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Wanderschuhe für die Spätsaison: Kauftipps von Bernhard Kalt

25. Oktober 2016 | Bergleben.de

Bernhard Kalt - ©INTERSPORT

Bernhard Kalt, INTERSPORT Produktmanager

Copyright: INTERSPORT

Erinnert sich noch jemand an den Dezember 2015? Bis zu 15 Grad hatte es in Deutschland, statt Schnee schien meist die Sonne und in den Skigebieten wurden massenhaft Wanderrucksäcke und -schuhe verkauft. So traurig das für eingefleischte Skifahrer klingt: Wetterexperten rechnen immer häufiger mit warmen oder späten Wintern im Alpenbereich. Das heißt nicht, dass der kommende Winter ähnlich warm wird, aber November und Dezember werden immer öfter gute Wanderbedingungen bieten. Beim Wandern in der Spätsaison solltet ihr aber die richtigen Schuhe mitnehmen. Zu diesem Thema haben wir uns mit Bernhard Kalt unterhalten, der für INTERSPORT als Produktmanager den Bereich Outdoor-Schuhe verantwortet und euch ein paar Kauftipps mit auf den Weg gibt.

Was für ein Wandertyp bist du eigentlich, Bernhard?
Früher war ich mal ein ambitionierter Bergsteiger und auch viel im Winter am Berg unterwegs. Ich bin im Gasteinertal aufgewachsen – wenn man mal nicht nur Flussabwärtsgehen will, dann bleibt nur der Weg über die Berge.

Und jetzt?
(Bernhard lacht) Inzwischen bin ich 20 Jahre älter und 20 Kilo schwerer und mehr der Familienwanderer. Ich versuche, meine neunjährige Tochter mit allem was am Berg Spaß macht, zu motivieren, damit sie öfter mal mitkommt. Dann bauen wir z.B. in den Bächen einen Staudamm, schlafen draußen ohne Zelt,  machen kleine Höhlen-oder Canyoning-Touren, gehen Bouldern oder auf leichte Klettertouren. Und im Winter bauen wir ein Iglu und schlafen darin.

Im letzten Jahr konnte man mangels Schneefall bis in den Dezember noch sehr gut fast schneefrei wandern. Was ist für dich das wichtigste Kriterium für einen Wanderschuh für die Spätsaison?
Das hängt natürlich vom Wetter und der gewählten Tour ab. Ich war letzten Winter im Gasteinertal wegen Schneefrust auch Wandern. Allerdings mit Lowcut-Schuhen, da es an diesem Tag 15 Grad hatte und auf der Sonnenseite kein „Fleckerl“ Schnee lag. Aber generell würde ich für die Spätsaison einen knöchelhohen, stabilen, wasserdichten Wanderschuh mit griffiger Sohle empfehlen, da man normalerweise schon auf Schneeflächen oder große Matschbereiche treffen kann.  

Vibram Sohle am McKinley Magma - ©McKinley

Vibram Sohle am McKinley Magma

Copyright: McKinley



Wie kann der Laie im Laden Wandersohlen einschätzen lernen?
Viele unserer INTERSPORT-Geschäfte haben z.B.  eine Teststrecke mit schrägen Granitplatten, Steinen und Holzteilen. Da kann man schon mal probieren, ob die Steifigkeit der Sohle die richtige für die eigenen Ansprüche und Tourenwünsche ist oder, ob die Sohle doch zu weich oder zu steif ist. Trotzdem muss man auch sagen, dass sich die Rutschfestigkeit der Sohle nicht ohne weiteres im Laden testen lässt, da sie sich je nach Untergrund, Temperatur und Feuchtigkeit verändert.. Die Rutschfestigkeit desselben Schuhs wird bei einer Sommertour bei 25 Grad und trockenem Untergrund eine andere sein als bei plus 4 Grad und Nässe.

Wanderschuh-Teststrecken eignen sich gut für Proberunden - ©INTERSPORT

Wanderschuh-Teststrecken eignen sich gut für Proberunden

Copyright: INTERSPORT



Von Oktober bis Dezember kann dir in den Bergen viel passieren. Von mildem, warmem Wetter über viel Niederschlag bis hin zu Neuschnee ist alles drin. Welche Materialien empfiehlst du für diese Voraussetzungen?
Entscheidend ist die Sohle des Schuhs. Viele Marken setzen auf Contagrip oder Vibram, aber auch hier gibt es unzählige verschiedene Mischungen mit unterschiedlichen Reibungseigenschaften. Seit einiger Zeit werden Sohlen von Michelin und Continental mit sehr guten Werten verwendet. Es gibt aber auch ausgezeichnete ungebrandete Sohlen und Spezialsohlenanbieter, wie z. B. den Stealth Rubber. Bei den  genannten Marken kann man auf jeden Fall  von einer gewissen Grundqualität in punkto Gripp ausgehen.

Okay - und neben der Sohle?
Die Schuhe sollten auf alle Fälle wasserdicht sein, am besten durch eine Membrane geschützt. Die Membrane sorgt dafür, dass der Schuh nicht so schnell auskühlt. Als Obermaterial werden Kunststoffe immer beliebter, da sie meistens leichter sind als Lederschuhe. Viele Kunden bleiben jedoch beim reinen Lederschuh, da ihnen die Optik besser gefällt und sie dem Material bei guter Pflege mehr Vertrauen schenken. Weitere Teile  sind Mischvarianten, bei denen die Leichtigkeit des Kunststoffes mit  Lederbesätzen verstärkt wird. Mir persönlich gefallen die leichteren Varianten am besten – mit dem ersparten Gewicht kann ich ein Doserl Mineralwasser mehr mitnehmen (Bernhard lacht erneut).

Leder-Kunststoff-Mischvarinate mit Aquamax-Membran von McKinley - ©McKinley

Leder-Kunststoff-Mischvarinate mit Aquamax-Membran von McKinley

Copyright: McKinley



Im Endeffekt sollte sich der Kunde den Schuh kaufen, der am besten zu seinem Fuß passt. Jeder Fuß ist individuell, kein Fuß gleicht dem anderen. Deshalb ist es auch so wichtig, sich im Fachhandel beraten zu lassen. Ein Verkäufer weiß genau, welcher Schuh sich am besten für welche Tour eignet und welche Besonderheiten am Fuß beachtet werden müssen, damit keine Schmerzen auftreten. Mit dem INTERSPORT SCHUH COACH z.B. lässt sich ein Fuß ganz genau analysieren. Die Wahl des Schuhs fällt dadurch viel leichter.

Was ist wichtiger - Wärme oder Atmungsaktivität? Wo liegt der beste Kompromiss?
Wenn man 'nur' zum Glühweinstand oder zur Schirmbar geht, spielt die Wärme die wichtigste Rolle. Sobald man sich mehr bewegt, kommt die Atmungsaktivität stärker in den Fokus. Soll dabei eine höhere Wärmeleistung erzielt werden, hilft ein entsprechender Socken aus Merinowolle.

Sonstige Tipps zum Schuhaufbau von dir?
Verschiedene Marken bieten spezielle Leisten für Personen mit Fußfehlstellungen an wie z.B. dem Halux Valgus. Hier wird der Schuh in der Problemzone anders „geschnitten“ und teilweise mit anderen Materialien aufgebaut. Das ist für betroffene Wanderer eine echte Hilfe, da man den Schuh nicht erst unter Schmerzen „einlaufen“ muss. Für Personen mit 'heißen' Füßen empfehle ich ledergefütterte Schuhe ohne Membrane. Wenn man das Außenledermaterial gut fettet und pflegt, erreicht man eine sehr gute Wasserdichte und zudem ein besseres Fußklima als mit einer Membrane. Ein guter Tipp sind auch Einlegesohlen, die sich optimal an den Fuß anpassen lassen. Das kann den Komfort im Schuh erheblich verbessern.

Gute Tipps! Gibt es zudem unterschiedliche Wandertypen - denen du zu einem anderen Schuh raten würdest?
(Lacht wieder) Den Stöckelschuhträgerinnen rund um die Gipfelstationen der Bergbahnen würde ich einen Wanderschuh ans Herz legen – die Bergrettungen würden sich freuen!

Gibt es einen Mindestpreis, unter dem du keinen Wanderschuh kaufen würdest, weil er keine Qualität haben kann?
Es kommt natürlich immer auf das Einsatzgebiet des Schuhes an. Für 'Almwanderungen', auf Forststraßen und gut ausgebauten Wegen bekommt man schon ab 70€ bis 80€ einen vernünftigen Schuh. Bei Touren, die etwas anspruchsvoller sind, muss man schon  mit 120€ für die Schuhe rechnen. Es hängt aber wirklich von der Tour ab, welche Ansprüche der Schuh erfüllen muss.

Danke Bernhard! Wo wirst du diese Saison unterwegs sein?
Das hängt natürlich vom Wetter ab. Größtenteils bei Halbtages- und Tageswandertouren im Gasteinertal und in meiner neuen Heimat Oberösterreich, vom Traunstein und Feuerkogel bis zum Hausruck.

Viel Spaß!

 

 

 

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