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Whole Enchilada Trail in Utah: Die wahrscheinlich beste Mountainbike-Tour der Welt

5. Oktober 2012 | bergleben.de

Unterwegs auf den Moab Trails - ©Norbert Eisele-Hein/srt

Moab Trails

Copyright: Norbert Eisele-Hein/srt

"The Whole Enchilada ist der bei weitem abwechslungsreichste, technisch und konditionell anspruchsvollste und landschaftlich schönste Trail, den ich je gefahren bin. Ich glaube nicht, dass es irgendwo auf der ganzen Welt nochmal so eine Hammertour gibt", sagt John Pompano, einer der User auf www.singletracks.com. "Kompletter Downhill-Wahnsinn". "Fünfzig Kilometer purer Flow". "Unendlicher Singletrail durch gnadenlosen Edelwestern" - die Schwärmereien finden auf der Webseite kein Ende. Zumal rings um Moab, einer der Geburtsstätten des Mountainbike-Sports, die Berge ohnehin nur von Trails der Extraklasse zerfurcht werden.

Bereits 1969 wurde hier die Schwerkraft neu definiert. Damals, als die Mountainbike-Bewegung noch nicht mal in den Kinderschuhen steckte, wurde mit dem Slickrock-Parcours eine haarsträubende Strecke zur "Mutter aller Trails". Slickrock steht für versteinerte Sanddünen, deren Oberfläche im Verlauf von Jahrmillionen erodiert ist. Auf diesem Schmirgelpapier haftet der Reifengummi wie Marmelade an den Fingern. Der gewaltige Strom des Colorado zersägt Utah regelrecht von Nordosten nach Südwesten und ist für einen Großteil der fantastischen Canyons rings um Moab verantwortlich. Er hat die Kleinstadt zu einem florierenden Epizentrum des "Outdoor-Booms" gemacht: In den überhängenden Granitwällen tummeln sich Extremkletterer, auf den furchteinflößenden Schaumkronen des Colorado River tänzeln Kajaks und auf dem Meer aus versteinerten Kamelbuckeln turnen Biker.

"The Whole Enchilada"-Trail wurde erst Mitte 2007 freigegeben. Seither gilt er in Insider-Kreisen unangefochten als die schönste Biketour der Welt. Auch die Traumtrails "Burro Pass", "Hazard County", "Kokopelli" und "Porcupine Rim", alle miteinander verknüpft, lassen Bikerherzen höher schlagen und starten in den häufig schneegekrönten Monti La Sal-Mountains auf 3500 Metern Seehöhe - fast auf Großglockner-Niveau. Jeden Morgen stehen die Shuttle-Busse vor dem Poison Spider-Bikeshop bereit und karren die nervös mit den Hufen scharrenden Biker direkt ins Abenteuer auf knapp 3100 Meter hinauf. Die ersten Höhenmeter schrauben sich steil und schwierig in die Höhe. Selbst beim Schieben hämmert der Puls in der dünnen Höhenluft im Stakkato gegen die Schläfen. Die 400 Meter Uphill und 50 Kilometer feinste Downhill-Pisten sind gemessen an unseren alpinen Verhältnissen ein echtes Schnäppchen. Oben haben alle Biker ein selig-breites Grinsen im Gesicht, sofort verschwinden alle johlend in einer Staubwolke.

Vor der Kulisse der häufig verschneiten La Sal-Berge führen endlose Kehren durch ausgedehnte Espenwälder. Zahlreiche Flussläufe sorgen für Kühlung der Waden, die passende Kriegsbemalung aus Schlammspritzern, und lassen die Dämpfer wie wild zappeln. Der Kokopelli-Trail führt auf schmalen Schotterpisten und steilen Felspassagen zielstrebig zur markanten Abrisskante des Wilson Mesa-Plateaus. Hier öffnet sich der Blick auf das etliche Hundert Meter tiefer gelegene Castle-Valley. Immer haarscharf am Abgrund der Porcupine Rim entlang führt ein Mix aus Sand und Slickrocks zum Ende des Grats. Enge Haarnadelkurven fräsen sich ab Kilometer 45 zum großen Finale durch eine steile Felswand zurück zum Highway. Zum Glück sprudelt zwei Kilometer Richtung Moab links aus einer Felsnische frisches Quellwasser. Dort liegen Biker mit hochgelagerten Beinen und Adrenalin verklärten Pupillen, und füllen literweise Wasser in ihre ausgepumpten, aber glücklichen Körper.

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Aber völlig egal, in welche Himmelsrichtung man sein Mountainbike lenkt, sofort dudelt eine Endlosschleife mit Westernmelodien im Gehirn. Die unzähligen Biketrails rings um Moab führen allesamt durch eine bizarre Westernkulisse. Nirgends lässt sich der Jahresurlaub schöner abstrampeln. Wahrlich, der Colorado hat ganze Arbeit geleistet, sich mehrere Hundert Meter tief durch die Felsen gewühlt und dabei zahlreiche Sandsteinbögen und großartige Felsformationen hinterlassen. Auf dem Poison Spider Loop wartet ein wenige Meter breiter, aber zu beiden Seiten jäh abfallender Steinbogen auf die Befahrung - nichts für schwache Nerven. Konditionsstarken Bikern offenbart der White Rim-Trail einen echten Leckerbissen: zum Teil haarsträubend exponiert, immer an der weißen Kante des Colorado Canyons entlang. Profis fahren die 85 Meilen an einem Tag. Organisiert und mit einem Begleitfahrzeug wird daraus ein Viertagesausflug für jedermann mit einer wahren Überdosis an Langerfeuer-Romantik.

Nach getanem Job treffen sich Biker, Kletterer und Kajaker bei Milt's Stop&Eat. Dort werden seit 1954 Burger von Hand mit den Wunschzutaten belegt und frisch zubereitet. Der absolute Favorit ist der Double-Chillie-Cheese-Burger. Der passt zwar kaum zwischen die Zähne, aber nach Moabs verschärften Traumtrails kommt er gerade richtig!

Weitere Informationen:

Gratis Karten und Prospekte verschickt:
Utah Office of Tourism, c/o Get It Across Marketing & PR, Neumarkt 33, 50667 Köln, Tel. 0221/23364-06, Fax: 23364-50, E-Mail über www.visitutah.com.
Zum Trail: www.singletracks.com;
www.utahmountainbiking.com.
Anreise: Am besten nach Salt Lake City, der Hauptstadt Utahs. Dann weiter mit einem Mietwagen.
Beste Reisezeit: Mai und Juni sowie von Mitte September bis Oktober. In den Sommermonaten wird es in der Wüste brüllend heiß.
Sämtliche Outdooraktivitäten in Moab: www.discovermoab.com;
Fahrradverleih in Moab:
Poison Spider Bicycles bietet jeden Morgen zwei Shuttle-Touren zum "The Whole Enchilada"-Trail an, 497 North Main Street, www.poisonspiderbicycles.com;
Chile Pepper Bike Shop, 702 South Main Street, www.chilebikes.com;
Rim Cyclery, 94 West 100 North, www.rimcyclery.com.
Tourenanbieter in Moab:
Mag Pie Adventures bietet Mehrtagestouren (White Rim Trail) in Begleitung eines geländegängigen, zur fahrenden Küche umfunktionierten Jeeps an, www.magpieadventures.com.
Organisierte Reise: Bike Adventure Tours bietet eine Bikereise von Las Vegas über die schönsten Trails und durch zahlreiche Nationalparks nach Moab an (inkl. Slickrock und Porcupine Rim): 17 Tage, inklusive Übernachtung, Verpflegung, Guide, (ohne Flug) ab 2390 Euro, www.bike-adventure-tours.ch.

Autor: Norbert Eisele-Hein

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