Die Bergrettungsorganisationen bargen im Kalenderjahr 2016 in den Schweizer Alpen und im Jura 2828 Personen (inklusive der unverletzt Geretteten oder Erkrankten). Diese Bilanz entspricht im Vergleich zum Vorjahr (2750 Beteiligte) einer Zunahme von knapp 3 Prozent. 975 Personen konnten gesund oder nur leicht verletzt gerettet werden. Bei den klassischen Bergsportarten waren in den meisten Kategorien die Notfallzahlen annähernd konstant, nur beim Felsklettern gab es mit 130 Betroffenen mehr Notfälle. Auch bei den weiteren Bergsportaktivitäten sind die Notfallzahlen im Vergleich zum Vorjahr ähnlich, einzig beim Mountainbiken gab es mehr Notfälle.
 
Die Zahl der Todesfälle ist mit 178 (Vorjahr 213) deutlich tiefer. Beim Bergsport im engeren Sinne [1] kamen bei 104 Unfällen 113 Personen ums Leben, 20 Prozent weniger als im Jahr zuvor.

 
Weniger Todesopfer beim Bergwandern und auf Skitouren

Mehr tödliche Unfälle gab es auf Hochtouren (31 / Vorjahr 24) und beim Felsklettern (4 / Vorjahr 3), deutlich weniger hingegen beim Bergwandern (43 / Vorjahr 64) und auf Skitouren (18 / Vorjahr 26).

Die häufigste Ursache für tödliche Unfälle war ein Sturz oder Absturz mit 77 Opfern. Die meisten Personen stürzten beim Bergwandern tödlich ab (41). Deutlich weniger Bergtote gab es mit 21 Betroffenen durch Lawinen (Vorjahr 33). Des Weiteren starben fünf Berggänger wegen eines Wechtenabbruchs, durch Steinschlag und Blockierung je drei und wegen eines Gletscherspaltensturzes zwei Personen.
 
Deutlich weniger tödliche Unfälle bei fast konstanten Notfallzahlen – dies ist auf unterschiedliche Faktoren zurückzuführen:

- Einerseits gab es im Bergjahr 2016 deutlich weniger Lawinenunfälle mit gravierenden Folgen als im Jahr zuvor. Zudem waren die Tourenaktivitäten vor allem im Frühling und Vorsommer witterungsbedingt eingeschränkter als im „Schönwetterjahr“ 2015.

- Andererseits gerieten aufgrund ungünstiger Witterung oder schwierigen Verhältnissen dennoch viele Berggänger in Bergnot. Dank den effizienten und professionellen Einsätzen der Bergrettungsorganisationen konnte vielfach schwere Unfälle verhindert werden.

Die Bergnotfallstatistik erstellt der SAC im Auftrag der Fachgruppe Sicherheit im Bergsport [2] aufgrund der Daten der Bergrettungsorganisationen und weiterer Institutionen. Ein ausführlicher Bericht mit Fallbeispielen erscheint in der Juni-Ausgabe der SAC-Mitgliederzeitschrift «Die Alpen».

[1] Als Bergsport im engeren Sinne werden in dieser Statistik vor allem die Ereignisse beim klassischen Bergsport verstanden, zu deren Ausübung kein Transportgerät verwendet wird. Deshalb sind bei den hier ausgewiesenen Zahlen insbesondere die Todesfälle beim Delta- und Gleitschirmfliegen, beim Speed-Flying, beim Base-Jumping und bei der Benutzung von Mountainbikes gesondert erfasst. So sind die Zahlen des klassischen Bergsteigens auch über mehrere Jahre vergleichbar.
 
[2] Die Fachgruppe Sicherheit im Bergsport in eine Vereinigung von Verbänden und Institutionen im Bergsportbereich. Mitglieder sind: Alpine Rettung Schweiz ARS, bfu – Beratungsstelle für Unfallverhütung, Bundesamt für Sport BASPO, Kantonale Walliser Rettungsorganisation KWRO, Kompetenzzentrum Gebirgsdienst der Armee Komp Zen Geb D A, Interessengemeinschaft Kletteranlagen IGKA, Naturfreunde Schweiz NFS, Schweizer Alpen-Club SAC, Schweizer Bergführerverband SBV, Schweizer Wanderwege SWW, Schweizerischer Skiverband Swiss-ski, WSL Institut für Schnee- und Lawinenforschung SLF; Seilbahnen Schweiz, SBS.
 

Bei den Schneesportaktivitäten Skitouren, Variantenabfahrten und Schneeschuhlaufen steht das Risiko einer Lawinenverschüttung im Vordergrund. Tatsächlich ist dies die häufigste Ursache von tödlichen Unfällen. Dennoch sollte beachtet werden, dass Unfälle wegen Sturz oder Absturz mit nicht selten schwerwiegenden Verletzungen weitaus zahlreicher sind. 2016 waren 105 Schneesportler von einem Lawinenunfall betroffen; durch Sturz oder Absturz waren es 232. Von diesen erlitten 156 Personen mittlere bis schwere Verletzungen und 4 Betroffene fanden den Tod. Vor allem auf Skitouren sind solche Ereignisse auch im Aufstieg zahlreich. Ursache ist meistens ein Ausrutschen auf einer harten Schneeoberfläche und bei Spitzkehren.
 
Tipp: Auf Skitouren auch mögliche Absturzgefahren beachten

Auf Skitouren sind wenig Geübte bei Spitzkehren rasch überfordert, aber auch für Könner kann bei diesem Vorgang ein Ausrutscher auf einer harten Schneeoberfläche fatale Folgen haben. Eine vorausschauende Spuranlage mit möglichst wenigen Spitzkehren ist nicht nur kraftsparender, sondern auch sicherer. Falls möglich, sollten Orte für Spitzkehren so gewählt werden, dass ein Abrutschen keine fatalen Folgen hat. Bei kritischen Passagen können akrobatische „Spitzkehr-Übungen“ vermieden werden, wenn man die Ski an den Rucksack schnallt und ein Stück zu Fuss aufsteigt. Bei harter Schneeoberfläche, wie dies am Morgen vor allem auf Frühlingstouren häufig ist, sollte man zudem die Harscheisen nicht erst mitten im Steilhang montieren.