Leistungsdiagnostik – Was sie bringt, wem sie nutzt

bergleben.de am 29.04.2010 - 09:00 Uhr
Leistungsdiagnostik – Was sie bringt, wem sie nutzt
Eine Leistungsdiagnostik verrät einem Sportler, wie seine aktuelle körperliche Leistungsfähigkeit ist und wo er noch Defizite hat. Sie stellt somit eine gute Basis für seine Trainingsplanung und -steuerung dar. Doch für wen lohnt sich eine solche Leistungsdiagnostik überhaupt?

Verfahren zur Leistungsdiagnostik
Seine Leistungsfähigkeit kann man bei Sportmedizinern, Trainingswissenschaftlern oder in Fitnessstudios testen lassen, die über das entsprechende Equipment verfügen. Üblicherweise werden zwei Verfahren zur Leistungsdiagnostik eingesetzt: einerseits der Laktatstufentest, andererseits die Atemgasanalyse. Manche Anbieter kombinieren diese beiden Messverfahren miteinander.

Laktatstufentest: So funktioniert’s, das bringt’s
Ein Laktatstufentest ermöglicht einen Einblick in den muskulären Stoffwechsel. Eine solche Messung wird bei Radrennfahrern und Mountainbikern auf einem Fahrrad-Ergometer durchgeführt. Dabei wird der Tretwiderstand im Abstand von ein paar Minuten schrittweise erhöht. Unmittelbar vor jeder Wattsteigerung wird dem Probanden am Ohrläppchen ein wenig Blut entnommen und hinsichtlich des Laktatanteils (Salze der Milchsäure) analysiert. Parallel wird die Herzfrequenz gemessen. Der Test ist vorbei, wenn der Körper das zur Übersäuerung der Muskulatur führende Stoffwechselprodukt Laktat nicht mehr schnell genug abbauen kann. Als Richtwert für diese so genannte aerob-anaerobe Schwelle wird häufig eine Konzentration von 4 Millimol Laktat pro Liter Blut angegeben. Nicht selten wird ein Laktatstufentest aber noch fortgesetzt, um zu sehen, wie lange der Sportler seine Leistung noch aufrechterhalten kann (Laktattoleranz). Anhand dieser Daten kann der zuständige Sportmediziner, Trainingswissenschaftler oder Fitnesstrainer nun die Trainingsbereiche des Athleten ermitteln und ihm Empfehlungen für seinen optimalen Trainingspuls beziehungsweise die optimale Wattleistung geben. Je nach Anbieter, liegt der Preis für einen solchen Laktatstufentest zwischen 50 und 200 Euro.

Atemgasanalyse: Maske statt Nadel
Das Prozedere einer Atemgasanalyse (oder Spiroergometrie) unterscheidet sich nur geringfügig von dem eines Laktatstufentests. Deshalb können beide Verfahren theoretisch auch parallel angewandt werden. Wieder sitzt der Proband bei stufenweise größer werdendem Widerstand auf einem Fahrradergometer oder einem Rollenrad. Bei einer Atemgasanalyse wird über eine luftdicht verschlossene Maske ermittelt, welchen Anteil der eingeatmeten Luft der Athlet tatsächlich zur Energiegewinnung verwerten kann. Anhand dieser Resultate erhält der Sportler am Ende Trainingsrichtwerte (nach Herzfrequenz bzw. Wattzahl). Der Preis für eine Atemgasanalyse bewegt sich üblicherweise im Bereich von 100 bis 200 Euro. Unter Umständen lohnt es sich jedoch, die beiden geschilderten Messverfahren parallel über sich ergehen zu lassen. Der Preis ist in der Regel unwesentlich höher als bei einer einzelnen Analyse, die Ergebnisse sind jedoch noch präziser.


Für wen macht eine Leistungsdiagnostik überhaupt Sinn?
„Die optimale Trainingsherzfrequenz ist eine sehr individuelle Angelegenheit. Geschlecht, Alter oder genetische Voraussetzungen sind nur drei von vielen Parametern, die hier eine Rolle spielen. Deswegen hilft eine Leistungsdiagnostik prinzipiell jedem dabei, sein Training zu optimieren“, sagt der Sportmediziner Dr. med. Markus Klingenberg. Allerdings ist diese Art der Trainingssteuerung wohl eher etwas für ambitionierte Sportler, die sich das Ziel gesetzt haben, einen Wettkampf zu bestreiten oder dies bereits regelmäßig tun. Wer nur sehr unregelmäßig auf sein Bike steigt oder keine sportlichen Ambitionen hegt, dem genügt es, nach Gefühl zu fahren und im Zweifel im wahrsten Sinne des Wortes einfach einen Gang runter zu schalten. Ihm muss jedoch auch klar sein, dass irgendwann womöglich keine Leistungssteigerung mehr drin ist. Doch dann ist immer noch Zeit für eine Leistungsdiagnostik.

Unabdingbar: Training mit Pulsuhr
Wer sich einmal für eine Leistungsdiagnostik entschieden hat, sollte sich danach unbedingt an die Trainingsempfehlungen halten. Dies geht nur, wenn man seinen Puls im Training und im Wettkampf kontrolliert und sich an die Vorgaben für die Trainingskorridore (Regeneration/Kompensation, Grundlagenausdauerbereich 1 & 2, Entwicklungsbereich, Schwellenbereich, wettkampfspezifische Ausdauer) hält. Daher sollte man als weiteren Kostenfaktor den Kauf einer Pulsuhr im Hinterkopf haben – sofern man noch keine besitzt. Doch zur allgemeinen Beruhigung: Basis-Pulsuhren mit den nötigen Funktionen für eine Pulskontrolle (aktuelle Herzfrequenz, Durchschnittspuls, Stoppuhr) erhält man auch von Markenherstellern bereits für knapp 40 Euro. Wenn es technisch etwas aufwändiger sein soll, muss man dagegen schon einen dreistelligen Betrag anlegen.

Re-Tests helfen bei der Kontrolle
Noch ein Tipp für „Leistungsdiagnostik-Debütanten“: Drei bis vier Monate nach der ersten Analyse empfiehlt es sich, einen Re-Test zu machen. Dr. med. Markus Klingenberg erklärt den Grund: „Wer gerade erst angefangen hat, sich an bestimmte Herzfrequenzen im Training zu halten, macht häufig in kurzer Zeit einen Leistungssprung. Das kann dazu führen, dass sich auch die Trainingsbereiche rasch verändern. Je erfahrener man wird, desto seltener ist dann ein Test von Nöten. Leistungssportlern etwa reichen ein bis zwei pro Jahr.“

Autor: Marco Heibel

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Frage
Wenn ihr euch heute ein neues Bike kaufen würdet, was für eines wäre das?

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