Portrait Stefan Glowacz (GER)
M2b Redaktion am 01.11.2008 - 10:06 Uhr
Im Grunde hatte Stefan Glowacz gar keine andere Wahl, als einer der erfolgreichsten professionellen Kletterer zu werden. Früh nahmen ihn seine Eltern mit in die Berge, jenes Terrain, das später seine Heimat werden sollte. Wenn er heute über seine frühkindliche Prägung redet, scheint der Weg geradezu vorbestimmt gewesen zu sein: "Ich bin ja schon als Kind jeden Felsblock hochgeklettert, wenn ich mit den Eltern beim Wandern war." Die Faszination Felsblock ließ ihn nicht mehr los, und auch wenn die Wände immer steiler wurden, und das Terrain um sie herum immer unwirklicher, blieb die Motivation letztlich die Gleiche: aufwärts in die Herausforderung. Es ist diese Mischung aus Demut, kindlicher Abenteuerlust und unbeschreiblichem Stolz, die Glowacz, Jahrgang 1965, noch heute immer wieder in die entlegenen Orte der Erde treibt.
Ehrgeiz und Wille
Wenn ihm auch seine Eltern die ersten Schritte ins Abenteuer wiesen, so war es doch sein Ehrgeiz, der ihn später zum Allround-Kletterer, Vortragsredner und Self-Made-Unternehmer werden ließ. Natürlich hatte auch der junge Glowacz diese Phase, als er seine Lehre und beruflichen
Verpflichtungen dem Klettern so gnaden- und gedankenlos unterordnete, wie das wohl nur Visionäre tun. Es war und ist seine Passion, die mit dem Sieg beim ersten offiziellen Sportkletterwettkampf 1985 in Bardonecchia (Italien) ihren ersten Höhepunkt fand. Aber während schon in den späten 80er-Jahren viele Leute lebten, um zu klettern, wollte Glowacz darüber hinaus irgendwann auch klettern, um zu leben. Früh entdeckte er, dass seine Leidenschaft nicht mit dem Abseilen enden darf, um sie zum Beruf zu machen und für Profis die Arbeit unterhalb der Vertikalen erst beginnt. Glowacz gewann drei Mal das prestigereiche Rock Masters in Arco, erhielt mit einer Einladung ins Aktuelle Sportstudio des ZDF den medialen Ritterschlag als Sportler und schauspielerte in Werner Herzogs "Schrei aus Stein". Als Ziehkind des Bergsportpaten Reinhold Messner avancierte er endgültig zum Vorreiter einer Bewegung.
Reisen rund um die Welt
Zudem bewegte sich Glowacz stets auch selbst. Er kämpfte sich aus einem verletzungsbedingten Tief zurück, beendete 1993 seine Wettkampfkarriere, widmete sich fortan stärker den unentdeckten, abgeschiedenen Wänden der Welt und bereicherte sein Leben um eine weitere Komponente: Das Hinkommen wurde ebenso wichtig wie das Hinaufkommen. Per Jeep durch die namibische Halbwüste, auf Skiern über die Eisfelder Patagoniens oder im Kanu durch den venezuelanischen Dschungel – es geht nicht mehr allein darum, wie schwierig die Routen sind, sondern wo. Nämlich dort, wo Lebenserfahrung, Ausdauer und Übersicht mindestens ebenso wichtig sind wie Schnellkraft und jugendlicher Elan. Glowacz’ Nachfolger arbeiten wie einst er selbst an den Grenzen des klettertechnisch Möglichen, der gereifte Kletterer Glowacz arbeitet heute an den Grenzen der Zivilisation. Im mountains2b-Interview aus dem Jahre 2005, spricht Glowacz von einer Wandlung seiner Einstellung: "Mittlerweile setze ich die Erfahrung, das Erlebnis und das Leben in einem anderen Land über den unbedingten Wille zum Erfolg an einer schwierigen Wand. Ich gehe wesentlich entspannter an meine Expedtitionen heran." Längst gibt er diese Erfahrung über das Vorwärtskommen, ob nun vertikal oder horizontal, ob dabei Kreativität oder doch eher Kondition verlangt wird, weiter.
Er ist gefragter Vortragsredner für Führungskräfte aus der internationalen Wirtschaft und hielt unter anderem ein Motivationsreferat im exklusiven Kreis der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Oliver Kahn, der Zeit seines Lebens als Torhüter des FC Bayern selbst Extremen auf dem Fußballplatz ausgesetzt war, hat die Lebenseinstellung imponiert: "Glowacz würde am Berg nie sagen: Mir ist es zu steil, zu kalt, zu glatt, zu windig. Das können Menschen wie er gar nicht. Weil er immer weiter gehen will. Immer schauen will, was passiert, um sich als Mensch weiterzuentwickeln." Zu dieser Entwicklung zählt auch seine Funktion als Mitbegründer des Kletterschuhherstellers RED CHILI, wo er sich heute für Design und Marketing verantwortlich zeichnet. RED CHILI hat sich mit der Philosophie "Kletterer für Kletterer" seit der Gründung zu einer hoch gehandelten Marke im Bereich Kletterequipment und -bekleidung entwickelt. Die mehr als 30 Jahre seit seinem ersten Felsblock haben ihn an die steilsten Wände, die tiefsten Täler, zu einer eigenen Firma und in namhafte deutsche Unternehmen geführt. Und ob nun Wettkampfkletterer, Abenteurer, Unternehmensgründer oder Referent – der einfache Weg war nie sein Ding, sondern vielmehr die Fähigkeit, das Ungewöhnliche zu meistern:
Stefan Glowacz ist Vater von Drillingen.
Stefan Glowacz - Vita eines Spitzensportlers
Geburtsdatum: 22. März 1965
Größe/Gewicht: 1,80 m / 70 kg
Beruf: Abenteurer, Kletterer, Referent, Unternehmer
Wettkampf-Erfolge:
1985: Sieger beim Sport Roccia (Bardoneccia, Italien)
1987, 88 und 1992: Gewinner Rock Master (Arco, Italien)
1992: Gewinner des inoffiziellen Demonstrationswettkampfs
bei den Olympischen Winterspielen (Albertville, F)
1993: 2. Platz bei der WM (Innnsbruck, Österreich)
Ende der Wettkampfkarriere
Kletter-Highlights:
1994: Erstbegehung ”Des Kaisers neue Kleider”
(Wilder Kaiser, Österreich)
Grönland-Expedition, Erstbegehung ”Moby Dick” (Ob. IX. Grad)
1995: Kanada-Expedition, Erstbegehung ”Fitzcaraldo” (Ob. VIII. Grad)
1996: Erstbegehung mit Kurt Albert in den Dolomiten: Südwand der
Kleinen Zinne ”Gelbe Mauer” (IX. Grad)
1997: Ostgrönland-Expedition, Erstbesteigung ”Nordlicht” am Tupilak (Ob. VIII. Grad)
1999: Segel- und Kletterexpedition in die Antarktis, Erstbesteigung „Hart am Wind“
2000: Kletterexpedition Vietnam; Kletterexpedition Baffin Island
2001: Kletterexpedition Mexiko „El Gigante“
2003/04/05: Patagonien Murallón „The lost world“, „Vom Winde verweht“
2004: Erstbegehung Titlis (Engelberg /CH) „Letzte Ausfahrt Titlis“
2006: Kletterexpedition nach Venezuela (Tafelberge)
2008: Kletterexpedition nach Baffin Island
Weitere Aktivitäten:
• Darsteller in den Filmen ”Schrei aus Stein” (Werner Herzog), ”Fire, Ice and Dynamit” (Willy Bogner)
• Bücher: zusammen mit Uli Wiesmeier (Foto) Autor des Bildbands ”Rocks around the world”; zusammen mit Wolfgang Pohl ”Richtig Freiklettern”; zusammen mit Kai Pfersich „Hoch hinaus“; zusammen mit Ulrich Klenner „On the rocks“
Quellen u.a.:
TOC Agentur für Kommunikation
Ehrgeiz und Wille
Wenn ihm auch seine Eltern die ersten Schritte ins Abenteuer wiesen, so war es doch sein Ehrgeiz, der ihn später zum Allround-Kletterer, Vortragsredner und Self-Made-Unternehmer werden ließ. Natürlich hatte auch der junge Glowacz diese Phase, als er seine Lehre und beruflichen
Verpflichtungen dem Klettern so gnaden- und gedankenlos unterordnete, wie das wohl nur Visionäre tun. Es war und ist seine Passion, die mit dem Sieg beim ersten offiziellen Sportkletterwettkampf 1985 in Bardonecchia (Italien) ihren ersten Höhepunkt fand. Aber während schon in den späten 80er-Jahren viele Leute lebten, um zu klettern, wollte Glowacz darüber hinaus irgendwann auch klettern, um zu leben. Früh entdeckte er, dass seine Leidenschaft nicht mit dem Abseilen enden darf, um sie zum Beruf zu machen und für Profis die Arbeit unterhalb der Vertikalen erst beginnt. Glowacz gewann drei Mal das prestigereiche Rock Masters in Arco, erhielt mit einer Einladung ins Aktuelle Sportstudio des ZDF den medialen Ritterschlag als Sportler und schauspielerte in Werner Herzogs "Schrei aus Stein". Als Ziehkind des Bergsportpaten Reinhold Messner avancierte er endgültig zum Vorreiter einer Bewegung.
Reisen rund um die Welt
Zudem bewegte sich Glowacz stets auch selbst. Er kämpfte sich aus einem verletzungsbedingten Tief zurück, beendete 1993 seine Wettkampfkarriere, widmete sich fortan stärker den unentdeckten, abgeschiedenen Wänden der Welt und bereicherte sein Leben um eine weitere Komponente: Das Hinkommen wurde ebenso wichtig wie das Hinaufkommen. Per Jeep durch die namibische Halbwüste, auf Skiern über die Eisfelder Patagoniens oder im Kanu durch den venezuelanischen Dschungel – es geht nicht mehr allein darum, wie schwierig die Routen sind, sondern wo. Nämlich dort, wo Lebenserfahrung, Ausdauer und Übersicht mindestens ebenso wichtig sind wie Schnellkraft und jugendlicher Elan. Glowacz’ Nachfolger arbeiten wie einst er selbst an den Grenzen des klettertechnisch Möglichen, der gereifte Kletterer Glowacz arbeitet heute an den Grenzen der Zivilisation. Im mountains2b-Interview aus dem Jahre 2005, spricht Glowacz von einer Wandlung seiner Einstellung: "Mittlerweile setze ich die Erfahrung, das Erlebnis und das Leben in einem anderen Land über den unbedingten Wille zum Erfolg an einer schwierigen Wand. Ich gehe wesentlich entspannter an meine Expedtitionen heran." Längst gibt er diese Erfahrung über das Vorwärtskommen, ob nun vertikal oder horizontal, ob dabei Kreativität oder doch eher Kondition verlangt wird, weiter.
Er ist gefragter Vortragsredner für Führungskräfte aus der internationalen Wirtschaft und hielt unter anderem ein Motivationsreferat im exklusiven Kreis der deutschen Fußball-Nationalmannschaft. Oliver Kahn, der Zeit seines Lebens als Torhüter des FC Bayern selbst Extremen auf dem Fußballplatz ausgesetzt war, hat die Lebenseinstellung imponiert: "Glowacz würde am Berg nie sagen: Mir ist es zu steil, zu kalt, zu glatt, zu windig. Das können Menschen wie er gar nicht. Weil er immer weiter gehen will. Immer schauen will, was passiert, um sich als Mensch weiterzuentwickeln." Zu dieser Entwicklung zählt auch seine Funktion als Mitbegründer des Kletterschuhherstellers RED CHILI, wo er sich heute für Design und Marketing verantwortlich zeichnet. RED CHILI hat sich mit der Philosophie "Kletterer für Kletterer" seit der Gründung zu einer hoch gehandelten Marke im Bereich Kletterequipment und -bekleidung entwickelt. Die mehr als 30 Jahre seit seinem ersten Felsblock haben ihn an die steilsten Wände, die tiefsten Täler, zu einer eigenen Firma und in namhafte deutsche Unternehmen geführt. Und ob nun Wettkampfkletterer, Abenteurer, Unternehmensgründer oder Referent – der einfache Weg war nie sein Ding, sondern vielmehr die Fähigkeit, das Ungewöhnliche zu meistern:
Stefan Glowacz ist Vater von Drillingen.
Stefan Glowacz - Vita eines Spitzensportlers
Geburtsdatum: 22. März 1965
Größe/Gewicht: 1,80 m / 70 kg
Beruf: Abenteurer, Kletterer, Referent, Unternehmer
Wettkampf-Erfolge:
1985: Sieger beim Sport Roccia (Bardoneccia, Italien)
1987, 88 und 1992: Gewinner Rock Master (Arco, Italien)
1992: Gewinner des inoffiziellen Demonstrationswettkampfs
bei den Olympischen Winterspielen (Albertville, F)
1993: 2. Platz bei der WM (Innnsbruck, Österreich)
Ende der Wettkampfkarriere
Kletter-Highlights:
1994: Erstbegehung ”Des Kaisers neue Kleider”
(Wilder Kaiser, Österreich)
Grönland-Expedition, Erstbegehung ”Moby Dick” (Ob. IX. Grad)
1995: Kanada-Expedition, Erstbegehung ”Fitzcaraldo” (Ob. VIII. Grad)
1996: Erstbegehung mit Kurt Albert in den Dolomiten: Südwand der
Kleinen Zinne ”Gelbe Mauer” (IX. Grad)
1997: Ostgrönland-Expedition, Erstbesteigung ”Nordlicht” am Tupilak (Ob. VIII. Grad)
1999: Segel- und Kletterexpedition in die Antarktis, Erstbesteigung „Hart am Wind“
2000: Kletterexpedition Vietnam; Kletterexpedition Baffin Island
2001: Kletterexpedition Mexiko „El Gigante“
2003/04/05: Patagonien Murallón „The lost world“, „Vom Winde verweht“
2004: Erstbegehung Titlis (Engelberg /CH) „Letzte Ausfahrt Titlis“
2006: Kletterexpedition nach Venezuela (Tafelberge)
2008: Kletterexpedition nach Baffin Island
Weitere Aktivitäten:
• Darsteller in den Filmen ”Schrei aus Stein” (Werner Herzog), ”Fire, Ice and Dynamit” (Willy Bogner)
• Bücher: zusammen mit Uli Wiesmeier (Foto) Autor des Bildbands ”Rocks around the world”; zusammen mit Wolfgang Pohl ”Richtig Freiklettern”; zusammen mit Kai Pfersich „Hoch hinaus“; zusammen mit Ulrich Klenner „On the rocks“
Quellen u.a.:
TOC Agentur für Kommunikation
Fotoserie: Portrait Stefan Glowacz (GER)
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