Einen eigenen Blog zu betreiben und damit womöglich sogar Geld zu verdienen reizt viele. Die wichtigsten Schritte auf dem Weg erklärt Erika Spengler. Sie betreibt mit ulligunde.com seit 2010 einen erfolgreichen, werbefreien Alpinblog, in dem es vorwiegend um Klettern, Bergsteigen und Skitouren geht.

Als ersten Schritt auf dem Weg zum eigenen Blog stellt sich die Frage des Anbieters. Sogenannte Content Management Systeme gibt es viele, die bekanntesten sind jedoch Wordpress und Blogger.

Anbieter wählen

Blogger ist ein Dienst von Google, der sich vor allem dadurch auszeichnet, dass er recht simpel ist. Das bedeutet allerdings im Umkehrschluss auch, dass die Möglichkeiten begrenzt sind, speziell was das Layout angeht. Wer aber eher ein eigenes Tourenbuch sucht, in dem chronologisch die Artikel aufgeführt werden und das Design nicht besonders extravagant sein muss, dann ist Blogger eine gute Alternative.

Für alle, die es etwas schicker, aber trotzdem möglichst einfach haben möchten, für die kommt zum Beispiel wordpress.com (nicht verwechseln mit wordpress.org!) in Frage. Dieser Anbieter kümmert sich um alles von Servern bis Hackerangriffen und bietet eine Fülle an verschiedenen Themes – also Erscheinungsbildern des Blogs, die teilweise ausgesprochen professionell erscheinen. Man kann auch Erweiterungen („Plugins“) installieren, allerdings stehen hier nur eine begrenzte Anzahl zur Verfügung, die speziell für wordpress.com zugelassen sind. Insgesamt entsteht so eine Fülle an Möglichkeiten, ohne dass man ein besonders tiefes technisches Verständnis benötigt. Auch diese Version ist, wie auch Blogger, in der Basisversion kostenlos. Wer allerdings zum Beispiel keine Werbung eingeblendet bekommen möchte, eine eigene URL haben (also ohne die Endung www.meinblog.wordpress.com) oder viele Bilder hat, der kann kostenpflichtige Erweiterungen erwerben.

Wordpress.org ist der Luxusliner unter den Bloganbietern und richtet sich an anspruchsvolle Blogger und Menschen mit technischem Verständnis. Hier hostet man seinen Blog selbst, das heißt, man kümmert sich selbst um den Server, dessen Einrichtung und Sicherheit. Für wordpress.org gibt es riesige Menge an zusätzlichen Plugins. Wer eine gute Programmmier-Grundkenntnis besitzt, kann sich auch sein eigenes Plugin programmieren. Die Variante mit wordpress.org kostet allerdings allein schon wegen des Servers, den man sich beschaffen muss, etwas.

Die größten Content–Management-Systeme im Überblick:

- Blogger: Kostenloses, simples CMS, das nur geringe Gestaltungsfreiheit lässt. Der Blog wird beim Anbieter gehostet.

- Wordpress.com: In Basisversion kostenlos. Umfassendere Gestaltungsmöglichkeiten als bei Blogger. Blog wird bei Anbieter gehostet.

- Wordpress.org: Blog wird vom Blogger selbst gehostet, maximale Gestaltungsfreiheit. Kostenpflichtig. Aufwändiger als wordpress.com und Blogger.

 

Das Layout

Wie bereits erwähnt setzt der Anbieter „Blogger“ auf die chronologische Darstellung. Wer eine eigene Startseite, ein ansprechenderes Design wünscht, der ist mit Wordpress (egal ob .com oder .org) gut bedient. Es gibt zahlreiche kostenlose Themes, die per Klick installiert werden. Bei den kostenpflichtigen Themes handelt es sich meist um extravagantere, umfassendere Designs. Diese beinhalten aber auch immer einen persönlichen Support.

Für wen blogge ich?

Eine der wichtigsten Fragen, die man sich durchaus auch nach Jahren immer wieder stellen sollte ist: Für wen blogge ich? Und was will ich damit erreichen? Je nach Antwort spielt das bei der Auswahl des Themes eine Rolle, aber auch bei den Artikeln, die geschrieben werden. Wer allein mit seinen Erlebnissen andere inspirieren oder unterhalten will, der wählt andere Artikel wie Blogger, die einen möglichst hohen Traffic generieren möchten.

Wem es um hohe Zugriffszahlen geht, der schreibt eher über Themen, die viel im Web gesucht werden, also vor allem Artikel über Ausrüstung, Packlisten, Tipps und Tricks, Tourensammlungen („die schönsten Wanderungen im Ötztal“, „leichte Hochtouren für Anfänger“, „die schönsten Traumschleifen“) oder zu besonders berühmten Unternehmungen wie der E5 oder der Jakobsweg. Bei Blogs, die sich auf hohe Zugriffszahlen spezialisieren, entscheiden weniger die unternommenen Touren über die Artikel, sondern viel mehr Analysen zu Suchanfragen. Hier generieren sich Stammleser wenn überhaupt eher aus einem Interesse am Thema.

Bei Blogs hingegen, die wie private Tourenbücher aufgebaut sind, ist die Intension eher, andere zu inspirieren, zu zeigen, wie der Charakter oder wie hoch die Schwierigkeit (subjektiv)  einer Tour ist.  Stammleser entwickeln sich hier häufig daraus, dass ein Interesse an der Person besteht. Man kann sich mit dem Autoren oder dessen Fähigkeiten identifizieren und sucht nach weiterer Inspiration.

Ein bisschen SEO

Egal für wen oder was man bloggt, zumindest ein bisschen Suchmaschinenoptimierung schadet nicht. Dabei handelt es sich um Unterstützung für Google und andere Suchmaschinen, eigene Inhalte leichter zu finden und sie dadurch Suchenden anbieten zu können. Woher soll Google wissen, dass man über eine Packliste fürs Fernwandern schreibt, wenn im Text nur Ausrüstungsgegenstände aufgelistet sind? Ein aussagekräftiger Titel, prägnante Meta-Tags, ordentlich beschriftete Bilder sowie ein nicht allzu kryptischer Einleitungstext helfen schon einiges. „Einfache Sprache“ hilft hier auch viel. Je nach Anbieter (Blogger, Wordpress…) gelingt gerade die Vergabe von Meta-Descriptions mal leichter mal schwerer (und mal gar nicht!), aber ein Versuch ist es wert. Es zahlt sich bei den Zugriffszahlen aus.

Netzwerke sind Gold wert

Wer zumindest eine gewisse Wachstumsabsicht mit seinem Blog verfolgt, der sollte definitiv an die Einbindung sozialer Netzwerke denken. Und ja, das erste, was einem dabei in den Sinn kommt, ist erfahrungsgemäß auch immer noch das erfolgreichste: Facebook ist bei fast allen Outdoorblogs im deutschsprachigen Raum der stärkster Traffic-Lieferant. Je nach Ausrichtung können Twitter, Instagram, Pinterest oder Google+ noch interessant sein, allerdings muss immer klar sein: Damit ernsthaft Traffic über ein soziales Netzwerk generiert wird, muss auch sehr viel Zeit und Arbeit dort investiert werden. Man muss sich auf dem Kanal eine Fangruppe aufbauen und diese pflegen. Es reicht keinesfalls, einfach nur eigene Blogartikel zu veröffentlichen. Man muss netzwerkeln.

Aber erfolgreiche Blogs haben nicht nur eine gute Verbindung zu den Lesern, sondern auch zu anderen Bloggern! Hier bieten sich thematische Vereinigungen oder spezielle Gruppen bei Facebook an. Es ist immer gut, Ansprechpartner zu haben, auf die man bei Fragen, Aktionen oder auf Inspirationssuche zurückgreifen kann!

Eine besonders wertvolle, aber auch sehr aufwändige Art, ein Netzwerk mit seinen eigenen Lesern aufzubauen, sind Newsletter. Ein eigener Verteiler ist viel wert, speziell für jene, die ihren Blog monetarisieren möchten. Der bekannteste Anbieter für solche Newsletter ist mailchimp. Hier kann recht einfach per Drag&Drop Mails zusammengestellt werden, teilweise ist der Versand sogar kostenlos, je nach Größe der Empfängergruppe.

Und wie verdiene ich jetzt Geld?

Die offensichtlichste Variante mit einer Webseite Geld zu verdienen ist die Einbindung von Werbung. Allerdings verbietet sowohl Blogger als auch wordpress.com diese Variante zumindest in weiten Teilen. Was hingegen gut funktioniert ist die Veröffentlichung von „sponsored posts“. Hier senden Agenturen im Normalfall fertig geschriebene Pressetexte (aka „Gastartikel“) zu, für deren Veröffentlichung dann Geld angeboten wird. Man kann die Artikel natürlich auch nach Absprache noch individuell umschreiben. Klar ist: Gesponserte Artikel haben oft wenig bis keinen journalistischen Anspruch und das Ziel der Agenturen ist oftmals "versteckte Werbung", also ein Artikel, der nicht auf den ersten Blick als werblicher Artikel zu erkennen ist. Als Blog-Betreiber solltet ihr bei solchen Postings genau darauf achten, was und wie ihr es veröffentlicht, sonst ist eure Glaubwürdigkeit bei den Lesern schnell dahin.

Wer etwas Glück hat, findet auch einen Proud Sponsor für die eigene Webseite. Dabei handelt es sich um einen Investor, der sich die gesamten Werbeflächen und ggf. auch ganze Blogartikelplätze für sich kauft. Da es sich dabei nicht um Google Ads o.ä. handelt, sondern um statische Banner (bzw. Bilder) ist die Einbindung auch bei wordpress.com zumindest technisch einfacher.

Eine andere Variante, die sich zwar nicht unmittelbar in Geld wiederspiegelt, sind Testberichte. Da Blogs eine hohe Glaubwürdigkeit besitzen (oder zumindest bisher besaßen), arbeiten einige Hersteller mit Bloggern zusammen und stellen Testausrüstung zur Verfügung. Im Gegenzug wird ein ausführlicher Testbericht sowie Berichterstattung in den sozialen Medien erwartet. So richtig lohnt sich diese Werbung nur selten für Hersteller, weshalb die großen Unternehmen auch nur großen Blogs Testprodukte zur Verfügung stellen – außer man hat noch zusätzlich Connections zu Printmagazinen.

Fazit

Eines sollte klar sein: Heutzutage einen Blog zu gründen, um möglichst günstig an Ausrüstung zu kommen, dürfte wohl kaum noch aufgehen. Diese Zeiten sind vorbei. Wer aber andere inspirieren möchte oder bereit ist, viel Zeit vor dem Rechner zu verbringen, um etwas Eigenes aufzubauen, der sollte es probieren!