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Michi Wohlleben: Gesamtüberschreitung der Zinnen

19. Mai 2017 | Michi Wohlleben

News Regionen: Hochpustertal

Drei Zinnen Gesamtüberschreitung - ©http://www.michiwohlleben.de

Simon Gietl und Michael Wohlleben am Gipfelkreuz

Copyright: http://www.michiwohlleben.de

Michi Wohlleben zählt zu Deutschlands vielseitigsten Alpinisten und hat bereits einige beeindruckende Leistungen am Berg vollbracht. In fünf Stunden durch die Eiger Nordwand, Onsight-Sportkletterei bis zum Grad 8b, Mixed-Erstbegehgungen von 1300 Meter hohen Wänden oder die Winter-Nonstop-Begehung der Drei Zinnen-Nordwände kann Wohlleben für sich verbuchen. Zudem ist der 26-Jährige einer der jüngsten Bergführer und gilt in seinen jungen Jahren schon als sehr erfahren. Im März 2017 gelang Wohlleben ein neues Husarenstück, nämlich die beeindruckende Gesamtüberschreitung des Zinnenmassivs. Hier berichtet Michi über das Projekt:

 

"Als ich 2014 zusammen mit Ueli Steck die erste Nordwand Aneinanderreihung der Drei Zinnen im Winter gemacht hatte, bin ich davon ausgegangen, dass die Zinnen für mich vor erst kein Projekt mehr zu bieten haben. Als ich allerdings 2 Monate später fasziniert von der „Fitz Roy Traverse“ las, schoss mir dieses Bild von den Drei Zinnen und deren Winter-Gesamtüberschreitung in den Kopf. Ich wollte alle fünf Gipfel der Zinnen Gruppe überschreiten, dieses mal ohne Support. Zu diesem Zeitpunkt war der Winter allerdings vorbei und somit wanderte diese Idee in den Ideenschrank. Zufällig traf ich 2015 Simon Gietl, erzählte ihm von meiner Idee und er war ziemlich schnell begeistert. Er hatte mit Roger Schaeli schon vor einigen Jahren die erste Überschreitung der Drei Zinnen Gipfel, also Westliche, Große -und Kleine Zinne gemacht. Allerdings in zwei Tagen und ohne die zwei Gipfel Punta Frida und Preußturm. Im Winter 2015/2016 ging es sich für uns irgendwie nicht aus und wir vertagten es auf 2017.

Die Umsetzung des Plans

Als im Dezember mit dem „Winteranfang“ in den Dolomiten fast kein Schnee lag, war eigentlich klar, dass die Verhältnisse für unser Projekt perfekt gewesen wären. Wir hatten auch beide Zeit, aber ich war nicht wirklich motiviert bei diesen Bedingungen eine „Winterbegehung“ zu machen. Das mag ein bisschen anmaßend klingen, ist es aber nicht, ich respektiere alle Winterbegehungen die Ende Dezember 2016 gemacht worden sind. Winter ist Winter ohne Kompromisse. Es ging mir einfach nicht darum eine „Nummer“ in das Routenbuch einzutragen, sondern um ein Erlebnis. Und das ist es für mich nur dann, wenn es sich auch so anfühlt wie „echter“ Winter.

Der Winter kam Mitte Januar und somit für uns keine Option es wieder zu versuchen. Es verging die Zeit und gegen Ende Februar kamen wir wieder in Kontakt und fixierten die ersten März Wochen um es zu versuchen.

Nachdem wir uns am 16.03. einen Überblick über die Lawinensituation und die Verhältnisse gemacht und am Einstieg ein bisschen Material deponiert hatten, starteten wir schließlich am 17.03. um 6:45 Uhr in die „Scoiattoli-Kante“ an der Westlichen Zinne. Da wir beide die Route nicht wirklich gut kannten, rechneten wir mit schwerem Gelände und schlechten Haken, aber irgendwie lief es besser als gedacht und wir konnte alles am laufenden Seil in 3 gestreckten Seillängen klettern. So fanden wir uns nach 2 Stunden und 20 Minuten auf dem Gipfel der westlichen Zinne wieder. Wir lachten und sagten: „Naja in Mathematik waren wir beide nicht gut, wenn aus geplanten 5h auf einmal 2h werden aber dafür klappt es eben im Klettern.“ Wir stiegen zügig den Normalweg ab und in die „Dülferroute“ an der Westwand der Großen Zinne ein. Es war zugig und kalt aber auch hier kam uns das gleichzeitige Klettern entgegen – die ganze Zeit in Bewegung zu bleiben scheint der Schlüssel zum Erfolg bei schwierigen Winterbegehungen zu sein - und so standen wir nach einer guten Stunde in der Sonne auf dem Ringband kurz darauf um 11:26 Uhr auf dem Gipfel der großen Zinne. Wir hielten uns nicht lange auf und stiegen den Normalweg.

In der Scharte zwischen Großer und Kleiner Zinne kochten wir einen Liter Wasser und kletterten dann über den Normalweg auf die Kleine Zinne. So langsam wurde uns auch klar, dass es heute nicht dunkel wird bis wir fertig waren, was der ganzen Geschichte ein bisschen Entspannung verpasste. Niemand klettert gerne in die Nacht hinein. Von der Kleinen Zinne seilten wir die „Innerkofler“ Route ab und stiegen über den Westgrat auf die „Punta di Frida“ auf. Wir wurden uns bewusst, dass jetzt eigentlich mit der spannendste Teil der Route kam. Wir mussten in die Scharte zwischen Punta Frida und Preußturm. Ein abenteuerlicher Bereich der Zinnen, dunkel, kalt, exponiert und wenige Begangen. Auch wenn wir es im November schon ausgecheckt hatten, war das runter kommen ein bisschen aufwändig. Beim Abseilen merkten wir, dass wir im Herbst ein 8m längeres Seil bei uns hatten, was uns ein bisschen Ärger bereitete, sich aber zum Glück gut auflöste. Die letzten Meter auf den Preußturm waren fast ein Genuss. Wir freuten uns mussten allerdings um auf der perfekten Überschreitungslinie zu bleiben noch den „Preußriss“ abseilen was trotz zu kurzem Seil gut funktionierte. Nach 9 Stunden und 15 Minuten standen wir am Boden und waren ziemlich zufrieden und glücklich, dieses lange ersehnte Projekt beendet zu haben. So schnell hätte es nicht gehen müssen, aber wenn es läuft dann läuft es eben."

Infos:
- Einstieg „Scoiattoli-Kante“ (6:45 Uhr)
- Westliche Zinne (9:10 Uhr) „Scoiattoli-Kante“ 7b (VI/A2), 550m
- Große Zinne (11:26 Uhr) „Dülfer“ 5+, 250m
- Kleine Zinne (13:20 Uhr) „Normalweg“ 4/4+, 430m
- Punta Frida (14:21 Uhr) „Westgrat“
- Preussturm (14:50 Uhr) „Normalweg“
- Ende Boden „Preußriss“ (16:00 Uhr)

Weitere Informationen findet ihr unter: www.michiwohlleben.de

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