Grundlagen: Gehtechnik & Klettertechnik im Klettersteig

bergleben.de am 20.04.2012 - 16:10 Uhr
Grundlagen: Gehtechnik & Klettertechnik im Klettersteig © Eugen Hüsler
Ihr habt die Ausrüstung gecheckt, habt eine umfassende Tourenplanung mit Wetterprüfung, Gefahrenbeurteilung, passender Auswahl des Steigs und eine großzügige Zeitplanung hinter euch? Dann kann es ja losgehen. Apropos „Gehen“: Eine gute Geh- und Klettertechnik kann in einem Klettersteig enorm viel Kraft sparen und das Erlebnis noch schöner machen. Wir geben euch ein paar grundlegende Tipps dazu.


Wichtige Grundbegriffe zur Gehtechnik und Klettertechnik im Klettersteig

Das Wichtigste in einem Klettersteig ist die Sicherung – wie diese funktioniert, haben wir euch in Folge zwei unseres Specials erklärt. Das ständige Sichern kann auf Dauer sehr ermüdend sein: Alle paar Meter muss man die Karabiner umhängen und diese dann im eingehängten Zustand weiter mit nach oben nehmen. Wichtig dabei: Beim Umhängen spart man Kraft, wenn man sich davor einen sicheren und entspannten Stand sucht und mit der festhaltenden Hand am langen Arm hängt. Das Transportieren der Karabiner geht am einfachsten mit dem Mitführen: Man schiebt wenn möglich (wenn das Gelände nicht zu schwer ist) mit der unteren, seilzugewandten Hand die Karabiner am Seil entlang bis zum nächsten Fixpunkt. Zieht man die Karabiner nur hinter sich her, können sie sich schneller verhaken und hängenbleiben.
Technik auf dem Drahtseil: Für stabileren Stand stellt man die Füße quer und geht seitlich
Foto: Technik auf dem Drahtseil: Für stabileren Stand stellt man die Füße quer und geht seitlich
Rechte: bergleben.de/Sebastian Lindemeyer


Tritttechniken beim Klettersteiggehen

Beim Klettern im Klettersteig gelten ansonsten die Grundregeln, die auch für Sportkletterer anzuwenden sind. Eine davon: Die Kraft, die den Klettersteigler nach oben bewegt, sollte hauptsächlich aus den Beinen kommen. Dabei ist der Stand natürlich elementar: Beim normalen Steigen mit einem Fuß sollte der Fuß im vorderen Bereich antreten. Wie beim Klettern mit Kletterschuhen, bei dem man nur mit den Zehenspitzen antritt und extrem viel Bewegungsfreiheit zum Eindrehen behält, muss man im Klettersteig allerdings meist nicht Treten. Tritt man auf Reibung, also auf glatte Flächen ohne Tritte, sollte man hingegen den ganzen Fuß möglichst mit großer Auflagefläche belasten, um einen hohen Reibungswiderstand zu erzeugen. In den besonders schweren Klettersteigen (D/E) empfehlen sich spezielle Sohlen mit hoher Reibung. Weitere wichtige Tritttechniken sind das Spreizen, Stützen und die Gegendrucktechnik: Beim Spreizen und Stützen tritt man mit den Beinen weit auseinander, senkt den Körperschwerpunkt etwas ab und steht somit sehr stabil, da man viel Druck auf die Tritte aufbaut. Bei der Gegendrucktechnik hängt man sich mit langen Armen an das Seil oder Sprossen, entfernt also den Körperschwerpunkt von der Wand. Auch dadurch erhöht sich der Druck auf die Tritt und man behält auch an glatten Stellen den Halt. Als letzten Tipp zur Tritt- und Steigtechnik haltet euch an folgenden Hinweis: Viele kleine Schritte sind oftmals nicht so anstrengend wie wenige große. Im Gelände bedeutet dies, oftmals gefühlvoller treten zu müssen - im Normalfall und bei einem trittsicheren Klettersteigler spart ihr aber wichtige Körner.

Typische Leitertechnik: Eine Hand an der Leiter, eine am Stahlseil. Impressionen aus dem Klettersteig Flims
Foto: Typische Leitertechnik: Eine Hand an der Leiter, eine am Stahlseil. Impressionen aus dem Klettersteig Flims
Rechte: Weisse Arena Gruppe

Kraftsparend klettern

In einem Klettersteig, der eurer Leistungsstärke entspricht, solltet ihr nicht an Stellen gelangen, die euch alles abverlangen. Dabei spielt die Tourenplanung und die richtige Selbsteinschätzung eine entscheidende Rolle. Doch auch in „leichten“ Klettersteigen ist es nicht verkehrt, Kraft zu sparen und sich technisch richtig zu bewegen – denn vor allem die Armkraft ist auf Dauer begrenzt. Das Greifen an Sprossen, Haken oder dem Sicherungsseil ist zwar nicht besonders schwer, aber langfristig anstrengend. Vor allem griffige und leicht dämpfende Klettersteighandschuhe erleichtern die Fortbewegung hier enorm und schützen zudem noch vor Eisensplittern. Neben dem richtigen Greifen am Fels - ihr solltet nur so fest zupacken wie es notwendig ist und verkrampftes Zupacken vermeiden - werden in Klettersteigen oft Stütztechniken verwendet. Dabei stützt ihr euch mit dem gestreckten Arm nach oben, das ist sehr kraftsparend für Hand- und Armmuskulatur. Auch Leitern müssen in Klettersteigen oft überwunden werden: Es ist ratsam, sich mit einer Hand an der Leiter festzuhalten und mit der anderen am Sicherungsstahlseil. Dann könnt ihr auch gleichzeitig mit dieser Hand die Karabiner noch oben schieben. Sollten euch einmal die Kräfte verlassen, könnt ihr euch entweder mit den Karabiner in Leitersprossen einhängen und euch in den Gurt setzen, oder ihr legt den Arm hinter das Seil oder eine Sprosse und hängt euch mit dem angewinkelten Ellbogen ein.

Absteigen und Abklettern

Bei den meisten Klettersteigen gibt es einen entspannten Wanderweg, der euch zurück zu eurem Ausgangspunkt bringt. Ist dies nicht der Fall, zum Beispiel bei leichten Steigen, die als Auf- und Abstiegsweg genutzt werden, solltet ihr darauf achten, möglichst federnd und gelenkschonend zu bergab zu laufen. An manchen Stellen könnt ihr euch bestimmt gut mit den Armen abstützen und somit die Beingelenke schonen. In leichten Passagen geht man bergab zum Tal gerichtet und richtet den Oberkörper nach vorn, geht es an richtiges bergab klettern, solltet ihr euch wieder zur Wand drehen. Dann wendet man die Drei-Punkt-Regel an und löst immer nur eine Hand oder ein Fuß von der Wand, um sicher wieder ins Tal zu kommen.


Hier geht´s weiter in der dritten Folge des Klettersteigspecials!!
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