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Frostiges Island: Die eisige Schönheit im Winter

6. Dezember 2016 | Norbert Eisele-Hein

Islandpferde bei Vik - ©Norbert-Eisele Hein

Islandpferde bei Vik

Copyright: Norbert-Eisele Hein

"Im Winter nach Island? Hast du sie noch alle? Da frierst du dir nur den Hintern ab und außerdem ist es doch dauernd finster." Oh je, all die Unkenrufe scheinen sich schon auf den ersten Kilometern zu bestätigen. Bei der Landung in Keflavik war der Himmel wenigstens noch bleigrau. Doch jetzt lastet auf der nahen Hauptstadt Reykjavik eine Wolke so schwarz wie eine Tarantel. Schon peitschen apokalyptische Böen über die Autobahn. Klatschen riesige Regentropfen nach waagrechter Flugbahn lautstark auf die Frontscheibe. Urplötzlich, als würde Thor der Kriegsgott höchstpersönlich mit seinem Streithammer auf das Firmament einprügeln, löst sich der Spuk auf. Schwarz weicht lila, betonfarbene Wolken verflüchtigen sich im Zeitraffer, hinterlassen intensives Stahlblau. Beethovens Neunte gespielt vom Himmelsorchester der Wikinger – was für ein Auftakt.

Mit eingezogenen Schultern und hochgeschlagenem Kragen arbeite ich mich gegen einen fiesen Wind hoch zur berühmten Hallgrims-Kirche. Vor der Kirche thront Leifur Eriksson auf einem stilisierten Schiffsbug. Hand am Schwert, den Blick in die Ferne gerichtet, so segelte der Entdecker schon um das Jahr 1000 nach Nordamerika. Er hatte keine Ahnung was kommen würde... ich weiß zumindest, dass das hier kein Rimini-Urlaub wird.

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Von der Kirche führt die Skolavördustigur bergab in ein wahres Bermuda-Dreieck aus schicken und schrägen Cafés, Kneipen und Designershops. Schon am frühen Abend klackern die ersten Highheels über das Kopfsteinpflaster. Der Damenwelt scheint die Temperatur schnurz zu sein. Kurze Röckchen und Abendgarderobe - von wegen Daunenjacken und Moonboots. Heute ist Freitag und da steppt in Reykjavik der Bär.  Bereits angeschlagen laufe ich zurück zum Hotel Marina. In der hauseigenen Slippbarinn kesselt es immer noch. Der Dress-Code ist gehoben. Mit Gore-tex Jacke und festem Schuhwerk fühle ich mich wie Falschgeld aus dem Farbkopierer, aber der DJ hat die Beats im Griff. Ein Absacker geht noch. Schon hakt sich eine Schöne der Nacht unter. "Wo bist du her, komm setz dich zu uns." Direkt nach der Verhaftung werden die Gläser gefüllt. Nicht schlecht. Von wegen frostiger Außenposten am Polarkreis. Die Preise für Alkohol schrammen zwar an der Schmerzgrenze, aber die Mädels lassen ordentlich die Korken knallen lassen. Die Finanzkrise scheint überwunden zu sein.

Leicht verkatert dümpele ich tags darauf im wohltuenden Heißwasser der  „Blauen Lagune“. Inmitten von schwarzen Lavabergen und dunkelgrünen Moosteppichen sorgt der hellblaue Milchsee des noblen Designerbads für einen bizarren Kontrast. Auf der Ringroad Nummer 1, der Hauptverkehrsader Islands tingel ich weiter entlang der Südküste. Nach dem Speckgürtel der Hauptstadt eröffnet sich schlagartig die Wildnis Islands. Nach kilometerlangem Nichts bei diffuser Polarnacht-Funzel strahlen die Scheinwerfer unvermittelt auf gelbe Körbchen in DD. Kurz vor Hella hat ein zünftiger Farmer mit seiner Trophäensammlung aus Büstenhaltern die Zaunpfosten seiner Pferdeweiden dekoriert.

Wasserfall bei Godafoss im Dezember - ©Norbert-Eisele Hein

Wasserfall bei Godafoss im Dezember

Copyright: Norbert-Eisele Hein

Nächster Stopp - Seljalandsfoss. Foss heißt auf Isländisch Wasserfall und der bei Seljaland ist ein echter Knüller. Eine bizarre Kulisse, der kalte Sprühnebel hat jeden einzelnen Grashalm ringsherum schockgefrostet. Ein gefährlich, gefrorener Steig führt hinter den breiten Wasserschleier. Dort treffe ich auf Naoko und Yoko aus Japan. Händchen haltend tasten sich die beiden vorwärts. "Wir liegen jede Nacht wach und beobachten die Nordlichter“, erzählen sie heftig zähneklappernd. "Das steigert die Fruchtbarkeit und sorgt für besonders süße Babies", kicher, kicher. Zum Abschied nötigen sie mich zu einem Gruppenbild. Meine Nächte in den Farmhotels laufen komplett anders ab. In den riesigen Bauernhöfen mit zig Zimmern bin ich fast immer mutterseelenallein. Die Farmer drücken mir den Schlüssel in die Hand, knipsen die Sauna an, zeigen mir, wo Kaffee und Müsli für das Frühstück steht und brausen davon in ihr Winterdomizil. Was, wenn die Saunatür nicht mehr aufgeht, ich auf der Seife ausrutsche… Alleine auf riesigen Gutshöfen denkt man leider nicht an Tim und Struppi, sondern greift gerne in die Horrorschublade: Anthony Perkins in Hitchcock’s „Psycho“, als Frau verkleidet hinter dem Duschvorhang oder Jack Nicholson in Kubrick’s „Shining“…

Zum Glück sind die Mietwägen auf Island im Winter mit Spikesreifen ausgerüstet. Damit fahre ich selbst auf spiegelglatten Eispisten wie angenagelt. Die Wolkenschleier hängen tief. Die Landschaft wirkt wild und verwunschen. Wahrlich kein Wunder, dass laut Umfragen immer noch 80 %  aller Isländer an Trolle und Elfen glauben. Es gibt sogar eine Ministeriumsbeauftragte, die schon mal den Bau einer Straße stoppt, wenn sich Trolle dabei gestört fühlen könnten. Warum wundert mich das nicht?

Nach Nupstadur wirkt die Szenerie fast schon unwirklich. Linker Hand rückt der Vatnajökull, der größte Gletscher Europas, immer näher. Bei Jökulsarlon walzt eine Skyline aus haushohen Eisklötzen direkt auf die Ringroad zu. An dieser Location gibt sich Hollywood die Klinke in die Hand. Auch Pierce Brosnan alias "James Bond", driftete hier für „Stirb an einem anderen Tag“ schon über das Eis. Nach tagelanger Dunkelheit kämpft sich endlich mal die Sonne durch. Strahlt golden durch Gartenhaus große Eiswürfel, die von der aufkommenden Flut gerade an den schwarzen Lavastrand gespült wurden. Als kleiner, zerbrechlicher Mensch fühlst du dich hier wie ein Eiswürfel in einem überdimensionalen Bourbon on the rocks. Eine berauschende Perspektive. Meine bucket-list ist um einen fetten Haken reicher.

Leider dreht die Sonne schon wieder ab. Der aufkommende Fallwind scheint im Stande Bartstoppeln zu entwurzeln. Tja, das isländische Winterglück ist kurz und erfordert Thermo-Unterwäsche. Dafür feiern die Glückshormone regelmäßig ein überschwängliches Wikinger-Gelage. Und feiern können die Wikinger, egal bei welchem Wetter.  

Dampfende Minivulkane auf Island - ©Norbert-Eisele Hein

Dampfende Minivulkane auf Island

Copyright: Norbert-Eisele Hein

Infos Island:

Island ist 103.000 km² groß und hat ca. 325.000 Einwohner

Grundsätzlich:

Die Ringroad Nummer 1 umrundet ganz Island und ist mittlerweile fast durchgehend asphaltiert. Im Winter werden Mietwägen mit Spikesreifen ausgegeben.  

Ortszeit:

Mitteleuropäische Zeit (MEZ) -1 Stunde
Während der europäischen Sommerzeit beträgt der Zeitunterschied -2 Stunden.

 

Netzspannung:

220 Volt Wechselstrom, 50 Hertz, in Island sind meist europäische Normalstecker in Gebrauch.

Einreise:

Island gehört zum Schengener Raum - es reicht ein gültiger Personalausweis oder Reisepass.

Währung ist die isländische Krone (ISK).

Geld: 1 € = 164,23 ISK ,

Geld erst auf Island tauschen (wesentlich günstiger). EC- und Kreditkarte werden überall akzeptiert. Die Isländer zahlen sogar Kleinstbeträge, z.B. für ein Eis usw. mit Plastik.

Gesundheit:

Es sind keinerlei Impfungen vorgeschrieben

Klima:

Im Winter kann es empfindlich kalt und stürmisch werden. Die Wetterlage kann stündlich wechseln. Auf Grund der Warmwasserströmung im Süden hält sich die Schneemenge an der Küste meist in Grenzen.

Kommunikation: Englisch, die Isländer sprechen sehr gut Englisch, alleine schon deswegen, weil die meisten Spielfilme immer im Original gezeigt werden.

Unterkunft/Übernachtungstipps:

Günstig, (ab 30 €) übernachtet man in den zahlreichen Jugendherbergen: www.hostel.is.

Eine Art "Ferien auf dem Bauernhof" gibt es bei den unzähligen Farmhotels überall auf der Insel. www.farmholidays.is, im Winter und fernab der Städte häufig die einzige Übernachtungsmöglichkeit.

In Reykjavik gibt es Hotels aller Klassen. Tipp: Hotel Marina, Myrargata 2, 101 Reykjavik, www.icehotels.is, marina@icehotels.is, tolle Ausstellung von mit Kunstwerken aus Abfall-Hölzern der isländischen Künstlerin Adalheidur S. Eysteinsdottir.

Hotel Marina, Myrargata 2, 101 Reykjavik, www.icehotels.is, marina@icehotels.is

Hotel Borg, Posthusstraeti 11, 101 Reykjavik, www.hotelborg.is,  hotelborg@hotelborg.is

Essen und Trinken:

Slippbarinn, Myrargata 2, 101 Reykjavik, Tel.: +354 560 8080, Fax.: +354 560 8001, slippbarinn@icehotels.is, angesagte Bar mit top Restaurant.

Für Feinschmecker, Restaurant Perlan, www.perlan.is, auf einem Heißwasserspeicher hoch über Reykjavik thront das drehbare Panoramarestaurant, edel und teuer. 

Reiseführer:

Willhardt/Sadler, Island, Michael Müller Verlag, 22,90 €, sehr nützlich.

Karten:

Für die Vorabplanung reichen die Infos des Fremdenverkehrsamtes oder der Reiseführer.

Auskünfte:

Isländisches Fremdenverkehrsamt, Frankfurter Str. 181, 63263 Neu-Isenburg, Tel. 06102/254 484, www.visiticeland.com , versendet kostenlos Broschüren und Kartenmaterial.

Anreise:

Flug: Am besten nonstop ab München, Frankfurt, Hamburg, Berlin, Düsseldorf mit ICELANDAIR, www.icelandair.de, günstige Wochenend-Tarife für Kurztrips, Flug mit drei Übernachtungen/Frühstück 349.- €.

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