Portrait: Thomas Huber von den Huberbuam

bergleben.de am 18.11.2011 - 14:00 Uhr
Portrait: Thomas Huber von den Huberbuam © Huberbuam/Sonja Güldner-Hamel
Der Ausnahme-Bergsteiger Thomas Huber wird am 18. November 1966 im oberbayerischen Palling als erster von zwei Söhnen geboren. Zusammen mit seinem Bruder Alexander erfüllt sich der staatlich geprüfte Berg- und Skiführer immer wieder neue Träume an den verschiedensten Wänden auf der Welt. Ein Highlight seiner eindrucksvollen Kletterkarriere ist die erste Rotpunktbegehung der alpinen Felsroute "End of silence" (X+/8b+), die zu den schwersten Freikletterrouten der Welt zählt.

Vater erweckt Leidenschaft für die Berge

Thomas ist ein wildes Kind und zeigt anfangs wenig Interesse für die Berge, stattdessen geht er lieber fischen. Als ihn sein Vater, der in Bergsteigerkreisen durch frühe und schnelle Begehungen von Westalpenrouten selbst einen gewissen Bekanntheitsgrad genießt, im Alter von zehn Jahren mit in die Bergwelt nimmt, beginnt Thomas' Entwicklung zum leidenschaftlichen Bergsteiger und Kletterer. Auch Bruder Alexander folgt den beiden bald und der erste gemeinsame Kletterurlaub im Wilden Kaiser zeigt, dass Thomas in seinem kleinen Bruder den idealen Kletterpartner gefunden hat. Regelmäßig besuchen Vater und Söhne die Westalpen und besteigen dabei 30 Viertausender. Ob Wiederholungen und Erstbegehungen im gesamten Alpenraum, Sportklettern oder Eisklettern - das Repertoire von Thomas ist groß und seine Leidenschaft für die Berge nahezu uneingeschränkt.


Im Höhenrausch

Thomas, der seit 1995 Profi ist, kann auf eine eindrucksvolle Bilanz von Erstbegehungen blicken. Nach der schon erwähnten ersten Rotpunktbegehung der "End of silence" im Jahr 1994 gelingt Thomas im Jahr 1996 die freie Begehung von "Salathé" (5.13b/8a+) im Yosemite.
Seit 1997 wendet er sich mehr und mehr dem Höhenbergsteigen zu und durchsteigt zusammen mit Alexander, Toni Gutsch und Conrad Anker erstmalig die Westwand des Latok II (7108 Meter). Ein Jahr darauf gelingen Thomas die Begehungen von "El Nino" (5.13/8a+) am El Capitan und die Rotpunktbegehung "Freerider" (5.12d/7c). Nach 15 Stunden und 25 Minuten ist es die erste freie Begehung einer El Capitan-Route an einem Tag.

Nicht zu stoppen

Im Jahr 2000 glückt Thomas eine der spektakulärsten Linien im Himalaya: Der 1000 Meter hohe direkte Nordpfeiler des Shivling (6543 Meter), einem der formschönsten Berge der Welt. Für diese Leistung gewinnt Thomas Huber den prestigeträchtigen Preis "Piolet d´Or".
Im selben Jahr schafft der Bayer, immer zusammen mit seinem Bruder unterwegs, die Erstbegehung der neuen Freikletterroute "Golden Gate" (5.13b) am El Capitan. 2001 gelingen Thomas erneut zwei außergewöhnliche Trips: Am 01. Juli die Erstbesteigung des Ogre III (6800 Meter), drei Wochen später die zweite Besteigung des Ogre (7285 Meter) am 21. Juli.

Rekorde in den Big Walls

Im Jahr 2003 erschüttern die "Huberbuam" die Kletterelite mit Big Wall Climbing in Highspeed: In 2:31,20 Stunden "rennen" sie den Klassiker "Zodiac" am El Capitan hinauf, 80 Prozent werden dabei frei geklettert, der Rest technisch (A3). Der Kletterfotograf Simon Carter beobachtete den letzten Teil des Speedclimbs und meinte: "Es war mit Abstand die eindrucksvollste Kletterleistung, die ich je gesehen habe." Am 9. Oktober 2003 gelingt den Huber-Brüdern die erste Rotpunktbegehung des schweren Capitan-Klassikers "Zodiac". Die üblicherweise technisch gekletterte Route (A2-A3) bewerten sie mit X+. 2007 sind die Huberbuam wieder schnell unterwegs: Nachdem sie 2006 den spektakulären Kletterfilm "Am Limit" abgedreht haben, der ein Riesenerfolg wird, stellen sie 2007 einen neuen Rekord in der Route Nose am El Capitan auf. 2 Stunden 45 Minuten und 45 Sekunden benötigen sie im Oktober 07 und werden weltweit bestaunt. Im nächsten Jahr ist der Rekord wieder futsch, Hans Florine und Yuji Hirayama schlagen zurück, aktuell hält das Duo Sean Leary/Dean Potter den Rekord in einer Zeit von 2:36 Stunden. Für die Hubers scheint die Rekordjagd vorbei, sie sind mittlerweile mehr im Hochgebirge auf der Suche nach neuen Herausforderungen.



Abseits des Bergsteigens

Auch wenn Thomas gerade nicht "aktiv" in den Bergen unterwegs ist, begleiten sie ihn dennoch. Seine Leidenschaft gehört neben dem Besteigen der Berge auch dem Hinabkommen - in der Form des Basejumpen! 2009 begeht er die Drei Zinnen über schwere Routen an einem Tag, springt dabei von den Gipfeln der ersten beiden Zinnen jeweils mit einem Basejump, um möglichst schnell am Einstieg der neuen Route zu sein.
Thomas Huber engagiert sich auch im sozialen Bereich: Mit seinem Bruder Alexander unterstützt er den Verein "Himalaya-Karakorum-Hilfe e.V." und ist dort Ehrenmitglied. Menschen, die unter härtesten Bedingungen in den Bergen des Himalaya und Karakorum am äußersten Rand der Siedlungsgrenze leben, werden so unterstützt.
Privat lebt Thomas gemeinsam mit seiner Frau Marion, den Söhnen Elias und Amadeus sowie der jüngsten Tochter Philomea in Berchtesgaden.

Ein neues Leben

Anfang des Jahres 2011 wird bei Thomas Huber ein Nierentumor diagnostiziert. Was folgt, sind Tage des Bangens, eine Operation und schwierige Zeiten für die Familien der Huberbrüder. Eine Expedition ins Karakorum muss abgesagt werden, doch Thomas Huber schaffte die Genesung. 2011 dreht er zusammen mit seinem Bruder und dem ZDF den wohl ersten Kletterfilm in 3D, das Video könnt ihr unten sehen.

Auszug aus dem Routenbuch

- 1992 Zweitdurchsteigung von "Shogun" (XI-/5.14b) in Berchtesgaden.
- 1994 Erste Rotpunkt-Begehung der alpinen Felsroute "The End of Silence" (X+/8b+), geklettert an einem Tag.
- 1996 Freie Begehung von "Salathé" (5.13b/8a+) am El Capitan. Ein Jahr zuvor hatte dies Bruder Alexander erstmals geschafft. Winterdurchsteigung der Eiger-Nordwand.
- 1997 Erste Begehung der Westwand des Latok II, 7108 Meter im Karakorum (2300 Meter, 5.10c/A3+).
- 1998 Erste Begehung von "El Niño" (5.13c/8a+) am El Capitan. Rotpunktbegehung von "Free Rider" (5.12d/7c) in 15 Stunden und 25 Minuten: Erste freie Begehung einer El Capitan-Route an einem Tag.
- 1999 Dritte Durchsteigung von "Dreamcatcher" (M9+), Thunklamm/Österreich. Zweite Besteigung der Südwestwand (1400 Meter, 55 bis 85 Grad) des Latok IV (6445 Meter), Karakorum.
- 2000 Erste Begehung des direkten Nordpfeilers am Shivling, 6543 Meter über die Route "Shiva´s Line" (1400 Meter, 5.10b/A4). Erstbegehung einer neuen Freikletterroute am El Capitan: "Golden Gate" (5.13.b)
- 2001 01. Juli 2001: Erstbesteigung des Ogre III, 6800 Meter. 21. Juli 2001: Zweite Besteigung des Ogre I, 7285 Meter
- 2003 15. Juni: Schnellste Durchsteigung des Klassikers "Zodiac" in 2:31,20 Stunden. 09. Oktober erste Rotpunktbegehung des Capitan-Klassikers "Zodiac" (X+).
- 2004 Besteigung des Westgipfels des Arwa Spire (6088 Meter) im indischen Garhwal Himalaya.
- 2005 Überschreitung von Torre Standhart - Herron - Torre Egger in Patagonien
- 2005 Anfang der Dreharbeiten zu Am Limit und Rekordversuch im Speed-Klettern an der Route The Nose scheitert nach schwerem Sturz von Bruder Alexander beim Training
- 2006 Versuch die Nordwände der drei Zinnen an einem Tag zusammen mit Dean Potter zu klettern und per Basejump zum Wandfuß zurückzukehren scheitert an einem Sehnenriss in Huberts Schulter
- 2006 Erneuter Rekordversuch auf der Route The Nose scheitert an Sturz von ihm
- 2007 Beim dritten Versuch verbessern die Brüder Huber den Rekord an der Nose auf 2:45,45h
- 2008: Erste Begehung der Silla Westwand "El Bastardo" in Patagonien
- 2008: Erstbegehungen in der Antarktis (Ulvetanna und Holtanna)
- 2009: Thomas Huber wiederholt sein Projekt von 2006 an den Drei Zinnen und ist dieses Mal erfolgreich
- 2009: Nameless Tower, "Eternal Flame", Karakorum

Ein Interview mit Thomas Huber findet ihr hier!

Die Huberbuam in 3D: Ihre Schicksalsroute "Karma" (Film 2011)



Buchveröffentlichungen
Thomas Huber: Ogre - Gipfel der Träume
175 Seiten (2002), BLV-Verlag, ISBN: 3-405-16374-9, Preis: 29,90 Euro

Thomas und Alexander Huber: The Wall
128 Seiten (2000), BLV-Verlag, ISBN: 3-405-15685-8, Preis: 12,75 Euro

Quellen
- www.bergfieber.de, Thomas Mitterer
- www.huberbuam.de, Thomas und Alexander Huber
Verwandte Fotoserien:
Weiterführende Informationen:
Bergfieber
www.huberbuam.de

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