Stile

bergleben.de am 17.01.2007 - 17:04 Uhr
Schon bei den Vorbereitungen auf eine Expedition muss man wissen, mit welchem Stil und welchem Material man sein Ziel erreichen will. Ein Blick in die Geschichtsbücher zeigt bereits einige Unterschiede.

Klassischer Expeditionsstil bis in die 1980er
So wurden die Erstbesteigungen der einzelnen 8.000er alle im klassischen Expeditionsstil durchgeführt. Aufgrund der großen Entfernungen und der umfangreichen Ausrüstung wurde die Hilfe von Trägern und Lasttieren genutzt, die Zelte, Klettermaterial und Verpflegung transportierten. In diesem klassischen Expeditionsstil gingen Bergsteiger bis in die 1980er Jahre meistens vor. Die Aufstiegsroute wird dabei mit Fixseilen versichert. Eine Lagerkette mit vielen Hochlagern, zwischen denen die Lasten durch die Träger hin und her bewegt werden, bieten eine gute Reserve und Sicherheit. Andere Quellen sprechen auch von der "sportlichen Zeit" seit den 1960ern, nachdem 1964 mit dem Shisha Pangma der letzte 8.000er erstbestiegen wurde. Ab dem Ende des Zeitalters der aufwendigen Expeditionen entwickelte sich das moderne Höhenbergsteigen, unter anderem geprägt durch Reinhold Messner.

Modernes Höhenbergsteigen
Das moderne Höhenbergsteigen ist durch verschiedene Techniken charakterisiert. Man unterscheidet den Bigwallstil, den Alpinstil, den Kapselstil und den Speedstil. Dabei geht es nicht mehr darum, den Berg zu besteigen, sondern ihn auf unbekannten Routen, ohne Helfer oder mit wenig Material zu erklimmen. Der Alpinstil ist bekannt aus dem Bergsteigen in den Alpen. Dabei verzichten die Bergsteiger auf Träger, feste Hochlager und die Sicherung durch Fixseile. Wie in den Alpen wird das Zelt und alles andere Notwendige mitgetragen und im Bedarfsfall genutzt. Der Bigwallstil ist gekennzeichnet durch einen Vorsteiger und einen Nachsteiger am fixierten Seil. Beim Kapselstil werden von einem Lager aus immer wieder Vorstöße in den Berg gewagt. Diese gehen solange bis sich die Ressourcen dem Ende zu neigen oder der nächste Lagerplatz erreicht wird. Hauptsächlich bei technisch sehr anspruchsvollen Begehungen nutzt man den Kapselstil. Die jüngste Art des modernen Höhenbergsteigens ist der Speedstil. Wie der Name schon sagt, geht es dabei um die Schnelligkeit. Der Bergsteiger versucht, mit möglichst leichter Ausrüstung so schnell wie möglich auf den Gipfel zu gelangen.

Mit Sauerstoff oder ohne?
Eine weitere, mitunter lebenswichtige Entscheidung, die der Bergsteiger vorher treffen muss, ist, ob er mit oder ohne Sauerstoffgerät den Aufstieg wagen will. Beim Expeditionsstil wurden häufig auch Atemmasken verwendet. Gerade oberhalb der Todeszone kann so der fehlende Sauerstoff ausgeglichen werden. Dass es aber auch ohne Atemgeräte funktioniert bewies Messner 1978, als er mit seinem Seilschaft-Kollegen Peter Habeler den Gipfel des Mount Everest ohne künstlichen Sauerstoff erreichte. Damit gab sich Messner aber auch noch nicht zufrieden. Zwei Jahre später erklomm er erneut den höchsten Berg der Welt und zwar ganz alleine. Allerdings war er nicht der Erste, dem eine Besteigung eines 8.000ers ohne Sauerstoffgerät und im Alleingang gelang. Dies gebührt Hermann Buhl, der den Nanga Parbat im Alleingang am 3. Juli 1953 erklomm.

Winterbesteigungen
Einen weiteren Unterschied macht die Jahreszeit aus. Im Normalfall ist eine Winterbesteigung aufgrund der witterungsbedingten Schwierigkeiten höher einzuschätzen. Allerdings wird dabei nicht auf die wirklichen Wetterverhältnisse Rücksicht genommen, sondern das Datum als entscheidendes Kriterium angesehen. So gelten Winterbesteigungen generell von Dezember bis März. Im Himalaya wird meist bereits eine Besteigung im November als Winterbesteigung eingetragen.
Cho Oyo Expedition DAV Expeditionskader Mustagh Ata Expedition 2005
Fotoserie: Stile

ANZEIGE

Frage
Eure Lieblingsausrede für den Misserfolg in einer Route/einem Boulder?

ANZEIGE