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Zwei Tage in Ramsau am Dachstein: Klettersteigparadies in der Steiermark

3. Juli 2017 | Bergleben.de

News Regionen: Ramsau am Dachstein

Dachstein und Südwandhütte - ©Bergleben.de

Tolles Panorama: Dachstein und Südwandhütte

Copyright: Bergleben.de

Wenn man erfahrene Klettersteiggeher nach den Top-Destinationen für Eisenweg-Fans fragt, kommen oft ähnliche Antworten heraus. Gardasee hört man oft, in Südtirol und den Dolomiten gibt es viel zu entdecken, das Ötztal hat einiges zu bieten und natürlich auch der Dachstein mit seinen berühmten Orten Ramsau und Schladming. Das fast 3000 Meter hohe Dachstein-Massiv ist UNESCO Welterbe, das Ausflugsziel Nr. 1 in der Steiermark, eine wunderschöne und beeindruckende Bergkette und wird als Wiege der Klettersteige betitelt. Seit über 170 Jahren besteht der Klettersteig zum Gipfel des Hohen Dachsteins, die Region selbst bietet mittlerweile 18 gut abgesicherte und gepflegte Steige - so viele hat kaum eine andere Urlaubsdestination zu bieten.

Auf zum Dachstein - trotz Regenwetters!

Als wir Mitte Juni in Ramsau am Dachstein ankommen, regnet es Bindfäden. Am nächsten Morgen regnet es immer noch, doch mit dem Auftrag, einige Alpin- und Klettersteigschuhe zu testen, ist im Bett liegen zu bleiben definitiv keine Option. Also raus aus den Federn. Bei Nieselregen treffen wir uns gegen 9 Uhr mit Bergführer Peter Perhab, der uns am Vormittag unseres ersten Tages begleitet. Viel ist heute nicht möglich, schon gar nicht in den alpinen Hochlagen des Dachsteins, sagt er. Dafür ist das Wetter einfach zu schlecht. Überraschend kommt das nicht, in den Himmel schauen können wir ja auch. Etwas enttäuscht sind wir trotzdem. Wir beschließen in den Silbarkarklamm zu gehen und uns dort den Klettersteig "Hias" anzuschauen, einen von drei Klettersteigen im engen Tal, das sich am südöstlichen Teil des Dachstein-Massivs in Talnähe befindet.

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In diesem wunderschönen Klamm, der sehr aufwändig mit vielen Holztreppen und -übergängen begehbar gemacht wurde und jedes Jahr in Schuss gehalten wird, braust der Silberkarbach mit viel Gletscherwasser gen Tal und sorgt für eine beeindruckende Geräuschkulisse. Wanderer nehmen den Weg vom Parkplatz (oberhalb von Rössing) und gelangen nach dem Bezahlen eines kleinen Eintritts, der für die Instandhaltung des Klamms verwendet wird, in etwas mehr als einer halben Stunde zur Silberkarhütte auf 1250 Metern. Gerade für Familien ist das eine tolle und leichte Tour. Auf dem Weg sieht man mit etwas Glück Gämsen und lauscht der Kraft des Wassers. Von der Silberkarhütte kann man noch weitere Wanderungen Richtung "Stein" unternehmen, alternativ kehrt man durch den Klamm oder den etwas anspruchsvolleren Wurzelsteig-Höhenweg zurück zum Parklplatz. Wir aber kommen zunächst gar nicht bis zur Hütte, sondern steigen auf halben Weg in den Klettersteig "Hias" ein. Der "Hias" ist mit der Schwierigkeit D bewertet, also nicht für Anfänger geeignet. Von den drei Steigen im Klamm ist er aber am einfachsten zu bewältigen, da er recht kurz ist (130 Höhenmeter, max. eine Stunde Gehzeit), Passagen zum Ausruhen hat, nicht extrem ausgesetzt ist und nur wenige wirklich knackige Stellen hat. Auf dem Steig, immer noch bei teils kräftigem Regen, gibt uns Bergführer Peter Perhab aus Ramsau einige spannende Tipps. Wir haben den Vormittag und seine Aussagen in einem Video festgehalten:

Nachdem wir den Steig "Hias" und das schlechte Wetter hinter uns gelassen haben, Bergführer Peter uns verabschiedet hat, geht es für uns weiter. Wir entschließen uns, den Klettersteig "Kalo" zu gehen, eine etwas schwierigere Variante vom Jugendklettersteig Kala, die erst im Jahr 2015 errichtet wurde. Direkt bei der alten Wassermühle am Ramsaubach wurden die Klettersteig "Kali" und "Kala" errichtet, in denen Anfänger optimale Bedingungen zum Üben und Trainieren vorfinden. Der Zustieg vom Parkplatz an der Mühle ist nur wenige Minuten lang, Kala und Kali leicht und mit Schwierigkeiten bis maximal B versehen. Die Variante hingegen weist C/D-Stellen auf und ist für Anfänger wahrscheinlich etwas zu anspruchsvoll - man kann aber problemlos zwischen Kala und Kalo hin und her wechseln. Insgesamt sind lediglich 100 Höhenmeter kletternd zu bewältigen, konditionell dürfte hier also niemand Probleme bekommen. Vom Ausstieg hat man einen schönen Blick auf die Ausläufer des Dachsteins, der sich nördlich auf der anderen Seite der Landesstraße 725 befindet. Nach einer halben Stunde über einen Naturlehrpfad und vorbei an der Sattelberghütte erreichen wir wieder den Parkplatz. "Hias" und "Kalo", zwei der insgesamt 18 Klettersteige in Ramsau am Dachstein, haben wir schon mal hinter uns gebracht.

Ausblicke vom Kala/Kalo-Klettersteig - ©Bergleben.de

Ausblicke vom Kala/Kalo-Klettersteig

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Tag 2: Kein Kaiserwetter, aber ein grandioser Abschluss

Die Wetteraussichten verheißen leider auch für den zweiten Tag nichts Gutes. Regen am Vormittag, trockener am Nachmittag. Damit fallen leider die großen und langen Highlight-Touren der Region ins Wasser. Der Ramsauer Klettersteig ist eine davon, die Tour verläuft über mehrere Stunden von der Edelgrießhöhe über Gipfel und Türme bis zur Grubenscharte hinüber und bietet fantastische Ausblicke auf den Hohen Dachstein. Im Video oben ist diese beeindruckende Tour die Top-Empfehlung von Local Peter Perhab - sie muss sich also lohnen. Auch die Klettersteige am Dachstein Gletscher und hoch auf den Hohen Dachstein sind bei diesen Wetterbedingungen leider nicht möglich, ebenso müssen wir auf eine der anspruchsvollsten Klettersteig-Erlebnisse der Welt verzichten: Über den im Jahr 2010 errichteten Klettersteig „Anna“ (300 HM) und den beliebten Klettersteig „Johann“ (800 HM) kann man, wenn man den Steig über die Dachstein-Schulter (250 HM) schlussendlich hinter sich gebracht hat, bis hinauf zum Dachstein Gipfelkreuz klettern. Vom Einstieg des Anna-Klettersteig (1.800 m.ü.M.) bis zum Dachstein-Gipfel (2.996 m.ü.M.) überwindet man mit fast 1.200 Höhenmeter am Seil den höchsten Vertical Drop Österreichs und einen der längsten Steige der Alpen. Dieses Spektakel bleibt uns leider verwehrt, denn diese Tour ist nur bei gutem Wetter und mit einer sehr guten Kondition zu empfehlen. Immerhin: Wir entscheiden uns dazu, zumindest den ersten Teil dieser Mammut-Tour zu versuchen, und fahren am späten Morgen, als der Regen endlich nachgelassen hat, zur Talstation der Dachstein-Gletscherbahn. Von hier ist es ein Fußweg von knapp 30 Minuten zur Südwandhütte, die auf 1900 Meter liegt und Ausgangspunkt für viele Wander- und Klettertouren ist. Nach einem kurzen Abstieg, einem Abzweig rechter Hand und einigen Minuten mit leichtem Anstieg erreichen wir den Einstieg des Anna-Klettersteigs.

Das Wetter ist weiterhin nicht optimal, das Gestein ist meist nass, aber langsam trocknet es ab. Wir entschließen uns für den Einstieg und bringen schnell Höhenmeter hinter uns. Der "Anna" ist mit C/D bewertet, bietet also einige anspruchsvolle Stellen und aufgrund seiner Ausgesetztheit viel Luft unter dem Popo. Wir haben auf jeden Fall jede Menge Spaß, ohne es dabei an Konzentration vermissen zu lassen. Denn mit den nassen Gegebenheiten steigt die Schwierigkeit noch einmal etwas an und ausrutschen will man in einem Klettersteig natürlich nicht. Zum Glück geht aber alles gut, wir bringen Pfeiler, Platten und viele steile Passagen hinter uns und stehen nach knapp anderthalb Stunden (einplanen sollte man auf jeden Fall 2-2,5 Stunden) am Gipfelkreuz des Mitterstein im Schatten der fantastischen Dachstein Südwand. Die Nebelsuppe verzieht sich nur langsam und so merken wir erst jetzt, wie landschaftlich beeindruckend dieser Steig ist. Ein absolutes Muss für Klettersteiggeher, deren Weg sie nach Ramsau am Dachstein führt.

Ausstieg Anna-Klettersteig: Die Sonne kommt raus! - ©Bergleben.de

Ausstieg Anna-Klettersteig: Die Sonne kommt raus!

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Als die dicken Wolken sich verzogen haben, sind wir umso trauriger, dass uns die Erfahrung verwehrt bleibt, den Johann-Klettersteig auch noch zu begehen. Denn dafür muss man, wenn man vom Ausstieg des "Anna" in knapp 20min zum Einstieg des "Johann" abgeklettert ist (recht steiles, aber ungefährliches Gelände) nochmals mindestens vier Kletterstunden einplanen. So viel Zeit haben wir leider nicht mehr, also machen wir uns nach dem tollen Erlebnis im Anna-Steig wieder hinauf zur Südwandhütte, lassen uns die warme Suppe dort gut schmecken, gehen abwärts zur Gondel-Talstation und nutzen jetzt bei strahlendem Sonnenschein die Option, mit der Dachstein Sommercard kostenlos hinaufzufahren. Und das lohnt sich, vor allem wenn man nicht in, sondern auf der Gondel steht: Die Bergbahn gibt Interessierten nämlich im Sommer die Möglichkeit, die Fahrt oben auf der Gondel zu genießen und sich den Wind um die Nase wehen zu lassen. Der Blick auf den Dachstein ist ungetrübt, ein fantastisches Erlebnis. Oben erwarten die Besucher nicht nur das Skigebiet, dass meist bis in den Juni hinein geöffnet ist, sondern auch der beeindruckende Skywalk, eine Hängebrücke und der Dachstein Eispalast (die beiden letzteren Attraktionen sind kostenpflichtig) - es gibt also viel zu sehen. Immer im Blick: der fast 3000 Meter hohe Gipfel des Hohen Dachsteins und seine fast 1000 Meter hohen Südwände.

Blick zur Bergstation der Dachstein-Bergbahn - ©Bergleben.de

Blick zur Bergstation der Dachstein-Bergbahn

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Das Wetter könnte nun kaum besser sein, also entscheiden wir uns noch für eine letzte kurze Klettersteigtour in Talnähe und suchen erneut den Weg in den Silberkarklamm. Hier, quasi gegenüber vom "Hias"-Steig findet sich der "Rosina": kurz, knackig, steil und anspruchsvoll - genau das Richtige, um sich noch einmal richtig auszupowern. Und das machen wir auch, und zwar in einem Steig, der keine Möglichkeit bietet, mal entspannt zu pausieren. Der "Rosina" ist deswegen, obwohl er keine wirklich kniffligen Stellen bietet, sondern sich insgesamt im C/D-Bereich bewegt, deutlich anspruchsvoller als der "Hias". In weniger als einer Stunde haben wir ihn bewältigt und so steigen wir nach einem langen Tag ganz gemütlich über die Silberkarhütte und durch den Klamm hinab zum Auto. Ein beeindruckender Tag und eine für Klettersteiggeher unglaublich attraktive Region, da sind wir uns einig. Wir kommen bestimmt wieder, um die restlichen 14 Klettersteige in Ramsau am Dachstein zu beklettern. Das ist sicher...

 

Infos

Anreise

Ramsau am Dachstein (nicht zu verwechseln mit Ramsau bei Berchtesgaden!) erreicht man sehr leicht über A8 von München nach Salzburg, weiter auf der A10 bis Eben im Pongau und die letzten 25 Kilometer über Landesstraßen (Filzmooser Landesstraße bis zur Landesgrenze Salzburg/Steiermark, dann Hierzegg, Schildlehen und die Ramsau Hauptstraße). Entfernung von München ca. 210 Kilometer, von Wien 300 Kilometer, Salzburg 97 Kilometer, Innsbruck 255 Kilometer.

Unterkunft

Ramsau liegt auf einem Hochplateau und die Unterkünfte sind weit verstreut. Einfach, sympathisch und mit leckerem Essen hat uns die Pension Haus am Bach empfangen, alle Unterkünfte findet ihr hier. Im Sommer ist die Region dank der vielfältigen Angebote für Wanderer, Kletterer und Familien (siehe Freizeitpark Rittisberg) mindestens so beliebt wie im Winter, dennoch findet man viele kostengünstige Unterkünfte, wenn man etwas sucht.

Klettersteige

Umfassende Infos über alle Klettersteige gibt es entweder in der Broschüre vom Tourismusverband (Ramsau 372
8972 Ramsau am Dachstein, Mo-Fr 8-18 Uhr) oder online unter http://ramsau.com/klettersteig-klettern/.

Bergführer

Das Bergführer-Büro Ramsau am Dachstein bietet verschiedene Tourenangebote - von leicht bis schwer: http://bergfuehrer-dachstein.at/

Allgemeines

Im Tourismusbüro findet ihr zahlreiche Broschüren, Wanderkarten und Informationen rund um die Region.

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