Diese Webseite verwendet Cookies. Klickt auf den folgenden Button für weitere Informationen! Datenschutz
Ok

Das erste Mal Trekking: Tipps und Tricks zu Ausrüstung, Navigation, Planung

2. März 2017 | Erika Spengler

Zelt in Sizilien - ©Erika Spengler

In den abgelegenen Gebieten Siziliens kann man sein Zelt auch schon mal prominent mit Top-Aussicht aufstellen

Copyright: Erika Spengler

Jakobsweg, E5, Lykischer Weg, Milford Track, Appalachian Trail, Via Alpina… Fernwanderwege haben Hochkonjunktur. Aber was sollte alles auf der Packliste stehen? Wie ernährt man sich und wie findet man überhaupt den richtigen Weg? Outdoor-Expertin Erika Spengler gibt einige Tipps für alle, die zum ersten Mal auf eine mehrtägige Wanderung starten wollen. 

 

Gepäck

Wenn man nicht gerade einen Shuttle-Service gebucht hat, wie es zum Beispiel auf dem E5 durchaus vorkommt, muss man sein Gepäck die gesamte Strecke selber tragen. Es lohnt sich also, sich ausgiebig Gedanken über jedes einzelne Stück im Rucksack zu machen. Denn zwanzig Kilo fühlen sich nur die ersten fünf Minuten im heimischen Wohnzimmer machbar an. Bei weiten Strecken, auf denen womöglich noch einige Höhenmeter hinzukommen, gilt grundsätzlich die Regel: Am besten nicht mehr als ein Viertel des eigenen Körpergewichts. Und noch besser: weniger. Und am besten: noch weniger. Gerade auf den ersten Touren hat man meistens viel zu viel dabei und lernt erst mit der Zeit, das man auf viele Sachen verzichten kann.

Auch wenn das womöglich unhygienisch klingt: Es reicht zum Beispiel eine doppelte Garnitur an Funktionswäsche, eine kurze Hose und ein Pulli. Eine lange Hose ist zum Beispiel im Sommer häufig gar nicht nötig, denn man kann problemlos die kurze Hose über die lange Unterhose ziehen und wenn es wirklich einmal kühl werden sollte hat man notfalls die Regenhose dabei. Oben sorgen ein Pulli und eine Regenjacke für die nötige Wärme – ob der Pulli nun aus Merinowolle oder zum Beispiel Polartec ist, spielt keine Rolle – Hauptsache warm und atmungsaktiv sollte das Material sein. Es ist aber zum Beispiel nicht nötig, vier Paar Socken für eine sechstägige Tour mitzunehmen – tagsüber trägt man das eine Paar, nachts das andere. Bloß nie aus Faulheit die trockenen „Nachtsocken“ am Tag anziehen – sonst hat man am Abend keine „sauberen“ mehr.

Was in keinem Rucksack fehlen sollte – egal ob nun Hüttentour oder autark mit Zelt ist:

-          Stirnlampe

-          Handy für den Notfall

-          Erste Hilfe-Set

-          Zwei Notfall-Müsliriegel / -Snacks

-          Eine Wind- und Regenjacke

-          Ein Messer

-          Sonnencreme und Sonnenbrille

-          Eine Landkarte zur Orientierung

-          Etwas Schnur, falls man etwas reparieren muss

-          Eine Trinkflasche

 

Taktik

Auch wenn man auf normalen Tagestouren locker acht Stunden „durchhält“ sollte man dieses Pensum ohne Erfahrung besser nicht auf einer mehrtägigen Tour einplanen. Das mag auf kurzen Touren (bis zu drei, vier Tagen) noch funktionieren, danach benötigt der Körper aber irgendwann Ruhepausen. Außerdem soll man ja auch genug Zeit haben, um die großartige Landschaft zu genießen oder den Kopf klar zu bekommen – je nachdem mit welchem Ziel man auf die Tour startet.

Als angenehmes Pensum haben sich vier bis sechs Stunden erwiesen – wenn es sich nicht umgehen lässt auch mal an einem Tag länger. Wenn man autark mit Zelt unterwegs ist, kann man die Variante wählen, den Sonnenaufgang zu beobachten, direkt zu starten und erst nach ein, zwei Stunden zu frühstücken. Dazu muss man natürlich auch der Typ sein, aber so hat man bereits beim Frühstück einiges geschafft und kommt insgesamt am Tag weiter. Das Schöne ist auch, dass man nachmittags dann genug Zeit am nächsten Zielort hat, um alles zu richten und ein bisschen zu entspannen.

Ist man allerdings erstmal losgelaufen, sollte man wenn möglich nur noch eine oder zwei kurze Pausen machen, zum Beispiel um die Jacke auszuziehen, und erstmal einige Stunden durchgehen. Wer häufig Pausen macht kommt langsam voran und verbraucht insgesamt mehr Energie, weil der Körper immer wieder aufs Neue „hochfahren“ muss.


Die Magie eines Zeltes

Ein erleuchtetes Zelt im Sonnenaufgang oder eines direkt an einem kleinen Bergsee… Ein Traum von vielen! Wer mit Zelt loszieht, ist zwar selbstständig unterwegs und schläft häufig an wunderschönen, einsamen Plätzen, muss allerdings auch ein deutlich schwereres Gepäck in Kauf nehmen. Denn so braucht es nicht nur Zelt, Schlafsack und Isomatte, sondern auch einen Kocher, Töpfe und Verpflegung.

Bei der Planung ist es unerlässlich zu prüfen, ob die Tour durch ein Schutzgebiet, einen Nationalpark o.ä. geht, wo das Zelten verboten ist. Diese Regeln sind zum Schutz der Flora und Fauna, nicht um Outdoorliebhaber zu ärgern! Sie haben Sinn und sollten respektiert werden. Davon abgesehen wird eine Strafe häufig extrem teuer.

Wer sein Zelt in der Natur aufschlagen will, sollte sich vorher informieren, ob es in der geplanten Region erlaubt ist. Grundsätzlich gilt: Das Zelt erst in der Dämmerung oder noch besser in der Dunkelheit aufbauen und mit dem ersten Licht wieder weg sein. Keine Spuren hinterlassen, Müll mitnehmen, kein Feuer!

Bei kurzen Touren ist es auch einen Gedanken wert, ob womöglich auf ein Zelt verzichtet werden kann. Eventuell erfüllt für den Fall eines Regenschauers auch ein Tarp oder ein Biwaksack den Zweck? Oder ist womöglich ein Unterstand oder eine Hütte in der Nähe?

Die teure, aber einfach Variante der Verpflegung: dehydrierte Nahrung - ©Erika Spengler

Die teure, aber einfach Variante der Verpflegung: dehydrierte Nahrung

Copyright: Erika Spengler

Ernährung

Wer autark unterwegs ist, der muss sich auch um die Verpflegung kümmern. Eine einfache Variante sind hier dehydrierte, portionierte Speisen. Sie sind allerdings sehr teuer und verursachen sehr viel Müll. Der Vorteil ist allerdings, dass man kein Geschirr abspülen muss und dass man eine große Vielfalt an Möglichkeiten hat.

Deutlich weniger teuer und mit weniger Müll geht es, wenn man das Essen selbst zubereitet. Dabei bieten sich immer Speisen an, die nicht lange gekocht werden müssen – das spart Brennstoff. Couscous, Bulgur, rote Linsen, Qinoa und Kartoffelpüree sind dabei perfekte Begleiter. Zusätzlich hilft Gemüse (ggf. getrocknet) dabei, das Essen abwechslungsreich zu gestalten. Natürlich funktionieren auch Nudeln gut, allerdings benötigen diese zunächst kochendes Wasser und dann noch Garzeit. Zum Frühstück eignet sich Porridge oder Chia-Samen. Beides sättigt gut, ist einfach zubereitet und kann leicht mit verschiedensten Zutaten ergänzt werden (Nüsse, Obst, getrocknete Früchte…).


Navigation

Je nachdem, welche Route man sich ausgesucht hat, muss man sich ausgiebig Gedanken über die Navigation machen. Auf einem Jakobsweg oder E5 ist das eher wichtig, um die Tagesetappen zu planen – die Wege sind perfekt ausgeschildert. Auf selbst geplanten Touren oder weniger populären Weitwanderwegen ist dies allerdings häufig nicht der Fall. Ein GPS-Gerät ist hilfreich, da es auch im größten Nebel die eigene Position anzeigt und zuverlässig navigiert. Allerdings ist es schwer, es benötigt häufig kostenpflichtiges Kartenmaterial und Batterien. Eine Alternative ist das Smartphone, das dank Anbietern wie Orux Maps oder Alpenvereinaktiv auch Karten offline speichern kann. Allerdings ist das Smartphone häufig nicht wassergeschützt und außerdem ist es das Mittel der Wahl im Notfall. Es sollte also eigentlich immer einen ausreichenden Akkuladestand haben.

Papierkarten benötigen hingegen zwar keinen Strom, aber je nach Routenwahl sind häufig einige Kartenschnitte nötig, was bei langen Touren wie dem Via Alpina zum Beispiel problematisch wird. Ganz davon abgesehen, dass es ein enormer finanzieller Aufwand ist, so viele Karten zu kaufen und sie sich ggf. hinterherschicken zu lassen. Dennoch sind sie zuverlässig, richtig und sollten eigentlich zumindest als Backup in jedem Rucksack zu finden sein.

Ein Morgen im Zelt kann, egal ob Sommer oder Winter, magisch sein - ©Erika Spengler

Ein Morgen im Zelt kann, egal ob Sommer oder Winter, magisch sein

Copyright: Erika Spengler

Allein als Frau

„Wenn ich die Zivilisation verlasse, fühle ich mich sicher“ – sagt der Bergsteiger Heinrich Harrer. Und auch für uns Frauen trifft das zu: Je weiter abseits, je weiter oben in den Bergen, desto geringer die Gefahr. Mein Tipp von Frau zu Frau: Tut es! Ich ziehe seit fast zehn Jahren alleine mit dem Zelt los und hatte noch kein einziges Mal unschöne Begegnungen. Denkt nur dran: Je weiter weg, desto besser. Der Wald im Dunstkreis einer großen Stadt ist dabei nicht wirklich „weit weg“, ein Gipfel zum Beispiel schon. Wenn es für Euch anstrengend ist, dort hoch zu kommen, ist es für jemand anderen höchstwahrscheinlich auch. Und für den Notfall gibt ein griffbereites Pfefferspray zusätzlichen Schutz.

 

Einen schönen Beitrag zum Thema Tourenplanung für Bergtouren findet ihr übrigens im Blog aufundab.eu.

 

Werbung

Newsletter

Hier kannst du dich für unseren Bergleben.de-Newsletter anmelden!

Umfrage

Werbung

Bergleben auf Instagram