Klettern bei Olympia – ein langer und steiniger Weg (Teil 1)

bergleben.de am 06.04.2010 - 12:20 Uhr
Klettern bei Olympia – ein langer und steiniger Weg (Teil 1) © XnX GmbH
Das Internationale Olympische Komitee hat am Eröffnungstag der Winterspiele in Vancouver dem Internationalen Kletterverband IFSC die offizielle Anerkennung ausgesprochen. Der Weg ist frei für die Bewerbung um einen Platz in der olympischen Sportartenfamilie. Bis zum Jahr 2013 soll die Professionalisierung des Verbandes und des Sports soweit vorangetrieben worden sein, dass das IOC ein "Ja" für Klettern bei Olympia 2020 verlauten lässt. 2013 fällt die Entscheidung, wo 2020 die Spiele ausgetragen werden – und welche Sportarten dafür planen dürfen.

Klare Mehrheit pro Olympia
Die Mehrheit der Kletterer, egal ob im Spitzensport engagiert oder leidenschaftlicher Hobby-Kletterer, ist für das Klettern bei Olympia. Das zeigt auch unsere Umfrage unter den bergleben-Usern, bei der sich 54 % für Klettern bei Olympia stark machten. Wunderkletterer Adam Ondra hofft: "Klettern verdient es, olympischer Sport zu sein und natürlich wäre ich gerne mit dabei." Auch die Offiziellen des IFSC wollen den Sport zu den Spielen bringen.

Organisationsprobleme
Doch es ist leider nicht alles Gold, was glänzt. Der internationale Kletterverband hat noch einige Lücken zu füllen, ein paar Baustellen dicht zu machen – und auch der DAV steht vor einigen nationalen Aufgabe (lest hierzu Teil 2 in der kommenden Woche). Vor weniger als zwei Jahren wurde aufgrund mangelhafter Organisation vor Ort (der Aufbau der Wand konnte nicht geleistet werden) nur drei Tage vor dem Start der Boulder-Weltcup in Belgrad abgesagt [bergleben berichtete]. Sportler und Offizielle, die zum Teil schon vor Ort waren, durften wieder nach Hause reisen. Kann man sich so etwas bei einem Leichtathletik-Meeting vorstellen? Oder bei einem Tennisturnier? Eher nicht.

Fehlende mediale Aufmerksamkeit
Das größte Problem der Wettkämpfe ist aber die fehlende mediale Aufmerksamkeit. Das sieht auch Marco Scolaris, Präsident der IFSC, so: „Was wir vermissen, ist die mediale Unterstützung, um aus Wettkämpfen richtige Events zu machen, die von jedem genossen werden können – auch von denen, die wenig über das Klettern wissen“, sagte der Italiener im Februar in einem Interview mit planetmountain.com. Die Föderation der Kletterverbände hofft auf Besserung, will insbesondere durch die Weltmeisterschaften 2011 in Arco (ITA) und 2013 in Paris (FRA) den Sport den Massen zugänglich machen. Auf der Berg!Schau 2008 wurden auch die langatmigen und für Laien oftmals nicht verständlichen Regeln und das zu geringe Engagement von Sponsoren im Sportklettern als Probleme identifiziert.

Neue Ideen?
Mit der Einführung einer standardisierten Speedkletter-Route, die den direkten Vergleich und eine Rekordjagd ermöglicht, wurde ein Schritt getan, um den Sport auch für die Medien und nicht fachkundigen Zuschauer interessant zu machen. Doch wie das Problem im Vorstieg und Bouldern lösen? Die Schwierigkeitsgrade verwirren, Standardisierungen nicht möglich. Für jeden Wettkampf schrauben Routenbauer andere Griffe und Tritte an die Wände. Da müssen neue Ideen her, wie zum Beispiel Staffel- oder Teamwettbewerbe, kürzere und spektakulärere Routen im Lead, noch mehr fordernde zeitliche Begrenzungen, vielleicht weitere ungewöhnlichere Bewegungsaufgaben in den Routen. Wünschenswert ist aus Sicht der Fernsehanstalten auch eine Vereinheitlichung der Schwierigkeitsgrade – Laien können mit einer 10- oder 8c+ eben nichts anfangen. Für die Aufnahme in das olympische Programm könnte gerade der Punkt der Verständlichkeit und Vereinheitlichung der Leistungen der Faktor werden, der Probleme bereiten wird - denn derzeit sieht es nicht danach aus, als ob sich im Klettersport eine einheitliche Bewertung durchsetzen kann. Die IFSC werde weiter daran arbeiten, die Wettkampfregeln transparenter und den Ablauf schneller zu gestalten, versprach Vizepräsident Helmut Knabl (AUT) 2008. Er sieht den Verband und den Sport auf dem richtigen Weg.

Positives Entwicklung im Bouldern
Positiv ist die Entwicklung beim Klettern in Absprunghöhe: Boulderwettkämpfe sind mittlerweile bei Fans und bei Kletterern beliebter als der Vorstieg. Die Zuschauer sind hautnah an der Wand dabei, sehen aus der Nähe, welche fantastischen Leistungen erbracht werden. Die Kletterer haben an den verschiedenen Problemen mehrere Chancen, sich zu beweisen – die Gefahr, sich wie im Vorstieg durch einen frühen Abgang ins Seil zu "blamieren", ist nicht gegeben. Hier gibt es anscheinend wenig Handlungsbedarf. Was allerdings, gerade für das Fernsehen, wenig attraktiv ist: Bouldercups in miefigen und dunklen Hallen - als Beispiel seien hier DAV Bouldercups in Pforzheim genannt, deren Anziehungskraft auf Zuschauer und Medien etwa so groß ist wie die eines Kreisklassen-Kicks des SV Wölkau II gegen TSV Glesien III. Schafft man es, wie in Überlingen oder bei der Messe München, die Cups im Freien oder zumindest in angemessenem Flair stattfinden zu lassen, dürfte
es nur eine Frage der Zeit zu sein, bis auch die Medien den Sport für sich entdecken.

Finden sich Sponsoren?
Vieles hängt aber an Geldgebern. Finanzielle Mittel sind auf internationaler Bühne für die richtige Präsentation der Kletterwettkämpfe im TV oder Web wichtig. Je mehr Sponsoren, desto mehr Geld, desto eher können Produktionsfirmen engagiert werden, die den Sport abbilden und desto größer sind die Chancen, die so wichtigen Sendeminuten bei den großen Sendern zur Verfügung gestellt zu bekommen. Wir dürfen gespannt, wie die rasante Entwicklung des Wettkampfkletterns, das seine Anfänge Ende der 1980er-Jahre nahm, in den kommenden Jahren weiter gehen wird. Einig sind sich fast alle Menschen, die einmal einen großen Wettkampf besucht haben: Der Sport ist einzigartig und hat großes Potenzial. Wird dieses auch ausgeschöpft werden?

Mehr zu Klettern bei Olympia und was auf den Deutschen Alpenverein für Aufgaben zukommen, lest ihr in Teil II in der kommenden Woche.

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