

  • Sie müssen einer möglichst hohen Sturzbelastung standhalten.

  • Die Beschaffenheit ihrer Oberfläche ist nur dann optimal, wenn das Rohr innen und außen geschliffen ist.

  • Die Schrauben sollten möglichst aus Stahl sein. Titanschrauben sind zwar etwas leichter, verbinden sich aber zu stark mit dem Eis, was das Eindrehen erschwert. Stahlschrauben können zudem schärfer geschliffen werden.


  • Kopfschutz, Gurt und Seil
    Beim Eisklettern kommt es oft zu Eisschlag. Einen Helm zu tragen, ist deshalb ein absolutes Muss! Der Helm sollte möglichst leicht und gleichzeitig robust sein. Ein zusätzliches Visier schützt das Gesicht vor Eissplittern. Für die Sicherheit gehört um die Hüften ein Klettergurt. Der ideale Gurt für das Eisklettern muss leicht angezogen werden können - möglichst auch dann, wenn bereits Steigeisen an den Schuhen befestigt sind. Daher sind Beinschlaufen, die sich öffnen lassen, von Vorteil. Zudem sollten am Klettergurt mehrere Materialschlaufen vorhanden sein. Um auch mit Rucksack sicher klettern zu können, ist zusätzlich ein Brustgurt anzulegen. Zum Verbinden der beiden Gurte dient eine rund ein Meter lange Bandschlinge. Diese wird zunächst durch die Anseilschlaufe des Hüftgurtes gezogen und dann mit einem 'Sackstich' auf Brustbeinhöhe abgebunden. Anschließend die beiden Enden durch den Brustgurt fädeln und wiederum mit einem Sackstich verbinden. In die entstandene 'Achterschlinge' kann man sich dann anseilen. Beim Eisklettern benutzt man dazu in der Regel ein Doppel- bzw. Zwillingsseil mit einer Länge von 60 Metern.

    Sicherungsmaterial, das an den Gurt gehört
    Bei den Sicherungs- und Abseilgeräten für das Eisklettern ist zu beachten, dass diese auch bei einem nassen oder sogar gefrorenen Seil funktionieren müssen. Das gilt für die gesamte Eiskletter-Ausrüstung. Seilklemmen sind dann von Nöten, wenn man an einem fixen Seil aufsteigen oder den Seilzweiten hinaufziehen möchte. Die Schraubkarabiner sollten eine möglichst große Öffnung haben, damit sich das nasse oder vereiste Seil besser einhängen lässt. Express-Schlingen müssen auch beim Eisklettern unbedingt mit am Gurt getragen werden. Für die Zwischensicherung wird ein Karabiner des 'Express' in die gesetze Eisschraube eingeclippt, durch den anderen verläuft das Sicherungsseil. Sollte sich die Kletterroute über mehrere Seillängen erstrecken, so sind zudem Bandschlingen für das Einrichten eines Standplatzes mitzuführen.

    Hier geht es weiter zu Teil 2 der Folge "Eisklettern"!
    ...
    Verwandte Fotoserien:
    Weiterführende Informationen:
    AMBerg-Verlag

    ANZEIGE

    Frage
    Was ist eure Lieblingsklettermarke?

    ANZEIGE