Portrait Thomas Huber (GER)

M2b Redaktion am 01.11.2008 - 14:00 Uhr
Der Ausnahme-Bergsteiger Thomas Huber wird 1966 im oberbayerischen Palling als erster von zwei Söhnen geboren. Zusammen mit seinem Bruder Alexander erfüllt sich der staatlich geprüfte Berg- und Skiführer immer wieder neue Träume an den verschiedensten Wänden der Welt. Ein Highlight seiner eindrucksvollen Kletterkarriere ist die erste Rotpunktbegehung der alpinen Felsroute "End of silence" (X+/8b+), die zu den schwersten Freikletterrouten der Welt zählt.

Vater erweckt Leidenschaft für die Berge
Thomas ist ein wildes Kind und zeigt anfangs wenig Interesse für die Berge, stattdessen geht er lieber fischen. Als ihn sein Vater, der in Bergsteigerkreisen durch frühe und schnelle Begehungen von Westalpenrouten selbst einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt, im Alter von zehn Jahren mit in die Bergwelt nimmt, beginnt Thomas' Entwicklung zum leidenschaftlichen Bergsteiger und Kletterer. Auch Bruder Alexander folgt den beiden bald und der erste gemeinsame Kletterurlaub im Wilden Kaiser zeigt, dass Thomas in seinem kleinen Bruder den idealen Kletterpartner gefunden hat. Regelmäßig besuchen Vater und Söhne die Westalpen und besteigen dabei 30 Viertausender. Ob Wiederholungen und Erstbegehungen im gesamten Alpenraum, Sportklettern oder Eisklettern - das Repertoire von Thomas ist groß und seine Leidenschaft für die Berge nahezu uneingeschränkt.


Im Höhenrausch
Thomas, der seit 1995 Profi ist, kann auf eine eindrucksvolle Bilanz von Erstbegehungen blicken. Nach der schon erwähnten ersten Rotpunktbegehung der "End of silence" im Jahr 1994 gelingt Thomas im Jahr 1996 die freie Begehung der "Salathé" (5.13b/8a+) im Yosemite.
Seit 1997 wendet er sich mehr und mehr dem Höhenbergsteigen zu und durchsteigt zusammen mit Alexander, Toni Gutsch und Conrad Anker erstmalig die Westwand des Latok II (7108 Meter). Ein Jahr darauf gelingen Thomas die Begehungen von "El Nino" (5.13/8a+) am El capitan und die Rotpunktbegehung "Freerider" (5.12d/7c). Nach 15 Stunden und 25 Minuten ist es die erste freie Begehung einer El Capitan-Route an einem Tag.

Nicht zu stoppen
Im Jahr 2000 glückt Thomas eine der spektakulärsten Linien im Himalaya: Der 1000 Meter hohe direkte Nordpfeiler des Shivling (6543 Meter), einem der formschönsten Berge der Welt. Im selben Jahr schafft der Bayer die Erstbegehung der neuen Freikletterroute "Golden Gate" (5.13b) am El Capitan. 2001 gelingen Thomas erneut zwei außergewöhnliche Trips: Am 01. Juli die Erstbesteigung des Ogre III (6800 Meter), drei Wochen später die zweite Besteigung des Ogre (7285 Meter) am 21. Juli.

Rekord an der Big Wall
Im Jahr 2003 erschüttern die "Huberbuam" die Kletterelite mit der schnellsten Durchsteigung einer Big Wall überhaupt: In 2:31,20 Stunden "rennen" sie den Klassiker "Zodiac" hinauf, 80 Prozent werden dabei frei geklettert, der Rest künstlich (A3). Sie wenden die "Short-Fixed-Technik" an, die allerdings nur den absoluten Profis vorbehalten ist. Der Kletterfotograph Simon Carter beobachtete den letzten Teil des Speedclimbs und meinte: "Es war mit Abstand die eindrucksvollste Kletterleistung, die ich je gesehen habe."
Am 9. Oktober 2003 gelingt den Huber-Brüdern die erste Rotpunktbegehung des schweren Capitan-Klassikers "Zodiac". Die üblicherweise technisch gekletterte Route (A2-A3) bewerten sie mit X+.

Abseits des Bergsteigens
Auch wenn Thomas selbst nicht "aktiv" in den Bergen unterwegs ist, begleiten sie ihn dennoch. Seine Leidenschaft gehört neben dem Besteigen der Berge auch dem Hinabkommen - in der Form des Base Jumpen! Thomas Huber engagiert sich auch im sozialen Bereich: Mit seinem Bruder Alexander unterstützt er den Verein "Himalaya-Karakorum-Hilfe e.V." und ist dort Ehrenmitglied. Menschen, die unter härtesten Bedingungen in den Bergen des Himalaya und Karakorum am äußersten Rand der Siedlungsgrenze leben, werden so unterstützt.
Privat lebt Thomas gemeinsam mit seiner Frau Marion, den Söhnen Elias und Amadeus sowie der jüngsten Tochter Philomea in Berchtesgaden.

- Auszug aus dem Gipfelbuch
- 1992 Zweitdurchsteigung von "Shogun" (XI-/5.14b) in Berchtesgaden.
- 1994 Erste Rotpunkt-Begehung der alpinen Felsroute "The end of silience" (X+/8b+), geklettert an einem Tag.
- 1996 Freie Begehung der "Salathé" (5.13b/8a+) am El Capitan. Ein Jahr zuvor hatte dies Bruder Alexander erstmals geschafft. Winterdurchsteigung der Eiger-Nordwand.
- 1997 Erste Begehung der Westwand des Latok II, 7108 Meter im Karakorum (2300 Meter, 5.10c/A3+).
- 1998 Erste Begehung von "El Niño" (5.13c/8a+) am El Capitan. Rotpunktbegehung von "Free Rider" (5.12d/7c) in 15 Stunden und 25 Minuten: Erste freie Begehung einer El Capitan-Route an einem Tag.
- 1999 Dritte Durchsteigung von "Dreamcatcher" (M9+), Thunklamm/Österreich. Zweite Besteigung der Südwestwand (1400 Meter, 55 bis 85 Grad) des Latok IV (6445 Meter), Karakorum.
- 2000 Erste Begehung des direkten Nordpfeilers am Shivling, 6543 Meter über die Route "Shiva´s Line" (1400 Meter, 5.10b/A4). Erstbegehung einer neuen Freikletterroute am El Capitan: "Golden Gate" (5.13.b)
- 2001 01. Juli 2001: Erstbesteigung des Ogre III, 6800 Meter. 21. Juli 2001: Zweite Besteigung des Ogre I, 7285 Meter
- 2003 15. Juni: Schnellste Durchsteigung des Klassikers "Zodiac" in 2:31,20 Stunden. 09. Oktober erste Rotpunktbegehung des Capitan-Klassikers "Zodiac" (X+).
- 2004 Besteigung des Westgipfels des Arwa Spire (6088 Meter) im indischen Garhwal Himalaya.
- 2005 Überschreitung von Torre Standhart - Herron - Torre Egger in Patagonien
- 2005 Anfang der Dreharbeiten zu Am Limit und Rekordversuch im Speed-Klettern an der Route The Nose scheitert nach schwerem Sturz von Bruder Alexander beim Training
- 2006 Versuch die Nordwände der drei Zinnen an einem Tag zusammen mit Dean Potter zu kletter und per Basejump zum Wandfuß zurückzukehren scheitert an einem Sehnenriss in Huberts Schulter
- 2006 Erneuter Rekordversuch auf der Route The Nose scheitert an Sturz von ihm
- 2007 Beim dritten Versuch verbessern die Brüder Huber den Rekord an der Nose auf 2:45,45h
- 2008: Erste Begehung der Silla Westwand "El Bastardo" in Patagonien
- 2008: Erstbegehungen in der Antarktis (Ulvetanna und Holtanna)

Ein Interview mit Thomas Huber auf dem AlpinTag 2008 findet ihr hier!

Buchveröffentlichungen
Thomas Huber: Ogre - Gipfel der Träume
175 Seiten (2002), BLV-Verlag, ISBN: 3-405-16374-9, Preis: 29,90 Euro

Thomas und Alexander Huber: The Wall
128 Seiten (2000), BLV-Verlag, ISBN: 3-405-15685-8, Preis: 12,75 Euro

Quellen
Verwandte Fotoserien:
Weiterführende Informationen:
Bergfieber
www.huberbuam.de
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