Klettern bei Olympia (Teil 2): Ist der DAV bereit?

bergleben.de am 15.04.2010 - 13:41 Uhr
Klettern bei Olympia (Teil 2): Ist der DAV bereit? © flickr_kk+
Klettern könnte 2020 olympisch werden. Die Entscheidung darüber, ob die Sportart bei den Spielen dabei sein wird, fällt bereits sieben Jahre zuvor im Jahr 2013. Die Chancen stehen ganz gut, doch da ein Aufnahmestopp für neue Sportarten vom IOC verhängt wurde, kann Klettern nur olympisch werden, wenn eine andere Sportart dafür den Status des Olympiasports verliert.

Ist der Deutsche Alpenverein fit für Olympia?
Einige Aufgaben kommen auf die Verantwortlichen des internationalen Kletterverbands IFSC noch zu, das beschrieben wir im ersten Teil unseres Artikel "Klettern bei Olympia". Doch wie sieht es national aus? Ist der Deutsche Alpenverein fit für Olympia? Was muss in den kommenden zehn Jahren noch geschehen, damit ein schlagkräftiges Team entsendet werden könnte? Wie sieht es mit organisatorischen, strukturellen und sportlichen Perspektiven aus? Zu diesem Thema haben wir Matthias Keller, den stellvertretenden Leiter des Ressorts Spitzenbergsport beim Hauptverband des Alpenvereins befragt.

DAV zwischen Naturschutz und Leistungssport
"Intern ist das Thema Olympia natürlich ein Politikum. Leistungssport im Naturschutzverein DAV ist immer noch etwas problematisch zu vermitteln. Aber man merkt, vor allem auch durch die Rückmeldung aus den Sektionen und den DAV-Kletterhallen, dass sich der DAV immer mehr dafür öffnet", sagt Matthias Keller. Schon im Jahr 2008 wurde bei der Berg!Schau in Dresden das Thema Olympia und Wettkampfklettern diskutiert. Auch ein Olympia-Forum wurde einberufen, in dem unter anderem der deutsche Spitzenkletterer Andreas Bindhammer Nachholbedarf auf nationaler Ebene sah. Trainings- und Wettkampfbetreuung seien zu professionalisieren, ebenso die gezielte Talentsichtung und die Nachwuchsförderung. Außerdem müssten die Athleten in Schule, Studium und Beruf unterstützt werden – so das Fazit in der Nachschau des Olympia-Forums. "Das Klettern muss hier die gleichen Strukturen entwickeln, die in anderen olympischen Disziplinen bereits existieren“, so Bindhammer.


WM in Arco 2012 als Gradmesser
Beim Alpenverein wartet man zunächst die Entwicklung zum Thema Olympia ab: "Klettern bei Olympia ist schon das Ziel des DAV. Derzeit steht Olympia bei uns aber noch nicht auf der Tagesordnung. Bis zum Jahr 2013, in dem die Entscheidung fallen wird, ist es die Aufgabe des internationalen Kletterverbandes IFSC, das Wettkampfklettern nach vorne zu bringen. Vor allem die WM in Arco 2012 wird entscheidend. Der DAV kann mit tollen nationalen und internationalen Wettbewerben, wie dem Boulder-Weltcup in München im Sommer, aber natürlich einen Teil beitragen“, so Keller im Gespräch. Der ehemalige Leistungskletterer und engagierte Wahl-Münchner sieht optimistisch in die Zukunft: "Wir entwickeln die Strukturen mit dem Stützpunktkonzept und dem Projekt Talentscouting in den kommenden Jahren stets weiter. In unseren Stützpunkten Wuppertal, Stuttgart, München, Dresden und Darmstadt beobachten wir schon sehr positive Entwicklungen. Sollte Klettern olympisch werden, werden wir mit Hilfe der staatlichen und internen finanziellen Mittel die Förderung von Talenten und die Arbeit an den Stützpunkten vorantreiben können. Ideen, um die Professionalisierung zu forcieren, gibt es genug."

Neue Motivation für die Jugend
Klettern als Wettkampf - noch vor 20 Jahren schaute man in der Szene höhnisch auf die Kunstwandkletterer. Heute sieht das anderes aus, die Kletterhallen und künstlichen Anlagen haben sich nicht nur als Trainingsmöglichkeit, sondern als vom Felsklettern losgelöster Sport etabliert. Und die Wettkämpfe gehören dazu. Doch viele Jugendliche betreiben das Wettkampfklettern nicht ernsthaft, sondern eher nebenbei. Der Spaß steht im Vordergrund, das gemeinsame Klettern hat oftmals eine höhere Priorität als der Kampf um Platzierungen. Teamwork und Fairness gehört im einfach Klettern dazu – das ist auch den Beobachtern des IOC bei Kletterwettbewerben aufgefallen. Was auf der einen Seite positiv ist, kann allerdings auch negativ sein – vor allem wenn Kaderkletterer die notwendige Einstellung vermissen lassen. "Für manche Jugendliche und die Nachwuchsathleten, die das Wettkampfklettern derzeit zum Teil nicht mit der notwendigen Einstellung betreiben, dürfte Olympia ein neuer Ansporn sein und zusätzliche Motivation schaffen. Für den DAV und seine Trainer würde die positive Olympia-Entscheidung bedeuten, dass wir härtere Selektionskriterien anlegen und von unseren Kaderathleten ein professionelleres Engagement verlangen müssen – da werden wir aber schon in der anstehenden Saison ein Auge drauf haben", gibt Matthias Keller die Richtung in den Kadern des Alpenvereins vor.

Trennung des Spitzensports vom Hauptverband?
Die Frage, ob der DAV den Spagat zwischen Naturschutz- und Spitzensportverband schafft, wird in den kommenden Jahren spannend zu beobachten sein. Geldmittel müssten umgeschichtet, an manchen Stellen gespart werden, um den Spitzensport zu fördern. Vielleicht sollte man sogar über eine Ausgliederung des Spitzensports aus dem DAV nachdenken, um finanziell und personell unabhängig agieren zu können? "Eine komplette Trennung des Leistungssportsbereichs vom Hauptverband ist eher unwahrscheinlich, dafür sind die Verzahnungen zu tief. Möglich ist ein Modell wie in Österreich, wo der ÖWK als eigenständige, aber dem ÖAV untergeordnete Instanz arbeitet", erklärt Matthias Keller eine mögliche Entwicklung.

Viele Dinge sind noch zu tun bis in das Jahr 2020. Klar ist: Der nationale Verband bis zu den kleinen Sektionen sollten die Verbreitung des Sports weiter vorantreiben, Talente erkennen und fördern, Möglichkeiten schaffen und den Sportlern Türen öffnen. Wenn dies gelingt und dann in drei Jahren der Weg in die olympische Familie endlich bereitet wird, sollten wir uns alle auf die Spiele im Jahr 2020 freuen.

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