Buchlis Blog: Vor den Toren Istanbuls
Jürg Buchli am 18.07.2008 - 09:35 Uhr
Die schönen Seiten des 14. Juli
Die zweite Hälfte des Tages führte uns über einen längeren Pass, zuerst durch Rebberge (Foto), dann durch Wald, in ein Badeparadis Bulgariens. Nesebar verfügt über eine große Geschichte und antike Gebäude. Ich fuhr die paar Kilometer hinaus auf die Halbinsel, entlang der Marina und des Fischerhafens (Foto). Schließlich stärkte ich mich in einem hübsch gelegenen Restaurant auf der Rückseite der Halbinsel (Foto) mit einem Teller Spaghetti und zwei großen Radlern! Der Ort verfügt über eine gemütliche Atmosphäre mit vielen kleinen Gebäuden, Restaurants und Geschäften (mehrheitlich Souvenirs). Am Festland dominiert die Kultur der großen Hotels. Der Bauboom ist voll im Gang. Wir übernachteten in Aheloy, einem kleineren Ort ein wenig südlicher. Zuerst nahm ich mein obligatorisches Bad im Schwarzen Meer. Dies war wohl ein Muss an einem neuen Ort. In Varna wäre das Wasser allerdings schöner gewesen. Dann ging ich zur Erholung in den Pool unseres Hotels - ein kleines Familienhotel mit einer deutsch-sprechenden Chefin. Ein Vorteil für mich. Am Abend spielte ein Alleinunterhalter, begleitet von einer Sängerin, das hieß ein großer Tanz- und Unterhaltungsabend war angesagt - wie im Urlaub!
Der Test an der türkischen Grenze
Bei der Abfahrt brach meine Lieblingssonnenbrille (schon mehrfach geflickt). Da ich geschliffene Gläser brauche, grub ich meine Ersatzbrille im Van aus. Mein "permanent bag" war natürlich in der hintersten Reihe, zuunterst im Van. Unterwegs in den flachgezogenen, langen Steigungen holte ich Joss ein. Er wedelte mit der Hand vor dem Gesicht hin und her. Es ging mir ebenso. Wir fühlten uns wie Kühe oder Pferde, auf denen die Fliegen im Gesicht rumsitzen. Immerhin hatten wir nicht nur den Schwanz, um uns zu wehren. Joss verschwand im Wald mit Durchfall. Ich gab ihm von meinen Similisankügelchen für Magen-Darmprobleme. Nach einer halben Stunde überholte er mich. Er war schon der dritte Biker, der mit den homöopathischen Kügelchen Heilung fand. (Danke an Thomas Roth, der mir als Drogist in Meilen anlässlich der Voga Longa in Venedig aushalf. Seither sind die Kügelchen oft im Einsatz!) In einem kleinen Dorf hielten wir, um Getränke zu kaufen. Ein Akkordeonspieler stieß dazu und unterhielt uns nicht nur mit einheimischen Liedern, sondern auch mit westlicher Musik (Foto). Bald stand das halbe Dorf um uns herum (Foto). In Malko Tarnovo angekommen nahm ich auf dem Dorfplatz wieder einen Teller Spaghetti, Pilze in Butter und 1.5 Liter Wasser. Den gebratenen Schafskäse, den ich infolge eines Missverständnisses bekam, aß ich ebenfalls auf. Nach einem Kaffee widmete ich mich meinem Projekt "4.000 km" - ich fuhr zur Rekognoszierung zur türkischen Grenze hoch (Foto). Richtig, leider ging es die ganzen 10 km hoch. Im ganzen passierte ich vier Kontrollposten bis ich mich über die Visadetails erkundigen konnte. Schweizer sind gratis, die meisten Länder kosten 15 oder 20 Dollar, Kanada 60 Dollar! Obwohl dies einer der wenigen Übergänge war, war nix los auf der Straße und am Zoll. Der Türke fragte nach dem Grund unserer Reise von Paris nach Istanbul . Als ich sagte: "fun, pleasure" hielt er sich den Bauch vor Lachen. Der eine bulgarische Zöllner sprach gut deutsch. Wir unterhielten uns auch über MWST. Er empfahl in Malko Tarnovo nicht zu campieren; dies sei gefährlich, da es im Gras viele Insekten, die beissen würden, gäbe.
Nächste Reise ohne großen Anhang
Auf der Rückfahrt hinunter nach Malko Tarnovo hielt ich bei einem Wanderer mit großem Rucksack, den ich beim Hochfahren sah. Es war ein Pole, der eigentlich nicht Wanderer ist, sondern Autostopper beziehungsweise Anhalter. Er war auf der Heimreise von Armenien und Georgien, welches er sehr lobte. Es sei nicht mehr gefährlich. Weiter unten traf ich auf ein Ehepaar aus Leipzig, das per Rad mit Sack und Pack (sprich Zelt) unterwegs war und gerade wilde Marillen am Straßenrand aß. Sie sahen mein Schild am Bike und sagten: "Ah, auch einer von denen." Die anderen seien im Dorf im Swimmingpool. Ich wollte nicht auch einer von denen sein und beschloss, die nächste Reise ohne großen Anhang zu machen.
Ausschalfen bis 5:45 Uhr
Der Swimmingpool war ok, unsere Poulets vom Grill auch, das Dormatory hatte 3er-Zimmer. Ich wollte um 5:30 Uhr los, um nach der Ankunft in Kirklareli (nur 51 km) noch etwas weiter zu fahren und kaufte noch schnell mein eigenes Frühstück im Laden (offen bis 21 Uhr!). Ich fühlte mich jedoch halb krank: Durchfall, Übelkeit. Also Kügeli rein. Schlafen konnte niemand, die Hunde bellten bis Mitternacht im Sekundentakt. Dann erwachte ich und nahm ein Motilium gegen die Übelkeit. Nichts mit Frühstart, sinnnlos. Um 4 Uhr erwachten alle: ein Riesengewitter mit allem drum und dran (auch Bäume lagen am nächsten Tag auf der Straße), das schon beim Nachtessen in der Luft lag - also ausschlafen bis 5:45 Uhr.
Ein überforderter Zöllner
Bei der Abfahrt war es kühl mit gelegentlichen Tropfen. Beim Zoll lagen Nebelschwaden. Gleich hinter mir folgte eine kleine Gruppe. Dies war zuviel für den Zöllner und er ließ uns nicht mehr passieren wie die drei Biker vor uns. Er wollte nun die ganze Gruppe zusammen nehmen. Das hieß eine Stunde warten. Sein nächster Vorschlag waren 25 Fahrer, dann zehn. Wir waren aber nur neun. Dann kamen dafür gleich drei auf einmal! Beim Türken wusste ich, wo es lang geht und dann gleich stempeln und durch. Leichter Regen, Riesenbaustelle... Am Vortag hatte ich die Tafel gesehen: Projekt EU-Türkei-Bulgarien, 5 Mio Euro für den Ausbau. Der Belag war mit einer Schicht Dreck überzogen. Ich testete die Grenze des Rutschens beim Vorder- und Hinterrad. Beinahe wäre es zuviel gewesen. (Terry war weniger vorsichtig und musste einmal zu Boden. Bernice war am Vortag von der Straße abgekommen und versuchte wieder drauf zu kommen. Als ich die Geschichte hörte, sagte ich spontan: Vorderrad anheben. Alle haben gleich reagiert. Das ist aber nicht jedermanns Sache, sondern ein Privileg von Mountainbikern. Folge: Knie außen und innen etwas defekt; heute ist sie im Bus.)
Geschichte "vom alten Mann und das Meer" erlebt
Unterwegs gab es wenige Dörfer, aber wenn, dann mit Moschee (Foto). Von Kirklareli nahm ich die richtungsgetrennte Autobahn Richtung Istanbul und freute mich am 2.5 Meter breiten Pannenstreifen (alles neu!) und am kräftigen Rückenwind. Beim Drehen (geht nur etwa alle 5-10 km) aß ich einen Apfel und Schokolade. Zwei Bäuerinnen kamen vorbei und zogen je einen blühenden Busch hinter sich her. Wir teilten die Schokolade und sie zogen weiter, wie weit wohl noch (Foto). Das Bild erinnerte mich an Hemingways Geschichte vom "alten Mann und das Meer", von dessen aus dem Meer gefangenen Fisch beim Eintreffen im Hafen nichts mehr übrig war außer Knochen. Wahrscheinlich sind Büsche, die man auf der Straße zieht, robuster. Die 20 km Rückfahrt im Gegenwind waren weniger spaßig, so nahm ich es easy. Auf einer Autobahnraststätte (Gedeckte Halle mit Bar und Stühlen drinnen und draußen) stand auch ein Kiosk. Ich kaufte bei der Frau eine Cola und Salzgebäck (für den Magen), das dann doch Süssgebäck war. Da sie Bulgarin war, gab ich ihr mein übrig gebliebenes bulgarisches Kleingeld. Sie nahm es fast nicht an. In einem Vorort versuchte ich mein Glück in einem Internet Café. Da ich noch nicht wusste, dass ein i auf der Tastatur kein i ist, funktionierte mein Passwort nicht. Dafür befand sich die halbe Dorfjugend im Café (Foto), in dem man immer auch "gamen" kann.
Kirklareli, der Geheimtipp in der Westtürkei
Kirklareli ist eine lebendige, türkische Kleinstadt mit 60.000 Einwohnern und für mich überraschenderweise mit einer großen Fußgänger- und Einkaufszone. Alles einfach vor der Tür. Am Abend waren wir von der Stadt eingeladen, besichtigten auf einem kleinen Hügel in der Stadt alte, restaurierte griechische Häuser und gingen dann zum Apéro und Nachtesssen. Sehr großzügig! Der Abend wird uns allen besser in Erinnerung bleiben als eine der anderen, teils beliebigen Übernachtungen. Leider hatten wir eine üble Story mit unserem so genannten "save" oder eher "un-save", indem (viel) Geld fehlte. Noch ist unklar, ob dies je geklärt werden kann.
Mission completed
Heute ist Ruhetag. Um 6 Uhr saß ich auf dem Bike und genoss den Sonnnenaufgang. Leider führt unser Weg morgen nicht über den Highway, sondern übers Land, ziemlich hügelig. Mit diesen letzten 35 km bin ich im Budget und habe noch etwas Reserve. Auf der Rückfahrt kam ich bei den gleichen fünf Hunden vom Morgen vorbei, es waren nun aber etwa sieben. Am Morgen waren sie damit beschäftigt, sich gegenseitig anzubellen, nun hatten sie es aber auf mich abgesehen. Ich hatte zwar mein Anti-Hund-Funkgerät im Trikot, doch mehrere Hunde auf einmal ist immer eine ungünstige Ausgangslage. Ich beschleunigte bereits auf 42 km/h, benötigte aber noch den zweiten Fahrbahnstreifen (überholte dann noch einen Bus). Sie kamen nicht näher als fünf Meter heran und hatten den kürzeren Atem. Morgen fahre ich nicht mehr da durch!!!
Spinnen die Türken auch?
Zum Abschluss fuhr ich zum Spaß noch ein paar Kilometer auf dem Highway und was sah ich da von weitem? Drei Jogger. Nun spinnen die Türken auch. Nein, natürlich nicht, es waren drei von uns. Beim anschließenden ausgiebigen Frühstück versuchten wir einen Konsens zwischen Anhängern der Evolutions- und der Schöpfungstheorie zu finden. Vergeblich. Spaß macht's alleweil. Wir genossen das türkische Tagesleben mit Mittagessen, türkischem Café etc.
Nur die Erinnerungen werden bleiben
Nun folgen noch drei Bike-Tage, dann zwei Stadttage in Istanbul und schließlich wird alles vorbei sein, nur die Erinnerungen (und die Fotos) werden bleiben.
bis zum nächsten und letzten Mal
keep the rubber side down !!!
Jürg Buchli
Fotoserie: Buchlis Blog: Vor den Toren Istanbuls
Die zweite Hälfte des Tages führte uns über einen längeren Pass, zuerst durch Rebberge (Foto), dann durch Wald, in ein Badeparadis Bulgariens. Nesebar verfügt über eine große Geschichte und antike Gebäude. Ich fuhr die paar Kilometer hinaus auf die Halbinsel, entlang der Marina und des Fischerhafens (Foto). Schließlich stärkte ich mich in einem hübsch gelegenen Restaurant auf der Rückseite der Halbinsel (Foto) mit einem Teller Spaghetti und zwei großen Radlern! Der Ort verfügt über eine gemütliche Atmosphäre mit vielen kleinen Gebäuden, Restaurants und Geschäften (mehrheitlich Souvenirs). Am Festland dominiert die Kultur der großen Hotels. Der Bauboom ist voll im Gang. Wir übernachteten in Aheloy, einem kleineren Ort ein wenig südlicher. Zuerst nahm ich mein obligatorisches Bad im Schwarzen Meer. Dies war wohl ein Muss an einem neuen Ort. In Varna wäre das Wasser allerdings schöner gewesen. Dann ging ich zur Erholung in den Pool unseres Hotels - ein kleines Familienhotel mit einer deutsch-sprechenden Chefin. Ein Vorteil für mich. Am Abend spielte ein Alleinunterhalter, begleitet von einer Sängerin, das hieß ein großer Tanz- und Unterhaltungsabend war angesagt - wie im Urlaub!
Der Test an der türkischen Grenze
Bei der Abfahrt brach meine Lieblingssonnenbrille (schon mehrfach geflickt). Da ich geschliffene Gläser brauche, grub ich meine Ersatzbrille im Van aus. Mein "permanent bag" war natürlich in der hintersten Reihe, zuunterst im Van. Unterwegs in den flachgezogenen, langen Steigungen holte ich Joss ein. Er wedelte mit der Hand vor dem Gesicht hin und her. Es ging mir ebenso. Wir fühlten uns wie Kühe oder Pferde, auf denen die Fliegen im Gesicht rumsitzen. Immerhin hatten wir nicht nur den Schwanz, um uns zu wehren. Joss verschwand im Wald mit Durchfall. Ich gab ihm von meinen Similisankügelchen für Magen-Darmprobleme. Nach einer halben Stunde überholte er mich. Er war schon der dritte Biker, der mit den homöopathischen Kügelchen Heilung fand. (Danke an Thomas Roth, der mir als Drogist in Meilen anlässlich der Voga Longa in Venedig aushalf. Seither sind die Kügelchen oft im Einsatz!) In einem kleinen Dorf hielten wir, um Getränke zu kaufen. Ein Akkordeonspieler stieß dazu und unterhielt uns nicht nur mit einheimischen Liedern, sondern auch mit westlicher Musik (Foto). Bald stand das halbe Dorf um uns herum (Foto). In Malko Tarnovo angekommen nahm ich auf dem Dorfplatz wieder einen Teller Spaghetti, Pilze in Butter und 1.5 Liter Wasser. Den gebratenen Schafskäse, den ich infolge eines Missverständnisses bekam, aß ich ebenfalls auf. Nach einem Kaffee widmete ich mich meinem Projekt "4.000 km" - ich fuhr zur Rekognoszierung zur türkischen Grenze hoch (Foto). Richtig, leider ging es die ganzen 10 km hoch. Im ganzen passierte ich vier Kontrollposten bis ich mich über die Visadetails erkundigen konnte. Schweizer sind gratis, die meisten Länder kosten 15 oder 20 Dollar, Kanada 60 Dollar! Obwohl dies einer der wenigen Übergänge war, war nix los auf der Straße und am Zoll. Der Türke fragte nach dem Grund unserer Reise von Paris nach Istanbul . Als ich sagte: "fun, pleasure" hielt er sich den Bauch vor Lachen. Der eine bulgarische Zöllner sprach gut deutsch. Wir unterhielten uns auch über MWST. Er empfahl in Malko Tarnovo nicht zu campieren; dies sei gefährlich, da es im Gras viele Insekten, die beissen würden, gäbe.
Nächste Reise ohne großen Anhang
Auf der Rückfahrt hinunter nach Malko Tarnovo hielt ich bei einem Wanderer mit großem Rucksack, den ich beim Hochfahren sah. Es war ein Pole, der eigentlich nicht Wanderer ist, sondern Autostopper beziehungsweise Anhalter. Er war auf der Heimreise von Armenien und Georgien, welches er sehr lobte. Es sei nicht mehr gefährlich. Weiter unten traf ich auf ein Ehepaar aus Leipzig, das per Rad mit Sack und Pack (sprich Zelt) unterwegs war und gerade wilde Marillen am Straßenrand aß. Sie sahen mein Schild am Bike und sagten: "Ah, auch einer von denen." Die anderen seien im Dorf im Swimmingpool. Ich wollte nicht auch einer von denen sein und beschloss, die nächste Reise ohne großen Anhang zu machen.
Ausschalfen bis 5:45 Uhr
Der Swimmingpool war ok, unsere Poulets vom Grill auch, das Dormatory hatte 3er-Zimmer. Ich wollte um 5:30 Uhr los, um nach der Ankunft in Kirklareli (nur 51 km) noch etwas weiter zu fahren und kaufte noch schnell mein eigenes Frühstück im Laden (offen bis 21 Uhr!). Ich fühlte mich jedoch halb krank: Durchfall, Übelkeit. Also Kügeli rein. Schlafen konnte niemand, die Hunde bellten bis Mitternacht im Sekundentakt. Dann erwachte ich und nahm ein Motilium gegen die Übelkeit. Nichts mit Frühstart, sinnnlos. Um 4 Uhr erwachten alle: ein Riesengewitter mit allem drum und dran (auch Bäume lagen am nächsten Tag auf der Straße), das schon beim Nachtessen in der Luft lag - also ausschlafen bis 5:45 Uhr.
Ein überforderter Zöllner
Bei der Abfahrt war es kühl mit gelegentlichen Tropfen. Beim Zoll lagen Nebelschwaden. Gleich hinter mir folgte eine kleine Gruppe. Dies war zuviel für den Zöllner und er ließ uns nicht mehr passieren wie die drei Biker vor uns. Er wollte nun die ganze Gruppe zusammen nehmen. Das hieß eine Stunde warten. Sein nächster Vorschlag waren 25 Fahrer, dann zehn. Wir waren aber nur neun. Dann kamen dafür gleich drei auf einmal! Beim Türken wusste ich, wo es lang geht und dann gleich stempeln und durch. Leichter Regen, Riesenbaustelle... Am Vortag hatte ich die Tafel gesehen: Projekt EU-Türkei-Bulgarien, 5 Mio Euro für den Ausbau. Der Belag war mit einer Schicht Dreck überzogen. Ich testete die Grenze des Rutschens beim Vorder- und Hinterrad. Beinahe wäre es zuviel gewesen. (Terry war weniger vorsichtig und musste einmal zu Boden. Bernice war am Vortag von der Straße abgekommen und versuchte wieder drauf zu kommen. Als ich die Geschichte hörte, sagte ich spontan: Vorderrad anheben. Alle haben gleich reagiert. Das ist aber nicht jedermanns Sache, sondern ein Privileg von Mountainbikern. Folge: Knie außen und innen etwas defekt; heute ist sie im Bus.)
Geschichte "vom alten Mann und das Meer" erlebt
Unterwegs gab es wenige Dörfer, aber wenn, dann mit Moschee (Foto). Von Kirklareli nahm ich die richtungsgetrennte Autobahn Richtung Istanbul und freute mich am 2.5 Meter breiten Pannenstreifen (alles neu!) und am kräftigen Rückenwind. Beim Drehen (geht nur etwa alle 5-10 km) aß ich einen Apfel und Schokolade. Zwei Bäuerinnen kamen vorbei und zogen je einen blühenden Busch hinter sich her. Wir teilten die Schokolade und sie zogen weiter, wie weit wohl noch (Foto). Das Bild erinnerte mich an Hemingways Geschichte vom "alten Mann und das Meer", von dessen aus dem Meer gefangenen Fisch beim Eintreffen im Hafen nichts mehr übrig war außer Knochen. Wahrscheinlich sind Büsche, die man auf der Straße zieht, robuster. Die 20 km Rückfahrt im Gegenwind waren weniger spaßig, so nahm ich es easy. Auf einer Autobahnraststätte (Gedeckte Halle mit Bar und Stühlen drinnen und draußen) stand auch ein Kiosk. Ich kaufte bei der Frau eine Cola und Salzgebäck (für den Magen), das dann doch Süssgebäck war. Da sie Bulgarin war, gab ich ihr mein übrig gebliebenes bulgarisches Kleingeld. Sie nahm es fast nicht an. In einem Vorort versuchte ich mein Glück in einem Internet Café. Da ich noch nicht wusste, dass ein i auf der Tastatur kein i ist, funktionierte mein Passwort nicht. Dafür befand sich die halbe Dorfjugend im Café (Foto), in dem man immer auch "gamen" kann.
Kirklareli, der Geheimtipp in der Westtürkei
Kirklareli ist eine lebendige, türkische Kleinstadt mit 60.000 Einwohnern und für mich überraschenderweise mit einer großen Fußgänger- und Einkaufszone. Alles einfach vor der Tür. Am Abend waren wir von der Stadt eingeladen, besichtigten auf einem kleinen Hügel in der Stadt alte, restaurierte griechische Häuser und gingen dann zum Apéro und Nachtesssen. Sehr großzügig! Der Abend wird uns allen besser in Erinnerung bleiben als eine der anderen, teils beliebigen Übernachtungen. Leider hatten wir eine üble Story mit unserem so genannten "save" oder eher "un-save", indem (viel) Geld fehlte. Noch ist unklar, ob dies je geklärt werden kann.
Mission completed
Heute ist Ruhetag. Um 6 Uhr saß ich auf dem Bike und genoss den Sonnnenaufgang. Leider führt unser Weg morgen nicht über den Highway, sondern übers Land, ziemlich hügelig. Mit diesen letzten 35 km bin ich im Budget und habe noch etwas Reserve. Auf der Rückfahrt kam ich bei den gleichen fünf Hunden vom Morgen vorbei, es waren nun aber etwa sieben. Am Morgen waren sie damit beschäftigt, sich gegenseitig anzubellen, nun hatten sie es aber auf mich abgesehen. Ich hatte zwar mein Anti-Hund-Funkgerät im Trikot, doch mehrere Hunde auf einmal ist immer eine ungünstige Ausgangslage. Ich beschleunigte bereits auf 42 km/h, benötigte aber noch den zweiten Fahrbahnstreifen (überholte dann noch einen Bus). Sie kamen nicht näher als fünf Meter heran und hatten den kürzeren Atem. Morgen fahre ich nicht mehr da durch!!!
Spinnen die Türken auch?
Zum Abschluss fuhr ich zum Spaß noch ein paar Kilometer auf dem Highway und was sah ich da von weitem? Drei Jogger. Nun spinnen die Türken auch. Nein, natürlich nicht, es waren drei von uns. Beim anschließenden ausgiebigen Frühstück versuchten wir einen Konsens zwischen Anhängern der Evolutions- und der Schöpfungstheorie zu finden. Vergeblich. Spaß macht's alleweil. Wir genossen das türkische Tagesleben mit Mittagessen, türkischem Café etc.
Nur die Erinnerungen werden bleiben
Nun folgen noch drei Bike-Tage, dann zwei Stadttage in Istanbul und schließlich wird alles vorbei sein, nur die Erinnerungen (und die Fotos) werden bleiben.
bis zum nächsten und letzten Mal
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