Die Diskussionen um das Pro und Kontra von Seilbahnen in den Bergen haben sich längst erledigt. Die vorhandenen Bahnen gehören inzwischen zum festen Inventar und werden sowohl von Ausflugsgästen als auch von Wanderern und Bergsteigern gerne genutzt. Mehrere tausend Bergbahnen gibt es mittlerweile in den Alpen, darunter viele geschichtsträchtige, manchmal auch rekordverdächtige Bahnen, die jede für sich ein Erlebnis und damit einen Ausflug wert sind.

Größter Höhenunterschied: Eibseeseilbahn

Knapp 2000 Meter beträgt der Höhenunterschied zwischen Tal- und Bergstation. Damit überwindet die Eibseeseilbahn auf die 2962 Meter hohe Zugspitze den weltweit größten Höhenunterschied innerhalb einer Sektion. Erst in dieser Woche hat die mehr als 50 Jahre alte Eibseeseilbahn ihre letzte Fahrt absolviert. Rekordverdächtig ist auch das derzeit im Bau befindliche Projekt am höchsten Gipfel Deutschlands. Die neue Eibseeseilbahn soll am 21. Dezember 2017 eröffnet werden und verfügt statt bisher zwei nur mehr über eine Stütze - doch die wird mit 127 Metern die weltweit höchste Fachwerkstütze für eine Pendelbahn sein und damit den bisherigen Rekordhalter am Kitzsteinhorn ablösen. Gleichzeitig wird die neue Bahn mit 3213 Metern Länge zwischen Stütze und Bergstation das weltweit größte Seilfeld aufweisen.

Infos: Zugspitzbahn, Tel. 08821/797-0, www.zugspitze.de, Preis (1 Erw.) 53 Euro Berg und Tal.



Die Zweithöchste: Aiguille du Midi

Bereits beim Blick von Chamonix auf den kühnen Felszahn der Aiguille du Midi bleibt einem die Luft weg - und das nicht, weil sie inmitten der Viertausender so dünn ist. Die Linienführung der im Jahr 1955 eröffneten "Télépherique de l'Aiguille du Midi" ist schlichtweg atemberaubend. Von der Mittelstation auf der Plan de l'Aiguille (2310 Meter) führt die Bahn über imposante Hängegletscher und jähe Felsabbrüche und erreicht nach 1467 Höhenmetern ohne Zwischenstützen den imposanten Felsturm, an dem sich die Bergstation samt Restaurant, Cafeteria und Souvenirshop klammern. Ein Steg führt im Freien hinüber zur eigentlichen Aiguille du Midi - einem Granitobelisken, der innen regelrecht ausgehöhlt ist und damit Platz bietet für Ausstellungen, Rundwege und einen Aufzug zur Aussichtsplattform auf dem 3842 Meter hohen Gipfel. Neueste Attraktion dort ist der "Step into the Void", ein an fünf Seiten verglaster Kasten, der über den jähen Abbrüchen der Aiguille du Midi hängt. Bei der Eröffnung galt die Bahn auf die Aiguille du Midi als die höchste Seilbahn der Welt (Höhe der Bergstation: 3777 Meter). Diesen Titel hat die Bahn inzwischen verloren. Nach wie vor aber ist sie die zweithöchste Seilbahn Europas nach der Bahn auf das Klein Matterhorn in Zermatt. Abgesehen davon: Die zweite Sektion überwindet noch heute den größten Höhenunterschied einer stützenlosen Seilbahn.

Infos: Téléphérique de l'Aiguille du Midi, Tel. 0033/450/532275, www.compagniedumontblanc.fr. Preis (1 Erw.) 58,50 Euro Berg und Tal.

Nostalgisch: Hörnlebahn

Im Familienwander- und skigebiet am Hörnle in den Ammergauer Alpen gibt es eine Doppelsesselbahn, die mittlerweile eine absolute Rarität ist. Die raffinierte Technik dieses Fossils - korrekt bezeichnet handelt es sich um eine Schwebebahn mit Schwenkdoppelsitzen - wird einem erst beim Ausstieg richtig bewusst: Helfer klappen die Sessel schnell zur Seite, während man selbst einfach stehen bleibt. Der Grund für dieses System liegt in der Geschichte Bad Kohlgrubs: Aufgrund der älteren und gehbehinderten Menschen in dem beliebten Kurort wählte man im Jahr 1954 eine Konstruktion mit Schwenkdoppelsitzen, die das Aussteigen erleichtern soll. Das Hörnle selbst ist ein beliebtes Wandergebiet. Unter dem Motto "Zeitberg" wurden im Sommer 2013 sechs Ruhestationen aus Holz eingerichtet. Ein über vier Kilometer langer Rundwanderweg verbindet die einzelnen Stationen miteinander und führt Schritt für Schritt von einem Ruhepol zum nächsten.

Infos: Hörnle Schwebebahn: Doppelsesselbahn, Tel. 08845/7490-0, www.hoernlebahn.de. Preis (1 Erw.) 10 Euro Berg und Tal.

Cabrio-Bahn: Dachsteinbahn

Grellgelb sind die Kabinen der Dachsteinbahn, die Ausflugsgäste, Bergsteiger und Langläufer innerhalb weniger Minuten aus dem Sommer zum Eis des Dachsteins bringt. Dabei ist bereits die Bergfahrt ein Erlebnis, vor allem wenn man einen der begehrten Außenplätze ergattert. Im Mai 2013 erhielt die Bahn neue rundum verglaste Gondeln. Eine der beiden ist die weltweit erste mit Balkon. Bis zu zehn Personen können hier auf dem Kabinendach die Seilbahnfahrt im Freien erleben. Der Ein- und Ausstieg erfolgt über separate Treppen und Plattformen in den Stationen. Atemberaubend, genauso wie die Aussichtsplattform Dachstein-Skywalk gleich bei der Bergstation, ist der der Dachstein-Eispalast oder die im 2013 eröffnete, rund 100 Meter lange Hängebrücke über den jähen Felsabbrüchen der Dachstein-Südwände.

Infos: Dachstein Gletscherbahn, Tel. 0043/3687/22042-810, www.derdachstein.at. Preis (1 Erw.) 37 Euro Berg und Tal, ab 13 Uhr 32 Euro.

Die Älteste: Predigtstuhlbahn

Einige Berge wie den 1613 Meter hohen Predigtstuhl oberhalb von Bad Reichenhall kann man sich ohne Bergbahn eigentlich gar nicht vorstellen. Seit der Inbetriebnahme am 1. Juli 1928 bringt die 2,4 Kilometer lange Predigtstuhlbahn mit ihren drei markanten Stützen aus armiertem Stahlbeton und den auffallend roten, zwölfeckigen Kabinen mit Platz für jeweils 25 Personen die Gäste in neun Minuten Fahrzeit auf den Reichenhaller Hausberg. Die Predigtstuhlbahn ist damit die älteste im Original erhaltene, ganzjährig verkehrende Großkabinenseilbahn der Welt - im Jahr 2006 wurde sie daher vom Bayerischen Amt für Denkmalschutz zum technischen Denkmal erklärt.

Infos: Predigtstuhlbahn: Großkabinenbahn, Tel. 08651/96850, www.predigtstuhlbahn.de. Preis (1 Erw.) 23 Euro Berg und Tal.